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Mission Gottesreich. Fundamentalistische Christen in Deutschland

Mission Gottesreich. Fundamentalistische Christen in Deutschland

Titel: Mission Gottesreich. Fundamentalistische Christen in Deutschland

Author: Oda Lambrecht, Christian Baars

Verlag: Ch. Links Verlag

Preis: 16,90

ISBN: 978-3861535126

Gotteskrieger?

 

Einer heiklen Aufgabe widmet sich das Autorenteam aus Oda Lambrecht und Christian Baars – stellt sich die Presse dem Thema Christentum doch oft nur mit spitzen Fingern, während sie sich nach Neuigkeiten aus der Sektenszene der Alternativreligionen geradezu verzehrt. In über acht Kapiteln nähern sich die Autoren dem brisanten und oft unterschätzten Thema christlicher Fundamentalisten. Die beiden studierten Politikwissenschaftler konfrontieren ihre Leser nicht mit haltlosen Beschuldigungen, sondern mit einer unglaublichen Fakten- und Quellenfülle.
Verwirrt liest man sich von zu Kapitel zu Kapitel und entdeckt in Deutschland fast schon verloren geglaubte Vokabeln wieder: Exorzismen, Dämonenglaube, Kreationismus. So steht auf dem Lehrplan deutscher, zu großen Teilen mit staatlichen Mitteln geförderter Gymnasien zum Beispiel eine durchaus biblisch inspirierte Sexualerziehung, die Kindern und Jugendlichen vermittelt, dass Sex nur innerhalb der Ehe vollzogen werden darf und dass Homosexualität sowie Selbstbefriedigung eine große Sünde ist. Nein, dies ist kein schlechter Scherz aus dem Mittelalter, wir sind auch nicht in einem historischen Roman oder den Vereinigten Staaten.
Daneben ist der christliche Kreationismus, der in alle Lehrfächer Eingang findet und aktiv die Evolutionstheorie leugnet, ja fast nicht mehr erwähnenswert.
Erschreckt erkennt man, dass der missionarische Impetus auch heute noch – in einem Zeitalter, das eigentlich von religiöser Toleranz leben und profitieren sollte – höchst lebendig ist. Wiedergegeben werden Originalzitate von freikirchlichen Evangelikalen, die auf „Seelenernte“ in Afrika gehen, pfingstlich-charismatische Wanderprediger vertreiben ihre Botschaft geifernd und vor einem Heer auf die Knie gesunkener Gläubiger auf vielverkauften DVDs, Tibet wird als „Dämonenland“ und Araber als „kaputte und verlorene Moslems“ bezeichnet, während man der Überzeugung ist, die ganze Mongolei einem christlichen Großreich einverleiben und den Schamanismus austreiben zu können. Es liest sich wie blanke Satire, ist aber höllischer – Verzeihung, himmlisch-beseelter Ernst.
Fazit: Jeder soll nach seiner persönlichen religiösen Façon glücklich werden und seinen Weg finden. Aber auch heutzutage existiert noch gefährlicher religiöser Fanatismus, und der findet sich nicht nur in den Berghöhlen Afghanistans, sondern eben auch in Deutschland, in unserer Mitte. Also Augen auf.

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