Wie entsteht ein neues „Wir“? Wie entsteht eine Gemeinschaft von Menschen, die jeweils ihren ganz eigenen Ton singen und ihn zugleich hinein geben in das große Konzert des Lebens? Die neue Zeit fordert Vernetzung und Miteinander, doch die wenigsten Menschen wissen, wie sie das praktisch leben können.

Die neue Be(e)-School in Berlin und Leipzig vermittelt Menschen, die die Zukunft bewusst mitgestalten wollen, die entsprechenden Kenntnisse und Werkzeuge – und etabliert zugleich eine ganzheitliche Art von Vernetzung unter den Teilnehmern, die das Entstehen von kollektiver Intelligenz ermöglicht. Beste Voraussetzungen, um wie die Bienen – auf Englisch „bees“ – kooperativ für das Wohl des Planeten arbeiten zu können.

Was für eine Zeit!

Es gab noch keine Zeit wie diese! Gewiss, das war schon immer so – und doch hat dieser Satz in unserer Epoche eine besondere Dimension. Noch nie hat sich innerhalb der Lebensspanne eines Menschen so viel verändert. Noch nie konnten wir auf so viele und so komplexe Informationen zugreifen. Noch nie hatten wir so viel Knowhow und Technologie zur Verfügung. Noch nie gab es so viele Prognosen und Zukunftsszenarien, so umfassende Einblicke in internationale und planetarische Zusammenhänge.

Wir tragen kleine schwarze Boxen in unseren Taschen, mit denen wir jederzeit und überall erreichbar sind. Wir können jederzeit mit jedem kommunizieren, Wetter, Flugpläne, Börsenbewegungen abfragen oder auf dem Mont Blanc die Tagesschau von gestern noch einmal anschauen. Wir stehen mitten in einer globalen ökologischen, wirtschaftlichen, klimatischen Krise – und doch führt unsere Kenntnis der Zusammenhänge nur zu geringen Konsequenzen. Wir haben so viele Informationen zur Verfügung, dass wir nicht wissen, wo wir beginnen sollen. Die Welt ist eine Welt geworden – in ihren Wirkungsmechanismen. Nicht aber in unserem Fühlen.

Wir speisen biologisch und verarbeiten zertifiziertes Holz, fahren 2x die Woche Fahrrad statt Auto, belichten die Nacht mit Energiesparlampen und schaffen mit Biokraftstoff-Produktion neue Monokulturen, fliegen der Sonne entgegen und vergoogeln mit unseren Suchmaschinen gigantische Mengen an Terrawattstunden Energie.
Noch nie waren wir mit so vielen Menschen „befreundet“, denen wir per Mouseklick Herzen und virtuelle Blumen schicken, und haben so wenig mit Menschen Auge in Auge gesprochen. Wir chatten und flirten vergnüglich mit wildfremden Gegenübern an unseren Monitoren und fürchten uns, ihnen in Echtzeit zu begegnen. Die Gehirnstrukturen unserer Kinder beginnen sich durch die beschleunigte digitalisierte Welt auf eine Weise zu verändern, dass sie Schwierigkeiten bekommen, langsamere Bewegungen – wie die der Emotionen – zu verarbeiten.

Kollektive Intelligenz

Menschen, die am Geschehen unserer Zeit Anteil nehmen, sind heute herausgefordert, in großen Dimensionen und Zusammenhängen zu denken und dabei im Gewahrsein ihrer selbst, ihres Herzens, des Hier und Jetzt und des konkreten Gegenübers zu bleiben. Dies können wir nicht mehr als Einzelne. Ich denke, hier stoßen wir an die Grenzen unserer individuellen „Leistungsfähigkeit“. Neue Dimensionen wollen eingeladen werden. Um die Komplexität unserer Situation erfassen zu können, brauchen wir Köpfe und Herzen, die sich auf vielfältige Weise verbinden, um ein gemeinsames Schauen, gemeinsames Fühlen und gemeinsames Handeln zu erzeugen. Diese Qualität wird heute vielfach als „kollektive Intelligenz“ bezeichnet und gehört zu den wesentlichen Bausteinen, die Veränderung bewirken können.

Was dem Menschen in früheren Zeitaltern ein Gefühl von Sinn gab, war der Platz in geordneten Strukturen von Familien, Dorfgemeinschaften oder Stämmen. Diese Strukturen waren oft beengend, und wir haben sie gesprengt. Die Zeiten wandeln sich, und viele sehen die Quelle von Sinn oder Erfüllung heute im Ausdruck ihrer individuellen Lebensweise und Freiheit. Doch der Halt, die Aufgabe, der Platz, die unhinterfragte Zugehörigkeit, den die alten Gemeinschaften uns gaben, waren für die menschliche Seele auch eine Quelle der Gesundheit – und die Erfüllung der genannten Bedürfnisse hat im Wandel der Zeiten meines Wissens noch keine überzeugende neue Antwort gefunden.

Die neue Form von Gemeinschaft

Mein Lebensfaden rankte immer wieder um dieses Thema: Wie entsteht ein neues „Wir“? Wie entsteht eine Gemeinschaft von Menschen, die jeweils ihren ganz eigenen Ton singen und ihn zugleich hinein geben in das große Konzert des Lebens? Und wo spielt denn dieses Konzert? Gibt es noch Dirigenten? Ein Dirigentenkollektiv? Gibt es Partituren? Können wir auf Traditionen zurückgreifen, oder müssen wir alles neu erfinden? Gibt es einen Platz für meinen besonderen Beitrag? Wie finden wir uns heute, die, die gemeinsam singen wollen?

Wie entsteht also ein neues Wir – ich habe diese Frage lange Jahre im Aufbau und der Begleitung von großen Lebensgemeinschaften untersucht. Heute interessiert mich: Wie entsteht kollektive Intelligenz in einer Stadt? Wie entsteht kollektive Intelligenz in einem Land? Wie entsteht eine tiefere Wahrnehmung für das, was uns als einzelne Menschen gerade ausmacht – und von dort aus: Wie entsteht eine gefühlte Wahrnehmung für unsere Welt, unsere Weltengemeinschaft, für uns als Menschheit? Wie können wir so wach werden, dass wir fühlen, was die nächste heilende Handlung ist, die unserer Welt mehr Licht, mehr Wärme, mehr Schönheit, mehr Bewusstheit und gegenseitige Unterstützung bringt?

Ich glaube nicht an mein ökologisches Gewissen. Ich glaube nicht an Appelle und „richtiges“ Verhalten. Ich glaube an Kontakt und Resonanz. Ich erfahre in intensiven Momenten wirklicher tief erfahrener Gemeinschaft, dass durch Kontakt ein Resonanzvorgang entsteht, in dem die tiefsten Fragen gestellt und wie von selbst beantwortet werden. Ich erfahre, wie unlösbar geglaubte Konflikte in Ehrlichkeit und Schönheit ausgedrückt werden und sich eine Lösung anbietet. Ich erfahre, wie alle Beteiligten gemeinsam es wagen, nichts mehr zu wissen und die Kraft einer Intelligenz zu erfahren, die atemberaubend sein kann. Diese Phänomene will ich erforschen und mit Menschen teilen. Ich möchte mein Bewusstsein weiten und ein Handeln finden, das aus dem Fühlen des großen gemeinsamen Ganzen heraus entsteht.

Die Be(e)-School

Auf diesem Weg bin ich auf eine Initiative von Scilla Elworthy gestoßen. Scilla Elworthy ist eine großartige Autorin und Gründerin vieler Organisationen, die spezifische Weltkonflikte aufgreifen und transformieren. Sie war Beraterin der UNESCO für Frauenfragen, brachte Regierungsvertreter, Atomwaffenhersteller, Atomrüstungsgegner und Friedensgruppen miteinander ins Gespräch. Sie ist Beraterin des World Future Council gründete Peace Direct (mehr: www.scillaelworthy.co.uk). Eine der neuesten Initiativen von Scilla Elworthy ist die Be(e) School (2009 in Oxford gegründet), ein Training für Menschen, die Veränderung bewirken wollen. Es ist so ausgelegt, dass ein gemeinsames Handeln aus neuen Quellen entstehen kann.

Und es ist uns gelungen, dieses Training in Deutschland aufzubauen: Die Be(e)-School wird im November dieses Jahres in Berlin ihren zweiten Jahrgang beginnen. In Leipzig beginnt ein weiteres Training. Näheres dazu: siehe Infoblock und unter www.bee-school.org