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Wie Rainbow Hawk und Wind Eagle Weltkonzernen mit indianischen Ritualen Teamgeist einhauchen – Entscheidungsfindung über die Weisheit der Erde

Es ist Zeremonien-Zeit im ehrwürdigen Charles-Hotel in Cambridge im US-Bundesstaat Massachusetts: Auf dem Boden des großen Konferenzraumes bilden Steine, Blumen und Kerzen ein indianisches Medizinrad. Acht bunte Schilde zeigen die Richtungen der Windrose an. Sanft wiegen sich gewebte Tücher im flackernden Kerzenschein von der Decke, die dem Raum die Form eines Tipis geben.

Keine indianischen Häuptlinge treffen sich hier, um die Friedenspfeife kreisen zu lassen, sondern die Crème de la Crème von Weltkonzernen  –  Manager von General Motors, des Telekommunikationsriesen AT&T oder der Weltbank wollen lernen, wie gewinnorientierte Moneymaker zu Teamspielern werden. Statt duellierender Egos und dem Sprechen ohne zuzuhören, diesen Ritualen des modernen Business, gilt es, die Meinungen anderer gelten zu lassen, sie zu respektieren.

„Daß es in vielen Unternehmen nicht klappt“, sagt Rainbow Hawk, „liegt daran, daß die Mitarbeiter mit der Art der Entscheidungsfindung nicht einverstanden sind.“
Rainbow Hawk ist Kalifornier mit indianischen und keltischen Vorfahren. Das Blut der Delaware fließt in Adern des 75jährigen, der wie eine Eiche dasteht und die Souveränitat eines wirklich in sich ruhenden Lehrers ausstrahlt. Zusammen mitseiner Frau Wind Eagle, die ihre Wurzeln im Stamm der Mohikaner hat, leitet er das Ehama-Institut in den Bergen oberhalb von Los Gatos in Kalifornien.

Auf die beiden Halbbluts hört inzwischen auch das immer nach neuen Anregungen suchende US-Management. Dabei lehren Rainbow Hawk und Wind Eagle die uralten Zeremonien ihrer Vorväter, die in den Stämmen von Mund zu Mund über die Generationen hinweg weitergegeben wurden. „Das traditionelle Wissen, daß jeder in der Gemeinschaft seinen Teil zur Evolution beitragen muß, daß Solidarität und Zusam- menarbeit über Ego-Ansprüchen stehen, hatten nicht nur unsere Ahnen, das ist Millionen Jahre altes Kulturgut jeden Volkes“, sagt Rainbow Hawk. Das Werkzeug des achteckigen Medizinrades zur Problemlösung, Entscheidungshilfe und spirituellen Weiterentwicklung des Einzelnen ist tief in die Seele der Menschen eingraviert:
Jetzt scheint die Zeit reif, sich an das Erbe zu erinnern. Im Konferenzraum des Charles Hotels geben sich die durchsetzungsgewohnten Konzernchefs am Boden sitzend dem „Management by Manitou“ hin. Jeder spricht mit dem Sprechstab in der Hand aus der Perspektive seiner Kompassrichtung – unterbrechen verboten! Am Beginn der Rede nennt jeder Namen und Position im Rad, am Ende kommt der Satz: „Ich habe gesprochen“. Die Gruppe antwortet mit: „How“. Die Bedeutung ist: „Wir haben dich gehört“.

„Die Ratssitzung ist keine übliche Diskussionsrunde“, sagt Rainbow Hawk. Jeder Beteiligte spricht aus einem der acht Blickwinkel, die zusammen eine harmonische Gruppe ausmachen. Dabei ist es egal, ob das Problem einen Einzelnen, eine Familie oder ein großes Unternehmen betrifft. Keiner spricht gegen die Meinung eines anderen, jeder vertritt seinen Aspekt. Die Entscheidung erwächst nicht aus einem Für und Wider, sondern aus der Summe der Beiträge. Das Medizinrad durchbricht organisatorische Barriern und öffnet über eine nichtkonfrontative Art das Bewußtsein für erfolgreiche Entscheidungen.
„Die Weisheit der Erde“, so nennt Rainbow Hawk den Prozess, „macht Hochzeit mit der modernen, technologischen Wirtschaftswelt“.

Die Kommune

In seiner Windtree-Kommune südlich von San Francisco wird vorexerziert, wie aus Machtmenschen verständnisvolle Teamspieler werden. „Wenn du tief im Inneren spürst, daß du mit anderen vernetzt bist und den größeren Zusammenhang erkennst, dann fällt es dir leichter, das Leben nicht nur aus deiner Sicht zu sehen“, predigt Rainbow Hawk seinen Kommunarden im Achteck des hölzernen Gemeinschaftshauses.
Rundum stehen Häuser ehemaliger Supermanager, die aus der Geschäftswelt ausgestiegen sind, um hier in der Einsamkeit den Medizinweg zu gehen. Viele nennen ihn auch den Weg der Schönheit
Einen Tag lang haben Kommunen-Mitglieder das Zeremonienzelt gesäubert, einen Altar aufgestellt und geschmückt, einen kleinen Ofen vorbereitet, um einem 11jährigen Jungen ein wohliges Zuhause zu schaffen. Nach einer Ohrenoperation soll er sich erholen und in ein neues Leben initiiert werden.

Zwei Dutzend Menschen richten beinahe schon empathisch ihre volle Aufmerksamkeit auf die Gesundung des Jungen. „Er ist ich“, sagt Kommunardin White Eagle während sie das Zeremonienzelt schmückt. So wie sie denken und handeln auch die anderen. Das Motto: Nur gemeinsam sind wir stark.
Ein Motto, daß an der Schwelle zum Wassermannzeitalter steht. Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile – diese alte Weisheit scheint heute mehr zu gelten als jemals zuvor. Sex, Drugs and Rock`n roll waren die Ingredienzien der 68er Kommunen, die Lebensgrundlagen der heutigen Gruppen heißen Liebe, Respekt und Zusammenarbeit. „Und wir sind ständig auf der Hut vor unserem eigenen Ego“, sagt Rainbow Hawk.
„Folgt ihr wirklich eurere inneren Stimme, seid ihr wirklich da“, donnert er da seinen Kommunarden im Achteck des Gemeinschaftsraumes bisweilen entgegen. „Wer im Council sitzt“, sagt seine Frau Wind Eagle, „sollte das Ganze im Auge haben. Nur so wird der Kessel der Weisheit voller“.

Jetzt wollen die gefragten Kommunen-Macher die alten Traditionen weltweit wiederbeleben. In den nächsten fünf Jahren wollen sie zehn Ehama-Zentren errichten. „In Deutschland und England“, sagt Rainbow Hawk, „haben wir bereits viele Interessenten“.
Er will die Menschen auffordern, aus ihrer Isolation herauszutreten und sich in Kreisen zusammenzufinden, die „sich der Erweckung der alten Traditionen des Ratsfeuers, des Zuhörens und des Respektes, des Bewußtseins vom Wert der Gemeinschaft und dem Leben in Harmonie mit allem Lebendigen widmen“.

Über den Autor

Avatar of Ingomar Schwelz

ist freier Autor und Journalist. Der gebürtige Österreicher ist seit 40 Jahren journalistisch tätig, davon war er über 20 Jahre Redakteur bei Zeitungen im deutschsprachigen Raum. Zuletzt war er langjähriger leitender Korrespondent der weltgrößten Nachrichtenagentur associated press [AP] in Berlin.

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