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Woher kommt eigentlich das menschliche Bedürfnis nach Macht? Ich glaube, dass es eine Folge des Gefühls ist, vom Leben, von der Liebe, von der Geborgenheit im Sein getrennt zu sein. Und daraus entsteht Angst.

Habe ich Macht, gibt mir das das Gefühl, das Leben halbwegs kontrollieren zu können. Ich muss dann diese Angst nicht mehr fühlen. Macht und Machen hängen darum eng zusammen. Bin ich auf diesem Kontrolltrip, muss ich gegen die Welt in den Ring steigen, mich durchsetzen, gegen andere kämpfen, mir mein Glück erobern, da ich das Leben im Kern als feindlich betrachte. Das führt zu dem Glauben, dass ich mich umso sicherer fühlen kann, je mehr Macht ich habe und je höher meine Position ist – und dafür tue ich alles. Bin ich der Boss, fühle ich mich einigermaßen geschützt gegen alle Unbill des Lebens und glaube mich weit entfernt von der Möglichkeit, irgendwann unter einer Brücke zu landen.

Doch das Ganze ist eine Illusion und führt irgendwann in die totale Erschöpfung. Dieses Spiel kann man nur verlieren. Denn echte Sicherheit basiert auf Vertrauen ins Leben und ist darum auch nur durch Loslassen und Hingabe möglich – also genau das Gegenteil des menschlichen Versuchs, mächtig zu sein.

Wirkliche Autorität und Macht kannst du dir nicht erarbeiten oder erkämpfen. Sie wird dir vom Leben verliehen, wenn du reif dafür bist. Wenn du Kraft angesammelt hast. Vor allem: wenn du lieben kannst. Denn wer eine Machtposition innehat ohne zu lieben, sieht nur einen sehr engen (Ego-)Bereich und nicht das Ganze. Er ist nicht fähig, andere konstruktiv zum Wohl aller zu führen – egal, über welchen Grad an fachlicher Kompetenz er verfügt.

Macht ohne Liebe will dem anderen immer nur die Trennung aufzeigen und Hierarchien klarstellen, um die eigene Position abzusichern – „Ich habe recht und du nicht und du musst dich meiner Kompetenz und Position unterordnen“ –, auch wenn sie das oft so gut versteckt und manipuliert, dass man das gar nicht merkt. Liebe dagegen sieht das Gegenüber wirklich, will Verbindung schaffen und baut immer eine Brücke für das Gemeinsame, das, was für alle Sicherheit und Glück schafft. Ego-Macht schließt aus, was ihr fremd ist und was sie bedroht. Liebe nimmt alle mit ins Boot, denn für sie gibt es keine Trennung.

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