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Heilung beginnt im innersten Kern des Körper-Geist-Seele-Systems des Menschen. Dabei geht es um die Heilung von Täuschungen, damit durch Erfahren einer gesünderen Wirklichkeit der Krankheit die Überzeugungskraft genommen werden kann. Die Zauberwörter, um diese gesündere Wirklichkeit zu erfahren, heißen Balance, inneres Gleichgewicht, In-die-Mitte-Kommen. Die psychosomatischen Heiligenfeld-Kliniken nutzen Meditation und Stille als „Medikamente“, um wieder in diese Mitte zu kommen.

 

In der telefonischen Warteschleife eines Naturversandunternehmens heißt es – für mich überraschend, aber passend – zum Thema Stille: „Willkommen bei …, wir sind gleich für Sie da! In der Zwischenzeit erfahren Sie Stille!“ Ja – und dann ist da Stille. Lautlosigkeit. Ein Nichts in der Leitung. Keine unterhaltsame, ablenkende Musik. Ungeduld, Zweifel, Misstrauen werden in der Stille wie durch eine Lupe vergrößert und spürbar. Kommen die wirklich wieder? Auflegen oder vertrauen?

Stille, Meditation, Yoga sind „in“, die Welt hungert  nach Stille. Wie erfährst du dich, wenn es nichts zu tun gibt außer zu sein, zu spüren, wahrzunehmen, zu lauschen? Die Stille hält jedem Menschen einen Spiegel vor, in dem er sich erkennen kann, wenn er dazu bereit ist.

Aber was ist eigentlich Stille, was ist heilsam an Stille? Es gibt eine Stille, die tiefer ist als die Stille, welche mit Geräuschlosigkeit verbunden wird. Eine Stille, die auch Patienten mit Ohrgeräuschen (Tinnitus) in sich finden können. Diese Stille ist innerer Frieden. Eine Stille, die wie das Auge eines Hurrikans als Ruhe im Alltagssturm erfahren und durch Übung vertieft werden kann. Durch Schulung von Konzentration, differenzierter Sinneswahrnehmung, Introspektion und Achtsamkeit sowie einer Haltung von Empfangen und Akzeptanz kann Hingabe geschehen und Eins-Sein mit dem, was ist.

Mit Hilfe von äußerer Stille und wenig äußeren Ablenkungen können unsere Patienten ein Wiedererleben, Wiederentdecken, Fließen, ein Sein aus der inneren Mitte heraus erfahren.

Sein aus der inneren Mitte heraus, das ist beglückend, zutiefst entspannend, erfüllend, heilsam.

 

Stille verbindet mit dem innersten Kern

Der berühmte ayurvedische Arzt und Endokrinologe Deepak Chopra sagte einmal sinngemäß: „Die Patienten kommen zu mir und fragen nach immer neuen und exotischeren Methoden. Die gibt es in der Tat. Doch meiner Erfahrung nach ist das Erfahren eines Zustands völliger und tiefer Entspannung die wichtigste Voraussetzung für die Behandlung jeder Krankheit. Der Körper selbst weiß, wie er sein inneres Gleichgewicht aufrecht erhalten kann, solange er nicht von einer Krankheit erschüttert wird. Wenn man also dem Körper seine in ihm ruhende Selbstheilungskraft zurückgeben will, so muss man alles tun, um das Gleichgewicht wieder herzustellen. Die Heilung beginnt im innersten Kern des Körper-, Geist- und Seelensystems des Menschen. Dabei geht es um die Heilung von Täuschungen, damit der Krankheit die Überzeugungskraft genommen werden kann durch das Erfahren einer gesünderen Wirklichkeit.“

Die Stille hilft den Patienten, in ihre Mitte zu finden, zurückzukommen und sich verbunden zu fühlen mit allem, mit dem innersten Kern von sich selbst und der Welt.

In den Heiligenfeld-Kliniken gibt es darum regelmäßige Angebote zum Erfahren von Stille. Es finden am Morgen und späten Nachmittag stille Meditationen sowie Bewegungsmeditationen aus verschiedenen spirituellen Traditionen statt. Die therapeutischen Gruppenarbeiten beginnen mit einem Resonanzkreis und einer angeleiteten oder wortlosen inneren Sammlung der Patienten in Stille. Es gibt Achtsamkeitstrainingsgruppen und vieles mehr. Das Mittagessen wird am Anfang und Ende der Woche von den Patienten in Stille eingenommen.

Mehrfach im Jahr finden ganze Tage der Stille statt. Die Patienten tragen ein Schild mit der Aufschrift „Stille“, die Mitarbeiter mit der Aufschrift „Achtsamkeit“.

 

Stille fördert waches Bewusstsein

Auch die Teambesprechungen der Mitarbeiter beginnen mit minutenlanger Stille, idealerweise am Anfang und Ende. Manchmal regen sich die Teammitglieder durch Anschlagen von Klangschalen zum Innehalten an, zu kleinen Momenten der Unterbrechung, des Anhaltens und Beobachtens von dem, was immer gerade besprochen wird. Dadurch entsteht die Gelegenheit, sich und die anderen distanziert wahrzunehmen und hitzige Debatten befreiend zu entschärfen. Stille unter Mitarbeitern fördert waches Bewusstsein, Desidentifikation und Humor. Stille macht scharfe Konturen weicher, löst und lockert Verhärtungen, entschärft persönliche Wichtigtuerei und führt zum Spüren der Verbundenheit aller.

Doch kann man auch allen Patienten Stille anbieten? Mit Einschränkungen: ja. Patienten mit akut instabilen, hypomanischen oder psychotischen Erkrankungen mit eingeschränkter Fähigkeit zum Selbstmanagement empfehlen wir allerdings keine Teilnahme an Stilleübungen, Stilletagen oder Meditationsgeboten. Aufgeregte, depressiv verunsicherte, traumatisierte und emotional instabile Patienten erleben die Stille allerdings überwiegend als beruhigend, oft zu ihrer eigenen Überraschung. Ihre Ängste vor Isolation erfüllen sich nicht. Viele Patienten können besser schlafen durch die Erfahrung von Stille. Andere finden durch die Ruhe der Stille in ihre Mitte, erleben Verbindung und Verbundenheit. Sie begegnen dem Leben, ihren Mitmenschen, der Natur mit größerer Offenheit und Neugier aus der sicheren Distanz des Nicht-reagieren-Müssens heraus. Leistungsdruck im Kontakt wird oft verringert. Die Patienten beschreiben mehr Einssein mit sich und der Welt. Sie gucken die Welt mit den staunenden Augen eines Kindes an und erleben gerade in Stille im Kontakt mit der Natur beglückende Erfüllung. Kommentare von Patienten: „Es ist in Stille einfacher für mich, mich zu entspannen, ohne reden zu müssen“, „Die Zeit verläuft langsamer, die Langsamkeit war schwer auszuhalten“, „Ich möchte gar nicht mehr reden“, „Die Gruppe in der Stille ermöglichte mir eine völlig neue Erfahrung von Kompetenz, alleine in der dunklen Natur (bei einem gemeinsamen Abendspaziergang) sein zu können“, „Die Stille ist für mich ein Geschenk, ich habe seit 20 Jahren Tinnitus, kann eigentlich keine Stille mehr hören.“ Es gibt auch Patienten, für die die Stille schwierig auszuhalten ist, weil sie wie ein Brennglas eigene Spannungen und Ängste spürbarer macht. Nur selten muss jemand die Stille abbrechen, um mit dem therapeutischen und Pflegepersonal zu reden, was natürlich jederzeit möglich ist. Die überwiegende Mehrheit der Patienten empfindet die Stille als zutiefst bereichernd.

 

Gemeinsame Stille stabilisiert

Viermal im Jahr ist Intensivgruppenzeit, diesmal mit der therapeutischen Kerngruppe für vier Tage. Nach einem intensiven Tag treffen sich die Patienten mit ihren Therapeuten dieses Mal zu einem gemeinsamen Abendspaziergang in Stille bei beginnender Dunkelheit. Das Besondere: Die Patienten gehen alleine und doch gemeinsam, aufeinander achtend, sowohl  sich selbst als auch die anderen wahrnehmend, in Stille. Trotz vorher geäußerter Angst vor Dunkelheit und Isolation nimmt niemand das Angebot wahr, sich paarweise an den Händen zu nehmen. Die Stille öffnet die Sinne, intensiviert das Sehen, Lauschen, Riechen, Tasten, Erfahren von Natureindrücken. Die Gruppe der Patienten ist wach, präsent, aufmerksam lauschend. Sehr langsam bewegen sich die Menschen in Stille, halten als Gruppe inne, lauschen gemeinsam, erleben eine abendliche Magie und Überraschung im Kurpark.

 

Wachheit und Präsenz

Die Aufmerksamkeit der Gruppe wird in Bann gezogen von einem lauten Flattern, Gekrächze und Durcheinanderfliegen hunderter Vögel in den Baumwipfeln. Keiner der Patienten zeigt Angst. Die Stille verbindet, stabilisiert. Es ist, wie es ist. Die Stille ermöglicht einen distanzierteren und wachen Blick mit einer Präsenz in der Gegenwart.

Die Bäume und Büsche entfalten ein bizarres Blätter- und Ornamentkunstwerk am wolkenverhangenen Himmel, welche einige  Patienten aufmerksam und fasziniert mit ihren Augen verfolgen. Die Patienten gehen weiter über einen Nebelschwaden-Grasteppich. Einzelne tasten die Tautropfen mit den Händen, erkunden Unebenheiten des Bodens und Pflanzen.

Plötzlich sind im Hintergrund zarte Musikklänge aus den Bäumen des Klanggartens hörbar.
Niemand hat geahnt, dass um diese Zeit Musik hörbar sein wird. Die Patienten folgen einander staunend neugierig ebenso wie wir Ärzte und Therapeuten. Eine Festlichkeit liegt in der Luft, welche die Herzen berührt und zum Tanz in der Dunkelheit einlädt. Die Gruppe bleibt, lauscht und geht nach einer langen, langen Lauschzeit weiter in die Dunkelheit.
Wir haben nicht gesucht, nur gefunden.


Glück ist nichts Äußeres, sondern ein leises Singen der Seele.
Marina Zenta
Der erste Frieden, der wichtigste, ist der, welcher in den Seelen der Menschheit einzieht, wenn sie ihre Verwandtschaft, ihre Harmonie mit dem Universum einsehen und wissen, dass im Mittelpunkt der Welt das große Geheimnis wohnt und dass diese Mitte tatsächlich überall ist, sie ist in jedem von uns.

Black Elk, indianischer Medizinmann der Oglala-Lakota-Indianer, 1932

Kongress Bewusstseinsforschung, ­Bewusstseinskultur, Bewusstseinsentwicklung

Leitung
Dr. Joachim Galuska, 6.-9. Juni 2013
in Bad Kissingen

Info und Anm.: ­Akademie Heiligenfeld, Anita Schmitt, Tel.: 0971-84 46 00 oder info@akademie-heiligenfeld.de
www.kongress-­heiligenfeld.de

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