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Die geheimen Botschaften der Rückwärtssprache

Wenn wir reden, dann reden wir. Und wir wissen für gewöhnlich auch, was wir meinen, wenn wir jemandem etwas sagen – denken wir. Manchmal gibt es Kommunikationsschwierigkeiten, aber die meisten von uns gehen wohl davon aus, dass ihre Rede mit den Inhalten ihres Bewusstseins übereinstimmt. Häufig spielen allerdings auch andere Faktoren eine Rolle, wie z. B.die Körpersprache. So wissen Eltern oft genau, wenn ihr Kind versucht, sie anzulügen, weil Reden und Körpersprache nicht übereinstimmen. Im Bereich der Kommunikation zwischen Männern und Frauen basieren viele Schwierigkeiten auf dem Auseinanderklaffen von bewusster Sprache und unbewusster Absicht.
Innerhalb der letzten 15 Jahre wurde eine Methode entwickelt, die uns helfen könnte, unbewusste Inhalte unserer Rede bewusst zu machen und mit der wir erkennen können, was oftmals hinter der Sprache steckt. Diese Methode ist ursprünglich vom ehemaligen australischen Tontechniker und jetzigen Hypnosetherapeuten David Oates entwickelt worden. Er nannte sie die „reverse speech method“ (Rückwärtssprachenmethode). David Oates entdeckte „reverse speech“, nachdem in den sechziger Jahren die Aufnahmetechniken des „backward masking“ in der Popmusik bekannt wurden. Mithilfe dieser Techniken wurden bestimmte Musik- und Songfragmente herausgeschnitten und rückwärts wieder in das Band eingefügt. Manchmal tauchten dabei sinnvolle (nur rückwärts zu hörende) Sätze auf.

Dazu schreibt Cynthia Scott in ihrer Broschüre „Der Mond so voller Himmel“:
„Das verwunderte einige Leute, da diese unbeabsichtigten Sätze sinnvoll zu sein schienen. Zwei sehr unterschiedliche Gruppen fingen damit an, dieses Phänomen näher zu untersuchen. Auf der einen Seite das amerikanische Militär, wohl daran interessiert, diese Form der Sprache zu nutzen, um geheime Botschaften zu entschlüsseln, auf der anderen Seite religiöse Fundamentalisten. In den siebziger und achtziger Jahren behaupteten einige einflussreiche religiöse Fundamentalisten, dass die Rückwärtsbotschaften in der Musik satanisch seien, und, hörte man sie unbewusst, großen Schaden anrichteten. Einige Staaaten zogen sogar in Betracht, Gesetze zu entwerfen, Warnungen auf Plattencovers zur Pflicht zu machen. Manche religiösen Strömungen verboten gewisse Musikrichtungen ganz. …
Oates fand bald heraus, dass klar verständliche Wörter und Sätze in den verschiedensten Musik-richtungen zu finden waren, nicht nur im von denFundamentalisten verbannten Rock & Roll. Außerdem hörte er in einigen Liedern das genaue Gegenteil von satanischen Botschaften, nämlich Hinweise auf das Göttliche. Die nächste Zeit verbrachte er damit, Bandaufnahmen zu sammeln und auszuwerten. Erst nach vielen Jahren unermüdlicher Arbeit sah er sich in der Lage, eine Theorie über dieses Phänomen aufzustellen. Sein Beweismaterial deutet auf eine Art der Kommunikation hin, die bis dato gänzlich unbeachtet war. Er nannte seine Entdeckung `reverse speech´. Er stellte fest, dass diese Form der Sprache angeboren ist, dass sie weder gut noch schlecht ist, sondern uns schlicht die Möglichkeit bietet, Bewusstseinszustände mitzuteilen, die nur zu leicht unserer Aufmerksamkeit entschlüpfen.“

David Oates entdeckte, dass das „reverse speech“- Phänomen nicht nur in der Musik, sondern in vielen anderen Bereichen der gesprochenen Kommunikation auftauchte. Es war in Politikerreden, Dialogen, therapeutischen Selbst- darstellungen, Ge-
sprächen und sogar in Baby-Gebrabbel zu hören.
Kurz vor dem Ausbruch des Golfkrieges 1990/91 gab es eine politische Kontroverse, die mit dem „reverse speech“-Phänomen zusammenhing. David Oates fand sinnvolle, vorwärts gesprochene Worte in Reden des damaligen Präsidenten George Bush und seines Verteidigungsministers Cheney, die er rückwärts analysiert hatte. Wann immer solche Wörter oder Satzsequenzen auftauchen, werden sie„Reversale“ genannt. Durch Kontakte im Pentagon ließ Oates ein Memorandum mit der Information an Cheney schicken, dass eines der „Reversale“ so klang wie “Simoon“, ein Wort, mit dem er nichts anfangen konnte, da es offensichtlich kein Englisch war. Kurz danach stellte sich heraus, dass „Simoon“ das arabische Wort für „Desert Storm“ war (Code für die militärische Operation „Wüstensturm“). Das Memorandum ging an die Presse. Bald gab es Zeitungsartikel mit Überschriften wie „Gibt es geheime rückwärts gesprochene Code-Wörter in den Reden des Präsidenten?“. Außerdem begannen verschiedene Nachrichtendienste sich für David Oates und seine Arbeit zu interessieren.

Mitte der neunziger Jahre zog David nach Kalifornien, forschte weiter und begann die Technik des „reverse speech“ in seiner Hypnosetherapie-Praxis erfolgreich anzuwenden. Allerdings blieben David Oates und seine Forschungen in den USA kontrovers. Zudem sah er sich Verfolgung seitens staatlicher Stellen ausgesetzt. Mittlerweile ist er deshalb wieder nach Australien zurückgekehrt.

Viele der oben angeführten Informationen habe ich über die „reverse speech“ – Webseite  www.reversespeech.com (auf englisch) gefunden, die sehr umfangreich ist. Verschiedene Forscher stellen ihre Arbeiten und Artikel dort vor, sie wird auch ständig aktualisiert Es gibt regionale Studiengruppen, laufende Seminare in verschiedenen amerikanischen Städten und seit kurzem online-Trainings. (Weitere online-Infos und Web-Adressen: siehe Infokasten).

Natürlich werden sich jetzt viele Leser die Frage stellen „Wie funktioniert das überhaupt? Wie kann man sinnvolle Wörter und Zusammenhänge aus dem rückwärtigem Gebrabbel einer Tonkassette heraushören?“.

Dazu schreibt David Oates:
„Meine Theorie besagt, dass der Vorgang der gesprochenen Kommunikation auf zwei Ebenen abläuft. Das menschliche Gehirn erschafft Töne, um Sprache zu ermöglichen, so dass zwei Botschaften gleichzeitig weitergegeben werden. Die eine Botschaft kommt vom bewussten Geist (Tagesbewusstsein), und die andere Botschaft entsteht rückwärts vom Unbewussten. Diese zwei Kommunikationsarten, vorwärts und rückwärts, verhalten sich komplementär zueinander. Mit anderen Worten, über das, worüber vorwärts gesprochen wird, wird auch rückwärts gesprochen. Die Vorwärts-Sprache wird bewusst kontrolliert und kann verändert oder manipuliert werden. Reverse Speech ist nicht unter bewusster Kontrolle und gibt immer die Wahrheit einer jeweiligen Situation wieder. Reverse Speech funktioniert wie ein hörbarer Lügendetektor. Wird eine Lüge vorwärts gesprochen, so wird Reverse Speech diese Lüge korrigieren und die Wahrheit sagen. Wenn jemand Fakten und Details aus seiner Vorwärts-Sprache herausläßt, so wird Reverse Speech diese Fakten wiedergeben. Es gibt Reversale über alles, was immer den Menschen bewegt. Das können die Namen von Freunden und Geliebten sein, das, was innerhalb der Woche oder des letzten Monats geschehen ist, Pläne für die Zukunft oder echte Gedanken und Gefühle.“

Die Anwendungsgebiete von „reverse speech“ sind entsprechend breit gefächert. Das geht von Politik und Kriminalistik bis hin zur Psychologie. Und das bedeutet: Wir können weder uns selber noch anderen durch Sprache etwas vormachen. Der Forscher Michael Godspeed schrieb einen Artikel: „Searching for God with reverse speech“ (Auf der Suche nach Gott mit Reverse Speech), in dem er Redeabschnitte amerikanischer Prediger und New Age-Prominenter rückwärts analysiert. Für uns ist da z.B. interessant, dass die Reversale der auch in Deutschland bekannten spirituellen Lehrerin Gangaji sehr poetisch und stimmig sind, während das bei einigen der anderen New-Age Propheten nicht unbedingt der Fall sein soll… (Nachzulesen auf der Webseite.)

Vielleicht versucht uns unser Unter- oder Überbewusstsein durch die Rückwärtssprache Sinnvolles zu vermitteln. Ich wollte mehr darüber wissen und setzte mich deshalb mit der von David Oates ausgebildeten Psychologin Katrin Meißner aus München in Verbindung, nachdem ich die Webseite durchforstet und Tonbeispiele gehört hatte. Im „Versus-Privatinstitut für Rückwärtssprache und Bewusstseinsforschung e.V.“ bietet sie Workshops und Analysen an für Menschen, die lernen möchten, mit dieser neuartigen Technologie umzugehen. Sie nahm sich viel Zeit, um meine Fragen zu beantworten. Sie analysierte ein von mir besprochenes Tonband und schickte es mir zurück. Es funktioniert! Allerdings sind die Reversale schwer zu verstehen, man muss sich schon sehr hineinhören. Allen, die gleich losstürzen und experimentieren wollen, sei gesagt: mit einem normalen Kassettendeck geht es nicht, man braucht ein speziell umgerüstetes. Auch kann man sich am PC mit Hilfe entsprechender Sound-Programme „einhören“. Speziell umgerüstete Kassettendecks sind bei Katrin Meißner erhältlich.
Sie nennt ihre Arbeit „Rückwärtssprache“. Ihr Schwerpunkt ist therapeutisch; ausserdem hat sie sich auf die Erforschung der ursprünglich von David Oates entdeckten Metaphern spezialisiert und auf deren Umprogrammierung in einem therapeutischen Rahmen. Das ist übrigens mit die spannendste Entdeckung auf diesem neuen Forschungsgebiet: Es gibt Metaphern (symbolische Worte), die in der Rückwärtssprache immer wiederkehren. Diese Metaphern ähneln den Archetypen von C.G.Jung. Also z.B.: Wolf, Eden, Adler, Wirbelwind, Feder, Wald, Lancelot – um nur einige zu nennen. Sie werden gesammelt und als „Wörterbuch der Metaphern“ in die australische Abteilung der„reverse speech“-Webseite gestellt. Die Arbeit mit den Metaphern – zusammen mit Techniken wie NLP oder Hypnotherapie – kann tiefgreifende Veränderungen in Richtung Integration verschiedener Bewusstseinsebenen auslösen.
Dazu sagt auch Katrin Meißner:
„Was wir rückwärts hören, ist demnach nicht immer die Stimme unserer Seele bzw. die unseres weisen Teils, sondern die, die am dominantesten ist, d.h., handeln wir aus unbewussten Ängsten heraus, werden diese auch rückwärts das Wort ergreifen. Es ist m.E. aber genau dieser dominante Teil von uns, der auch unser Leben steuert. Was werden uns unsere Seelenbotschaften helfen, wenn unsere Kraft in Ängsten gebunden ist? Gar nichts, denn wir könnten sie nicht umsetzen! Selbst, wenn wir in Visionen und Träumen unser Potential erkennen (und oft genug tun wir noch nicht mal das!), hindern uns oft unsere unbewußten Glaubenssätze an der Umsetzung – und wir wundern uns von Tag zu Tag, warum nichts passiert, wo wir doch unsere Ziele so klar vor Augen haben. Mit Hilfe der Rückwärtssprache können wir unser Gerümpel erkennen und das Ausmisten anfangen. Und zwar ganz konkret, indem wir Bänder zum Thema besprechen und hören, welche Aspekte von uns bereits im Einklang mit unseren großen Träumen und Wünschen stehen und welche nicht.“

Wer wünscht sich das nicht, meine ich.
Dank des Einsatzes einiger Forscher undTherapeuten ist diese einzigartige Methode bekannt geworden. Es wird in Zukunft noch viel zu entdecken geben

Literatur zum Thema
Artikel im „Sonnenwind“, 1997
Artikel in „Esotera“
„Voices from the Unconscious“, von David Oates, 1996, erhältlich über www.reversespeech.com
„Der Mond so voller Himmel“, von Cynthia Scott, zu beziehen über das „Versus Privat-Institut“
„Rückwärtssprache – Theorie, Praxis, Hintergründe“, von Katrin Meißner, voraussichtlicher Erscheinungstermin: Herbst 2000

Eine Antwort

  1. lissi

    Wenn man beliebige gesprochene Texte rückwärts anhört, gibt es immer wieder mehr oder weniger zufällig phonetischen Klartext, mit
    dem man schön „spielen“ kann. Natürlich kann man auch etwas hineininterpretieren und manchmal kommt es auch zu Aussagen, die m.E. eher in den EVP-Bereich gehen bzw. spiritistisch beeinflusst sind bzw.gedeutet werden können, vor allem wenn ein persönlicher Bezug gegeben ist (Namen, Ereignisse etc) . Aber als Therapie?

    s.a. http.// a- Palindrom. npage. de

    mit fast 1900 verbundenen vorwärts-Rückwärtssequenzen

    Antworten

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