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Vertrauensarbeitszeit nennt sich die neue Freiheit am ­Arbeitsplatz. Flexible Zeiteinteilung, Selbständigkeit, Verantwortung, Eigeninitiative und deutlich weniger Stress sorgen nicht nur für mehr Spaß, sondern erhöhen auch die Effektivität. Ein Gewinn für alle.

Iris Frankowiak bringt Sie auf den Geschmack.

 

Ein endlos strahlend blauer Himmel. Die Morgensonne scheint durchs Fenster. Im Hof lautes Gezwitscher einer Elster. Ein Blick auf den Wecker: Es ist kurz vor acht. Mit dem dampfenden Kaffeebecher in der Hand fahre ich den Laptop hoch und beginne meine Arbeit. Das Handbuch für den Bereich Human Resource ist fast fertig. Jetzt kommt nur noch der Feinschliff. Per E-Mail rauscht es blitzschnell über den Datenhighway auf den Schreibtisch meines Chefs. Dann gehe ich Inline­skaten. Ein typischer Arbeitstag. Privat- und Berufsleben ergänzen sich perfekt. Ich liebe das!

Am Nachmittag ruft ein Kollege an. Ich liege im Park auf der Wiese und lese ein Buch. Er ist drei Wochen auf Bali. Wir besprechen den Termin für die nächste Qualitätsmanagement-Sitzung. Einer der seltenen Anlässe, zu denen wir alle im Büro sind. Wir klären unsere Präsenzzeit ab, denn wir teilen uns – mit drei anderen Kollegen – einen Schreibtisch. Wie das geht? Wir arbeiten die meiste Zeit zu Hause – oder wo immer uns danach ist. Natürlich werden vorgegebene Deadlines eingehalten. Das ist kein Problem.

Alternierende Telearbeit nennt sich so etwas und ist beispielsweise bei Telekom, Bosch oder der Firma Condat (IT-Branche) bereits möglich. Der Vorteil für die Mitarbeiter liegt in einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf. ­Arbeitszeitkonten bilden die Basis, um im Bedarfsfall flexibel reagieren zu können. Mehrarbeit kann auf einem Jahres- oder Lebensarbeitszeitkonto gesammelt werden. Nicht nur Familien und Alleinerziehende profitieren davon, sondern auch Menschen, die pflegebedürftige Angehörige mit versorgen.

 

Vertrauensarbeitszeit

Verstaubt und altbacken wirkt dagegen die geregelte Fünf-Tage-Woche. Jeden Morgen ins Büro fahren – das ist Schnee von gestern. Vertrauens­arbeitszeit ist das Zauberwort. Der Arbeitsprozess ist kreativer, das Ergebnis wird besser. Es erfordert mehr Selbständigkeit, Verantwortung, Eigeninitiative und bringt deutlich weniger Stress durch die freie Zeiteinteilung für den Arbeitnehmer. Für den Arbeitgeber eine deutliche Einsparung an Bürofläche; flache Hierarchien und Dezentralisierung bestimmen die Unternehmensorganisation.

Berufsgenossenschaften befürchten, dass die Grenze zwischen Berufs- und Privatleben zunehmend verwischt. Neue Freiheiten, aber auch neue Anforderungen und Belastungen kommen auf den Arbeitnehmer zu. Selbstverantwortung ist besonders im Bereich Gesundheit gefragt – schließlich ist die geistige und körperliche Gesundheit des Menschen sein höchstes Gut. Eine zeitgemäße ganzheitliche Gesundheitsversorgung, die Entwicklung von Achtsamkeit, Bereitwilligkeit und der Blick über den (schulmedizinischen) Tellerrand hinaus sind unerlässlich. Mehr Mobilität und Flexibilität bedeuten auch, sich aus eigenem Antrieb um die persönliche Weiterentwicklung zu kümmern.

Dabei sollte es selbstverständlich sein, dass auftauchende persönliche oder berufliche Probleme aus systemischer Sicht betrachtet und in enger Zusammenarbeit mit alternativen (Heil-)Methoden, wie zum Beispiel Organisations-/Familienaufstellungen, klassische Homöopathie, schamanische Reisen, Reinkarnationstherapie behandelt werden. All das ist Bestandteil der neuen Arbeitswelt. Im Mittelpunkt steht nicht mehr der reine betriebswirtschaftliche Nutzen nach dem ökonomischen Prinzip, sondern der Mensch. Seine Gesundheit und Erfüllung im Berufs- und Privatleben sind das höchste Gut. Es ist eine bekannte Tatsache, dass derart motivierte Arbeitnehmer ein Höchstmaß ihres Potenzials einbringen – im Gegensatz zu unmotivierten –, was sich in einer deutlich höheren Produktivität auswirkt.

 

Folge deiner Berufung

Umfragen zufolge entsteht eine hohe Lebensqualität und Zufriedenheit nicht durch materiellen Überfluss. Das Umsetzen der eigenen Talente und Fähigkeiten rangiert auf den ersten Plätzen. Halten wir uns daran, was uns in die Wiege gelegt wurde, finden wir Erfüllung.

Ein weiterer Schritt in diese Richtung ist das seit langem viel diskutierte bedingungslose Grundeinkommen. Ein Mensch, dessen Lebensunterhalt gesichert ist, ist viel eher in der Lage, seiner gottgegebenen Berufung zu folgen. Denn aus diesem Grund sind wir schließlich alle hier: um unsere Mission zu erfüllen. Erst wenn jeder Mensch, ob berufstätig oder nicht, in Würde leben kann und jede Tätigkeit – egal, ob Geschäftsführung, Kindererziehung, Handwerk oder “ehrenamtliche” Arbeit – dieselbe Wertschätzung erhält und entsprechend bezahlt wird, werden wir dieser Herausforderung gerecht. Erst dann sind, wie im Art. 3 des Grundgesetzes verankert, alle Menschen [vor dem Gesetz] gleich.

Dreißig Jahre habe ich mit der Fünf-­Tage-Woche gelebt und gearbeitet. Heute entscheide ich selbst, wann ich morgens aufstehe oder abends mit der Arbeit aufhöre.

Damit geht es mir richtig, richtig gut!

 


Trotz sinkender Krankenstände nehmen die psychisch bedingten Fehlzeiten laut Bun­des­gesund­heits­bericht (1995 bis 2003) zu. Die Zahl der psychisch bedingten Arbeitsunfähigkeits (AU)-Fälle stieg zwischen 1994 und 2003 bei den Männern um 81,6 und bei den Frauen um 56,8 Prozent.

 


© Michael Flippo – Fotolia.com

3 Responses

  1. Iris H. Frankowiak

    Vielen Dank für Ihren Kommentar!
    Gerne würde ich Ihnen mit meinem beruflichen Coaching einen Weg zeigen, der Sie zu Ihrer beruflichen Zufriedenheit führt. Das kann berufliches Coaching nämlich: Maßgeschneiderte Lösungen für jeden, der sich seiner Verantwortung stellt, für Freude und Wohlbefinden bei seiner Arbeit zu sorgen.
    Herzliche Grüße von Iris H. Frankowiak

    Antworten
  2. HW

    Frau Frankowiak,

    die von Ihnen beschriebene Arbeitsregelung funktioniert in der Praxis so doch gar nicht! Und das wissen Sie doch selbst am besten. Und was noch viel relevanter ist, ihre als so vorteilhaft angepriesene mondernste Arbeitsregelung macht die Menschen erst recht mürbe und krank. Dazu gibt es auch schon seit Jahren Erfahrungen.

    Außerdem gibt es kaum Berufe, in denen man mit Laptop und Lederhose irgendwo und überall seinen Berufsanforderungen nachgehen kann. 1990 war das mal ein großes Werbe-Schlagwort, das in der Realität nicht umgesetzt werden konnte.
    Sogar als Informatiker bin ich auf die Infrastruktur und die Kollegen sehr oft angewiesen. Es ist einfach viel besser, wenn die Kollegen im Nebenzimmer anwesend sind und ich schnell mal rüber gehen kann, um etwas zu besprechen, Fehler zu suchen, oder gemeinsam über etwas nachzudenken und Lösungen zu erarbeiten.
    Außerdem benötige ich die Rechnerinfrastruktur des Unternehmens, die Büroeinrichtung und die Arbeitsmittel der Firma. Ich könnte gar nicht in meiner Wohnung arbeiten, weil mir der Platz dazu fehlt.

    Zusätzlich ganz gefährlich ist die verlangte ständige Erreichbarkeit. Aus Erfahrung weiß ich, daß sich solch Erwartungen sehr schnell einschleichen. Sie können mit dem Begriff Disziplin kontern. Das greift aber nicht, weil die wenigsten Menschen den Mumm haben ihrem Chef zu sagen, daß sie halt nicht da waren. Die Menschen haben immer Angst, vor vielem und allem und wie es scheint, besonders vor dem Chef.

    Und noch etwas ist wichtig. Wenn ein Mitarbeiter einer Firma seinen festen Sitzplatz im Büro hat, mit eigenem Schreibtisch und eigenem Stuhl, dann hat er das Gefühl, gebraucht und erwünscht zu sein. Sun Microsystems hatte in der Firma auch diese „Freien Mitarbeiterplätze“ mit Rollcontainer. Da gab es viele Klagen von den Mitarbeitern.

    Am Ende ist der reale tägliche Kontakt mit den Mitarbeitern auch sehr wichtig für den menschlichen Zusammenhalt und das Gefühl, am selben Seil zu ziehen, gemeinsam etwas aufzubauen. Dieses Gefühl geht bei einem „fliegenden Büroarbeitsplatz“ auch gänzlich verloren.
    Es gibt kaum noch Möglichkeiten, daß sich die Mitarbeiter daran erinnern, gemeinsam die Gemeinschaft einer Firma zu bilden.

    Ich bin also ein erklärter Gegner Ihres eh schon uralten Arbeitsmodells.
    Die meisten Menschen würden davon hauptsächlich Nachteile haben.
    Gleitzeit mit einer Kernarbeitszeit und einem festen Büroarbeitsplatz ist dagegen für die meisten Arbeitnehmer glaube ich eine sehr angenehme Art zu arbeiten.

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  3. Adrian

    Dieses Prinzip gilt wohl eher nur für jene in Anzug und Krawatte, die noch nie schmutzige Hände bekommen haben und im Vergleich zu einem Bauarbeiter, Mechaniker oder Verkäufer ohnehin schon paradiesische Umstände haben.
    In erster Linie sollte für die „Mittel und Unterschicht“ gesorgt werden. Für viele Berufe ist Teamarbeit und deshalb ein zeitlicher Treffpunkt wichtig. Aber die 5-Tagewoche und genau die Zeiteinteilung, mit dem Stressfaktor und der Leistungsdruck sind auch dort das grösste Hindernis.
    Da heutzutage die Jugend sich ohnehin vor schmutziger Arbeit sträubt, müsste auch dort dringend eine Umwälzung stattfinden!
    Beispiel: Diverse unnötige Berufe vom Staat abschaffen; z.B. Politische Bereiche (Parteikampf auflösen), Arbeitslosenamt, Sozialämter, Militärgänzlich abschaffen, Waffenindustrie, die Mafia welche eine Revolution in der Energieversorgung und im Gesundheitsbereich verhindert, ohnehin gibt es unzählige nutzlose Bürojobs die abgeschafft werden können.
    Wenn nun jeder einzelne eine Arbeit bekommt, einen guten Gehalt wo kein Überlebenskampf Zuhause und am Arbeitsplatz stattfindet… so könnte man locker eine 4 Tage Woche, mit 4-6 Stunden Arbeitszeit pro Tag und viel mehr Ferien einführen, für alle!
    Man könnte „harte Arbeit“, so viel lukrativer machen und das Bewusstsein für die Gemeinschaft und nicht für das Ego wecken!
    Aber das aktuelle Bewusstsein der Menschen ist da wohl im Moment das grösste Hindernis. Diese ständige Gier nach mehr, besser, grösser, alles möglichst weg von der Natur.
    Mir scheint ohne einen massiven Crash des aktuellen Systems, wird es keine Veränderung geben und selbst dann ist es zweifelhaft ob etwas Gutes aus einem Zusammensturz aufgebaut wird. Der Mensch muss lernen, in Demut.

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