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Warum kann ich mich mit 30 Jahren nicht zwischen Kind und Karriere entscheiden? Warum ist es mit 35 plötzlich schwierig, den richtigen Mann zu finden? Warum will ich mit 40 oder 50 Jahren noch einmal ganz neu aufbrechen? Das sind Fragen von Frauen an Wendepunkten ihres Lebens.

Unser Leben unterliegt Rhythmen und zyklischen Verläufen. Und in jedem Zyklus schwingt ein ganz eigenes Lebensthema mit. Alle sieben Jahre, so heißt es, bricht ein neuer Lebenszyklus an, also im 7., 14., 21. Lebensjahr usw. Die Gliederung des Lebens in 7er-Zyklen geht auf die anthroposophische Lehre zurück und gilt natürlich sowohl für Männer als auch für Frauen. Wenig bewusst ist vielen Frauen aber, welche Facetten von Weiblichkeit sich in diesen Lebensphasen ausdrücken können. Es sind die Themen der Kreativität, der erotischen Weiblichkeit, der Partnerschaft, der Mütterlichkeit, der Unabhängigkeit und der Weisheit.

Während Frauen heute in der Öffentlichkeit eher auf zwei oder drei stereotype Bilder reduziert werden, gibt es in der griechischen Mythologie einen Reichtum an weiblichen Gottheiten. Die jungianische Analytikerin und Therapeutin Jean Shinoda Bolen hat in ihrer Arbeit jeder Göttin ein weibliches Lebensthema zugeordnet, das für Frauen von heute bedeutend ist. Das Spektrum dieser „Göttinnen“ reicht von der jungfräulichen, verletzlichen Persephone über die kämpferische Artemis, die mütterliche Hera bis zu Aphrodite, der Göttin der erotischen Liebe und Schönheit.

 

Die Göttin Persephone

Der Lebenszyklus einer Frau beginnt mit der Pubertät etwa mit 14 Jahren. In dieser Zeit lebt das Mädchen den Aspekt der jungfräulichen, verletzlichen Persephone. Mädchen sind in diesem Alter besonders kränkbar. Oft verstecken sie ihre Verletzlichkeit hinter einer rauen Schale, doch Bemerkungen gegen ihre keimende Weiblichkeit verletzen sie jetzt besonders tief. Manche Frauen leiden ein Leben lang unter diesen Kränkungen, die sie auch später noch daran hindern, Vertrauen in Beziehungen zu fassen. Es ist wichtig für jede Frau – egal welchen Alters – sich der Persephone in ihrem Inneren zu zuwenden.

 

Artemis und Athene

Im Alter von 21-28 sowie von 28-35 und 35-42 leben viele Frauen heute ihre kämpferischen und unabhängigen seelischen Aspekte, verkörpert durch die Göttinnen Artemis und Athene. Selbstbewusst erobern sie die Welt im Berufsleben. Oft betonen Frauen in diesen Lebensphasen ihre Unabhängigkeit auch innerhalb von Beziehungen. Artemis als Kriegsgöttin steht dabei für kämpferische Weiblichkeit und spielerische Erotik. Auch in der Powerfrau und Alleinerziehenden, die den Laden alleine schmeißt, sieht man das Artemis-Prinzip. Athene, die Lieblingstochter ihres Vaters, eifert als Göttin der Weisheit nach intellektuellen Leistungen und Positionen, in denen sie Macht ausübt.

 

Hera

Es ist noch nicht so lange her, da galt für Frauen in der Lebensphase von 21 bis 35 Jahren ganz selbstverständlich das Idealbild der Ehefrau und Mutter. Der Familien-Aspekt von Weiblichkeit wird der Göttin Hera zugeschrieben. In den Sagen wird Hera besonders auch als eifersüchtige Frau beschrieben, die ihr eigenes Leben zurückstellt und durch ihren Mann lebt. Wenn er sie betrügt, ist ihr Lebenssinn zerstört. Ein solches Frauenbild ist heute kaum noch attraktiv.

Besonders die kämpferischen Frauen um die 30 lehnen ein solches Bild ab und leugnen den „Hera“-Teil in sich. Doch sind Aspekte des „Hera“-Musters auch wichtig, stehen sie doch für die Fähigkeit zur Bindung, für Unterstützung und Mütterlichkeit. Moderne Artemis-Frauen spüren manchmal besonders heftig mit Mitte 30 oder Anfang 40, dass ihnen etwas fehlt. Sie müssen sich der Aufgabe stellen, ihre kämpferischen und unabhängigen Anteile mit den bindungswilligen Seiten der Hera und den zarten Aspekten der Persephone in Einklang zu bringen.

 

Aphrodite

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Was aber wäre das Leben ohne den Aphrodite-Aspekt? Aphrodite ist die Göttin der Erotik, der schönen Künste und der Kreativität. Diese Seiten in jedem Alter zu pflegen, ist eine besonders schöne Aufgabe im Leben einer Frau.

 

Hestia

Und schließlich gibt Hestia, die Göttin der Zurückgezogenheit und der Spiritualität, dem Leben einer Frau Tiefe und Bedeutung auch jenseits der erotisch-weiblichen Rollenbilder. Mentorin zu sein und weise zu werden, kann eine lohnende Aufgabe für Frauen in den Lebensphasen ab 49 Jahren sein. So bekommt das weibliche Dasein Reichtum und Tiefe über das gesamte Leben. Das „richtige“ Leben, allein oder mit einem Mann und Kindern, ist also ein Leben, in dem sich die Themen wandeln. Alles zu seiner Zeit.

Über den Autor

Avatar of Ursula M. Wagner

Dipl.-Psych. arbeitet mit inhaltlichem Schwerpunkt zu den Themen Generationen, Geschlechter und Arbeit als Coach, in der Ausbildung von Coaches und als Autorin. Der Text ist ein Auszug aus ihrem Buch „Die Kunst des Alleinseins“ (Theseus, 2005).

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