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Auf jedem Grabstein stehen zwei Daten: Das Geburtsdatum und der Sterbetag. Doch die wichtigste Information fehlt – die Lebensspanne, die der Mensch wirklich gelebt hat. Denn die meisten Menschen haben sich während ihres Erdendaseins irgendwann einmal lebendig begraben. Es gibt Milliarden Möglichkeiten, sich dieses Nicht-Leben zu gestalten. Und wir lassen kaum eine aus. Ganz selten nur findet ein Einzelner den Weg ins wirkliche, ewige Leben – in DAS, was ist.

Weil die meisten von uns diesen Weg noch nicht gefunden haben, besteht unser ganzes Leben aus einer Suche nach Sicherheit, also der Kontrolle des Lebens. Doch es gibt keine Sicherheit als etwas, an dem wir festhalten könnten. Alles, was wir erschaffen, ist zum Untergang verurteilt.
Schon ein Kind weiß zumindest unbewusst, dass alles einmal sterben muss. Der Tod ist die einzige Gewissheit auf Erden. Und trotzdem stellt er den größten Magneten für die menschlichen Ängste dar. Weil wir uns ihm nicht wirklich stellen. Weil wir das Thema höchstens einmal intellektuell in unserem Verstand bewegen. Und hier liegt das Problem. Der Mensch erkennt das Leben über seine Wahrnehmung der Körperfunktionen und über den Verstand. Dieser überaus eingeschränkte Blickwinkel reicht nicht aus, um die Essenz des Todes zu verstehen.
Aber warum hilft uns der Verstand nicht weiter? Weil die Kompetenz des Verstandes sich lediglich auf die Vergangenheit beschränkt. Er projiziert vergangene Erfahrungen auf die Zukunft. Dadurch können wir über den in der Zukunft liegenden Tod nichts wissen, sondern nur darüber spekulieren. Wie also können wir den Schleier vom Mysterium des Todes entfernen? Dadurch, dass wir den Sprung ins Unbekannte wagen. Indem wir als Ich sterben. Indem wir es beenden, uns mit unserem Körper zu identifizieren. Indem wir den Körper dem Leben zurückgeben und aufhören, ihn gegen die vermeintlichen Gefahren des Lebens abzuschirmen und zu schützen. Indem wir es dem Großen Ganzen überlassen, für ihn zu sorgen. Indem wir geschehen lassen, was immer das Leben mit diesem Körper und dem dazugehörigen Verstand vorhat.

Der Tod: eine Illusion

Wenn wir diesen Sprung geschafft haben, haben wir den Tod als Illusion durchschaut. Weil wir eben nicht dieser Körper sind. Und daher auch nicht als dieser Körper so sterben können, wie es uns der Verstand, der zu diesem Körper gehört, immer als Fantasiebild suggeriert hat. Es ist wie in der Natur: Wenn im Herbst die Blätter fallen, stirbt nicht der Baum. Der Körper ist uns nur als Vehikel gegeben, über den wir das Ewige Leben erfahren können. Unser Körper ist nur eine vorübergehende äußere Erscheinungsmöglichkeit. Wenn das als eigene, tiefe Erfahrung bis in unsere letzte Zelle vorgedrungen ist, bedeutet das, den Tod überwunden zu haben. Die Erkenntnis über den Tod gibt uns die Sicherheit, mehr als nur Körper und Verstand zu sein – mehr als nur ein Blatt am Baum. Wir erkennen, was dahinter steckt. Wir sind unsterbliches Bewusstsein, das einfach wahrnimmt. Indem wir keine Erfahrung mehr abwehren, die der Körper macht, und uns auf die damit verbundene Wahrnehmung komplett einlassen, werden wir zum Baum selbst, von den Wurzeln bis zur Baumkrone – und noch mehr, denn das Leben hört nicht in den Blattspitzen auf.
Der Tod hat sich dann quasi aufgelöst. Wenn dies geschieht, haben wir uns im wahrsten Sinne des Wortes selbst wiedergeboren. Alles ist EINS geworden. Wir erkennen, dass der Tod nur ein Schlaf ist wie die nächtliche Ruhephase.

Den Tod bewusst erleben

Normalerweise läuft dieser Erkenntnisprozess nach dem Tod unbewusst ab. Deshalb verlieren wir auch unsere Erinnerung an frühere Leben. Einmal nur muss der Mensch diesen unbewussten Prozess durchbrechen, dann bleibt er bewusst auch über den Tod hinaus. Dann kann er seinem eigenen Tod zusehen und seine neue Geburt steuern – sofern er denn will. Durch das Erwachen ist jedem diese Möglichkeit gegeben. Erwachen macht frei von Glauben und Spekulation und deshalb auch frei von Angst. Unsere Kompetenz ist nun nicht mehr nur abhängig von der begrenzten Kompetenz des Verstandes. Wir haben Anschluss an die Quelle des Lebens gefunden – jenseits der Grenzen des menschlichen Verstandes. Erleuchtung heißt: Wir erkennen, dass das Leben ewig ist. Wir sind unsterbliche Wesen in der Bekleidung eines Körpers und mit einem Hut namens Verstand. Doch früher oder später müssen Bekleidungen gewechselt werden. Sterben heißt einfach, das Kleid wechseln. Unsere Essenz stirbt nie. Aus dieser Erkenntnis erwächst unendliche Freude, ohne die Leben gar nicht richtig möglich ist.

2 Responses

  1. Rüdiger Goltz
    An zwei zukünftige Wiedergeburten von mir denkend

    Das göttliche ist überbewusst zu nennen, das menschliche bewusst.
    Lebt man ab, geht man in´s göttliche, wiedergeboren werden könnend als Mensch, dann wieder Bewusstsein aufzeigend. Einfach gesagt, gilt dies, alles darüber hinaus gehende, wäre zuviel des guten.Gott gibt dem einen soviel Einsicht, dem anderem wieder soviel.

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  2. Chrisi
    Super!

    Toller Text das ist sehr gut geschrieben. Jetzt habe ich weniger Angst, danke 🙂

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