Anzeige

Wie nach den letzten Veröffentlichungen von Wikileaks und den Ankündigungen Assanges, ihm läge noch Material vor, dass zwei amerikanische Großbanken in die Tiefe reißen wird, zu erwarten war, wird nun auf breiter Front Krieg gegen Wikileaks geführt.

Zuerst versagte der Internet-Dienstleister Amazon dem Enthüllungsportal die Nutzung seiner Server, dann sperrte EveryDNS seine DNS-Server für den Zugang zur neuen Domain – Wikileaks verlor zunehmend seine Heimat im Internet. Dann wurde begonnen, den Geldfluss zu Wikileaks abzuschneiden: Nacheinander sperrten Paypal, Visa und Mastercard alle Überweisungen an Wikileaks, schließlich kündigte auch die Schweizer Postfinance das WikiLeaks-Konto.

Nun wurde Julian Assange in England in Polizeigewahrsam genommen.

Assange bald im Gefängnis?

Mit dem Vorwurf von Nötigung und sexueller Belästigung seitens der schwedischen Staatsanwaltschaft wurde Assange nun in England von der Polizei festgesetzt. Assange hatte sich selbst gestellt, nachdem klar wurde, dass Interpol und Scotland Yard ihn jagten. Ein Gericht muss nun über seine Auslieferung an Schweden entscheiden.

Assange weißt die Vorwürfe, die ihm eine sechsjährige Haftstrafe einbringen könnten als Verleumdungskampagne und politisch motivierten Rachefeldzug zurück. Tatsächlich sind die Vorwürfe etwas sonderbar. Die zwei Frauen, die Assange beschuldigen, gaben zu, einvernehmlichen Sex mit Assange gehabt zu haben, der Streit drehte sich offenbar einzig um den Gebrauch von Kondomen, den Assange verweigerte. In Schweden erfüllt das den Tatbestand der sexuellen Nötigung.

„Selbst wenn Assange schuldig im Sinne des schwedischen Gesetzes sein sollte – der Verfolgungseifer der dortigen Staatsanwaltschaft mit internationaler Ausschreibung via Interpol sei „höchst ungewöhnlich“, heißt es in Berliner Regierungskreisen. Dazu passt das merkwürdige Verhalten der britischen Polizisten, die sich weigerten, auch nur den Grund der Festnahme vorab mitzuteilen.

Assanges Anwälte wollen erreichen, dass ihr Mandant vorerst nicht nach Schweden ausgeliefert wird. Sie fürchten eine Kettenreaktion – dass Assange an die USA weitergereicht wird und dort als Staatsfeind auf unabsehbare Zeit hinter Gittern verschwindet“ kommentierte der Spiegel.

Diese Auslieferung an die USA. wo Assange von vielen als eine Art Terrorist gehandelt wird, könnte das eigentliche Motiv hinter der Schlammschlacht sein, befürchten viele Wikileaks-Sympathisanten.

Wikileaks macht weiter

Wikileaks gab derweil zu erkennen, dass die Festnahme Assanges die Organisation nicht davon abhalten werde, weitere geheime Dokumente zu veröffentlichen. „Jegliche Entwicklungen, die mit Julian Assange zusammenhängen, werden unsere Pläne nicht verändern“, versprach Kristinn Hrafnsson, Sprecher von Wikileaks. Man sei vor schmutzigen Tricks gewarnt worden.

Auch die Daten von Wikileaks wird man so leicht nicht mehr aus dem Netz entfernen können. Von Unterstützern wurden bereits fast 750 Mirror-Sites eingerichtet, die den Inhalt der Wikileaks-Server spiegeln.

Und mit wem man sich anlegt, war Assange nicht nur bewusst, es war sein erklärtes Ziel, wie auch aus einem vielsagenden Blog Julian Assanges hervorgeht:

„Wenn wir Grips oder Mut haben, dann ist das ein Segen und wir sind berufen, diese Eigenschaften nicht zu vergeuden, indem wir mit offenem Mund die Ideen anderer begaffen, Weitpinkelwettbewerbe gewinnen, die Effizienz des neokorporativen Staates verbessern, oder uns in Obskuritäten verlieren, sondern stattdessen die Kraft unserer Talente gegen die stärksten Feinde der Liebe unter Beweis stellen, die wir finden können.“

 

Mehr Artikel zum Thema

 

2 Responses

  1. Vigor Calma

    Wirklich, das alles ist mäßig erstaunlich. Wer mit dem Feuer spielt…

    Freie Meinungsäußerung ist weiterhin eine Utopie. Dafür muss sich niemand mit großen Organisationen anlegen. Eitelkeit, Selbstherrlichkeit und Ego sind überall verbreitet. Selbst bei alternativen Bewegungen und Buddhisten. Selbst in der kleinsten und innigsten Familie. Es liegt in der Natur von Äffchen, dass sie das was sie haben beschützen wollen, aus Angst etwas Wichtiges zu verlieren.

    Wer sich mit großen Organisationen anlegt, tut das natürlich auf eigene Gefahr. Da stellt sich die Frage:
    Wie Naiv muss man sein, wenn man seinen Namen auf die Kugel schreibt, mit der man geschossen hat..?

    Hat Assange etwa erwartet, dass ihn seine Ehrlichkeit oder die Wahrheit schützen werden?
    Sicher, die Wahrheit gewinnt.
    Steht das etwa im Widerspruch dazu, ein wenig intelligenter vorzugehen?

    Und wer sagt überhaupt, dass sein Vorgehen ein Weg wäre?

    Die Welt ändert sich wohl kaum, indem man die Waffen derer verwendet, die einen Angreifen oder einsperren. Der Punkt um den es geht, ist eine Alternative vorzuleben.
    Da sind KEINE FEINDE. Die Welt ist die Welt der Möglichkeiten, und es ist genug Platz für alternatives Leben – auch ohne den Moloch angreifen zu müssen.
    Der Moloch frisst sich selbst. Spätestens wenn genug Menschen bereit sind aus sich heraus den Konsumwahn zu beenden.
    Vorbilder sind da eher Kreative, die Leben was sich sonst niemand traut – statt Kämpfer.

    Antworten

Hinterlasse einen öffentlichen Kommentar

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.

*