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Die Demokratie wird uns nicht weiter bringen, meinst Vigor Calma. Denn in der Demokratie hat sich das Ego zwar besser getarnt, im Grunde ist es aber das gleiche Spiel. Ein Wirklicher Quantensprung ist erst in einer Gesellschaft jenseits der Demokratie möglich, einer Gesellschaft, die sich auf einem einfachen Prinzip gründet: Empathie.

 

Was kommt nach der Demokratie?

Ich wuchs auf mit vielen interessanten und abstrusen Ideen, wie ein Mensch „edler“ würde. Wie Mensch sich „verbessern“ könnte. In der Schule lernte ich, dass die Demokratie, das Beste aller denkbaren Systeme sei. Diskussionen, Werkzeuge der Demokratie, wären die edelste Form des Meinungsaustausches. Wenn hier von „besser“ die Rede war, dann steckte da natürlich der Vergleich, und verglichen wurde mit Diktaturen, in denen mit Hilfe von Gewalt bestimmt und unterdrückt wurde. Ein Vergleich, der sich nach unten orientierte. Wo war eine Vision für die Gesellschaftsform nach der Demokratie?

Die Mehrzahl aller Menschen waren vollauf zufrieden, wenn sie das Gefühl hatten, in einer Demokratie zu leben, auch wenn sie dort wenig zu melden hatten. Es reichte Bürgern, die Kriegen entkommen waren, ihre „Stimme abzugeben“. (Sollte nicht jeder Erdling die Stimme behalten? Steckt da womöglich Bequemlichkeit? „Irgendwer wird’s für mich schon richten“?) Diskussionen wiederum, waren erstaunlich selten ein Weg, um zu einem Ergebnis zu kommen, sondern verkamen zu einem unendlichen hin- und herschieben von Argumenten.

Die Argumente, die da ausgetauscht wurden, waren wiederum meist fremd implantierte „Fakten“. Es galt als unreif, „unsachlich“ zu argumentieren, laut zu werden, oder einfach das Gefühl sprechen zu lassen. Das riecht verdächtig nach Ganovenehre und Männerstolz. Wer jemals beobachtet hat, wie zwei Männer auf ihren Standpunkten beharren, und sich wie kleine Jungs eitel in ihrer eigenen Großartigkeit und Unfehlbarkeit suhlen, kann leicht verstehen, wo das Problem des Argumentationsspieles liegt.

 

Vom Argument zum Gefühl

Bis heute vergeht kaum ein Tag, an dem sich nicht mein Gefühl meldet. Ein vages, mal mehr, mal weniger deutliches „Gribbeln im Bauch“, das mir sagt, was die richtige Entscheidung ist. Oder auch, wann ich belogen werde, oder wann Gefahr besteht. Ein vages, kaum zu lokalisierendes Gefühl warnt mich. Beweise oder Fakten lassen sich für dieses Gefühl kaum finden. Womit in einer wissenschaftlichen und kopflastigen Welt fast alle, die sich auf dieses Gefühl berufen, als weltfremde Spinner diskriminiert werden.
In einer Demokratie oder Diskussion gilt es als Tugend, wenn ich das „vage Gefühl“ raushalte, und stattdessen anerkannte Vorkauer zitiere. Zitieren ist die allgemein anerkannte Methode, das eigene Gefühl in die Worte anerkannter Vorkauer zu legen. Die eigene Stimme zu behalten, eigene Gefühle zu artikulieren, ist gefährlich, und führt meist dazu, dass sachliche Denker versuchen, einen zu widerlegen.

So wäre es vollkommen in Ordnung in einer Diskussion Gandhi zu zitieren – würde ich mich jedoch wie er verhalten, wie er, meine Sicht mitteilen, würde ich, genau wie er, erst lächerlich gemacht, dann beschimpft, bedroht, und in der nächsten Konsequenz, würde man mich ins Gefängnis stecken. Wenn erwachsene Egos sich unterhalten, haben Gefühle selten eine Stimme. Eine Erfahrung, die gerade Frauen bis zur Verzweiflung kennen.

Gefühle raushalten – ist das wirklich reif? Oder waren Demokratie und sachliche Diskussionen Fahrzeuge, die von der Tyrannei des Alpha-Männchens, zum nächsten Gefährt führen?

 

Argumentieren – Wettkampf der Egos

Zwei Menschen kommen selten irgendwo hin, solange sie unendlich Argumente austauschen. Im Argumentieren geht es selten um Lösungen, sondern darum wer bessere Argumente hat. Was in letzter Konsequenz heißt: Wer das größte Wissen oder meiste Geld hat, gewinnt. Da ist wieder der Wettkampf. Der Wettkampf als Lieblingsbeschäftigung des Egos.

Wissen ist in diesem Fall eine Anhäufung fremder Meinungen. Fremde Meinungen haben selten mit eigener Wahrnehmung zu tun. Oft nicht mal mit einer bestehenden Aufgabenstellung. Es werden so lange Meinungen ausgetauscht – oder übereinander getürmt – bis ein Gesprächspartner klein bei gibt. Mit Zuhören oder Einsicht hat das wenig zu tun. Wirkliches Zuhören ist ein Werkzeug der Liebe und Empathie. Zuhören stammt aus der Gefühlswelt, in der ein Mensch einen anderen Menschen in sich lässt. Was zumindest in der Politik erschreckend selten geschieht.

In der Politik werden Diskussionen mit Deals beendet. Nicht die gewinnen, die besser argumentieren, sondern es wird ausgehandelt, ob jemand bereit ist, seine Meinung für ein paar Dollar mehr, zurück zu halten. Das ist schon lange keine Demokratie mehr. Mit Empathie hat das noch weniger zu tun, und ob es zum Nutzen von Erdlingen ist, stand bislang äußerst selten zur Debatte. Eine Organisation wie Greenpeace ist ein Hinweis auf das Scheitern des politischen Systems. In einer empathischen Gesellschaft bestünde kein Bedarf an Protesten, oder lebensgefährlichen Kämpfen gegen Naturzerstörer. In einer empathischen Gesellschaft, wären gegenseitiges Handreichen und friedvolles, natürliches Handeln, selbstverständlich.

Was im Großen kaum funktioniert, funktioniert ebenso wenig im Kleinen. Ob Partnerschaft, Freundschaft, oder spontanes Treffen im Café. Überall wird argumentiert, doch selten geschieht Annäherung oder Einsicht. Warum?

Weil Annäherung und Einsicht wenig mit Diskussion oder Demokratie zu tun haben, sondern mit Empathie.

 

Empathie – die Kraft einer einfachen Frage

Es besteht die Möglichkeit das alte, verrostete Gefährt einzutauschen. Empathie ist das Luxusgefährt auf dem Weg ins Nirvana, hier auf der Erde. Ich muss nicht warten, bis meine Körperhülle den Geist aufgibt. Empathie ist jederzeit und für jeden Menschen möglich. Es ist das Unterrichtsfach in Schulen der Zukunft. Empathie ist kein Hokuspokus oder Mysterium. Es ist eine einfache Übung, die sich in einem Satz, einer Frage, zusammenfassen lässt:

„Wie würde ich mich fühlen, wäre ich an ihrer oder seiner Stelle?“

Eine einfache Frage, die ehrliche, eindeutige Antworten ergibt. Plötzlich verschwinden schlaue, sachliche, lukrative Antworten. Meinungen verlieren ihre Wichtigkeit. Diese Frage führt direkt ins Zentrum des Herzens.

Würden die Politiker dieser Welt öfter diese Frage stellen, gäbe es augenblicklich einen Quantensprung zu höherem Bewusstsein. Was in letzter Konsequenz zu Anarchie führt. Mit Empathie wird es unmöglich, sich über ein anderes Wesen zu stellen. Egal welcher Kultur, Hautfarbe, Religion, oder Spezies. Mit dieser einfachen Frage wird eine mentale Verbindung hergestellt. In Afrika verhungert ein Kind in den Armen der abgemagerten Mutter. „Wie würde ich mich fühlen, wäre ich an ihrer Stelle?“

Ganz einfach kommen Antworten, die nicht mit Geld oder Macht zu tun haben. Ich kann jedes beliebige Thema nehmen, bis hin zu einer Möwe, die im Ölschlamm eines havarierten Tankers verendet. „Wie würde ich mich fühlen, wäre ich an ihrer Stelle?“

Augenblicklich wird klar, dass Leben das größte Geschenk ist, und dass es wenig bringt, Argumente auszutauschen, wo Lebewesen sterben oder leiden. Es ist zynisch und veraltet, zu diskutieren, während Erdlinge schreien. „Wenn dieser Erdling schreit… Dann scheint da etwas vor sich zu gehen, was sehr mächtig ist. Ich schreie nur, wenn etwas mich hilflos macht, oder schmerzt.“

Welche Politiker hätten jemals nach diesen Gesichtpunkten gehandelt? Welchen Politikern war nicht die Gefahr lächerlich zu erscheinen, wichtiger, als eben diese tiefe Einsicht in ihre Ansprachen einfließen zu lassen? Hier möchte ich an die ersten Auftritte ökologischer Parteien erinnern, und wie sie gleichermaßen von Medien, wie etablierten Parteien, lächerlich gemacht und diffamiert wurden, um ihre Sichtweisen zu entkräften – bis sie sich in die allgemeine Floskel-Unsprache gefügt hatten.

 

Empathie: Jenseits der Demokratie

Demokratie war ein Gefährt, das die Menschheit teilweise aus der Barbarei geführt hat. Das Ego blieb davon unberührt. Überall schlagen sich Egos Meinungen um die Ohren. In selbstgerechter Idealisierung der eigenen Größe, wird so getan, als wäre das eine grandiose Leistung. Als könnte durch Meinungen etwas geändert werden. Sowenig dieser Text, als Meinung Sinn macht, sowenig kann eine Meinung, ein Argument, die Welt in einen harmonischen, friedlichen Platz verwandeln.

Anders sieht es aus, wenn mit dem Herzen gesehen wird. Es gibt ein Verständnis des Lebens, das nicht mit Zahlen, Daten, oder Fakten belegt werden kann. Frag‘ irgendeine liebende Mutter über ihre Verbindung zu ihrem Kind. Das ist Empathie im Alltag. Dafür muss kein Seminar besucht werden. Es gibt eine Verbindung, und egal wie sie genannt wird, sie bleibt bestehen. Auch wenn sie weder gemessen, noch bewiesen werden kann.

In der Demokratie sind die Egospiele besser getarnt, als in der Diktatur. Das ist alles. Empathie ist davon völlig verschieden. Bei Empathie geht es darum, das in die Welt zu streuen, was Erdlinge für sich selbst wünschen.

Wenn ich wissen will, was wirklich vor sich geht, bin ich gut beraten zu fragen: „Wie würde ich mich fühlen?“
…wäre ich das gequälte Kind, wäre ich die vergewaltigte Frau, wäre ich der verwundete Soldat, wäre ich der diskriminierte Andersdenkende, der Arme, der Reiche, das geschlachtete Tier. Wie würde ich mich fühlen?
Und augenblicklich ist klar, was zu tun ist. Empathie ändert die Welt.

 

Dieser Artikel ist ein Auszug aus dem Buch „Egotod mit Zuckerguß“ von Vigor Calma

 

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Bilder: Bettler – Bestimmte Rechte vorbehalten von Manju’s Clix; Hand of Empathy – Bestimmte Rechte vorbehalten von moonpointer 1

 

Buch

Egotod mit Zuckerguss

Vigor Calma

 

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6 Responses

  1. Yessi Anyone

    Die meisten Menschen sehen mit Sorge in die Zukunft, alle Szenarien scheinen dunkel und auch nicht besser als die Gegenwart.

    Bücher und Filme – super geschrieben und gespielt – zeigen diese Welten, in denen es gegeneinander geht.

    Wir brauchen nachvollziehbare Zukunftsvisionen. Dinge, die die Angst vor der Zukunft in Hoffnung auf ein gutes Zusammenleben bringt. Das geht nur Weltweit und es braucht viel Zeit, bis die Weichen für Veränderungen wirklich gestellt werden können.

    Der Wunsch nach Harmonie ist wichtig und auch die Vorstellung, wie dieses im konkreten Leben aussehen kann.

    Mein Buch zeigt die Welt in einer guten Zukunft. Wer mag, kann mich anschreiben und erhält das Buch als PDF.

    Je mehr Menschen sich eine gute Zukunft vorstellen können, desto bereiter sind alle aufeinander zuzugehen und gemeinsam nach dem Weg zu suchen.
    http://yessianyone.jimdo.com/

    Mein Engagement kann einer der vielen Tropfen sein, die für ein echtes Umdenken sorgen.

    Antworten
  2. Leena Keuler

    Hallo an André Koch-Engelmann, die Montes und alle Leser des Artikels,

    ich verstehe sehr gut, dass man Bauchschmerzen bekommt bei Worten wie Nirvana und Zeitschriften wie Sein. Trotzdem finde ich, dass eine große Wahrheit in diesem Text liegt, sie aber für uns Leute, die weniger esotherisch veranlagt sind, in andere Worte gefasst werden müsste.

    Leena Keuler

    Antworten
  3. Kristina

    @Anja
    es fällt mir immer wieder auf, dass alle die sich Einheit und Verbundenheit wünschen, glauben nur mit bunten Schmetterlingen, Regenbogen und Blumenkindern verbunden zu sein. Dabei blenden alle diese Einheitsgläubigen aus, dass sie in der Einheit auch mit allem Schmerz dieser Erde verbunden sind d.h. auch mit allen vergewaltigten Kindern, Folteropfern, kriminellen Psychopathen, vergifteter Erde und gequälten Tieren.
    Für dich und für alle Einheitspropheten die vor der echten Einheit ihre Augen verschließen, habe ich ein Video von dem berühmten Musiker Thomas D. verlinkt:

    Thomas D – das Geschäft mit dem Tod
    http://www.youtube.com/watch?v=DB-9kpaSFhg&feature=related
    http://www.youtube.com/watch?v=dzNOBcvwSXc

    Antworten
  4. Anja

    Empathie und der Flügelschlag des Schmetterlings … Uns verbindet mehr, als uns trennt … Dazu habe ich ein Video (die ersten 14 Minuten):

    https://www.youtube.com/watch?v=76ubhy1y_2E&feature=relmfu

    Alles Liebe Euch allen!

    Antworten
  5. Kristina

    Der Artikel hat mich beeindruckt, da der Autor das Wesentliche schlicht auf den Punkt gebracht hat und zum radikalen Umdenken angeregt hat.
    Ich bin der Überzeugung, dass jeder Mensch immer eine Wahl und freie Entscheidung hat, das Leben und die Freiheit aller Lebewesen zu respektieren oder Zwang und Leid zu verursachen.
    Es wäre natürlich ideal und paradiesisch, wenn jeder das Leid eines anderen Lebewesens mitfühlen würde und kein Leid mehr verursachen würde.

    Antworten
  6. Oliver

    @Redaktion. Der voriger Code war für mich schlecht lesbar, darum schicke ich den Text noch einmal ab.

    Empathie, das scheint mir wirklich ein Schlüssel zu einer anderen Sicht zu sein. Ich selbst bemerke, dass ich sie in politischen Kontexten immer wieder vergesse, dass ich mich aber unwilkürlich entspanne und weicher werde, wenn ich empathisch bin.

    Andererseits sehe ich nicht, warum Empathie im Gegensatz zur Demokratie stehen sollte. Schließlich beschreibt Demokratie ja nur ein Verfahren, an dem möglichst alle potentiell Betroffenen beteitligt sein sollen. Wir könnten uns PolitikerInnen im Bundestag vorstellen, die empathisch sind und gleichzeitig nach allen Regeln der demokratische Strukturen entscheiden.

    Mir macht der Abgesang auf Demokratie Angst. Nun, wenn ich jetzt empathisch mit mir selbst bin, sollte ich prüfen, ob diese Angst unbegründet ist oder nicht. Welche Motive und Erfahrungen stecken dahinter?

    Eine scheint mir darin zu bestehen, dass ich z.T. heftige Auseinandersetzungen mit Menschen hatte, die sich empathisch gaben und mir vermittelten, dass sie auf ihre innere Stimme hören. Leider gabe die aber ganz andere Signale als meine. Ja, oft waren diejenigen, die meine persönlichen Erfahrungen am nachhaltigsten ignorierten diejenigen, die am stärksten der Ansicht waren, auf ihre innere Stimme oder ihr Herz zu hören.

    Wie also könnte eine nicht-demokratische Entscheidungsstruktur aussehen, wenn genau das passiert? Eine solche Entscheidungsstruktur müsste Millionen von Menchen einbeziehen können.

    Dann gibt es Fragen, in denen Empathie alleine zu keinen Entscheidungen führt. So sind die Details des Steuerrechts sicher etwas, das mit Empathie alleine nicht zu regeln ist.

    Dann kann es sein, dass ich Empathie mit Menschen empfinde, die ich dennoch in ihrem Handeln stoppen muss – aus Empathie mit ihren Opfern. Dann stellen sich Fragen, die auch eine gute Portion Vernunft und Verstand benötigen: Was darf ich tun, was nicht (z.B. finaler Tötungsschuss bei Geiselnahme). Welche Mittel sind geeignet? etc.
    Darüber hinaus gibt es moralische Fragen, in denen ich Empathie mit allen Beteiligten haben kann, z.B. im Falle der Abtreibung, am Schluß aber dennoch eine Lösung stehen muss, die nicht alle Interessen und Gefühle sämtlicher Beteiligten vollständig berücksichtigen kann.

    In allen diesen Fällen brauche ich legitime Entscheidungsregeln, die möglichst alle potentiell Betroffenen beteiligen, kurz gesagt, ich brauche Demokratie. Sie ist der Preis einer Welt, die eben nicht perfekt ist – und wohl niemals perfekt sein wird.

    Ich halte Empathie deswegen für ergänzungsbedürftig – in der Politik durch demokratische Spielregeln. Vigor calma scheint mir eine persönliche ethische Haltung unmittelbar auf Politik übertragen zu wollen. So sehr ich mir einen empathischer Umgang in der Politik wünsche, so sehr halte ich Demokratie und öffentlicher Vernunftgebrauch für unabdingbar.

    Antworten

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