Rassismus ist kein Problem von weißen gegenüber schwarzen Menschen, sondern ein generelles Gesellschafts-Problem der Entfremdung von sich selbst…

von Mitsch Kohn

Vielleicht klopft die Frage an die Tür, inwieweit die an uns herangetragene Informationsflut überhaupt noch der eigenen Wahrnehmung – oder der inneren Wahrheit – entspricht. Und wie weit wir uns bereits durch die projizierten Emotionen, Ängsten und Vorurteilen haben beeinflussen lassen. Beim Thema Rassismus klopft es gerade besonders heftig an.

Rassismus – eine Entfremdung vom Menschsein

Manchmal kann es gesund sein, den ganzen Wahnsinn und den Anspruch, irgendeine „Wahrheit“ zu kennen, loszulassen… und nur noch die Wahrheiten in sich selbst zu erforschen… . Ein „mediales“ Fasten sozusagen. Wer nicht „fastet“, sieht sich aktuell – neben der Virusgeschichte und all ihrer Stilblüten – stark mit dem Thema Rassismus konfrontiert. Taucht man in die Energie der sorgfältig gesetzten Schlagzeilen und emotionalen Bildmontagen ein, entsteht schnell der Eindruck, es sei eine aus einem fatalen Vorfall, politischen Fehlern und dem generellen durch hellhäutige Menschen verursachten Rassismusproblem in der Welt entstandene „natürliche“ Entwicklung. Schuldige sind schnell gefunden, und die Medien sorgen für die passende emotionale Aufbereitung und die korrekte Denkweise.

Bei genauerem Hinschauen darf man sich aber fragen, ob im Namen des Anti-Rassismus hier nicht ein Krieg angezettelt wird… ein Krieg emotional gegeneinander aufgehetzter und verunsicherter Menschen, ein Krieg der Spaltung und Desorientierung der Gesellschaften, gegen das Miteinander, gegen Völkerverständigung, gegen gesunden Menschenverstand und gegen gesunde gesellschaftliche Lösungen. Und wie in jedem Krieg, stirbt die Wahrheit zuerst und die Hoffnung zuletzt.

Rassismus ist kein „schwarz-weißes Problem“, sondern ein generelles Gesellschafts-Problem der Entfremdung von sich selbst, der Entfremdung vom wahrhaftigen Menschsein. Wir leben an unserer Wahrheit vorbei, kennen uns selbst kaum, kennen weder unsere echten Gefühle und Herzenswünsche, noch unsere tiefsten Ängste, ebensowenig unsere Abgründe. Wir sind getrieben von fremden Ideen, Unzufriedenheiten, Süchten – und oft gefangen in Gedankenschleifen und Opferbewusstsein. Und wir haben Angst, diesen Schmerz, der unter allem liegt, zu spüren. Rassismus ist eines der Ventile, mit dem inneren Druck aus diesem Ungleichgewicht klarzukommen. Das Feindbild im Außen schafft Sicherheit im Innern.

Das Eigen- und Andersartige erkennen und achten

Wer den Zugang zu sich selbst und der uns alle umgebenden Liebe immer wieder sucht bzw. aufrechterhält, und die Verantwortung für sich und seine selbstgestrickten inneren Konflikte und Gefängnisse zu tragen gewillt ist, wird kein rassistisches Weltbild in sich aufbauen (können). Denn er/sie wird die Projektion darin erkennen. Rassismus ist immer eine Form der Projektion. Sie speist sich aus der Selbsterhöhung gegen den „Andersartigen“, wälzt die eigenen Probleme, schrägen Gefühle, Unzulänglichkeiten und Unfähigkeiten auf den anderen ab. Und schafft in sich so eine Welt voller (Vor)Urteile, die die innewohnende Angst und mangelnde Selbstliebe überdeckt und das eigene fragile System und die darin enthaltene Wut und Schuld rechtfertigt. Und dies passiert in mannigfaltiger Art und Weise, überall, jeden Tag. In allen Gesellschaften, in und zwischen allen Hautfarben, in der Politik, in den Medien, in den Familien… .

Wir leben in dieser Welt voller Projektionen, und somit sind die Ressentiments gegen Menschen anderer Hautfarbe, Religion, Kultur, Geschlecht oder auch nur Denk- und Sichtweise tief in den Gesellschaften aller Völker verankert… und werden seit jeher instrumentalisiert. Das darf in die Heilung gebracht werden! Ohne den Kontakt zu uns selbst, sind wir leicht ein Spielball einer angstbasierten Gesellschaftsordnung. Eine Gesellschaftsordnung, die mit geschürten Ängsten und emotional aufgeladenen Bildern die Massen zur „richtigen“ – sprich ihr dienlichen – Haltung und Handlung erzieht.

Wir brauchen einen offenen Diskurs ohne Diffamierung

Emotional gefangen sind wir nicht mehr im Stande, uns selbst zu fühlen, die innere Wahrheit zu spüren und eigenständige Gedanken zu fassen. Die vielschichtige Beschaffenheit von Inhalten werden durch Schlagzeilen ersetzt, selbst grobe Verzerrungen von Inhalten werden nicht mehr hinterfragt, das Denken und Handeln wird steuerbar, und das ist genau das, was nun im großen Stil passiert. Im Namen des Anti-Rassismus werden politische Feindbilder geschaffen, wird politische Agenda durchgesetzt, Gesellschaft destabilisiert und eine fast schon faschistoide Kommunikationsunfähigkeit installiert.

Wie brauchen offenen Diskurs ohne Diffamierung. Wir brauchen die Fähigkeit, uns die Sichtweise eines anderen Menschen anzuhören, auch wenn sie in Teilen nicht der unseren entspricht. Wir benötigen eine differenzierte Sicht, gesunden Menschenverstand und die Fähigkeit, in ausgewogener Verhältnismäßigkeit zu denken und zu agieren. Ein Loslassen von links-rechts-schwarz-weiß-Schubladen und stattdessen Offenheit für Lösungen gesellschaftlicher Probleme. Was wir stattdessen wirklich nötig haben, ist ein echtes Interesse am Miteinander und an Vielfalt, Respekt und Wertschätzung.

Wir brauchen einen Raum der Gleichwertigkeit

Mit dem Respekt und der Wertschätzung gegenüber des eigenen So-Seins wie auch der Andersartigkeit eines anderen, schaffe ich in mir eine Gleichwertigkeit. Diese gilt es in sich und auch in allen gesellschaftlichen Konstrukten zu finden, zu halten und zu etablieren. Dazu ist es kontraproduktiv, die Andersartigkeit (Hautfarbe, Religion, Geschlecht, sexuelle Orientierung, etc.) besonders hervorzuheben, denn im Raum der Gleichwertigkeit braucht es diese Art der Unterscheidung nicht. Dann findet nur eine Begegnung von Mensch zu Mensch statt.

Es ist an der Zeit, sich zu entscheiden, sich der Manipulation bewusst zu werden, der emotionalisierten Desorientierung zu entziehen und sich nicht mehr vor den Karren spannen zu lassen für eine emotional geführte Schlammschlacht. Es ist an der Zeit, für sich selbst den Frieden im Innern zu finden und dieses Licht hinaus zu tragen in allen Handlungen und Worten, und in alle Lebensbereiche hinein. Es ist an der Zeit, die Demut gegenüber der Schöpfung wiederzuentdecken, der Natur zuzuschauen und von ihr zu lernen, über das ewige Leben zu wissen und aus der Selbsterhöhung und der Angst auszusteigen.

Es ist an der Zeit, von den Kindern zu lernen, und ihnen den Raum zu geben, ihrer wahren Natur und Freude folgen zu können, um so auch unsere eigene wiederzufinden. Es ist an der Zeit, wahrhaftig Mensch zu sein. Würde dies gesellschaftlich gewollt und in Politik, Medien und im Erziehungswesen als Leitsatz vertreten werden, dann würde das Phänomen „Rassismus“ in der Bedeutungslosigkeit versinken.

Aktuelle Seminare :
Klang-Heil-Raum intensiv, 4 Tage retreat, Hannover, 19. – 22.11.2020
HAKA meets medicine music: Passau 30.7.-2.8. / Zürich 30.10.-1.11. / Luxembourg 7.-8.11.2020

Author: Lena

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