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Atomstrom: unsicher und zu teuer

In 50 Jahren Atomstrom kam es zu 5700 Pannen in Atomanlagen – das zeigen Greenpeace-Recherchen anlässlich des 50-jährigen bestehen des Atomforums. Bei der Veranstaltung tritt auch Bundeskanzlerin Merkel (CDU) als Festrednerin auf.

„Jede dieser 5700 Pannen hätte zu einer Atomkatastrophe führen können. Die Risiken der Atomkraft haben sich durch alternde Reaktoren und neue Gefahren wie terroristische Anschläge deutlich erhöht“, sagt Greenpeace-Atomexperte Tobias Münchmeyer. „Wenn Frau Merkel mit dem Atomforum feiert, verhöhnt sie die gesundheitlichen Schäden und die tödlichen Risiken, die durch Atomkraft entstehen.“

Die CDU fordert in ihrem Wahlprogramm eine Verlängerung der Laufzeiten für alte Atomkraftwerke. Dabei hat es erst vor wenigen Tagen im gerade wieder angefahrenen AKW Krümmel eine erneute Panne gegeben. „Der Pannenreaktor Krümmel muss ebenso wie die sieben ältesten deutschen Meiler sofort vom Netz“, so Münchmeyer.

Auch Bundesumweltminister Sigmar Gabriel mag nicht so recht mitfeiern beim Jubiläum:

„50 Jahre Atomforum – das bedeutet ein halbes Jahrhundert Lug und Trug. Die Propagandazentrale der Atomkonzerne steht wie kaum eine andere Institution für das bewusste Verschweigen, Verdrängen und Verharmlosen der Gefahren, die mit der kommerziellen Nutzung der Atomenergie verbunden sind.“ Das Atomforum „hat in den 50 Jahren seiner sinnlosen Existenz keinen Propagandatrick und erst recht keine Kosten gescheut, den Deutschen die Atomkraft schmackhaft zu machen und ist doch genau daran gescheitert. Und mit dem absehbaren Abschalten des letzten Atomkraftwerks in Deutschland wird auch das Deutsche Atomforum dort landen, wo es hingehört: auf dem Misthaufen der Geschichte“, erklärte der Minister.

 

Nicht nur zu gefährlich – auch zu teuer

Laut einer Studie des Bundesumweltministeriums vom vergangenen Freitag ist zudem entgegen den Behauptungen des Deutschen Atomforums nicht davon auszugehen, dass Laufzeitverlängerungen von Atomkraftwerken zu einer Senkung der Strompreise führen. Im Gegenteil, so hieß es, sei sogar „die Möglichkeit gegeben, dass bei einer Laufzeitverlängerung das Strompreisniveau steigt.“

Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) wollte mit der Untersuchung eines der wichtigsten Argumente der Energiebranche entkräften – dass Atomstrom nämlich die kostengünstigste Stromquelle darstellt. Die Untersuchung hat Strompreise in einzelnen EU-Staaten verglichen und kommt zu dem Ergebnis, das es „keinen Zusammenhang zwischen hohem Kernenergie-Anteil und Strompreisniveau“ gebe. „Im Gegenteil: Es finden sich sowohl Staaten mit hohen Kernenergieanteilen und sehr hohem Preisniveau für Haushalts- und Industriekunden als auch Staaten mit niedrigem Kernenergieanteil und niedrigem Preisniveau“, heißt es in der Untersuchung. In Ländern wie Frankreich, mit sehr langen Reaktorlaufzeiten und einem Atomstrom-Anteil von 80% liegt der Strompreis sogar höher als in Deutschland. Längere Laufzeiten machen den Strom also vielleicht sogar teuer.

 

Quellen

Text:
greenpeace.de, Bundesministerium für Umwelt, Spiegel.de

Bilder
AKW-Grafik: Hendrik Tammen / Wikimedia
Atomkraftwerk: Rahm Emanuael / Wikimedia

 

 

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