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Buddhismus – was ist das denn? Ja. solche Fragen kommen auf, wenn man im Ethikunterricht die Weltreligionen behandelt. Und tatsächlich – was genau ist Buddhismus? Buddhismus ist eine Weltanschauung, die uns erlaubt, frei zu leben – uns allen.

 

Den eigenen Weg zu finden stellt Heranwachsende auf der ganzen Welt immer wieder vor eine große Herausforderung. Die meisten Kinder übernehmen erst einmal die Weltanschauung ihrer Eltern, seien diese nun Christen, Atheisten oder Muslime. Doch irgendwann beginnt man dann doch zu hinterfragen, ob die Vorstellungen der Eltern auch den eigenen entsprechen. Durch den Ethikunterricht lernen wir die größten Weltreligionen kennen, so auch den Buddhismus. Doch der Buddhismus ist für viele Teenager nur eine seltsame, unbekannte und exotische Religion, die sie weder verstehen noch verstehen wollen, und auch durch die Behandlung im Unterricht wird das Bild vom Buddhismus für die wenigsten klarer. Meine Klasse konnte sich kaum halten vor Lachen, als wir nach einem Referat über Buddhismus zusammen versuchten zu meditieren, und auch sonst begegnen wenige Teenager dem Buddhismus mit Ernst. Dabei ist er gerade für diese Altersgruppe eine Religion oder Philosophie, die Antworten auf viele in dieser Zeit wichtigen Fragen wie zum Beispiel zu Drogen- und Alkoholkonsum, Sex oder auch Vegetarismus gibt. Der Buddhismus ist sehr friedlich, selbst die unterschiedlichen Ausrichtungen untereinander, und gibt einem die Möglichkeit, mit dem eigenen, oftmals recht chaotischen Leben während der Zeit als Teenager klarzukommen.

Gerade in unsrer heutigen, von Leistungsdruck und Überfluss geprägten westlichen Welt ist der Buddhismus aktueller denn je. Wo Selbstzweifel und Stress keine Seltenheit sind, kann die Übung von Meditation und Metta, der Herzensgüte gegenüber sich und anderen, neue Sicherheit geben. Auch der im Buddhismus selbstverständliche Respekt vor der Natur und allen Lebewesen dieser Erde sind Themen, die durch den Klimawandel und das Aussterben von Tierarten wieder in unser Bewusstsein rücken.

Ich wurde durch ein mir empfohlenes Buch auf den Buddhismus aufmerksam, und auch  die anschließende Behandlung im Ethikunterricht interessierte mich. Daraufhin widmete ich mich anfangs noch zögerlichen Versuchen der Meditation, wobei ich schon ein wenig Erfahrungen mit Atemübungen durch meine Yogapraxis hatte. Beeindruckt war ich von der Offenheit dieser Religion und davon, wie viel Ruhe und ­Zufriedenheit einem Meditation bringen kann. Ich habe weiter über den Buddhismus gelesen und praktiziert und so sehe ich mich heute als freie Buddhistin, obwohl ich Mitglied in keiner Gemeinschaft bin und auch nur ­unregelmäßig meditiere, denn Buddhismus bedeutet für mich vor allem, mit einer bestimmten Geisteshaltung durch den Tag zu gehen.

So zum Beispiel hier: Wenn ich nachmittags nach Hause komme, dann habe ich selten Lust, irgendetwas im Haushalt zu helfen oder Ähnliches. Also gehe ich in mein Zimmer und lese. Kommt dann allerdings meine ebenso müde Mutter nach Hause, so kann ich schon verstehen, wenn sie sich aufregt, weil der Frühstückstisch noch immer voll gedeckt dasteht. Trotzdem ist man dann wütend und hat das Gefühl versagt zu haben, und sei es auch nur darin, eine vorbildliche Tochter zu sein. So geht das öfters, und um dann nicht den Kopf zu verlieren, eignet sich Meditation hervorragend. Denn man setzt sich hin und weiß, das bin ich, und Leid in all seinen Formen ist existent, und das ist OK. Dann fühlt man sich besser und kann sagen, ja, vielleicht hätte ich den Tisch besser aufgeräumt, aber ich war nun mal auch müde und kann das ja auch jetzt noch machen.

Meine Erfahrung mit dem Buddhismus ist, dass die Vorstellung der ständigen Vergänglichkeit und der Akzeptanz der Existenz von Leid über viele schwierige Situationen hinweghelfen kann. Außerdem sind viele buddhistische Wertvorstellungen auch für Nichtgläubige sinnvoll und nachvollziehbar, so zum Beispiel nicht zu töten, einander mit Respekt zu begegnen oder niemanden mit seinem Reden irgendwie zu verletzen.

Meiner Meinung nach lohnt es auf jeden Fall, sich mit dem Buddhismus auseinanderzusetzen, denn seine Grundsätze sind für jeden zugänglich. Nicht nur die Mediation, sondern auch viele der schon genannten Grundsätze stehen jedem offen. Zu meditieren ist sehr unkompliziert, da man nur eine geeignete Sitzgelegenheit, einen Wecker und ein bisschen Ruhe braucht; Anleitung dazu findet man in diversen Büchern oder in einem der vielen buddhistischen Zentren hier in Berlin. Meditieren ist für alle Altersgruppen geeignet, und selbst manche gläubige Christen meditieren, um ihren Geist zur Ruhe zu bringen. Der Buddhismus ist also eine wunderbare Möglichkeit, sich und die Welt neu zu erkunden und eine neue Orientierung im Leben zu finden.


Abb: © Thomas Francois – fotolia.com

Eine Antwort

  1. Joachim

    Ein schöner Artikel, danke schön! Es ist wirklich eine Herausforderung, den Buddhismus zeitgemäß und adäquat zu vermitteln. Mit diesem Blog versuche ich zum Beispiel die Essenz der buddhistischen Lehre in unsere heutige Zeit zu bringen:

    http://ibuddhismus.blogspot.de/

    Liebe Grüße,

    Joachim

    Antworten

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