Anzeige

Die Zahl der Menschen, die wegen psychischer Probleme und Burnout in Frührente gehen, steigt immer weiter an. Nicht selten führt der Weg direkt in die Altersarmut.

Frührente: Ausgebrannt aufs Abstellgleis

Wachstum, Wachstum, Wachstum lautet die Devise. Es muss länger, härter und schneller gearbeitet werden. Zumindest in einem Bereich scheint der Wachstums-Wahn unserer Gesellschaft besonders erfolgreich umgesetzt zu sein: Bei der Anzahl der Menschen, die unter ihrer Arbeit zusammenbrechen und ausgebrannt und psychisch zerrüttet in die Frührente geschickt werden.

Im Jahr 2012 stieg die Zahl der Betroffenen auf 75.000 Menschen – eine ganze Kleinstadt voll. Der Altersdurchschnitt liegt bei gerademal 49 Jahren. Insgesamt ist ein erschütterndes Wachstum zu verzeichnen: Seit 2001 stieg die Zahl der Frührentner wegen Depressionen um 96 Prozent und wegen Persönlichkeitsstörungen um 74 Prozent, bei den Suchterkrankungen sind es 49 Prozent.

Es dürften noch viel mehr Menschen mit diesen Problemen zu kämpfen haben, wie sich auch am Anstieg der Fehltage aufgrund von starken Depressionen ablesen lässt – die haben sich seit der Jahrtausendwende ebenfalls verdoppelt.

Lange Leidensgeschichte

Der starke Anstieg ist wohl eher kein Phänomen von kulanteren Psychiatern, wie manche vermuten. Den meisten Berentungen geht eine lange Leidensgeschichte voraus, wie die Psychotherapeutenkammer bestätigt. Eine Therapie bekommt aber nur jeder Dritte – die Krankenkassen schicken die Betroffenen lieber in die Reha, denn die wird aus der Rentenkasse bezahlt.

Aber selbst eine Therapie wäre wohl nur Symptombekämpfung – es ist der menschenunwürdige Arbeitsalltag, der die Menschen fertigmacht.

„Wir brauchen eine Anti-Stress-Politik, damit Arbeit nicht länger krank macht“, forderte Annelie Buntenbach vom Deutschen Gewerkschaftsbund. Vielleicht brauchen wir aber auch noch viel mehr.

Ab in die Armut

Nicht nur dass die betroffenen Menschen teilweise ihres Lebens nicht mehr froh werden weil sie sich perfider Weise auch noch als Versager fühlen, ist tragisch, auch wirtschaftlich ruiniert es die Menschen in vielen Fällen.

Denn die Frührente liegt bei durchschnittlich 600 Euro – was das in einer Gr0ßstadt bedeutet, kann sich jeder selbst ausmalen. So verläuft für viele Menschen der Weg vom Schreibtisch über die Reha direkt in die Altersarmut.

Wie lange wird es wohl dauern, bis wir endlich auf gesellschaftlicher Ebene beginnen, das Arbeits-Paradigma zu hinterfragen?

 

Mehr Artikel zum Thema Arbeit

Das Ende der Arbeit

Hartz-4: Zurichten für den Sklavenmarkt

Die Befreiung der Arbeit: Das 7-Tage-Wochenende

Hinterlasse einen öffentlichen Kommentar

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.

*