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Rund 350 Mio. Menschen sind Angehörige von indigenen Völkern. Sie sind keine Überbleibsel vergangener Kulturen oder dem Aussterben geweihte Gruppen, betont Linda Poppe von der NGO Survival International anlässlich des „Tages der indigenen Völker“ am heutigen 9. August.

Die Zukunft der Völker ist dennoch unsicher, meist da Wirtschaftsinteressen den Lebensraum gefährden. „Zu Zwangsumsiedelungen kommt es oft bei großen Staudammprojekten, bei Palmöl-Plantagen oder bei der Erschließung von Bodenschätzen“, so Poppe. Das Hauptproblem sei jedoch die Politik. Vielerorts garantieren längst Gesetze Schutz und Anerkennung indigener Völker, die Umsetzung scheitert aber. So werden etwa beim Belo-Monte-Staudamm vorgeschriebene Anhörungen der indigenen Anrainer zwar durchgeführt, haben jedoch statt Mitbestimmungs- bloß Informationscharakter. In vielen Ländern Afrikas fehlt auch die gesetzliche Anerkennung hingegen noch völlig.

Auch der Naturschutz kann zum Problem werden, speziell wenn Natur und Mensch gegeneinander ausgespielt werden. „Während indigene Völker meist nachhaltig leben, können Zwangsumsiedlungen die Natur schädigen, wie das Beispiel des Yellowstone-Nationalparks gezeigt hat. Probleme wie illegaler Holzeinschlag spitzen sich zu, wenn man Menschen die Lebensgrundlage entzieht und somit in die Armut drängt“, erklärt die Survival-Expertin.

 

100 unkontaktierte Völker

„Das Überleben der Indigenen muss auch uns in Europa wichtig sein“, so das Credo Poppes. Allen voran aus normativen Gründen: „Wollen wir die Menschenrechte in Anspruch nehmen, so müssen sie für diese am meisten verletzlichen Gruppen erst recht gelten.“ „Nützlich“ seien indigene Völker vor allem, da sie es seit Jahrtausenden erfolgreich geschafft haben, unter oft sehr schweren Bedingungen zu überleben. „Ihr Lebensstil liefert andere Ideen der Lebensgestaltung, deren Verlust angesichts endlicher Ressourcen auch unser Überleben in Frage stellt.“

  Indigene sind Bewahrer eines alten Wissens, dass in einer unsicheren Zukunft durchaus wieder an Bedeutung gewinnen könnte.

Zu den vielen Errungenschaften der Eingeborenen-Völker gehört die Landwirtschaft, die in Papa Neuguinea teils lange vor Europa begann. Wichtige Grundnahrungsmittel wie Maniok, Mais und Kartoffeln stammen aus indigener Züchtung, und auch viele indigenen Jagd-, Überlebens- und Erziehungstechniken sowie das Umweltwissen der Indigenen gelten als einzigartig. Von den 7.000 heute gesprochenen Sprachen werden 4.000 von indigenen Völkern gesprochen, über 1.000 davon alleine in Papa Neuguinea. Rund 100 Völker leben weiterhin ohne Kontakt zur Außenwelt.

 

Solidarität und bewusster Konsum

Um die Zukunft indigener Völker zu sichern, bleibt viel zu tun. „Es geht um die Umsetzung internationaler Standards wie etwa das Recht auf Überleben und Selbstbestimmung. Für Indigene bedeutet das vor allem Konsultation und Mitbestimmung bei sie betreffenden Projekten, Landrechte, Rechte auf Sprechen der eigenen Sprache oder Recht auf Leben, was den Schutz vor Gewalt mit einschließt“, so Poppe. Der wichtige Beitrag des Einzelnen dazu sei die solidarische Wahrnehmung. „Minderheiten brauchen eine Öffentlichkeit – also eine Mehrheit, die für sie spricht und die Einhaltung ihrer Rechte fordert.“

Doch auch das Konsumverhalten hängt mit dem Schicksal indigener Völker zusammen, bemerkt „die Umweltberatung“ . Der NGO-Verband empfiehlt das Meiden oder zumindest fachgerechte Rezyklieren kurzlebiger Waren auch aus Rücksicht auf Indigene, treiben doch beispielsweise Aluminium-hältige Produkte die Ausbeutung des Amazonas durch Bauxitminen und deren Energiehunger voran. Günstig seien hingegen biologisch produzierte Lebensmittel, Fairtrade-Artikel oder regionale Produkte, da diese in der Regel höhere Umwelt- und Sozialstandards sicherstellen.

 

Text: Pressetext.de

 

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