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Gibt es eine wohlmeinende Macht, die auf mich aufpasst, oder bin ich hier mit meinem ganzen Sch… allein?

Das ist in meinen Augen eine zentrale Frage des Menschseins, denn wenn ich mich nicht getragen und gehalten fühle, wenn ich mich nicht in das Vertrauen hinein entspannen kann, dass da eine gute Kraft ist, die mich trägt und mir hilft, dann bin ich immer in einem Zustand des Kontrollierens und Aufpassens, der Anstrengung und des Kämpfens.

Wohlgefühl sieht anders aus. Und Wohlgefühl braucht es, damit ich meinen Blick auch mal über den Tellerrand meiner persönlichen Befindlichkeiten heben kann, um zu schauen, wie es anderen und der Welt geht und ob und wie ich helfen kann. Wenn dieses Helfen aber nicht aus einem Wohlgefühl kommt, dann entsteht es aus einer psychischen „Ich muss, ich sollte“-Struktur, also nicht aus dem Herzen, sondern aus einer Konditionierung. Und dann füttere ich nur mein Ego.

Wohlgefühl ist ein Zustand von relativer Widerstandslosigkeit dem Leben gegenüber, denn körperliche und geistige Widerstände verhindern Wohlgefühle. Wohlgefühle sind immer mit Entspannung verbunden. Sie sind damit zumindest ein teilweises Ja zum Leben. Und ein Ja zum Leben ist Liebe. Entspannung und Wohlgefühl kommen dann in mein Leben, wenn ich den Großteil meiner Neins, meiner Widerstände, gefühlt und integriert habe. Dann habe ich auch die Chance, diese Anbindung an eine gutartige Macht zu fühlen.

Leider ist diese Anbindung bei mir noch keine gefühlte Realität. Wenn ich in ein Loch falle, kann ich zwar auf meinen Verstand zurückgreifen, der durch viele entsprechende Erfahrungen glaubt, dass es das Göttliche gibt. Nur: Derartiger Glaube ist nicht Wissen. Hinter jedem Glauben steht der Zweifel, weil der Verstand nun mal dual – schön-hässlich, gut-böse – arbeitet.

Nur eine gefühlte positive Realität ist etwas, worauf wir wirklich bauen können. Ohne Vertrauen – ein Gefühl – sind wir wie ein Blatt im Wind. Finden wir dieses Vertrauen wieder, erkennen wir endlich, dass das Leben sicher ist. Wir wissen nichts, wissen nicht, was morgen ist. Aber wir wissen dann, dass wir das auch nicht müssen, denn das Leben sorgt für uns.

Jörg Engelsing

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