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Tiere, die wir in unser Leben holen, bieten uns wunderbare Gelegenheiten, innerlich zu wachsen. Das Tier spürt jederzeit, wo wir energetisch gerade stehen, ob wir präsent oder nicht-präsent sind, ängstlich oder ausgeglichen und klar. Mehr noch als jeder Mensch geben uns Tiere immer ehrliches Feedback, weil sie direkt auf uns reagieren.

Von Petra Mirel Bernert

Ich merke, wie die Wut in mir hochsteigt. Eigentlich bin ich in den Wald gegangen, damit meine zwölf Jahre alte Bearded-Collie-Hündin Beverly noch einmal eine Runde läuft und sich mit mir etwas entspannt. Doch neben mir steht ein zitterndes, panisches Etwas, das an der Leine zieht. Ich hätte jetzt gerade gerne einen ganz normalen Hund, der, wie alle anderen Hunde auch, normal mit mir durch den Wald läuft. Und sie soll bitte sehr auch Spaß dabei haben. Hat sie aber offensichtlich nicht.

Seit über 30 Jahren berate ich nun Menschen in deren Beziehungen zu ihren Zwei- bzw. Vierbeinern. Und um ehrlich zu sein: Ich habe immer einen guten Ratschlag parat und trage mein Herz auf der Zunge. Doch jetzt, in diesem Moment, schaue ich mir selbst bei dieser Aktion zu und stelle fest: Hier habe ich wohl gerade ein Beziehungsproblem. Ich zerre an meiner Hündin rum, die sich entweder ins tiefste Mauseloch verkriechen oder im gestreckten Galopp nach Hause fliehen will. Ich fahre mein gesamtes Repertoire an gelernten Techniken auf: verschiedene Zischlaute und immer wieder beherzte Schritte vor ihren Körper. Normalerweise macht das deutlich, dass ICH hier die „Leithündin“ bin.

Doch all das scheint gerade nicht bei ihr zu landen. Okay, was würde ich jetzt meinen Klienten raten? Wahrscheinlich erst einmal auszuatmen. Gute Idee. Ich bleibe stehen und schaue meine Beverly an. So, wie sie jetzt ist, will ich sie nicht haben. Sie soll bitte sehr anders sein. Sie soll jetzt funktionieren, so, wie ich es mir vorstelle. Ich will nicht, dass sie mir meine Unzulänglichkeit und Angst spiegelt, das passt mir gerade nicht. Okay, langsam verstehe ich: Durch meine Vorstellung, wie sie sein sollte, bin ich nicht mehr im Kontakt, weder mit mir noch mit ihr. Denn Tatsache ist, dass sie gerade Angst hat. Ich könnte sie auch einfach abholen, wo sie gerade steht.

Präsente Energie

In dem Moment, als mir das bewusst wird, kehre ich meinen Blick nach innen und atme tief ein und aus. Ich merke, wie Weichheit und Dankbarkeit in mir hochsteigen. Ich hocke mich vor sie auf den Boden, schaue sie an und nehme wieder Kontakt auf. Ich berühre sie mit den Händen, massiere ihren Körper und umhülle sie mit meiner präsenten Energie. Ich entspanne mich, der Hund entspannt sich.

Wir können weitergehen, als Team und im Kontakt. In meiner Arbeit als Vermittlerin, in Mensch-Mensch- und Mensch-Tier-Beziehungen, geht es in so gut wie allen Fällen darum, jene Verbindung wieder herzustellen: zum Tier und vor allem zu uns selbst. Den Hund zu konditionieren, mit Leckerli, Sitz und Platz, heißt nicht unbedingt, mit ihm im Kontakt zu sein. Das wird mir immer dann deutlich, wenn Menschen mit immer wiederkehrenden Problemen zu mir kommen und mitunter schon bei zig Hundetrainern waren. Irgendwann stellt sich das unerwünschte Verhalten ihrer Tiere stets wieder ein. Aus meiner Sicht liegt das daran, dass der Grundstock in der Beziehung zueinander nicht gelegt wurde: Was ist meine Stellung im „Rudel“?

Übernehme ich die Führung oder übernimmt sie der Hund? Kann mein Hund mir vertrauen, dass ich verantwortungsvoll das Rudel führe? Kann der Hund HUND sein oder vermenschliche ich das Tier? Wo bin ICH in der Beziehung? In der Beziehung zu unseren Tieren lassen wir häufig uns selbst aus. Doch Hunde spüren sehr deutlich, ob wir verbunden und authentisch sind oder nicht. Du kannst vielleicht dir selbst oder deinem Partner etwas vormachen, aber niemals deinem Hund, denn er ist der ehrlichste Beziehungspartner, den es gibt. Ursprünglich, als wir geboren wurden, hatten wir alle diese Verbundenheit. Sie ist uns nur abhanden gekommen, weil wir immer sein sollten, wie andere uns haben wollten.

Und genau um zu dieser Verbindung – zum Ursprung unseres Seins – zurückzufinden, ist unser Tier unsere beste Unterstützung.

Der Hund als Spiegel der Besitzerin

Neulich kam eine Klientin zu mir – nennen wir sie einmal Sarah –, die von einer tschechoslowakischen Wolfshündin begleitet wurde. Kira, die Hündin, ist sechs Jahre alt und lebte ehemals auf der Straße in der Tschechei und anschließend ein Jahr lang im Tierheim. Sie ist eine sehr sensible und ängstliche Hündin, die mit allen Arten von Außenreizen große Probleme hat und von ihrem Frauchen so gut wie gar nicht zu führen ist, da sie eigentlich permanent verschwinden möchte.

Auch Sarah ist eine sehr feine, sensible Person auf der Suche nach Ursprünglichkeit. Sie erfährt gerade einige Umbrüche in ihrem Leben und fragt sich, wer sie eigentlich ist und wo ihr Platz in diesem Leben ist. Verblüffend, diese Ähnlichkeit. Den ersten telepathischen Kontakt, den ich mit diesem Hund hatte, war über das Telefon, als ich mit der Besitzerin sprach. Mit Respekt und Erlaubnis nehme ich stets Kontakt zu dem Wesen eines Hundes auf. Kira zeigte sich als Lichtwesen, sehr scheu, aber klar.

Mit der Bitte: „Komm‘ mir nicht zu nah.“ Ich versicherte ihr, dass ich nur mit Absprache weitere Schritte machen würde. Auf meine Frage hin, ob sie bereit wäre zu einer Kommunikation mit ihrem Frauchen – durch mich als Vermittlerin – kam mir ein Schwall Freude entgegen. So verabredeten wir uns und trafen uns zu dritt im Wald. Kira war sehr ängstlich, angespannt und hatte den ganzen Wald im Blick. Für mich war klar: Ich übernehme jetzt energetisch die Führung für das kleine Rudel. Ich ließ mich von der Hündin beschnuppern und fragte Kira telepathisch, ob sie mich wiedererkennt. Freude war die Antwort. Dann nahm ich die Hündin an die Leine. Die Leine war wie eine Nabelschnur zwischen uns beiden, die ihr die nötige Sicherheit gab. Wir gingen gemeinsam los.

Klar sein und trotzdem Raum lassen

Ich übergab Sarah die Leine, um den Hund an ihre Seite zu holen, und zeigte ihr, wie sie sich energetisch und körperlich ausrichten kann, um mit diesem Hund in Kontakt zu kommen. Nach einigen kleinen Korrekturen lief die Hündin entspannt zwischen uns beiden. So, als hätte sie ihr Leben lang darauf gewartet, Vertrauen und Sicherheit in der Verbindung zum Menschen zu haben. Es gab einen Moment, in dem der Hund sich innerlich aufrichtete vor Stolz und Freude: „Ja, genau das könnt ihr über mich lernen.“

Was Sarah mit diesem wunderbaren Hund erfahren kann, ist, auf authentische Art und Weise die Leithundfunktion zu übernehmen, ohne ihrer Hündin die Eigenständigkeit und den Freiraum zu nehmen. Es geht darum, in Klarheit und Güte Entscheidungen zu treffen. In ihrem Leben ist es nämlich genau diese Qualität, mit der sich Sarah, gerade in diesen Umbruchzeiten, selbst am meisten unterstützen kann. Sie kann lernen, klar mit sich und daher auch mit anderen Menschen zu sein und, wie sie so schön sagte, „die Tür dabei offen zu lassen“, also ohne den anderen ihre Eigenständigkeit und ihren Freiraum zu nehmen.

Damit kommt sie ganz automatisch in ein Gefühl von „Ich bin“. Für mich ist es immer wieder erstaunlich, wie viele Leute daran interessiert sind, die telepathische Kommunikation mit ihrem Tier zu erlernen. Ich bin mir sicher, dass jeder diesen Zugang für sich erschließen kann, da diese Art der Verbundenheit ein natürlicher Zustand und keine Zauberei ist. Nur, wenn sie ganz ehrlich sind, wollen die meisten Menschen dann doch ein Zaubermittel für das, was „nicht funktioniert“ – und es soll vor allem schnell gehen. Wenn es dann allerdings zu dem Punkt kommt, dass sie persönlich ganz real, hier und jetzt erfahren, was der Hund ihnen zeigt, dann ebbt ihr Interesse an dieser Art von Verbindung, die ihnen erst einmal fremd ist, etwas ab. Und einen Schritt ins Unbekannte zu gehen, ist für die allerwenigsten eine Option. Zu groß ist die Angst, sich selbst wirklich zu berühren. Ihr Tier hingegen ist immer bereit, sie darin zu unterstützen. Und ehrlich: Ist das nicht ein großes Geschenk?

Eine Antwort

  1. Jeanette Dean
    Rosa Brille

    Wenn ich Worte wie „mein“ oder „Besitzer“ oder „Leine“ im Zusammenhang mit Tieren lese, zucke ich innerlich immer mehr zusammen. Drückt das nicht ganz erschreckend aus, wie weit Zweibeiner von wirklicher Liebe auf freiwilliger, gleichberechtigeter Basis entfernt sind?
    Was wird da nicht alles in die Beziehung zwischen Zweibeiner und Tier rein interpretiert – doch was anderes ist es, als ein Dominanz- bzw. Abhängigkeitsverhältnis?
    Solange wir nicht Tiersprache gelernt haben, und eindeutige Zusagen bekommen, dass unsere Wahrnehmungen der Wahrheit entsprechen, sind alle noch so süß eingefärbten Aussagen Vermutungen – die mehr über den Verfasser aussagen, als über die Liebe des Tieres.
    Und was die oft hochgradig idealisierten Tiere betrifft: nur zu oft ist deren „Bewußstsein“ vom Futternapf bestimmt, bzw. endet da, wo der Futternachschub endet.
    Solang die Tiere nicht feiwillig zu uns kommen, uns erwählen, wären wir gut beraten uns in Bescheidenheit zu üben, und und regelmäßig bei der Tierwelt zu entschuldigen, dafür, dass wir so wenig über Liebe wissen, und keine Freiheit gewähren…

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