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Forscher tauschen Eizellen-DNA aus

Gehören viele Erbkrankheiten bald der Vergangenheit an? Forscher in den USA haben ein Verfahren entwickelt, mit dem sie mutierte DNA in Eizellen ausschneiden und durch gesunde DNA ersetzen können: Wissenschaftler des Oregon National Primate Research Center und der Oregon Health & Science University haben bei Affen zeigen können, dass sie Teile des genetischen Codes der Mitochondrien aus einer Eizelle entfernen und durch einen normalen Gencode aus einer anderen Eizelle ersetzen konnten.

Mitochondrien sind die „Kraftwerke“ der Zellen und verfügen über eigene DNA, die nur von der Mutter vererbt wird. Ist die DNA defekt, kann dies zu schweren Erkrankungen wie Muskelkrankheiten, Unfruchtbarkeit, neurodegenerativen Krankheiten und bestimmten Formen von Diabetes und Krebs führen. Wie die meisten Gendefekte gelten diese Krankheiten bislang als unheilbar und die Ärzte können lediglich die Symptome bekämpfen. Denn Mitochondrien sind in jeder Zelle enthalten und können weder ersetzt noch ausgetauscht werden.

Die neue Technik könnte nun einen Durchbruch bringen: Die von den Forschern „korrigierten“ Affen-Eizellen konnten befruchtet werden und führten zu gesunden Nachkommen. Allerdings setzt die Behandlung eine künstliche Befruchtung voraus.

 

 

Schwierige Fragen

Die neue Technik könnte erneut die Debatte um Gentechnik und pränatale Diagnostik anfachen. Denn Gen-Extremisten sind schon jetzt der Meinung, die Fortpflanzung des Menschen sollte ganz auf künstliche Befruchtung umgestellt werden:

„Sie erlaubt es auch im Hinblick auf andere Erbkrankheiten, ob Eltern die biologische Lotterie, also das „Schicksal“, entscheiden lassen oder genetische Verantwortung für ihre Kinder übernehmen wollen. Kinder mit Erbkrankheiten werden ihren Eltern Glücksspiel auf ihre Kosten vorwerfen können, wenn sie nicht alle Möglichkeiten ausschöpfen, ihnen Leiden zu ersparen“, schreibt Florian Rötzer auf Telepolis.

Die Möglichkeit der pränatalen Diagnostik wirft schwierige Fragen auf: Ist es in Ordnung, derart in den natürlichen Lauf der Dinge einzugreifen und die eigene Spezies bewusst zu „optimieren“? Von der anderen Seite: Ist es ethisch noch vertretbar, ein krankes und dauerhaft leidendes Kind zur Welt zu bringen, wenn die Krankheit sich gentechnisch vermeiden lässt? Die Menschheit wird sich diese Fragen in den nächsten Jahren beantworten müssen.

Zum Thema: Gentechnik, Roboter & KI: Wohin geht die Reise?

 

Bilder: ohsu.edu

 

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