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(Interview geführt für SEIN Dezember 2003, aktualisiert 2008)

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Maria M. Reder, geboren 1966 in Rostock, ist seit 12 Jahren freischaffende Künstlerin. Sie durchlief ein klassisches Kunststudium an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden und leitet seit zwei Jahren das Atelier Seelenbilder in Berlin, wo sie Menschen in ihren kreativen Prozessen anregt und begleitet. Kreativität beginnt für sie da, wo das Ich aufhört, nach bestimmten Vorstellungen kreativ sein zu wollen.

Maria, was verstehst du unter Kreativität?

Maria Reder: Kreativität ist ein Teil der universellen Schöpferkraft, die jedem Wesen innewohnt. Viele Menschen verlieren sie im Laufe ihres Lebens, verlernen, selbst Schöpfer zu sein. Wahre Kreativität bedeutet für mich das komplette Loslassen der eigenen Persönlichkeit und das Entdecken einer Sprache, die über die eigene Vorstellungskraft hinausgeht.

Ist aber die Kreativität nicht ein Weg zur eigenen Persönlichkeit?

Die eigene Persönlichkeit wird bei vielen Menschen im Laufe der Jahre von verschiedenen Ereignissen geprägt, die die Person eng und starr werden lassen. Um wahre Kreativität erleben zu können, müssen diese Erlebnisse verabschiedet werden, all die Dinge, die du glaubst zu sein – dann ist es möglich, zu schauen wie ein Kind: offen, neugierig und unschuldig.
Die Schöpfungskraft möchte nichts anderes als sich entfalten und ausbreiten. Was oft im Wege steht, sind wir selbst, gepaart mit dem Druck, etwas leisten und abliefern zu müssen.

Wie hast du zu deiner eigenen Kreativität gefunden?

In meiner Kindheit gab es für mich keine Begrenzung in meinem kreativen Ausdruck. Jeder weiß: Am Bild eines Kleinkindes wird nicht herumkritisiert. Alle Beteiligten freuen sich und staunen über die skurrile Welt, die sich uns mit unvergleichlichem Charme offenbart. Durch Schule und Studium veränderte sich
 dies. Urteile von außen, Vergleiche mit anderen und pseudointellektuelle Konzepte lösten Zweifel in mir aus. Nach Zeiten der Anpassung hatte ich ein Gefühl von Selbstverrat und zog mich zurück. An diesem Punkt stellte ich mir zum ersten Mal in meinem Leben die Frage: Wer bin ich? Ein tiefgreifender Prozess der Selbstfindung begann, und ich bin heute einigen Menschen sehr dankbar, die mich auf meinem Weg unterstützt haben.

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Wie hat sich durch diese Erfahrungen deine Malerei verändert?

Das Wichtigste, was ich erkannt habe, ist: egal, wie gut ich eine Technik erlerne, und sei es noch so perfekt – es reicht nicht aus, um ein Bild zu beseelen, ihm wahres Leben und Ausstrahlungskraft einzuhauchen. Ich spürte, dass es noch eine andere Kraft gibt, die dies vollbringt: die Urkraft, die allen Dingen und Lebewesen innewohnt, Gott. Durch seine Gnade und Führung ist es mir möglich geworden, Bilder mit Seele, für die Seele zu malen. Bilder, die getragen sind von Liebe und Erkenntnis, Bilder, die heilen und das Herz berühren.

Wie darf man sich den Malprozess bei dir vorstellen?

Ich frage mich manchmal, ob die Art meines Ausdrucks noch zeitgemäß ist … Alles wird immer schneller, und ich male an einem Bild manchmal über ein halbes Jahr lang! Doch was sich dann als Ergebnis zeigt, lässt, ebenso wie die Reaktionen der Menschen darauf, keine tiefgreifenden Zweifel mehr in mir aufkommen.

Ich male auf einem speziellen Pflanzenfaserpapier in einer selbst entwickelten Aquarell-Lasur-Malerei. Wenn ich ein Bild beginne, habe ich kein festes Konzept – es ist ein feierlicher, freier und auch sinnlicher Moment. Ein Augenblick der vollkommenen Hingabe. Alles kann und darf passieren, ich lasse mich führen und bin dabei äußerst wach. Meine Antennen und alle Sinne sind sozusagen auf Empfang. Intuitiv erspüre ich, was das Bild braucht und will. Es ist wie eine Entdeckungsreise, ein Abenteuer mit Höhen und Tiefen, Freude und Schmerz. Schöpfungsakt und Geburt, ohne zu wissen was da kommen möchte.

Du malst auch „Seelenbildnisse“ von Personen in deren Auftrag – bist du da nicht zu sehr festgelegt auf diesen bestimmten Menschen?

Die Arbeit an einem Seelenbildnis ist etwas anders gelagert. Es handelt sich ja um eine konkrete Person, die ich zu-nächst porträtiere, um dann mit dieser Vorzeichnung auf das spezielle Papier zu gehen. Es entstehen dann um die Person herum Dinge und Wesen – Tiere, Engel, Verstorbene; Situationen aus der Vergangenheit, Visionen und vieles mehr – ein ganz persönlicher Kosmos.
Für mich besteht die Aufgabe darin, völlig wertungsfrei dem Bild seinen Lauf zu geben und einfach nur zu empfangen und umzusetzen. Ich interpretiere die Bilder nicht. Bei dieser Arbeit habe ich noch viel tiefer begriffen, wie vernetzt wir alle miteinander sind und tätsächlich EINS. Seelenbildnisse dienen dem Menschen als Spiegel, als Kraft- und Erkenntnisquelle. Sie haben auch etwas damit zu tun, sich selbst wertzuschätzen und zu feiern.

Maria_christine.jpgMaria, du leitest seit über 5 Jahren das „Atelier Seelenbilder“ in Friedrichshagen – es gibt Malkurse, Feste, Lesungen, Ausstellungen … Was erwartet die Menschen, die zu dir kommen?

Vor allem eine Atmosphäre, die getragen ist von Respekt, Neugier, Leichtigkeit und Vertrauen. Ich sehe in jedem Menschen, der zu mir kommt, ein vollkommenes Wesen und unterstütze ihn in seinem ureigenen Ausdruck. Dabei arbeite ich sehr individuell in kleinen Gruppen. Jeder hat seine eigenen Themen, darauf gehe ich ein und gebe nichts vor.
Neben klassischem Mal- und Zeichenunterricht, der Vermittlung wichtiger Grundlagen, lehre ich die Verbindung zur eigenen kreativen Schöpferkraft wieder herzustellen und in Fluss zu bringen.

Durch Gottes Führung habe ich einen wahrhaftigen Weg in der Malerei gefunden, dafür bin ich sehr dankbar.

 

Veröffentlichungen:

CD „KlangBilder“ mit Musik, Liedern und Texten zu den Seelenbildern von Maria M. Reder & Michael M. Schneider

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