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Das Interview führte Teresa Behrens, Neuseeland

Cyrus Bruton wurde 1960 als Kind englisch-gambischer Abstammung geboren. Er wuchs in England auf. Die letzten 15 Jahre hat er in Deutschland gelebt. 1983 begegnete er Osho.
In dieser Zeit machte er wertvolle Erfahrungen im spirituellen Bereich und durch das Leben in den Kommunen in England, Deutschland, Indien und den USA.
1997 traf er auf Mikaire. Diese Begegnung und die Arbeit bei ihm sollte einen nachhaltigen Einfluss auf sein Leben nehmen: dort erkannte er sein wahres Selbst. Seit 1999 gibt Cyrus Sat-sang. In Berlin ist er z.Zt. einer der wenigen, der hier vor Ort lebt und regelmäßige Veranstaltungen anbietet. Die  Hauptstadt ist erklärtermaßen seine Homebase. Hier hat sich bereits ein Kreis von Menschen gebildet, die Satsang als immens wichtig, geradezu lebensnotwendig für sich er-achten.
Cyrus´ menschliche und lebensnahe Herangehensweise inspiriert und fordert auf, auf dem Weg zu bleiben. In dem folgenden Interview beschreibt er seine Perspektive von Satsang und antwortet auf einige Fragen, die häufig von Suchern gestellt werden.  

Frage: Ich habe ein wortwörtliches, d.h. traditionelles Verständnis des Begriffes „Satsang“, das da wäre: in der Gegenwart der Wahrheit zu sein. Doch für uns in der westlichen Kultur und Gesellschaft die Frage: Was ist dein Verständnis des Phänomens „Satsang“?  
Cyrus: Satsang ist ein Raum, um zu unserer Menschlichkeit zurückzukehren. Und zwar mit einem intelligenten Verständnis davon, dass ich dafür verantwortlich bin, was ich fühle und was in meinem Leben geschieht. Anzufangen, ehrlich hinzusehen, wo ich dauernd diese Verantwortung weggebe und damit auch  meine Kraft – und anzufangen Bewusstheit dahin zu geben. Zu sehen, wo ich etwas außerhalb meiner selbst projiziere, gleichgültig, ob es um Projektionen von Schönheit, Liebe und Erleuchtung geht oder um solche von Schuldzuweisung, Verurteilen und Anklage.  Und all diese Projektionen anzufangen zurückzuholen. Satsang ist ein Raum, um transparent zu werden, weil du gesehen hast, dass du göttlich bist. Folglich brauchst du nichts zu verbergen. Tatsächlich bist du so voller Schönheit und Intelligenz, dass du anfängst überzufließen und das, was du siehst mit anderen zu teilen.
Frage: Wenn es jemand ernst ist mit dem Erwachen, glaubst du, dass  es nötig ist, sich mit anderen Suchern zusammenzutun und Zeit in der  Gegenwart eines Realisierers zu verbringen?  
Cyrus: Ja, dies ist Satsang. Es ist da, wo Menschen Selbsterkenntnis als Priorität setzen und sich in der Gegenwart eines erwachten Wesens versammeln,  das seine eigene Göttlichkeit erkannt hat. Und schlussendlich sehen, dass diese Sache ´Erleuchtung´ oder ´Erwachen´ nicht mehr außerhalb von einem selbst als Idee existiert, sondern dass es ist, wer du bist; dass es deine eigene Natur ist und, dass du nie etwas anderes gewesen bist. Du hattest es nur vergessen.  

Frage: Als jemand, der wählt, an Satsang teilzunehmen, was ist dafür nötig? Ist eine (innere) Verpflichtung oder eine Disziplin vonnöten?
Cyrus: Erwachen bedeutet, mit allen Identitäten abzuschließen und zu erkennen, dass du jenseits irgendeiner Identität bist, jenseits eines Gedankens oder eines Gefühles. Willens sein, die Arbeit zu machen, braucht eine gezielte, disziplinierte und leidenschaftliche Herangehensweise. Sich in der Gegenwart eines erwachten Wesen zu versammeln bedeutet, willens zu sein, in den Spiegel zu sehen und ehrlich mit dem zu sein, was man sieht. Das bedeutet, dass du anfängst zuzugeben, wo du dich selbst belügst und zu erkennen, wo du  deine Verantwortung ablehnst. Es bedeutet auch, anzufangen zu sehen, dass du der Schöpfer all dessen bist, was du siehst und erfährst und dass du ein  göttliches Wesen bist. Die fehlende Bereitschaft , die eigene Göttlichkeit in Besitz zu nehmen führt wieder dazu, dass jemand eine Identität „adoptiert“, was selbstverständlich zu Trennung, Begrenzung und Leiden führt. In diesem Prozess  drinzubleiben ist die einzige Disziplin.  

Frage: Was geschieht tatsächlich in den Satsangs, die du anbietest? Gibt es einen beabsichtigten Zweck oder eine Zielrichtung?
Cyrus: Nichts ist hier neu. Ich teile nur die Kristallisation meines Verständnisses zu diesem Zeitpunkt. Der Prozess „Satsang mit Cyrus“ ist einer des  Rauskommens, des sich Enthüllens und des Ein- schließens all dessen, was man sieht, denkt und fühlt und wovon man glaubt, man sei das. Es ist ein Raum, um mit Intelligenz zu sehen, dass sowohl das Ego als auch der Verstand göttlich ist. Dass jedes Wesen genau das in sich trägt, was es braucht  um Glückseligkeit zu erfahren, welche der natürliche Zustand ist, der deines wirklichen Selbstes. Im Satsang teile ich meine Erfahrung, als erwachtes Wesen zu leben und wie ich „dahin gereist“ bin und wie ich „weiter reise“. Dieser Zustand ist kein Endpunkt. Da gibt’s noch viel Arbeit nach dem Erwachen. Ich sehe Satsang als den Raum dafür, in dem das Individuum inspiriert wird, tiefer in diese Arbeit des bewussten Lebens einzutauchen sowie in die Verantwortung –  und zwar gemeinsam mit Menschen derselben Absicht. Wo wir durch eine gemeinsame Vision und Ausrichtung Intimität entwickeln können und das Vertrauen, sowohl unsere hellen als auch dunklen Seiten anzusehen, die Menschlichkeit und die Göttlichkeit, weil schlussendlich beides eingeschlossen werden muss.

Frage: So wie du es beschreibst, hört es sich an, als ob eine mit voller Absicht getroffene Entscheidung fallen muss, um in einen Prozess hineinzugehen. Dies ist zuerst einmal eine Entschei- dung durch den Verstand (mind); nichtsdestotrotz haben viele Sucher das Verständnis, dass es nötig ist, jenseits des Verstandes, von Gedanken oder der Identifikation mit unseren Gedanken zu kommen. Welche Rolle spielt deinem Verständnis nach der Verstand beim Wunsch nach dem Erwachen?  
Cyrus:  Ich sehe das alles als Dienst des Verstandes für den VERSTAND*. Dieser VERSTAND ist der universelle, der ohne Ego ist, der No-mind. Der gewöhnliche Verstand kann benutzt werden, um die kreative Kraft zu übersetzten, die Lebenskraft. Wir bringen fortwährend das auf die  materielle Ebene, was vom Geist kommt oder aus der Quelle. Durch den Gebrauch von Gedanken und Konzepten  kann der Verstand zur Manifestation als Diener der  Quelle helfen. In diesem Fall ist er dabei, zu dienen, zu fließen oder zu funktionieren, nichts vorwegnehmend, sondern antwortend, gehorsam gemäß des Inputs, den er bekommt. So ist er rezeptiv.     

Frage: Warum kämpfen so viele Sucher damit, den Verstand zu überwinden?  
Cyrus: Das Problem fängt an, wenn der Verstand denkt, er sei der Meister. Du als Bewusstsein identifizierst dich mit deinem Verstand und vergisst,  dass du Bewusstsein bist. Du gehst in diese Schöpfung hinein, wirst zu etwas Begrenztem, obwohl du in Wirklichkeit formlos und unbegrenzt bist.  Die Bewusstheit wird so identifiziert und vergisst sich selbst: dies ist Samsara, dies ist Leiden. Folglich ist der Verstand gut an seinem rechten Platz, als Diener, der seine Arbeit tut, wo Gedanken und Konzepte Strukturen  aufbauen, die dem Ausdruck der Quelle helfen; nie aufhören, fließen, aufsteigen und fallen.  

Frage: Du hast gesagt, dass im erwachten Zustand alles  eingeschlossen ist. Wie schließt man die Gedanken und den Verstand ein und wird nicht gefangen genommen von der Identifikation mit seinen Gedanken und  Konzepten?  
Cyrus: Bewegung ist die wahre Natur des Bewusst- seins in der Manifestation. So kannst du fühlen, ob du im Einklang bist: indem du fühlst, wie wir so  sagen, ob du im Fluss bist. Oder: wenn der Verstand der Meister geworden ist, du als Bewusstheit dann begrenzt bist, bewegst du dich im Kreis. Normalerweise fühlt sich das im menschlichen Körper-Verstand-Komplex als Verwirrung an oder als energetisch blockiert, eingefroren und unfähig zu einer Entscheidung. Der Trick ist, nicht identifiziert zu werden und sich auch damit nicht zu  identifizieren, sich nicht zu identifizieren. Das bedeutet, dass du kein Konzept aus dem Nicht-Identifizieren machst. Irgendeine Identifikation wird aber benötigt. Sonst würden die sogenannten „Erleuchteten“ nie ihre Körper waschen oder auf ihre Namen reagieren. Die Antwort wäre womöglich: „Wessen Körper überhaupt?“. Erinnere dich daran, wer du bist in all diesem. Wer du bist, ist nicht derjenige, der einen Prozess durchläuft und nicht derjenige, der diesen Prozess kommentiert. Wer du bist, davon kannst du dich niemals trennen. Die Idee von Abweichung ist ein Spiel des Verstandes. Wovon kannst du abweichen? Nicht von deinem Selbst, weil du derjenige bist, der dieses ganze Spiel geschehen sieht. Folglich erinnere dich, wer du bist. Das ist die Schönheit von Sri Ramana Maharshis Methode des Atman Vichara, die fragt: „Wer bin ich?“. Sie bringt einen immer zurück zum Selbst. Das  ist Erwachen: zu sehen, dass das ICH nur ein Gedanke ist. Ich bin kein Gedanke, weil ich jenseits vom Verstand bin. Das ist einfach so: ich brauche nicht nachzudenken, um zu sein. Ich kann mir irgendeine Bezeichnung geben: „Ich“, „mich“ oder irgendeinen Namen, den ich mag. Doch dieses sind alles Etiketten, die ich wegnehmen kann und ich bin immer noch. Wer bin ich?  

Danke für das Gespräch!
Cyrus:  Danke für die Aufmerksamkeit.

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