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Forscher am Imperial College in London haben im Rahmen einer Studie einen LSD-Rausch erstmals mittels neurologischer 3D-Scans erfasst und analysiert. Die Ergebnisse zeigen, dass LSD die Stabilität bestehender Gehirnnetzwerke verringert und gleichzeitig deren Trennung herabsetzt.

LSD (Lysergsäurediethylamid) gilt als nicht abhängig machende bewusstseinserweiternde Droge, die schon in sehr geringen Dosen lang andauernde pseudohalluzinogene Wirkungen hervorruft und deshalb unter intellektuellen Künstlern sehr beliebt war. Bekennende LSD Konsumenten waren unter anderem der Musiker Jim Morrison, Apple Boss Steve Jobs oder der Schriftsteller Aldous Huxley.

An der im Frühjahr 2016 veröffentlichten LSD-Studie der bekannten Londoner Universität Imperial College nahmen 20 Freiwillige teil, bei 15 Testpersonen lieferten die Gehirnscans verwertbare Ergebnisse. Die Teilnehmer erhielten an zwei Tagen jeweils eine Injektion – eine davon enthielt 75 Mikrogramm der synthetischen Droge, die andere ausschließlich Placebo-Mittel. Dank umfassender Gehirnscans konnte das Wissenschaftsteam, angeleitet von dem bekannten Drogen-Forscher David Nutt und Robin Carhart-Harris, die massiven und komplexen Auswirkungen des chemischen Wirkstoffs auf das menschliche Nervensystem erstmals eindrücklich visuell festhalten und analysieren.

LSD sorgt für mehr Austausch im Gehirn

Die Ergebnisse der Studie belegen, dass der visuelle Cortex – jener Teil der so genannten Großhirnrinde, der für die Verarbeitung visueller Eindrücke hauptverantwortlich ist – unter Einfluss von LSD viel mehr Informationen mit anderen Regionen des Gehirns austauscht. Dies erkläre nach Meinung der Forscher die synästhetische Wahrnehmung sowie die Halluzinationen, von denen Konsumenten berichten.

Ein weiteres Ergebnis der Studie zeige, dass sowohl die Stabilität bestehender Gehirnnetzwerke als auch deren Trennung sich verringere, eine neuronale Erklärung dafür, warum Menschen unter LSD-Einfluss ihr eigenes Ich plötzlich so viel leichter und intensiver in einen größeren Kontext – etwa als Teil der Erde oder gar des Universums – einordnen und nachempfinden können. „Unsere Gehirne werden beim Erwachsenwerden immer spezialisierter und starrer. Ein Gehirn im LSD-Zustand ist eher wie das eines Kindes: frei und ungezwungen“, erklärt Robin Carhart-Harris, Mitglied des Forschungsteams. Man könne in diesem Zusammenhang auch von einer „Auflösung des Egos“ sprechen.

Die neuen Forschungsergebnisse könnten nach Ansicht der Londoner Forscher dazu beitragen, medizinische Therapiemöglichkeiten mit LSD zu entwickeln – denkbar etwa bei Depressionen und anderen psychischen Krankheiten, bei denen Blockaden und Angstzustände eine Rolle spielen.

Geschichte des LSD

LSD wurde 1938 von dem Schweizer Chemiker Albert Hofmann für die Firma „Sandoz“ bei der Suche nach einem Kreislaufmittel synthetisiert und 1943 als Halluzinogen charakterisiert – nachdem Hofmann aus Versehen damit in Berührung kam. Bei seinem ersten bewussten Selbstversuch erlebte er die Wirkungen während einer Fahrradfahrt auf dem Weg nach Hause. Dieser „bicylce-day“ ging in die Geschichte der Psychodelika ein.

In den 1950er und 1960er Jahren setzte die Therapieforschung ein und es gab Untersuchungen zur Eignung als Therapiemittel an etwa 10.000 Freiwilligen. Aber die Anzahl beobachteter psychotischer Reaktionen, Suizidversuche und Suizide unterschieden sich nicht von denen konventioneller Psychotherapie. Zeitgleich starteten das US-Militär und der amerikanische Geheimdienst CIA Untersuchungen zum Einsatz als biologischen Kampfstoff oder als Wahrheitsserum. Statt der erwarteten Effekte löste der Wirkstoff bei den freiwilligen Probanden jedoch den Wunsch aus, das Militär zu verlassen. Daraufhin wurde die Versuchsreihe beendet. 1966 wurde LSD in den USA verboten, daraufhin kam es weltweit zum nahezu vollständigen Erliegen seiner Erforschung als möglichem Therapeutikum.

Seit etwa 1990 erlebt die Halluzinogenforschung eine Renaissance. Im Dezember 2007 wurde dem Schweizer Psychiater Peter Gasser bewilligt, eine Studie zur psychotherapeutischen Behandlung mit LSD an Patienten mit Krebs im Endstadium durchzuführen. Die Ergebnisse sind vielversprechend, jedoch ist die Versuchsgruppe mit 12 Personen zu klein, um statistisch repräsentativ sein zu können.

2 Responses

  1. Agnes
    Leary?

    Frage mich, warum Timothy Leary nicht in dem Artikel erwähnt wird. Da er ja an der Erforschung in Harvard massgeblich beteiligt war, bis er eigene Wege ging.

    Antworten
  2. Roland
    Pharmakonzerne Abzokker

    Wann werden endlich die Cannabis Produkte für heilungszwecke freigegeben, das Chemische Zeug wird zu teuer weil sich die Pharmakonzerne auf unsere Kosten bereichern.

    Antworten

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