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Wenn Zeichen, Synchronizitäten und Begegnungen einen Menschen immer wieder auf etwas hinweisen – dann muss doch etwas dran sein. Das sah auch Hans-Jürgen Gruber so beim Thema frühere Leben. Schon früh hörte er den Ruf aus der Vergangenheit und folgt dieser Lebensspur bis heute.

 

Wenn es so etwas wie einen Auslöser gibt für die Erinnerung an vergangene Leben, dann war es in meinem Fall – 9jährig – der Bericht im Stern über die Entdeckung eines Sonnenschiffs an der Südseite der Cheops-Pyramide im Jahre 1953. Alles kam mir so bekannt vor, als ob ich dort früher bereits einmal gelebt hätte.

Von da an gab es nur noch ein Thema für mich. Während andere Gleichaltrige zum Fußballspiel gingen, träumte ich nur noch von Ägypten, Pyramiden und Pharaonen. Doch es sollten noch 23 Jahre ins Land gehen, ehe ich meinen Traum, dorthin zu reisen, endlich verwirklichen konnte.

Ich wuchs in einer süddeutschen Kleinstadt auf, in der – kurz nach dem Krieg – noch sehr autoritäre Strukturen vorherrschten: Schule, Elternhaus und Kirche arbeiteten Hand in Hand zum „Wohl“ des Kindes – und natürlich wurden dort keine weltfremden Themen wie eine mögliche Reinkarnation diskutiert. Niemand hat zu dieser Zeit die bestehenden Normen hinterfragt oder angezweifelt. Unverstanden und von allen Seiten eingeengt, fing ich deshalb schon früh an, über grundsätzliche Fragen nachzudenken, nach dem „Warum und Wieso“. Ich konnte nur mit niemandem darüber sprechen. Mein Wunsch, Ägyptologe zu werden, wurde als Hirngespinst abgetan, statt dessen hatte ich nach dem Abitur eine Banklehre zu absolvieren.

 

Erste Erinnerungen

Später, zu Beginn meines Studiums, fiel mir auf dem Wühltisch eines Kaufhauses ein Buch in die Hand, das für mich wie eine Offenbarung war: „Das Rad des Lebens“ von John Blofeld, einem bekannten britischen Autor und Asienkenner. Er beschreibt dort unter anderem, wie ihn in seiner Kindheit eine kleine Buddhafigur als erstes Indiz daran erinnerte, bereits schon früher einmal als buddhistischer Mönch in China gelebt zu haben. Sofort erkannte ich Parallelen zu meiner eigenen Erinnerung an Ägypten und hatte einen Seelenverwandten gefunden, der ähnlich wie ich Erinnerungen an ein früheres Leben hatte.

Meine damalige Freundin war ein zweiter Meilenstein auf dem Wege der Erkenntnis. Medial veranlagt, konnte sie in Trance die Vergangenheit beschreiben und sprach ebenfalls von früheren Leben, aus denen wir uns schon kannten.

Da es für den Reinkarnationsgläubigen keinen Zufall gibt, war es auch kein solcher, dass ausgerechnet in süddeutschen Freiburg der erste und einzige Lehrstuhl für Parapsychologie bestand, unter Leitung von Prof. Hans Bender. Bald schon verbrachte ich in seinen Vorlesungen mehr Zeit als in meinen volkswirtschaftlichen Veranstaltungen. Es ging dabei inhaltlich genau um die Themen, die mir am Herzen lagen, wie übersinnliche Wahrnehmungen und parapsychologische Phänomene aller Art.

Zu dieser Zeit kam ich über den Karatesport erstmals mit dem Zen-Buddhismus in Berührung, der mich die kommenden Jahre stark beschäftigen sollte. Ich verschlang buchstäblich jede Literatur, die ich dazu bekommen konnte. Meine Fragen bezüglich des Lebens waren zwar noch nicht alle grundlegend beantwortet, aber mit Hilfe der Zen-Meditation, die ich unter anderem bei Karlfried Graf Dürckheim und Philipp Kapleau – zwei berühmten Zenmeistern – erlernte, kam ich doch ein gutes Stück weiter in meinen Erkenntnissen über die Sinnfindung.

 

 

Die eigene Geschichte besser verstehen

Im Jahre 1980, inzwischen in Frankfurt am Main gelandet, hörte ich erstmals etwas über Rückführungstherapie. Um diese Erfahrung selbst zu machen, fuhr ich mehrmals nach Stuttgart zu Ingrid Vallieres (heute eine der bekanntesten Rückführungstherapeutinnen in Deutschland) und war fasziniert von ihrer eigenen Lebensgeschichte und dem, was ich mit Hilfe dieser Therapieform über mich selbst erfahren durfte. Ganz neue Wege und Möglichkeiten eröffneten sich, und ich lernte, die leidvollen Erlebnisse meiner Kindheit und Jugend besser zu verstehen.

 

In der Zwischenzeit hatte ich zusätzlich die Theosophie entdeckt und stand mit Beatrice Flemming, der Autorin des 3-bändigen „Theosophischen Weltbildes“, in regelmäßiger Verbindung. Sie erzählte mir, dass sie bereits 15 Jahre infolge verschiedener Erkrankungen im Bett verbringen müsse, jedoch dankbar sei, mit ihren Leiden karmische Lasten aus diesem und früheren Leben abtragen zu dürfen. Sie bestärkte mich in meinem Glauben an eine Reinkarnation und gab mir entscheidende Impulse mit auf den Weg.

Das Studium der theosophischen Literatur war ein überaus wichtiger Faktor meiner Entwicklung, da dort alle grundlegenden Fragen wie: „Gibt es eine Reinkarnation?“, „die verschiedenen Körper des Menschen“, „Karma und karmische Zusammenhänge“ behandelt und beschrieben werden.

 

Rückführungen

Mein Leben änderte sich nun dahingehend, dass ich gemeinsam mit meiner damaligen Partnerin anfing, Meditationsgruppen abzuhalten, einen theosophischen Gesprächskreis zu gründen und Rückführungen zu üben, so wie ich es gelernt hatte. Mit anderen Worten, Reinkarnation wurde unser Hauptthema.

Im Jahre 1982 hatten wir ein weiteres einschneidendes Erlebnis. Bei einem Urlaub im Schwarzwald sind wir spontan bei der sehr bekannten Heilerin und Schamanin, Dina Rees, vorbeigefahren. Obwohl sie unter normalen Umständen immer äußerst schwer zu erreichen war, hatten wir tatsächlich das Glück, sie persönlich anzutreffen.

Sie bat uns in ihr Haus mit der Bemerkung, dass sie nur wenig Zeit habe. Was in den nächsten zwei Stunden folgen sollte, war wie ein Donnerschlag. Sie sah uns zunächst genau an und erkannte in mir den Ägypter und Tibeter, bei meiner Partnerin die Inderin, ohne dass wir auch nur ein Wort gesagt hatten. Sie sprach weiterhin über Gott und die Welt und teilte uns mit, dass wir beide Priesterärzte in den großen alten Kulturen waren, und empfahl uns, nach Karnak (Ägypten) zu fahren, einem Hauptort unserer früheren Aktivitäten. Sie erzählte auch vieles über ihre eigene Arbeit und über Vorgänge auf dieser Welt, von denen die Öffentlichkeit nichts oder noch nichts wusste. Nach zwei Stunden wankten wir völlig beladen und regelrecht erschüttert aus dem Haus. Endlich hatten wir eine Bestätigung für alles erhalten, was uns schon so lange bewegte. Wir besuchten Dina Rees nochmals zu einem späteren Zeitpunkt. Unter anderem war sie in den 80er Jahren öfter in Berlin, um im damaligen Zeitlos-Zentrum Meditationstage abzuhalten.

 

 

Begegnungen

In den folgenden Jahren reiste ich durch die ganze Welt und hatte immer wieder Begegnungen mit Menschen, die mich ansprachen unter der Vorgabe, mich aus einem früheren Leben bereits zu kennen. Dies war nicht nur einmal der Fall, sondern wiederholte sich in den unterschiedlichsten Ländern.

Was mir auf meinen Reisen auffiel, war die Affinität zu bestimmten Ländern und die Abneigung gegen andere. Meine Lieblingsländer sind unter anderem Ägypten, Spanien, Großbritannien und Thailand, wogegen ich beim Gedanken an Frankreich immer zwiespältige Gefühle hatte. Woran das lag, sollte sich im Jahre 1988 klären. Auf meinen zahlreichen Fahrten nach Spanien fuhr ich immer an den französischen Vor-Pyrenäen vorbei, einer Gegend, die mich sonderbar faszinierte. Ich las darüber und erfuhr, dass dort im zwölften und dreizehnten Jahrhundert die Katharer gelebt hatten, eine religiöse Sekte, die sich nicht dem Papst unterstellte, also der offiziellen Kirche, und an die Reinkarnation glaubte. Die Frauen waren bei ihnen sehr geachtet und genossen die gleiche Wertschätzung wie die Männer. Die schönen Künste, Musik und Literatur und Tanz, wurden bei ihnen sehr gepflegt. 

 

 

Verbrannt vor 700 Jahren

Mit dieser liberalen Einstellung und unorthodoxen Sichtweise des Lebens musste es jedoch zum Eklat kommen, da dieses „Treiben“ der offiziellen Kirche ein Dorn im Auge war. Sie wurden deshalb in Kreuzzügen, bei denen sich erstmals Christen und Christen gegenüberstanden, vom Papst und dem französischen König verfolgt und nach und nach auf brutalste Weise ausgerottet. Eine ihrer letzten Festungen war der Montsegur, ein steiler Kegel in den Vor-Pyrenäen. Dort fanden im Jahre 1244 über 200 Katharer, darunter Männer, Frauen und Kinder, den Tod auf dem Scheiterhaufen, nachdem sie ihrem Glauben nicht abschwören wollten. Sie sagten, dass man zwar ihre Körper töten könne, aber nicht ihren Glauben, der nach genau 700 Jahren wieder „ergrünen“ werde. Der Tag des Massakers war der 16. März 1244, wie aus der Inschrift auf dem Gedenkstein am Fuße des Montsegur hervorgeht.

Als ich dieses Datum auf dem Gedenkstein am Montsegur las, gingen mir seltsame Bilder durch den Kopf und mein Magen fing an zu rumoren, denn mein Geburtstag ist der 16. Dezember 1944, also auf den Tag genau 700 Jahre und neun Monate nach jenem Ereignis.

 

Zurück in Berlin, traf ich zu einem späteren Zeitpunkt eine Bekannte, die eine Rückführung gemacht hatte und mich darin als Katharer gesehen hatte. Sie konnte meine Person und die Vorgänge am 16. März 1244 genau beschreiben und meinte: „Es ist kein Wunder, dass du eine Abneigung gegen die Franzosen hast. Sie haben dich doch damals verbrannt.“ (Das Land der Katharer, Okzitanien, war zu dieser Zeit eigenständig und gehörte noch nicht zu Frankreich).
Da fiel es mir wie Schuppen von den Augen, was mich mit dieser Region und dem Montsegur verbindet, und offen gestanden, habe ich seitdem keinerlei Hader mehr mit den Franzosen, ganz im Gegenteil, ich fahre ausgesprochen gerne nach Frankreich.
Der Wunsch nach einem spirituellen Leben und der Glaube an eine Reinkarnation, oder besser gesagt, das innere Wissen darum, ist demnach keine neue Erkenntnis für mich, sondern nur eine wiederentdeckte, da ich bereits in früheren Zeiten spirituelle Leben hatte, an die ich mich nun nach und nach erinnern konnte.

Wenn ich Rückschau halte, kann ich sagen, dass sich alles in richtiger Art und Weise gefügt hat und zur richtigen Zeit immer das Richtige passierte. Der Weg, den ich gehen musste, hatte den Sinn und das Ziel, mich wieder mit dem alten Wissen zu verbinden.

 

Ein Weltbild der Toleranz

Seit vielen Jahren arbeite ich nun selbst als Rückführungstherapeut und habe festgestellt: Je tiefer ich in mich selbst hineinblicken gelernt habe, umso besser erkenne und verstehe ich auch die anderen.

Der Glaube an die Reinkarnation hat mir zu einem Weltbild verholfen, dessen Grundlage auf Selbstachtung, Achtung anderer, Mitgefühl und Toleranz fußt, im Bewusstsein, dass jeder Mensch früher oder später den gleichen Weg gehen wird, der ihn vom rein materiellen Denken und Handeln mehr und mehr zu einem spirituellen Leben führen wird.
„Wir sind keine menschlichen Wesen, die spirituelle Erfahrungen machen, sondern spirituelle Wesen, die eine spirituelle Erfahrung machen in menschlicher Gestalt“ – darin stimme ich Coling C. Tipping voll und ganz zu.


Literatur

Dr. Rainer Häsler und Hans-Jörg Gruber: „Schritte aus der Angst. Klassische Homöopathie und Rückführungstherapie.“, Monsenstein und Vannerdat, 2007


Abb: © Barbara Helgason – Fotolia.com

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