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Yoga ist – trotz des teilweisen “Auftunens” mit Life-styleelementen – immer noch ein Weg zur Selbsterkenntnis. Eine besondere Art der Selbsterfahrung ist Landscapeyoga, das dazu einlädt, in einen intensiven Kontakt mit den Elementen der Natur zu treten.

 

Seit mehreren Jahren praktiziere und unterrichte ich Yoga. Allerdings empfand ich manchmal die herkömmliche Unterrichtspraxis des Yoga als zu einseitig introspektiv, zu formal starr und zu wenig kommunikativ. Es wird zwar mit vielen Menschen in einem Raum praktiziert, eine Interaktion der Teilnehmenden untereinander findet jedoch kaum statt. Gerade im Hinblick auf die so viel zitierte Zeitenwende, wo die Erfahrung von kreativen Gruppenprozessen einen wichtigen Katalysator für die persönliche und gesellschaftliche Entwicklung darstellt, wäre das ein Ansatzpunkt für neue Ideen.

Außerdem fiel mir auf – bedingt durch meine jahrelange Beschäftigung und Auseinandersetzung mit Geomantie und Raumenergetik –, dass der jeweilige Ort, an dem Yoga unterrichtet wird, kaum einbezogen wird. Bei der Beschäftigung mit Geomantie in der heutigen Zeit geht es darum, die ursprünglich enge Beziehung zwischen Erde und Mensch wieder zu erwecken. Dabei wird die spirituelle Dimension und die Mehrdimensionalität der Wirklichkeit mit einbezogen. Die emotionale Verbindung zwischen Subjekt und Objekt – also dem Menschen und dem ihn umgebenden Raum – ist dabei durchaus erwünscht. Durch diese “Liebesbeziehung” erwächst das Bewusstsein, dass wir ein Teil der Erde sind.

Als ich dann vor einiger Zeit begann, Yoga draußen zu unterrichten, hat sich daraus quasi von selbst Landscapeyoga entwickelt. Landscapeyoga ist mehr als einfach nur “Outdooryoga”. Wir praktizieren Yoga im Freien in Wechselbeziehung mit der uns umgebenden Natur und versuchen ganz bewusst mit der Umgebung in Interaktion zu treten. Dabei nehmen wir den Strom der Lebensenergie in uns auf, zum Beispiel über die Hände, die Haut und die Fußsohlen. Interessant ist es, dabei wahrzunehmen, welchem Element das gerade fließende Prana zugeordnet ist.

Durch die Erfahrung des Landscapeyoga wurde mir zudem bewusst, dass wir durch die Yogaübungen nicht nur körperlich und geistig etwas in uns verändern, sondern auch auf die inhärenten Muster und Informationen des Raums einwirken, wodurch ein mehrdimensionaler Rückkopplungsprozess stattfinden kann.

Zu Beginn bleiben wir nicht nur an einem Platz, sondern gehen von Ort zu Ort.

 

Die Natur heilt

Der achtsame Schritt eines Pilgers dient uns dabei als Vorbild. Die Elemente spielen eine wichtige Rolle. Wir machen zum Beispiel Yoga am Wasser und verbinden uns mit dem Wasserelement bzw. der Deva des Gewässers. Dazu passen Asanas, die die zugeordneten Organfunktionen stärken. Am Wasser also beispielsweise die Nieren- und Blasenregion (Entsprechung: Trikonasana und alle rückwärtsbeugenden Übungen). Auf der emotionalen Ebene können wir so einen besonders guten Zugang zu unseren Gefühlen bekommen, Blockiertes kann losgelassen werden, Angestautes in Fluss kommen.

Dies kann man beliebig ausweiten auf jegliche Art von Landschafts- und Naturbestandteile wie zum Beispiel Felsen oder Höhlen für den Erdbezug, Berge oder bestimmte Bäume, die das Feuerelement repräsentieren. Der Wind und bestimmte Düfte sind als Luftelement immer präsent, ebenso wie das Ätherelement in Form von Klang und Geräuschen.

Besonders spannend wird es, wenn ganz bestimmte “Kraftorte” aufgesucht werden. Wenn wir uns also mit den Gegebenheiten – dem Genius loci – eines ganz spezifischen Ortes verbinden. Dadurch können wir in Kommunikation mit der Natur und Ihren Wesenheiten treten und die Landschaft als Spiegel unseres Selbst erkennen.

Sehr berührend ist es, wenn der Ort auf einmal beginnt zu antworten, zum Beispiel bricht plötzlich die Sonne hervor, Vögel fangen an zu zwitschern, Regen beginnt zu tröpfeln. Des Öfteren ist dies mit persönlichen Botschaften und tiefen Einsichten in die Zusammenhänge des Seins verbunden.

Es kann beim Landscapeyoga auch zu einem intensiven Gruppenprozess kommen, bedingt durch den Austausch zwischen dem inneren und äußeren Raum, dem Individuum, der Gruppe und der Landschaft. Durch diese Begegnungen unterschiedlichster Art erfahren wir auch etwas über uns selbst.

Landscapeyoga setzt sich zusammen aus Elementen des Kundalini Yoga nach Yogi Bhajan, – insbesondere dem Baumyoga nach Satya Singh –, Vyda – dem Druiden-Yoga – und geomantischen Wahrnehmungsübungen nach Marko Pogaãnik.

Die Übungen sind einfach und auch bei körperlichen Einschränkungen gut zu bewältigen. Es sind hauptsächlich rhythmische, drehende und spiralige Bewegungen, die uns eine Ahnung vom Rhythmus, Takt und Tonus des Lebens geben. Abschließend ist eine kreative Interaktion mit dem Raum und den anderen Teilnehmenden in Form von Tönen, Bewegung, Tanz oder Land-Art (Kunst) möglich, wodurch ein besonders nachhaltiger Wandlungsprozess der inneren und äußeren Welt initiiert werden kann.

Im Landschaftspark Herzberge in Berlin-Lichtenberg entsteht derzeit ein Natur- und Gesundheitspfad, bei dem die Stationen des Parcours an besonderen Kraftorten nach geomantischen Gesichtspunkten künstlerisch ausgestaltet werden. Die Yogaübungen dazu unterstützen die Interaktion mit der Ortsqualität und dem umgebenden Naturraum (mehr Infos unter www.lebensplan.com, www.landschaftspark-herzberge.de).

 

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