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Kurdische Demonstranten fordern kein Eingreifen der Türkei – sondern ein Ende der türkischen Unterstützung für den IS.

Irreführende Berichterstattung

Spätestens seit dem Ukraine-Konflikt haben sich die deutschen Massenmedien aus der Realität verabschiedet. Auch mit der aktuellen Berichterstattung um Kobane wird es nicht besser.

Kurdische Verbände kritisieren die Berichterstattung, welche die Realität völlig verfehle: Die Kurden gehen mitnichten für einen türkischen Einsatz in Kobane auf die Straße, wie teilweise suggeriert werde, sie fordern vielmehr ein Ende der türkischen Unterstützung für den IS.

Denn während IS-Kämpfer die türkische Grenze frei passieren können, in türkischen Krankenhäusern behandelt werden und auch dem Weg über die Türkei Waffen und Munition beziehen, hat die Türkei die Kurden völlig abgeschnitten. Weder die kurdischen Kämpfer, welche Kobane zu Hilfe eilen wollen, noch die medizinischen und militärischen Versorgungslieferungen werden von der Türkei durchgelassen. Kurdische Kämpfer, die von der Front zurückkehren, werden zum Teil als Terroristen verhaftet. So hungert die Türkei die Kurden langsam aus, während der IS immer stärker wird.

Türkeis Kampf gegen die Kurden

Der Grund für diese Doppelmoral der Türkei ist der lange Konflikt mit den Kurden im eigenen Land, die einen eigenen Staat für die Kurden fordern. Die Türkei hofft nun, den aktuellen Konflikt zu ihren Gunsten ausnutzen zu können und unterstützt darum den Kampf der IS gegen die Kurden.

Denn in Syrien, direkt hinter der türkischen Grenze hatte sich im Machtvakuum der syrischen Revolution ein selbstverwaltetes kurdisches Gebiet gebildet, das die Kurden selbst als „Westkurdistan“ bezeichnen.

Dort wurde eine beachtliche politische Struktur geschaffen, die auf direkter Demokratie und Selbstverwaltung beruht – ein Dorn im Auge der Türkei, die seither darauf brennt, diese Strukturen wieder zu zerschlagen. Die Kurden, die einen gemäßigten Islam praktizieren, in dem Frauen völlig gleichberechtigt leben, ist sowohl den Türken als auch den Islamisten ein Dorn im Auge.

„Was im sich im Norden [Syriens] entwickelt, ist eine terroristische Organisierung. Es ist unser natürliches Recht dort auch einzugreifen“, kommentierte etwa der türkische Staatschef Erdogan die Bildung des kurdischen Staates.

Doch ein Eingreifen der Türkei wäre international nicht toleriert worden – bis jetzt. Nun möchte die Türkei am Liebsten eine „Pufferzone“ in Nordsyrien errichten. Diese entspricht natürlich nur ganz rein zufällig Westkurdistan.

 

Die syrische Revolution

Die gesamte Situation ist eine komplizierte Verstrickung von sehr unterschiedlichen Interessen. Die syrische Revolution führte gleich zu mehreren Konflikten:

  • Die Kurden hoffen, endlich einen eigenen Staat errichten zu können
  • Die Freie Syrische Armee (FSA) möchte Assad stürzen und eine Demokratie errichten
  • Die al-Nusra-Front möchte Assad stürzen und ein islamisches Kalifat errichten
  • Der IS versucht ebenfalls einen Islamischen Staat zu errichten
  • Die Türkei unterstützt alle syrischen Rebellen mit Waffen – auch im Kampf gegen die Kurden und hofft, dadurch in Syrien künftig mehr Einfluss zu erlangen.

Weder die islamistischen Rebellen, noch die Türkei erkennen dabei die Bestrebungen der Kurden an. Diese wiederum sind zwar eigentlich auch Kritiker des Assad-Regimes, kämpfen nun aber auch gegen die al-Nusra-Front und den IS und werden zudem von der Türkei sabotiert.

 

Die Türkei und der kurdische Traum

Die Türkei handelt dabei nach der Maxime: Der Feind unseres Feindes ist unser Freund. Und unterstützt den IS passiv, um ihn die „Drecksarbeit“ erledigen zu lassen. Während die Kurden verzweifelt um ihr Leben kämpfen, lehnt sich die Türkei zurück und verfolgt zufrieden das Massaker und den Untergang des kurdischen Traumes.

Gleichzeitig wird weltweit durch die Medien eine Stimmung erzeugt, die ein Eingreifen der Türkei in den Konflikt fordert. Das wollen die Kurden aber ausdrücklich nicht:

„Jegliche Einmischung der Türkei wird eine Aggression gegen Syrien, gegen unser Land sein. Wir akzeptieren das nicht. Wenn er [Erdogan] tatsächlich will, dass die Stadt Kobani durchhält, dann soll er endlich die Kontrolldurchlassposten an der Grenze öffnen, damit wir die humanitäre und militärtechnische Hilfe erhalten. […] Wir können selbst damit fertig werden. Man muss uns nur mit Waffen versorgen. Möge die Türkei die Grenze für die Hilfe für die Kurden Syriens öffnen. Und Sie werden sehen, wie das Volk von Kobani kämpfen kann. Dann wird es uns gelingen, uns zu schützen. Wir stehen heute vor der Perspektive der Vernichtung. Wir, die Kurden Syriens, bitten die internationale Gemeinschaft, uns zu helfen uns zu schützen,“ kommentierte der Leiter der syrischen Kurden Salih Muslim.

Genau diese Forderung wird aber nicht erfüllt: Bewaffnete, starke Kurden, das ist das Letzte, was die Türkei möchte. Stattdessen wartet Sie lieber, bis der IS die Kurden vernichtet hat, um dann mit internationaler Unterstützung in Syrien einzumarschieren.

 

Aus für die Kurden – Sieg für den radikalen Islam

So steht der kurdische Traum von einem eigenen, demokratischen Land nun vor dem Aus, die kurdischen Städte vor der Auslöschung. Dabei wären die Kurden derzeit die einzige Hoffnung, dem unerbittlichen Vormarsch der wahnsinnigen IS-Kämpfer etwas entgegenzusetzen, wie die kurdische Peschmerga im Irak eindrucksvoll bewiesen hat.

Doch daran hat niemand Interesse: Die Kurden würden womöglich einen stabilen Nahen Osten fördern – das scheint nichts zu sein, woran der Westen derzeit interessiert ist, der seit nunmehr 30 Jahren radikal islamistische Gruppierungen unterstützt und aufbaut, um sie anschließend zu bekämpfen.

 

3 Responses

  1. Friedman

    Eine Reporterin des iran. Senders PressTV, die über angebl. Mitarbeit zwischen IS und Türkei berichtete, wurde am Sonntag in einem Autounfall getötet.
    Laut Presse fühlte sie sich seitens türk. Geheimdienst bedroht. Sie gehöre zu den wenigen Journalisten, die sich trauten zu dokumentieren wie Jihadisten über die türk.-syrische Grenze in die Konfliktgebiete geschleust werden.

    Was passierte mit Serena Shim?

    http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/naher-osten-und-afrika/Was-passierte-mit-Serena-Shim/story/13569971

    ———————————
    @ Redman

    Sie fragten “ Seit wann ist SEIN.DE eine Plattform für politische Statements? “

    Schauen Sie doch genau auf das Themenprogramm unter GESELLSCHAFT :

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    Und bitte immer daran danken : Es hängt alles zusammen.

    Antworten
  2. Anonymous

    Die Solidarwerkstatt ruft auf, sich an den Solidaritätsaktionen mit den von der Terrorgruppe ISIS (Islamischer Staat) bedrängten Menschen in Kobani zu beteiligen.
    ISIS & Co sind das Geschöpf von US- und EU-Kriegen.
    http://www.neopresse.com/politik/naherosten/isis-co-sind-das-geschoepf-von-us-und-eu-kriegen/

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