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Von Montag bis Mittwoch dieser Woche fand in New York der der UN-Millenniumsgipfel zur Armutsbekämpfung statt. Etwa 140 Staats- und Regierungschefs trafen sich, um eine Zwischenbilanz über bisherige Erfolge der vor zehn Jahren beschlossenen „Millenniumsziele“ zu ziehen. Doch das Ergebnis sieht eher dürftig aus.

Für die Beseitigung des Hungers fehlt das Geld, für die Rüstung nicht

Die Zahl der Hungernden ist mit heute 923 Millionen Menschen sogar noch angestiegen. Und das Ziel, die Weltarmut bis 2015 zu halbieren, scheint unmöglich, denn die meisten der Industrieländer schaffen es nicht einmal, 0,7% ihres Bruttoinlandsprodukts für Entwicklungshilfe zur Verfügung zu stellen.

Dazu fehle gerade in Krisenzeiten das Geld, so der allgemeine Tenor. Fehlen tuen dadurch laut Uno Generalsekretär Ban Ki-moon etwa 100 Milliarden US-Dollar. Wo die sind, erklärt sich leicht: Laut dem Stockholmer Friedensforschungsinstitut, SIPRI, betrugen die weltweiten Rüstungsausgaben 2009 1.531 Milliarden US Dollar – das Zehnfache dessen, was bei der Armutsbekämpfung so dringend fehlt. Und eine stolze Steigerung von 49 Prozent gegenüber dem Jahr 2000, als die Millenniumsziele beschlossen wurden.

„Arme Ländern kaufen U-Boote, Bomber, Raketen, Kampfjets, Panzer usw. Dieser Schrott wird ihnen von oft staatlichen Exportagenturen der Industrieländer aufgeschwatzt. Nicht selten wird dabei auch tüchtig geschmiert. Die führenden Staaten dieser Welt, die USA, Russland, Großbritannien, Frankreich und China, also die fünf Mitglieder des Sicherheitsrates der UNO, überschwemmen die Welt mit Kriegsmaterial“, schreibt Heinrich Frei dazu beim Zeitpunkt. Deutschland ist übrigens der drittgrößte Verkäufer von Rüstungsgütern auf dieser Erde.

Glück statt Geld

So wichtig Geld zur Sicherung der Grundbedürfnisse sicherlich ist, so wenig kann es das eigentliche Ziel sein. Daran erinnerte Bhutans Ministerpräsident Jigme Thinley die versammelten Regierungschefs. Für ihn sei die weltweite Konzentration auf materielle Werte „gefährlich und dumm“.

Das Streben nach Glück und Zufriedenheit sei mindestens genauso wichtig, wie die materiellen Entwicklungsziele. Eine eindimensionale Ausrichtung sei weder besonders klug noch nachhaltig: „man benötigt nicht viel Intelligenz, um einzusehen, dass das endlose Streben nach materiellem Wohlstand in einer Welt mit begrenzten Ressourcen nicht nachhaltig ist“, gab er zu bedenken. Thinleys Vision ist die einer vor allem glücklichen Menschheit – ein Ziel, das die gesamte Menschheit betrifft und vereint.

Bhutan ist schon vor Jahren mit gutem Beispiel vorangegangen und hat das Bruttosozialprodukt als wichtigsten Indikator durch das „Bruttoglücksprodukt (Bruttonationalglück) ersetzt – ein Maßstab der Lebenszufriedenheit der Bürger Bhutans, das nun oberster Maßstab für alle Regierungsaktivitäten ist.

 

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Eine Antwort

  1. WellenbeobachterHH

    Das entscheidende Zitat ist:

    „So wichtig Geld zur Sicherung der Grundbedürfnisse sicherlich ist, so wenig kann es das eigentliche Ziel sein. Daran erinnerte Bhutans Ministerpräsident Jigme Thinley die versammelten Regierungschefs.“

    So lobenswert sein Grundgedanke des „Lebensglücks“ auch ist – in diesem Punkt irrt sich Herr Thinley gewaltig!!!

    Geld bedeutet im Sinne des Kapitalismus immer Mehrwertbildung!!! DAS ist die Ursache von Hunger, und nicht allein die Subjektivität westlicher Regierungen. Kapitalismus heißt immer KONKURRENZ, Standortvorteil, Rendite für Aktionäre. Da wird Hunger notgedrungen in Kauf genommen. Im Westen hat kein Politiker ernsthaft ein Interesse daran, den Hunger und die Ungerechtigkeit in der Welt zu beseitigen, weil dann müssten sie ihr eigenes System beseitigen, seine Basiskategorien und sein ideologisches Konstrukt aus Halbwahrheiten und Lügen, die man zur Rechtfertigung des Kapitals benötigt.

    Diesbezüglich hat Herr Thinley etwas mit dem Westen gemeinsam: sein Verhältnis zur Logik des Kapitalismus ist scheinbar viel zu unkritisch.

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