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Michael Barnett über Ego und Erleuchtung

Auszug aus „This Marvellous Ego! – Intimate Talks from May 1999“, Cosmic Energy Connections

Frage: Ich bin ein wenig verwirrt. Seit gestern habe ich versucht, mir über meine Bemühungen klar zu werden, mich zu ändern oder mein Ego loszuwerden. Aber jetzt stelle ich diesen ganzen Prozess in Frage und frage mich, warum ich mein Ego loswerden sollte, wenn das das einzige ist, was es wirklich für mich gibt…

Michael Barnett: Bitte werde dein Ego nicht los, sonst wirst du niemals irgendwo hinkommen. Die ganze Erleuchtungsreise ist ein Ego-Trip, es geht nicht anders. Wenn du kein Ego hast, das erleuchtet werden will, wirst du niemals erleuchtet werden. Das Ego ist absolut notwendig, aber zur gleichen Zeit muss außerdem etwas anderes präsent sein. Dieses andere wird nicht erlauben, dass dein Ego anhält und sagt: „Jetzt bin ich vollkommen, jetzt hab ich’s, ich bin am Ende angekommen.“
Oder anders ausgedrückt, es ist wichtig, dass das Ego sagt: „Ich will keine Kompromisse machen. Ich will das bestmögliche für mich als menschliches Wesen erreichen.“ Es ist ein sehr schöner Prozess, weil du das Ego dazu brauchst. Aber du darfst kein bürgerliches Ego haben. Wenn du ein bürgerliches Ego hast, wirst du mit kleinen Dingen zufrieden sein. Die bürgerlichen Egos sind das Problem. Wenn du ein aristokratisches Ego hast, wird Dich das immer weiter tragen. Damit beginnt etwas Wunderbares: das Ego führt Dich in Bereiche, in denen es sich aufzulösen beginnt. Die Luft wird so fein, dass das Ego zusammenzubrechen beginnt und immer lockerer wird oder zumindest weniger fest ist. Es ist so, also ob Du mit einem Drachenflieger immer höher und höher steigst, bis Du an eine Stelle kommst, wo es keinen Sauerstoff mehr gibt und du nicht mehr atmen kannst. Ich benutze die Lungen als Symbol für das Ego: Wenn das Ego nicht mehr atmen kann, wird es plötzlich nutzlos. Dann fällt es ab und Ramana Maharshi´s berühmtes „Selbst“ kommt ins Spiel. (Kleiner Witz am Rande.) – Das Ego wird durch dieses Fühlen des universellen Selbst ersetzt. Das funktioniert immer noch in der Welt des Ego, im Wesentlichen wie irgend jemandes Ego, aber es ist nicht länger etwas Abgeschlossenes, Isoliertes. Es hat eine grosse Öffnung zum Kosmos und auf diese Weise fließt kosmische Energie in alles, was du machst oder zumindest in so vieles, wie du es zulassen kannst.
Viele Leute scheinen, auch nachdem sie erleuchtet wurden, sehr große Egos zu besitzen, denn sie mussten ein großes Ego haben, um diese Reise zur Erleuchtung machen zu können.  Wenn du glaubst, Du bist wertlos oder nicht zu allzuviel fähig, wirst Du nicht den Antrieb haben, erleuchtet zu werden. Vielleicht sagst du dir:
„Ich hoffe, dass es irgendwann passiert“, aber Du hast nicht das Gefühl, dass Du das besitzt, was nötig ist, um erleuchtet zu werden. Du musst fühlen, dass Du es wert bist, erleuchtet zu werden und dass es wirklich wichtig ist, dass DU erleuchtet wirst, weil Du weißt, wie man Erleuchtung einsetzt und du wirst sie wirklich dazu nutzen, anderen Menschen zu helfen. Du musst das Gefühl haben, dass Du die richtige Person für den Job bist.
(…)
Du musst diese Energie haben. Auch wenn Du kein großes Ego hast, musst Du eine Menge Kraft haben, einen starken Drive, um Dein Ego dafür einzusetzen, das zu bekommen, was möglich ist. Ohne das, wirst du nicht die Energie haben, das zu tun, was notwendig ist.
Sieh nur, wie wunderbar das ist: Du gehst immer weiter und plötzlich beginnt Dein Ego, von Dir abzufallen, weil es auf den Ebenen, die Du erreichst, nicht existieren kann. Das ist wunderschön, denn es ist wie eine große Selbstaufopferung. Das Ego sagt: Ich habe Dich bis zur Tür geleitet und jetzt gehst Du durch sie hindurch, und ich werde verschwinden. Jetzt kann das Selbst weitergehen. Ich habe dich zu dieser Tür gebracht und ich weiß, dass ich mich auflösen werde, wenn ich durch sie hindurchgehe – aber das ist in Ordnung. Zu diesem Zeitpunkt ist Dein Ego schon ein sehr feines Ego, es ist bereit, das zu tun. Es ist eine wunderbare Situation. Wenn Du diese Reise machst, und das Ego sagt dir, dass Du kein großes Ego haben solltest, ist das auch nur wieder ein anderer Teil des Egos. Wenn du sagst, ‘Ich habe ein zu großes Ego, das mich wirklich ablenkt’, ist das eine sehr egoistische Behauptung.

Ich kann nur sagen, dass es in Ordnung ist, ein großes Ego zu haben, aber du musst es in die richtige Richtung lenken. Zeige ihm die Sterne, und auf dem Weg dorthin wird es sich auflösen.
Ich denke, das ist phantastisch, es ist ein wunderbares Szenario. Richte es auf die Sterne aus und nutze alle Kräfte Deines Ego, um dorthin zu gelangen, und dann wird es auf dem Weg dorthin verschwinden und Dir wird nur Licht bleiben.

Ist das nicht herrlich?

SEIN-Kurz-Interview mit Michael Barnett

Was bedeutet Erleuchtung für Dich im Moment – und wieder un-erleuchtet zu werden, wovon Du zuzeiten gesprochen hast?
MB: Es bedeutet zu erkennen, dass alles göttlich ist.
Und wenn Du festgestellt hast, dass alles göttlich ist, sticht nichts mehr besonders hervor, und so wird alles wieder normal und alltäglich. Alles ist wie es ist, nur dass es in die Essenz des Lichts getaucht ist.

Welche Aufgabe hat das Ego dabei?
MB:  Nun, wenn Du es in Dir hast, in nicht allzu ferner Zukunft erleuchtet zu werden, dann wird sich diese Energie vorher im Bereich des Ego zeigen, sie wird sich als Sehnsucht nach Erleuchtung ausdrücken und als die Energie für all die Sachen, die Du tun musst und selbst tun kannst, um erleuchtet zu werden. Dieser Teil muss getan werden, und was sonst, wenn nicht das Ego, kann diese Aufgabe übernehmen?!

Macht es einen Sinn, sich auf einen spirituellen Weg zu begeben, ohne als Ziel die Erleuchtung anzustreben? Gibt es da noch etwas dazwischen?
MB: Sicher begegnen dir eine Menge guter Sachen auf dem Weg zur Erleuchtung, aber Du kannst nicht bei ihnen verweilen, einfach mitten auf dem Weg anhalten, so sehr Du es auch versuchst. Es geht nicht nur darum, nach Erleuchtung zu streben – Erleuchtung ist ein Magnet, der jede und jeden anzieht, ununterbrochen. Früher oder später werden alle Seelen dort ankommen. Das ist unvermeidbar.

Was hältst Du von der aktuellen Satsang-Szene?
MB: Das ist wie an einem guten Essen schnuppern, ohne es zu essen. 

Vielen Dank!  (Fragen: Shako)

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