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Jungbrunnen Liebe und Sexualität

Nirgends liegen Himmel und Hölle so nah beieinander wie in der Sexualität. Doch welchen Platz hat spirituelle Sexualität in einer Welt, in der ein Film wie Intimacy bei den Berliner Filmfestspielen einen Goldenen Bären erhält oder Bedauern laut wird, dass Marianne Faithfull in dem Film Irina Palm, in dem sie eine Großmutter spielt, die, um das Geld für die Behandlung ihres kranken Enkels zu aufzubringen, in einem Sexinstitut mit ihren weichen Händen Männern anonym Lust verschafft, nicht ausgezeichnet wird? Oder wenn im letzten Tantraheft der connection BDSM mit Tantra quasi auf eine Stufe gestellt und für die Zeitschrift Schlagzeilen geworben wird? Wo bleiben liebende Vereinigung, Schöpferkraft, Ekstase und Lebensenergie? Wen wundert das Anwachsen von Gewalt, Abstumpfung, Missbrauch, Sucht, Prostitution, Pornographie, Verbrechen und AIDS? Die Mitte der siebziger Jahre propagierte Befreiung der Sexualität mündete in eine pornographische Gesellschaft, wie nicht nur der Sexualwissenschaftler Prof. Dr. Jakob Pastötter kürzlich in einer Talkshow feststellte. Obwohl von vielen Plakaten halbnackte Frauenkörper locken, herrscht bei vielen Paaren die Last mit der Lust vor. Flaute im Bett. Die Medien sind voll davon. Leid tun mir die vielen Singles, meist Frauen, die unfreiwillig ohne Partner leben. Deshalb bin ich dankbar, in einer glücklichen Ehe zu leben, in der Liebe, Erotik und Sexualität noch lebendig sind, weil ich zu den Frauen gehöre, „die Sex lieben“. Schon als Mädchen spürte ich sie in meinem Körper, trotz meiner christlichen Eltern.

Als mein Mann und ich uns im Sommer 1978 in einem kleinen Theater begegneten, hatte ich eine gescheiterte Ehe und manche Enttäuschungen hinter mir. Nach der Vorstellung fuhr ich noch mit einigen Leuten, darunter auch Engelbert, zu einem Fest im Hof eines Abrisshauses. Wir unterhielten uns, doch ich fand ihn nicht besonders anziehend. War er doch viel jünger als ich. Am frühen Morgen wollte ich nach Hause fahren, aber er bot mir an, bei ihm zu schlafen, weil er um die Ecke wohnte. Als ich allein auf seiner Matratze lag, dachte ich: Schade, da ist ein Mann, der mich mag, aber ich fühle nichts für ihn. Er legte sich neben mich, ohne mich zu bedrängen. Dann drehte ich mich auf den Bauch und bat ihn, meinen Rücken zu streicheln. Als seine Hand mich berührte, durchrieselte mich ein Schauer. Es war, als hätte er einen verborgenen Mechanismus berührt und ein Geheimfach in meiner Seele geöffnet. Eine warme Woge durchflutete mein Herz, als sei die Liebe vom Himmel gefallen. Als er fragte: „Fühle ich das richtig?“, nickte ich und wandte mich ihm zu. Er erkundete behutsam meinen Körper. Später schlief ich in seinen Armen ein. Ich fühlte mich geborgen wie ein Kind.

Für die Liebe gilt: mehr als gestern, weniger als morgen

Damals war ich 42, allein erziehende Mutter zweier Teenager, und Engelbert 28. Kaum jemand unserer Bekannten, Freunde und Verwandten glaubte, dass diese unmögliche Liebe länger bestehen würde. Engelbert hatte gerade sein Abitur aufgegeben und versuchte, sich wieder in der Arbeitswelt zurechtzufinden. Ich hatte einen sicheren Arbeitsplatz und war finanziell unabhängig. Dies ist wohl eine der Ursachen, dass unsere Partnerschaft nach fast 29 Jahre noch immer besteht. Wir lernten, mit Krisen und Konflikten umzugehen. Ein anderer Grund ist Engelberts große Zärtlichkeit. Jedesmal, wenn er seinen Arm um mich legt, fühle ich mich geborgen. Auch vieles andere verbindet uns. Urlaube in den Bergen, die Suche nach Spiritualität, ein ähnlicher Musikgeschmack. Unsere Erfahrungen mit Tantraseminaren, die wir – allein oder zusammen – besuchten, haben unsere Liebe vertieft und dazu beigetragen, dass das erotische Feuer nicht erlischt. Unser Geheimnis ist: mehr als gestern, weniger als morgen. Auch eine monogame Partnerschaft ist für uns beide sehr wichtig. Bietet sie doch den sicheren Raum, uns immer wieder neu zu erfahren und einander ohne Scheu hinzugeben.

Sexualität ist für uns immer wieder die Quelle der Lebensenergie. Wir haben über die Jahre hinweg unseren eigenen Weg gefunden, ohne eine Nullrunde einzulegen, wie Bärbel Mohr es vorschlägt. Seit Jahren schlafen wir in eigenen Zimmern und lieben uns nicht aus Gewohnheit, sondern es ist immer ein bewusster Entschluss, uns ohne Druck „Zeit für die Liebe“ zu nehmen. Meistens stimmen wir uns mit Leib und Seele durch sanfte Massagen aufeinander ein. Und nachher stellen wir jedesmal fest, dass diese Begegnung wieder ganz anders als alle vorhergehenden und auf neue Art schön war, so wie in einem Garten immer wieder neue Blumen aufblühen.

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Über den Autor

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Jg. 36, Autorin, verh., zwei Söhne, zwei Enkel, dem Sein mit Beiträgen seit 1999 verbunden, seit den siebziger Jahren auf dem spirituellen Weg. (Seminare u. a. bei Frank Natale, Life skills Training bei Markus Klepper, Frank Fiess, Tantraseminare, Energie-, Eros- und Essencia®-Training bei Michael Plesse/Gabrielle St. Clair.) Kenntnisse in Graphologie, Astrologie, Farbpsychologie.

Eine Antwort

  1. jörg kantel

    Der Professorentitel Pastötters von den dubiosen AACS/MU-Einrichtungen in Florida ist nicht durch die zuständige US-Bundesbehörde, dem U.S. Department of Education in Washington D. C., und den von ihm anerkannten Akkreditierungs-Agenturen legitimiert. Gegen Pastötter und weitere Personen des DGSS, z.B. Rolf Gindorf, wurde im August 2012 Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Düsseldorf wegen Titelmissbrauchs erstattet. Bisweilen setzt Pastötter hinter das „Prof.“ in Klammern die Buchstaben „US“, was ebenfalls nicht dem deutschen Titelschutz gerecht wird.

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