Im Königreich Bhutan wird mehr CO2 gebunden als produziert. Damit hat das Land eine der besten CO2-Bilanzen der Welt.

Von Oliver Bartsch

Zur Energiegewinnung setzt das Land im Himalaya auf die regenerative Wasserkraft – und will für eine noch bessere Klimabilanz Millionen Bäume anpflanzen. Am Ufer des Flusses Puna Tsang Chu steht ein Wasserkraftwerk, welches täglich so viel Energie erzeugt, dass knapp eine halbe Million Privathaushalte mit Strom versorgt werden können.

Das Wasser wird durch unterirdische Tunnelsysteme ins Kraftwerk geleitet, damit nichts an der Oberfläche zerstört wird. Denn bei allem, was man in Bhutan tun, ist die oberste Priorität, die Natur nicht in Mitleidenschaft zu ziehen. Die Natur zu schützen ist ein in der Verfassung festgelegtes Ziel. Die Folge: Bhutan hat weltweit eine der besten CO2-Bilanzen. Was auch damit zu tun hat, dass neben einer riesigen Waldfläche nur eine kleine Industrielandschaft ansässig ist. So bindet das Land mehr Kohlendioxid als es ausstößt.

Aber auch in Bhutan macht sich der Klimawandel bemerkbar. schon. Die Gletscher schmelzen, Schnee fällt nur noch in höheren Lagen, extreme Naturereignisse nehmen zu. Deshalb haben die Verantwortlichen beschlossen, mehr als eine Million Bäume in den nächsten drei Jahren im Land anzupflanzen. Doch das Projekt, das die CO2-Bilanz des Landes noch weiter verbessern soll, hat ebenfalls mit den Auswirkungen des Klimawandels zu kämpfen.

In diesem Jahr mussten sie das Anpflanzen vieler Bäumen nach hinten verschieben. Der Boden war aufgrund von ausbleibender Regenfälle einfach noch zu trocken. Der Wassermangel führte auch dazu, dass die Ernte vieler Bauern kaputt ging. Der Großteil der Menschen in Bhutan lebt von der Landwirtschaft. Ein Ernteausfall stellt sie vor existentielle Sorgen.

Obwohl die Erde noch immer trocken ist, will das Aufforstungs-Team keine weitere Zeit mehr verlieren. Trotz des staubigen Bodens pflanzen sie so viele Bäume an, wie sie nur können. Ihre Ziele sind ehrgeizig gesteckt. Sie wollen innerhalb der nächsten zehn Jahre mehr als zehn Millionen Bäume anpflanzen.

Mit seinen bis zu 7.500 Meter hohen Bergen, zahlreichen Flüssen, Gletschern und Niederschlägen ist Bhutan wie geschaffen für die Energiegewinnung aus Wasserkraft – ganz ohne Treibhausgase. Fast acht Milliarden Kilowattstunden CO2-freien Strom aus Wasserkraft produziert das Land mit weniger als einer Million Einwohner im Jahr. 75 Prozent des in Bhutan produzierten Stromes fließen direkt nach Indien – wichtige Exporte, die mehr als 50 Prozent der Staatsausgaben decken.

Knapp 30 Prozent der Staatseinnahmen werden mit Wasserkraft erwirtschaftet. Aufgrund seiner geographischen Gegebenheiten wird sich Bhutan niemals zu einem hochindustrialisierten Land entwickeln. Energiegewinnung, Tourismus und ein wenig Export von Agrarprodukten wie Äpfel sind die einzigen Devisenquellen des armen Landes. Das Bruttoinlandsprodukt lag 2018 laut Weltbank bei nur 3.100 US-Dollar pro Kopf. Zum Vergleich: In Deutschland betrug das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf im gleichen Jahr knapp 44.500 US-Dollar.

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