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Wer die heutige Jugend als „Generation Ich“ bezeichnet, verkennt die Realität. Das sagen zumindest Psychologen der Michigan State University. Im Vergleich zur Jugend vor 30 Jahren seien heutige Jugendliche nicht egozentrischer, fauler oder unpolitischer, hätten kein geändertes Selbstwertgefühl und genauso viel Hoffnung. Weder die allgemeine Lebenszufriedenheit noch die Bedeutung von Religion und Sozialstatus hätten sich verändert, berichten die Wissenschaftler um Brent Donnellan im Fachmedium „Perspectives on Psychological Science“.

 

Ältere schimpfen schon immer

Die Forscher beziehen sich in ihren Aussagen auf die Untersuchung „Monitoring the future“, für die bisher fast 500.000 Jugendliche in einem Zeitraum von 33 Jahren befragt wurden.

„Die Jugendlichen ähneln der Generation vor 30 Jahren. Sie versuchen, ihren Platz in der Welt zu finden und dabei ihre Identität zu entwickeln. Das kann nach wie vor schwierig sein“, so Studienleiter Donnellan. Die gängigen Stereotypen seien starke Überzeichnungen der Realität, zudem sei es schon immer so gewesen, dass ältere Teile der Bevölkerung über die Jüngeren schimpfen.

Einige Unterschiede zu früheren Jahrzehnten wurden freilich schon sichtbar. Jugendliche schätzen ihre Bildungschancen heute höher ein, zudem sind sie zynischer und haben weniger Vertrauen in Institutionen. Die letzten beiden Entwicklungen sind jedoch laut den Forschern nicht jugendtypisch, sondern in allen Altersgruppen festzustellen.

Ein weiteres Ergebnis ist, dass sich Jugendliche weniger von Sozialproblemen wie Ausgrenzung, Hunger und Armut in der Gesellschaft berühren lassen. Eine Aussage, die der Bielefelder Soziologe Mathias Albert nicht nachvollziehen kann. „Ich sehe nicht, dass Jugendliche heute von Sozialproblemen weniger betroffen wären“, so der Mitautor der Shell-Jugendstudie gegenüber pressetext.

 

Unterschiede trotz globaler Jugendkultur

Das Bild der „Generation Ich“ entstand, als die sogenannte 68er-Generation traditionelle Werte wie Treue und Familienbezogenheit zugunsten der eigenen Selbstverwirklichung immer mehr zurückdrängte. „Gerade im Rahmen der letzten beiden Shell-Jugendstudien haben wir aber etwa in Deutschland beobachten können, dass Jugendliche heute solche traditionellen Werte mit dem Streben nach individueller Selbstverwirklichung kombinieren“, erklärt der Jugendforscher. Die Rede von einer „Generation Ich“ gehe an der Realität vorbei, muss auch Albert feststellen.

Vergleichen könne man die Ergebnisse mit Europa nicht. Zwar hätten Jugendkulturen und ihre Integration in Konsum- und Freizeitmärkte schon seit längerem zu einer ‚globalen Jugend‘ geführt. „Dennoch gibt es große Unterschiede in Einstellungen und Lebenslagen zwischen Europa und den USA, jedoch auch innerhalb Europas“, so Albert. Statt über die gesamte Alterskohorte zu generalisieren, sollte man lieber auf Entwicklungen achten, die sich in den Detailergebnissen verstecken. „Interessant wäre, welche Wertetypen sich herausgebildet haben und wie diese mit den Einstellungen Jugendlicher zusammenhängen.“


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Text: Pressetext.de

Bild: Ecamp

 

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