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Taktgefühl ist Kindern in die Wiege gelegt

Was Eltern schon immer wussten, bestätigen nun Wissenschaftler: Kindern bewegen sich aktiv, spontan und unaufgefordert zu Musik. Musikforscher und Psychologen aus Finnland und England konnten zeigen, dass Babys ihre Bewegungen mit Feingefühl auf den Rhythmus von Musik abstimmen, und zwar schon lange bevor sie zu sprechen beginnen. Veröffentlicht wurde die Forschung in der Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences.

Die Wissenschaftler spielten 120 Kindern zwischen fünf Monaten und zwei Jahren zahlreiche Hörbeispiele vor. Sie filmten die spontanen Bewegungen der Kleinen und verglichen sie bei verschiedenen Stimuli, unter anderem bei klassischer Musik, rhythmischen Schlagzeugschlägen, Kinderliedern und auch bei gesprochener Sprache. Es zeigte sich, dass Babys besonders auf Rhythmus und Tempo der Musik ansprechen, während andere Elemente wie etwa die Melodie weniger wichtig waren. Am geringsten war die Reaktion auf Sprache.

 

Kein Lernprozess nötig

Studienleiter Marcel Zentner von der University of York sieht in den Ergebnissen den Nachweis dafür, dass das Rhythmusgefühl angeboren ist. „Da die Reaktion schon im Alter von sechs Monaten zu entdecken war, kann man ausschließen, dass sie Ergebnis eines längeren Lernprozesses ist“, so der aus der Schweiz stammende Psychologe. Weitere Hinweise liefere die Tatsache, dass alle Babys ähnlich reagierten, egal ob sie mit ihren Müttern seit dem Alter von drei Monaten frühmusikalische Kurse besuchten oder nicht. Auch die Einstellung der Eltern zu Tanz und Musik hatte keinen Einfluss.

„Rhythmus und Taktschlag sind tragende Elemente der Musik, auf die Kleinkinder reagieren. Es scheint, als ob Kinder damit bereits vertraut werden, wenn sie im Bauch der Mutter den Herzschlag hören“, so Zentner. Je besser sich die Säuglinge zur Musik bewegten, desto eher lächelten sie, was ein Hinweis auf den Lustgewinn aus dem Tanz sei. Ein derartiges natürliches Taktgefühl wurde bisher nur beim Menschen festgestellt. „Bisher ist noch in Debatte, ob es einen Selektionsdruck gab, der das Gehirn Musik verarbeiten ließ“, berichtet der Forscher.

 

Unbefangenheit geht später verloren

Wahrscheinlich ist das Ausmaß der Reaktion der Babys in Wahrheit stärker als die Studie zeigen konnte. „Um den wissenschaftlichen Nachweis zu liefern, untersuchten wir die Babys im Labor. Es ist anzunehmen, dass sie im alltäglichen Umfeld unbefangener reagieren.“ Genau diese Unbefangenheit werde in unseren Breiten später oft zum Verhängnis. „Die Spontaneität der Reaktion nimmt im Lauf der Kindheit und Jugend scheinbar ab, dazu gesellt sich dann oft ein Schamgefühl“, vermutet der Forscher.

 

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Text: Pressetext.de

Bild: Daniel Wabyick

 

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