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Wir leben in einer Plastik-Welt: Fast alles um uns herum enthält in der einen oder anderen Form Kunststoffe, und es gibt keinen Industriezweig mehr, der nicht auf sie angewiesen wäre. Plastik ist überall: Wir sind Kinder des Plastikzeitalters. Kein Material hat unsere Lebenswelt so sehr verändert wie Plastik – unsere gesamte Gesellschaft, alle unsere Produkte sind darauf angewiesen. Aber Kunststoffe können bis zu 500 Jahre in Böden und Gewässern überdauern und mit ihren unbekannten Zusatzstoffen unser Hormonsystem schädigen. Wussten Sie, dass Sie Plastik im Blut haben?

Es schien zunächst praktisch, aber nun wächst es uns über den Kopf: Die Menge an Kunststoff, die wir seit Beginn des Plastikzeitalters produziert haben, reicht bereits aus, um unseren gesamten Erdball sechs Mal mit Plastikfolien einzupacken. Weltweit werden im Jahr fast 240 Millionen Tonnen Kunststoffe hergestellt. Und die verrotten nicht. Deshalb droht die Welt zunehmend im Plastikmüll zu ertrinken. Zum Teil überdauern die Kunststoffe bis zu 500 Jahre und belasten somit noch viele Generationen nach uns. Und wir benötigen und produzieren jährlich mehr und mehr.

Besonders hart trifft es die Ozeane: Rund 6 Millionen Tonnen gelangen über Flüsse in die Meere, bis zu 18.000 Plastikteile treiben in jedem Quadratkilometer der Weltozeane. Im Pazifik gibt es einen riesigen Müllstrudel aus Plastikteilen, der mittlerweile die Ausmaße Mitteleuropas hat. Bereits jetzt ist sechsmal mehr Plastik als Plankton im Meer. Die winzigen Teile werden von den Fischen gefressen und gelangen so in den Blutkreislauf von Tier und Mensch.

So hat nicht nur die Umwelt unter der Plastik-Seuche zu leiden, sondern auch Menschen und Tiere nehmen schweren Schaden – eine Erkenntnis, die sich nur langsam durchsetzt. Und auch wer keinen Fisch isst, hat Plastik-Chemikalien in den Venen. Denn fast unser gesamtes Essen ist in Plastik verpackt, und wie sich nun herausgestellt hat, gelangen auf diesem Weg eine Vielzahl giftiger Stoffe in unsere Lebensmittel.

Zahlreiche Studien beweisen, dass sich Chemikalien aus dem Kunststoff lösen und im Körper wie Hormone wirken – was den Stoffwechsel natürlich komplett durcheinander bringt. Dadurch können  gravierende Gesundheitsschäden auftreten, von Allergien und Fettleibigkeit bis hin zu Unfruchtbarkeit, Krebs und Herzerkrankungen. Auch die verfrühte Geschlechtsreife junger Mädchen wollen manche Forscher auf Plastik-Chemikalien zurückführen. Besonders gefährlich sind verschiedene Weichmacher, welche die Kunststoffe geschmeidig machen sollen – und der Plastik-Grundstoff Bisphenol A.

 

Bisphenol A – eine selbstproduzierte Seuche

Bisphenol A (BPA) ist allgegenwärtig: Es steckt in Autoteilen, Baustoffen, CDs, Zahnfüllungen, Lebensmittelverpackungen und Babyfläschchen. Aber es entweicht auch in die Umwelt, gelangt ins Grundwasser oder in den Hausstaub. BPA ist eine der meistproduzierten Chemikalien der Welt – drei Millionen Tonnen werden davon jährlich zusammengebraut. Sorglos stecken wir es unseren Babys in den Mund und trinken unser Wasser aus BPA-haltigen PET-Flaschen. Dabei sind selbst geringe Dosen schon extrem gesundheitsschädlich, denn BPA verhält sich im Körper wie ein künstliches Hormon. Die Spermienproduktion wird verringert, die Entwicklung des Gehirns beeinflusst, das Gewicht der Prostata erhöht und Veränderungen des Erbguts bewirkt, deren Auswirkungen sich erst nach Generationen zeigen. Wir alle haben mittlerweile nachweisbare Mengen BPA im Blut.

Eigentlich müssten die Plastik-Chemikalien auf Lebensmittelverpackungen unter den Zutaten aufgeführt werden – denn faktisch nehmen wir sie die ganze Zeit mit auf. Im Grunde genommen wären selbst Warnaufkleber wie auf Zigarettenpackungen mehr als angebracht. Aber noch wirken diese Chemikalien – allen Studien zum Trotz – im Verborgenen und weder die Politik noch die Konsumenten sind sich des Problems wirklich bewusst. Naturschutzverbände versuchen dies schon länger zu ändern – unter anderem durch kostenlose Blutuntersuchungen für EU-Politiker, die schon manchem die Augen geöffnet haben.


Anmerkung:
Der Filmemacher Werner Boote gab uns Mitte Dezember ein Interview.
Er erzählte, dass er sich selbst jeweils zu Beginn und zum Ende der Dreharbeiten auf Bisphenol A testen ließ und feststellte, dass sich der Bisphenol-A-Wert in seinem Blut nach Umstellung auf eine plastikfreie Umgebung nahezu halbiert hatte. Lesen Sie das Interview in der Februarausgabe!


Plastic Planet
Zur weiteren Sensibilisierung der Öffentlichkeit dürfte vor allem die aktuelle Film-Dokumentation „Plastic Planet“ von Werner Boote beitragen. Bootes Film ist die wohl bisher umfassendste und eindrucksvollste Behandlung des Themas und zeigt unterhaltsam, aber in aller Deutlichkeit, dass der Plastik-Traum ausgeträumt ist und wir dringend nach Alternativen suchen müssen.
Der Film kommt am 25. Februar in die deutschen Kinos und wird eines der größten und unsichtbarsten Probleme unserer Zeit endlich sichtbar machen.

 


Abb.: © Thomas Kirschner.com – plastic-planet.at

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