Anzeige

Unsere Bewegungen sind oft zweidimensional, eckig und in ihrem natürlichen Ablauf gebremst. Dabei ist „Flüssigkeit“ eigentlich unsere Natur. Continuum Movement ist eine Methode, uns wieder mit unserer fließenden Grundstruktur zu verbinden und uns als einheitliches Ganzes zu erfahren.

 

 

Viele von uns wissen verstandesmäßig um die erstaunliche Tatsache, dass unser menschlicher Körper zu zwei Dritteln aus Wasser besteht. Unser „Flüssigsein“ auch zu erspüren und zu erfahren, ist in erster Linie durch bewusste Aktivierung unserer Empfindungsfähigkeit möglich. Es braucht etwas Zeit, um zu verstehen, was das wirklich bedeutet. Denn wir sind es so gewohnt, die Welt über das Denken wahrzunehmen, dass wir sogar unsere Körperempfindungen übers Denken registrieren. Evolutionsgeschichtlich ist das Empfinden viel älter und spielt sich im Hirnstamm ab – das Gefühl im lymbischen System und das Denken im Neocortex folgten erst später. Unsere Empfindung wird aber überlagert vom kulturell sehr dominanten Denken. Die Empfindung kommt oft erst dann wirklich in den Vordergrund, wenn wir etwas ganz Schönem oder aber Schmerzen begegnen.

Ein ganz wesentlicher Aspekt im Continuum Movement ist Verlangsamung. Der Körper ist von seiner Schwingungsnatur her viel langsamer als die Gedanken.

 

Spiralförmige Bewegungen

Ein weiterer Aspekt besteht im Einleiten von Bewegungen, die den Organismus daran erinnern, wo wir herkommen. Urbewegungen des Lebens sind pulsierende, wellenförmige und spiralförmige Bewegungen. Diese bringen wir in den Körper, damit seine ureigene Intelligenz angeregt werden kann. Wir beginnen mit willkürlichen Mikrobewegungen in Gelenken, Knochen und im Fasziengewebe, die räumlich in alle Richtungen gehen. Durch diese verlangsamten Bewegungen kommen wir irgendwann auf einer vertrauensvollen Ebene an, auf der der Körper die Führung übernimmt und die Bewegung einleitet, die er aus sich heraus selbst initiieren möchte. Die Bewegungen, die wir normalerweise machen, auch im Fitnessstudio oder in der Krankengymnastik, sind verglichen mit Continuum Movement oft sehr lineare, zweidimensionale Bewegungen, die bestimmte Funktionen erfüllen, jedoch nicht unbedingt die Kapazität haben, das Gesamtnetz unseres Körpers in seiner komplexen Vielfältigkeit anzusprechen.

Ein weiteres Mittel ist der Einsatz von Tönen. Diese sind so angelegt, dass sie in Resonanz zum Vorsprachlichen und Vorkulturellen gehen. Wenn man sich mit bestimmten Tönen an das Vorsprachliche richtet, stimuliert man das Gewebe, entsprechende Formen anzunehmen. Es gibt eine Menge Forschungen darüber, wie bestimmte Töne auf Formen oder Strukturen einwirken. Bekannt sind insbesondere die Experimente mit Sand oder Reiskörnern, die einer Tonquelle ausgesetzt werden und dann wiederholbare Muster annehmen. Im Continuum Movement benutzt man Töne, um einen Breitbandzugang zum Organismus zu erhalten und ihn zum Beispiel zu einer bestimmten Art von Ausdehnung anzuregen. Durch solche Stimulierung beginnt die Information auf eine Weise zu fließen, die über das Bekannte hinausgehen kann.

 

Ganzkörperlichkeit erfahren

Das Heilsame besteht darin, dass man durch das Flüssigwerden der Bewegungen eine Erfahrung der Ganzkörperlichkeit machen kann. Das ist etwas sehr Tiefgehendes. Macht man die Erfahrung, sich hinten, vorne, oben, unten und innen wahrzunehmen als etwas Ganzes, dann ändert sich auch etwas in der Art und Weise, wie man die Welt wahrnimmt. Mit dieser ganzkörperlichen Erfahrung geht ein neues Bewusstsein einher. Was es dazu braucht, ist Hingabe.

Dabei entsteht eine Autonomie: Weil ich erfahre, dass ich in einem Körper existiere, bekomme ich eine deutliche Identität, ohne von außen Bestätigung bekommen oder mich an eine Geburtsurkunde oder ein Diplom halten zu müssen. Dadurch bin ich ICH – allein durch meine Empfindung. Auf dieser Ebene gibt es keine Wertung. Diese entsteht erst später durch Emotionen und Gedanken. Außerdem bindet mich die Empfindung ans Jetzt: Ich kann meinen Körper nur j-e-t-z-t empfinden. Es geht um Inkarnation. Ich mache eine ekstatische Erfahrung meiner Leiblichkeit, über welche sich eine Tür zum ­Spirituellen öffnen bzw. sich die Polarisierung zwischen „spirituell“ und „nicht-spirituell“ auflösen kann..

 

Regulierende Eigendynamik

Es gibt wesentliche Verbindungen zwischen craniosacraler Arbeit und Continuum Movement. In der Craniosacral-Therapie gibt es zum Beispiel den Begriff des «Unwindings»: Der Therapeut nimmt einen Arm und wartet einfach nur, was dieser machen möchte. Dann fängt der Arm an, sich durch seine eigene Bewegung zu entwickeln und eine regulierende Eigendynamik zu entfalten, heraus aus einer Form, die dem Gesamtsystem eigentlich nicht gut tut. Im Continuum Movement sind «Klient» und «Therapeut» ein und dieselbe Person, und der gesamte Körper kann je nach Bedarf und Durchlässigkeit Teil davon sein. Der Rhythmus der Craniosacral-Flüssigkeit hat ja eine ganz besondere Kraft und Tiefe mit hoher Regenerations- und Transformationspotenz. Continuum Movement weckt dieses Potenzial, was insbesondere in langen Intensivkursen erfahren und genutzt werden kann. Über das Kreuzbein, die Wirbelsäule, die Zunge und den Gaumen kann ein Kommunikationsnetz angeregt werden, das den gesamten craniosacralen Raum erfasst und den restlichen Körper in-Form-iert.

Continuum Movement richtet sich an alle, die Interesse daran haben, mit dem Körper zu arbeiten, ihr Potenzial und ihren eigenen Ausdruck zu erfahren: Menschen, die einfach nur vom Kopf in den Körper kommen wollen, Menschen, die ihre eigenen Heilungskräfte anregen wollen, Menschen, die sich ­selber Bodywork-Sessions geben wollen. Auch KünstlerInnen, TänzerInnen, SchauspielerInnen, die erforschen wollen, wie es ist, Bewegung und Ausdruck aus dem Körper kommen zu lassen. Menschen, die professionelle Körperarbeit machen, bietet Continuum Movement einen großartigen Fundus, um ihre Arbeit zu bereichern.

 

Zurück zum Tanz

In Berlin bietet Kai Ehrhardt einen laufenden Kurs und Workshops zum Thema an (www.embodied-being.com). Für diesen Sommer konnte er die ­renommierte Continuum-Movement-Lehrerin Linda Rabin aus Kanada für ein Seminar in Berlin gewinnen. Als ehemalige Choreographin war Linda Rabins Weg zu ihrer Berufung als Continuum-Movement-Lehrerein alles andere als geradlinig. Nach mehreren Jahren der Suche in den 1980ern sagte ihr eine innere Stimme: „Wenn du dich als Mensch weiter entwickeln willst, kannst du nicht beim Tanzen stehen bleiben.“ 1991 gab sie den Co-Direktoren-Posten in dem von ihr mitgegründeten Tanzstudio in Montreal auf. „Ich hatte keine Ahnung, was ich als Nächstes wollte, aber mir war klar, ich musste erst einmal in diese Unbestimmtheit gehen, sie fühlen und leben, bevor neue Ideen und Inspirationen und ein Gespür für den nächsten Schritt aufkommen konnten“. Linda Rabin besann sich ihrer Erfahrungen in somatischer Praxis – in den späten 1960er Jahren hatte sie Alexander-Technik und Ideokinesis studiert. Sie lernte die Osteopathin und Energie-Heilerin Marie Anne Manny kennen, die ihr riet, den Tanz nicht zu verlassen, sondern eine ganz neue Beziehung zu ihm aufzunehmen, und vertiefte sich in verschiedene Meditations- und Körperpraktiken. Schließlich entdeckte sie Emilie Conrad und Continuum Movement. Continuum Movement brachte Linda „heim“ in ihren Körper – und zurück zum Tanz. Während sie inzwischen Continuum Movement in Kanada und Europa für alle, die interessiert sind, unterrichtet, erteilt sie in Quebec und Montreal speziell auch angehenden Tänzerinnen und Tänzern Unterricht.


Abb: © Linda Rabin

Workshop mit Linda Rabin:
Awakening the Fluid Body – Wecke den flüssigen Körper in dir

Termin:
17.-19. August 2012
Ort: Schwelle 7, Uferstr. 6, HH,
13357 Berlin
Preis: 270 €

Infos und Anm. unter Tel.: 0170-348 34 68 oder info@embodied-being.com

www.embodied-being.com/de/workshops/wecke-den-fluessigen-koerper.html

Hinterlasse einen öffentlichen Kommentar

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.

*