Unsere Komfortzone ist der (Spiel)Raum in unserem Leben, in dem wir uns nicht überfordert oder gar überwältigt fühlen und uns vielleicht sogar – wie der Name es ja schon sagt – wohl fühlen. Die Komfortzone wird vor allem von inneren Überzeugungen („Ich kann das nicht machen/ aushalten“ u.a.) und äußeren Regeln (wie aktuell der Maskenpflicht) begrenzt. Wenn wir an den Rand unserer Komfortzone geraten – heißt: mit Gedanken und Gefühlen von Druck und Überforderung konfrontiert werden –, kommen wir auch in Kontakt mit den entsprechenden Glaubenssätzen wie „Ich bin nicht sicher in diesem Körper und in dieser Welt.“ Diese Destabilisierung ist das, was im Moment auf der ganzen Welt passiert.

Die Komfortzone eines Großteils der Menschheit funktioniert einfach nicht mehr. Das ist nichts Falsches, sondern Teil eines evolutionären Prozesses, denn Evolution bedeutet, dass das Leben einen Lebensstil, der sich überlebt hat, erschüttert und schließlich „entsorgt“. Wir sind gezwungen, uns zu verändern. Die Corona-Situation ist dabei ein so starker evolutionärer Impuls, dass uns die Rückkehr zum Alten nicht mehr möglich sein wird. Doch was ist das Neue? In meinen Augen ist es eine Bewegung vom Denken hin zum Fühlen. Es geht darum, wieder berührbar zu werden für uns selbst und den Rest der Welt (Die aktuelle Aufforderung, Abstand zu halten und Berührungen zu vermeiden, ist nur ein äußeres Bild für das, was wir sowieso schon tun: Wir vermeiden Berührbarkeit).

Fühlen wieder zulassen ist eine Bewegung, die im Kleinen schon begonnen hat und die für die Bewältigung aller zukünftigen Herausforderungen der Menschheit unbedingt notwendig ist – auch auf der Ebene der wirtschaftlichen und politischen Entscheider. Denn über den Zugang zum Fühlen bekommen wir viel mehr und andere Informationen über einen Sachverhalt oder über eine Situation als über die Abwägung von Argumenten in unserem Verstand. Jetzt könnte man fragen: Aber warum kann diese Veränderung denn nicht sanfter vor sich gehen? Antwort: Es ist kein echter Neustart möglich, bevor das alte System sich nicht aufgehängt hat. Denn auch wenn unser Leben keine echte Komfortzone mehr ist, bekommen wir unseren Hintern meist nicht hoch, um Dinge zu verändern. Erst wenn das Alte nicht mehr funktioniert, sind wir – oft zitternd vor Angst – offen für Neues und bewegen uns. In den Worten der Rockgruppe Led Zeppelin: „When the levee (Damm) breaks, mama, you got to move.“

Jörg Engelsing

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Innenweltreisender, Redakteur der SEIN.

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