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Die weltweite Occupy-Bewegung ist in Berlin angekommen: Versammlungen und Camps sollen auch hier den Mächtigen zeigen, dass sie so nicht weitermachen können. Die Bürger sind aufgewacht aus Ohnmacht und Lethargie. Noch sind es Einzelne, aber es werden immer mehr, die überzeugt sind: Wir können was ändern. Ein Occupier berichtet.

 

Wie alles anfing? Ich kann nur berichten, wie es bei mir anfing. Es ging los mit der Griechenlandkrise. In stillen, schönen Momenten, wenn ich wieder in der Natur am Wasser saß und die untergehende Sonne beobachtete, ertönte eine Stimme in mir, die sagte, dass Griechenland erst der Anfang sei und wir auf eine globale Krise ungeheuerlichen Ausmaßes zusteuern. Und ich dachte: Wir müssen was tun. Dann kam Occupy Wallstreet und ich begann unverzüglich über Facebook und eine schnell erstellte Website eine Demo zu organisieren. Wie sich dann zeigte, war und bin ich nur einer von vielen. Überall sprossen Occupy-Gruppen aus dem Boden, und wie ich dann erfahren sollte, waren schon seit mehreren Monaten Leute in Berlin aktiv, die – inspiriert aus Spanien – versucht hatten, für echte Demokratie zu kämpfen und ein Camp zu errichten. Doch vor allem waren jetzt auch Leute auf der Straße, die sonst kaum oder gar nicht politisch aktiv waren. Seit dem 15. Oktober gibt es nun jeden Tag Asambleas (Versammlungen) vor dem Reichstag und jeden Samstag Demonstrationen und Spaziergänge von empörten Bürgern. Und dabei geht es nicht nur gegen die Übermacht der Banken und um Diskussionen über Geldschöpfung. Es geht um viel mehr.

 

Zusammenschweißen

Der Satz „Man kann ja eh nichts ändern“ verschwindet aus meinem Bewusstsein und dem vieler anderer.  Bei Occupy-Veranstaltungen kommen wildfremde und unterschiedlichste Menschen zusammen. Was ich bis vor kurzem noch für unmöglich gehalten hätte: Hier sitzen Deutsche, jüdische Israelis, Moslems, Esoteriker, Atheisten, IT-Spezis, Normalbürger neben Rastalockenköpfen mit einem Ziel: Veränderung. Und einem entscheidenden Grundsatz: Friedfertigkeit. Die üblichen Krawallmacher fühlen sich davon eher abgeschreckt. Und was einige Medienvertreter als Gruppentherapie titulieren, ist eine neue Kommunikationsform des aktiven Zuhörens durch Nachsprechen des Gesagten im Chor und  Austausch über das, was uns im jetzigen System bedrückt. In diversen Arbeitsgruppen organisieren wir Aktionen und diskutieren Lösungsmöglichkeiten, unter anderem auch die Theorie von Prof. Franz Hörmann zur Geldschöpfung und das bedingungslose Grundeinkommen. Ich persönlich engagiere mich für einen grundlegenden friedlichen Wandel des Finanz- und Wirtschaftssystems. Mir reicht keine Transaktionssteuer, und das Stimmungsbild unter den Berliner Occupiern zeigt mir, dass es vielen so geht. Kein Herumdoktern am Alten, nein, etwas Neues, jenseits alter Ideologien des vorigen Jahrhunderts. Menschen kommen sich wieder näher, wir liegen uns in den Armen, wir campen, das schweißt zusammen. Das ist wichtig, denn es gibt auch Momente der Angst und Ohnmacht, wenn bewaffnete Personen in Zivil alles abfotografieren und uns befragen. Es hat auch Morddrohungen gegen Wolfram Siemer von Occupy Frankfurt gegeben, und auch ich gehe mit einem mulmigen Gefühl nach einer Talksendung nach Hause.

 

Präsenz zeigen

Jetzt ist die Zeit gekommen, da die vielen empörten Menschen auf die Straße gehen müssen. So gut und wichtig es ist, dass du, liebe Leserin und lieber Leser, durch bewussteres Leben etwas zu verändern versuchst, umso wichtiger ist es jetzt, Präsenz zu zeigen, auf die Straße zu gehen, wie uns tunesische Freunde nahegelegt haben. Denn nur so kann sich etwas ändern, und nur so werden wir von den Herrschenden wahrgenommen. Der Börsenexperte und „Mr. Dax“, Dirk Müller, hat kürzlich im WDR sein Entsetzen darüber geäußert, dass die Wallstreet-Banken die Polizei bestechen, damit diese die Occupier niederknüppeln. Wir sollen weiter systematisch über das Prinzip der Geldschöpfung im Unklaren gelassen werden, denn wenn das alle Menschen verstehen würden, gäbe es schon längst Aufstände. Und Dirk Müller bestätigt auch, dass Yahoo E-mails zum Thema Occupy zurückgehalten hat – Anti-Terror-Gesetz live.

Egal, was kommt, eines weiß ich ganz gewiss: Das Gefühl, wieder mit Menschen verbunden zu sein, aus der Spaltung der Konsumgesellschaft heraus- und wieder zusammenzufinden, gemeinsam einzustehen mit- und füreinander ist ein großartiges Geschenk.

Mitmachen:
www.occupyberlin.info

Einfach spontan vorbeischauen, du bist herzlich willkommen:

Täglich: Infostand im Camp BSP am Bundespressestrand, Kapelle-Ufer 1, 10117 Berlin (Nähe Hauptbahnhof)

Täglich: 17 Uhr Asamblea („Versammlung“) im Camp

4 Responses

  1. Andrea C. Feist-Nerowski

    Ich bin begeistert!
    Mein Grundsatz ist: Die Würde des Menschen ist unantastbar.
    Das beinhaltet halt auch, sich für Menschlichkeit einzusetzen und in diesem Sinne ein ‚Kämpfer‘ zu sein. Auf der Basis von Friedfertigkeit.
    Und was ich noch hinzufügen möchte:
    Ich halte es für ungeheuer wichtig, sich zusammen zu schließen. Wo ist völlig egal, aber ein Chor ist lauter als viele Solisten. Deshalb wäre es doch einen Versuch wert, in diesem Sinne ein weltweites Live-Aid-Konzert ins Leben zu rufen. Jeder für alle und alle für jeden.

    Antworten
  2. Maria

    Vielen Dank für den Artikel!

    In Hamburg versuchen wir eine Gruppe, ein Feld aufzubauen, dass die Demonstrationen mit Meditation begleitet.
    Siehe www.facebook.com/groups/114333525342100

    Auch haben gibt es eine deutschland-weite Facebook-Gruppe, um zu hinterfragen, welches Bewusstsein sich derzeit in Occupy manifestiert und welcher Wandel des Bewusstseins sich ggfs. gesamtgesellschaftlich vollzieht.
    Siehe „Occupy Our Hearts“: www.facebook.com/groups/147304172034138

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  3. Guido V.

    Occupy, oder welche Namen auch immer, ist der Anfang einer Bewegung, die noch vieles nach sich ziehen wird, denn gerade diese langsame Entwicklung realisiert mit der Zeit zunehmende Stärke, im energetischen Sinn:

    http://www.gold-dna.de/update5.html#up87

    Gruß

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