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Zwischen den Welten zu wandern… HexeSein im 21. Jahrhundert

Zwischen den Welten zu wandern… HexeSein im 21. Jahrhundert

Titel: Zwischen den Welten zu wandern... HexeSein im 21. Jahrhundert

Author: Jennifer Kunstreich

Verlag: Tectum

Preis: 24,95

ISBN: 978-3828824843

Modernes Heidentum

Geradezu stiefkindlich werden in der Kulturanthropologie die religiösen Strömungen des Neuheidentums, beziehungsweise des Wicca-Kultes, behandelt und weitgehend ignoriert. Eine Haltung, die Jennifer Kunstreich – Kulturanthropologin, Religionswissenschaftlerin und kulturwissenschaftliche Dokumentarfilmerin – anscheinend dazu gereizt hat, ihre Magisterarbeit diesem Thema zu widmen. Daraus entstanden ist dieses nach wissenschaftlichen Maßstäben formulierte, aber gut lesbare Buch, samt einer der Veröffentlichung beiligenden DVD mit zugehörigem 63minütigem Film. Hauptbestandteil der Arbeit sind persönliche Interviews mit in Deutschland lebenden und ihren Glauben aktiv praktizierenden Neuheiden/Hexen (wobei einige der Interviewpartner in der Szene ideologisch nicht unbedingt unumstritten sind), die sich bereit erklärt hatten an diesem Projekt mitzuwirken.

Objektiv, aber sympathisch gibt sie die Möglichkeit, einen Blick auf Struktur und Entstehung von religiösen Kulten zu werfen, die – leider oft belächelt – in vielen deutschen Haushalten ausgeübt werden. In den einzelnen Kapiteln geht Jennifer Kunstreich nicht nur in Form ihrer Feldforschung auf die Gegenwart ein, sondern klärt auch die religiösen Ursprünge, Entwicklungen und Verzweigungen der Wicca hinsichtlich ihres damaligen Kontexts, Rezipienten und Abspaltungen – zum Beispiel in Hinsicht auf den „Religionsstifter“ Gerald B. Gardner und den öffentlichkeitsbegeisterten Alex Sanders.

Interessant auch, über die von ihr genutzten methodischen Werkzeuge zu lesen, gerade auch, wenn sie über sich und ihre Außenwahrnehmung als Forscherin berichtet, die in religiöse (und damit ja sehr intime) Bereiche vorstoßen und Vertrauen schaffen muss. Man erfährt nicht nur etwas über die Menschen, sondern kann das ganze Werk auch noch anders bewerten, weil Jennifer Kunstreich im Rahmen ihrer wissenschaftlichen Arbeit ihr Vorgehen, ihre Methodik und ihre Überlegungen transparent – zum Beispiel bei der Verkünstlichung von Interviews durch das technisch notwendige Equipment – dokumentiert.

Fazit: Ein Stück Heidentum – betrachtet aus ernsthafter kulturanthropologischer Sicht – eingefangen in Buch und Dokumentarfilm, die gerade für Menschen außerhalb dieser religiösen Szene interessant sein und eventuell auch mit einigen Klischees aufräumen dürfte.

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