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Wir drücken immer Wahrheit aus. Oft bleibt sie allerdings ungehört und ungesehen, bis sie sich durch Symptome und Krankheiten „Gehör“ verschafft. Körperorientierte Psychotherapie beschäftigt sich neben dem reinen therapeutischen ­Gespräch mit der gefühlten Wahrheit, die sich in unseren Muskeln und unserem Bindegewebe verbirgt.

 

Unsere Gefühle und Körperempfindungen sind lebensnotwendig für unsere Gesundheit und unser seelisches Gleichgewicht. Der Körper, unsere Muskulatur und unsere Atmung sind auf Bewegung ausgerichtet. Lebendigkeit drückt sich in Pulsation aus, zum Beispiel durch Einatmen und Ausatmen, Spannung und Entspannung – wie auch Tag und Nacht ein Ganzes bilden. Bei Stress und anderen starken Erfahrungen, die mit viel Emotion verbunden sind – wie Angst, Gewalt, Verlassensein und andere traumatisierende  Erlebnisse – werden allerdings die ­Hormone Adrenalin und Cortisol ausgeschüttet, was zu einer Kampf-Flucht-Mobilisierung des Körpers führt. Das heißt: In diesem Moment erstarren lebenswichtige Bereiche im Körper, um sich einzig auf die Kampf-/Fluchtreaktion auszurichten. Beispielsweise werden die Verdauungsorgane  „abgeschaltet“ und die Atmung verflacht, dafür steigen Kreislauf und Puls an und Arme und Beine werden bevorzugt mit Blut versorgt. Natürlicherweise ebbt diese Reaktion ab, sobald die Gefahr vor­über ist, und der Organismus findet zu seiner harmonischen Pulsation zurück. Die Atmung vertieft sich, die Verdauung springt wieder an, Kreislauf  und Blutdruck normalisieren sich. Der Körper bekommt Zeit und Ruhe, um sich zu regenerieren.

 

Im Zellgedächtnis eingeschrieben

Wenn allerdings ein Kind immer wieder aufs Neue traumatisiert wird oder wenn Stress bei Erwachsenen zum Dauerstress wird, kann sich diese innere Erstarrung nicht lösen und bleibt in unserem sogenannten Zellgedächtnis eingeschrieben. Das Zellgedächtnis merkt sich alles, Gutes wie Schlechtes, Liebe wie Hass, Geborgenheit wie Einsamkeit. Wenn das Zellgedächtnis auf einem bestimmten Gebiet ein Trauma erinnert, fällt es uns dort dann schwer, gute Vorsätze umzusetzen, Verhalten zu verändern und Gewohnheiten abzulegen. Die Starre in unserem Inneren macht es uns unmöglich, das Ersehnte zu bekommen und unsere Ziele zu erreichen. Da das Zellgedächtnis stärker ist als alle guten Vorsätze und Verhaltenskonzepte, greift die reine Gesprächstherapie zu kurz. Klar: Viele Probleme lassen sich durch Reflexion, Einsicht und Verständnis klären, Grundlagen, auf denen die moderne Gesprächspsychotherapie aufbaut. Die Problembereiche, die sich diesem Zugriff der kognitiven Veränderung entziehen und die uns immer wieder in die gleichen Situationen bringen, uns immer wieder in die „Falschen“ verlieben lassen, immer wieder dazu antreiben, wissentlich die gleichen Fehler zu machen – diese Dynamiken lassen sich allerdings besser mit körperorientierter Psycho­therapie ergründen und verändern.

 

Den Körper sprechen lassen

Die Weisheit des Körpers spricht allerdings in einer eigenen Sprache mit uns. Wir müssen oft erst wieder lernen, sie zu verstehen. „Bemerkungen“ wie zum Beispiel starke Verspannungen oder Kopfschmerzen, Hautausschläge, innere Blockaden oder Funktionsstörungen einzelner Organe sind meist sehr wesentliche und wertvolle Hinweise für Genesung und Heilung.
Der Körper schickt uns oft auch Signale wie Müdigkeit, Unlust oder veränderte Nahrungsgewohnheiten. Er erzeugt ein Verlangen nach Kaffee, Schokolade und Zucker, wenn wir müde sind, oder nach Wein und Bier, um abends „runterzukommen“. Dahinter stehen Gefühle und Bedürfnisse, die wir uns nicht trauen zu fühlen und auszudrücken, so dass wir oft über sie hinwegtrampeln und uns dann erschöpft, abgetrennt oder sogar krank fühlen.

Wir haben das Gefühl:
Wenn ich dieser Wut freien Lauf lasse …
mache ich alles kaputt.
Wenn ich mich mit dieser Bedürftigkeit zeige …
werde ich verlassen.
Wenn ich diese Grenze ziehe …
verliere ich meinen Job – Partner – Wohnung.

Viele dieser großen Gefühle erscheinen uns unangemessen und überwältigend, weil wir nie gelernt haben, damit umzugehen. Deshalb schneiden wir uns von diesen inneren Impulsen – gleichzeitig aber auch von dem Kontakt zu unserer Vitalität und Lebendigkeit, zu unserer innersten Natur ab.

 

Kontakt zur unerlaubten Seite

Im Rahmen der körperorientierten Psychotherapie schaffen wir zunächst einen Raum, um mit diesen tiefen, unerlaubten oder irritierenden Seiten wieder in Kontakt zu kommen. Allein wenn ein Gefühl da sein darf, verliert es oft schon seinen Schrecken. Es gibt in diesem geschützten Raum die Möglichkeit, die Gefühle in ihrer Tiefe kennen zu lernen, auszudrücken, neue Umgangsformen zu finden und sich damit auszuprobieren. Wir lernen zudem etwas über unsere Muster und inneren Antreiber, die uns oft rein automatisch reagieren lassen. Mit einer gefühlten Wahrheit aber lässt sich auch eine Situation neu beeinflussen. Wir spüren uns selbst anders und können dadurch anders reagieren.

Eine gefühlte Enttäuschung kann dann zu einer gesunden Grenze führen, ein gefühltes Bedürfnis zu dessen Erfüllung, wie zum Beispiel zu einer Umarmung.

Und gefühlte Wut kann für klare Verhältnisse sorgen. Wir lernen, Enttäuschung, Wut, Ärger oder das Bedürfnis nach Geborgenheit und Unterstützung auf eine Weise mitzuteilen, dass wir gehört werden und es für beide Seiten in Ordnung ist.

Körperorientierte Psychotherapie lädt uns ein zu einem Dialog mit unseren unbewussten Seiten. Wir entdecken uns neu, entwickeln körperliches Spürbewusstsein, lernen in Kontakt zu bleiben, den Ausgleich selber wieder herzustellen zwischen Anspannung und Entspannung. Wir lernen die psychovegetativen Zustände des Körpers wahrzunehmen und zu verstehen. Wir befreien energetische Stauungen durch Atem, Bewegung und Stimme.

Körperorientierte Übungen helfen bei der Stressreduktion. Berührungen lösen chronische Spannungen, stabilisieren, harmonisieren, vitalisieren und mobilisieren. Kontakt und Grenzen werden bewusst und dadurch beeinflussbar.

Die Impulse von innen werden gefördert und der körperliche Dialog zwischen den verschiedenen Anteilen und inneren Konflikten wird ermöglicht. Dadurch kommen Körper und Seele wieder in ein gesundes Fließgleichgewicht und können heilen.

In der guten Verbindung mit unserem Körper stehen wir neben neuen Konzepten und Vorsätzen auch anders da, haben den Rücken frei und hören auf unser Bauchgefühl. Unser bisher bekämpftes Symptom kann zu einem liebevollen und weisen Ratgeber im Alltag werden – bis wir es nicht mehr brauchen und selbst auf uns aufpassen, liebevoll unsere Kontakte gestalten und gelassen mit dem Auf und Ab des Lebens umgehen können.


Abb: © Fotowerk – Fotolia.com

Über den Autor

Avatar of Anette Dröge

ist Heilpraktikerin, Autorin und Dozentin für Psychotherapie und bietet körperorientierte Psychotherapie, Coaching, Gruppenarbeit, Klassische Homöopathie und Coaching mit Pferden an.

„Mir liegt die Verbindung von Mensch und Natur am Herzen. In meiner Arbeit verbinde ch deshalb die Welt des Denkens und Fühlens mit der inneren Weisheit des Körpers und der Schönheit der Natur. Ich arbeite seit 1998 in eigener Praxis mit Körperorientierter Psychotherapie und Coaching, Klassischer Homöopathie, Entspannungsverfahren und Coaching mit Pferden.“

Kontakt
Tel.: 0172-3004511

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