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Immer wieder in den vielen Jahren der spirituellen Suche überlegte ich, ob es nicht sehr selbstbezogen ist, ständig an meiner Heilung und Persönlichkeitsentwicklung zu arbeiten – wenn ich mir den Zustand der Welt ansehe, werden schließlich jede Menge Menschen gebraucht, die sich für Gerechtigkeit und eine bessere Welt engagieren und den „Armen und Schwachen“ helfen. Bis mir – jetzt noch einmal aktuell durch einen für mich sehr bewegenden persönlichen Prozess – klar wurde, dass mein Weg keine Flucht vor den drängenden Herausforderungen der Wirklichkeit ist – Umweltzerstörung, Ausbeutung jeder Art, Krieg, Gewalt, usw. –, sondern dass ich mit meinem Weg einen wichtigen Teil zu einer liebevolleren Welt beitrage.

Denn der Zustand der Menschheit, ihre Handlungen und deren verheerende Auswirkungen basieren auf unterdrückter Angst und Verzweiflung, auf abgespaltenem Schmerz und tiefer verdrängter Einsamkeit, die echtes Mitgefühl einfach nicht aufkommen lassen. Wenn noch abgewehrte Angst und Schmerz in meiner Psyche im Untergrund lauern, kann ich nur so lange dem anderen zugewandt, offen und empathisch begegnen, bis er durch sein Verhalten einen Knopf in mir drückt, der Angst und Schmerz zu aktivieren droht.

In dem Moment verschließe ich mich und rutsche in unbewusste Abwehrstrukturen wie Verwirrung, Unachtsamkeit, Wut, Aggression, Härte, Eigenmächtigkeit, Selbstgerechtigkeit, Besserwisserei, Schuldprojektionen usw. Mit anderen Worten: Ich kann mein Gegenüber nicht mehr wirklich wahrnehmen, sondern nur noch durch die Filter, die sich gerade zwischen uns installiert haben. Damit bin ich als Verhandlungspartner, Mediator, Politiker oder Ähnliches im Grunde nicht mehr einsatzfähig und zu gebrauchen. Dann verhandelt kein zugewandter, an konstruktiven Win-Win-Lösungen interessierter Mensch mehr, der die Worte des anderen wirklich an sich heranlässt, sondern nur noch ein Automatismus, eine Ansammlung von Konditionierungen. Und wenn sich zwei solcher Roboter treffen, gibt es Kampf, Krampf und Konflikt.

So lange Menschen noch – vor allem unbewusste – Aggressionen in sich tragen, wird es Krieg geben. Den Krieg in mir zu beenden, ist die Basis, damit ich anderen wirklich helfen kann – vor allem dann, wenn es richtig schwierig wird.

Eine Antwort

  1. Profilbild von shumil
    shumil
    Den Krieg beenden ...

    Gut und einfach auf den Punkt gebracht, ohne viele Worte und Fremd-worte … – so mag ich das!

    „Den Krieg in mir zu beenden, …“

    Einen wirklich guten Artikel (neben vielen anderen), wie man das macht, hab ich hier gefunden:

    sein.de/das-spiel-der-aufmerksamkeit/

    Alles Liebe.

    Antworten

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