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Wie sich beim Klarträumen Gehirn und Bewusstsein verändern

Bei einem luziden Traum (auch: Klartraum) sind sich die Träumer dessen bewusst, dass sie träumen. Das bedeutet auch, dass die Traumhandlung und oft sogar die Traumumgebung verändert werden kann. Die Träumer können im Traum Entscheidungen darüber treffen, was sie tun wollen, zum Beispiel Fliegen wie ein Vogel, eine bestimmte Person treffen oder sogar Fragen an das Unterbewusstsein stellen.

Manche Menschen erleben ab und an spontan Klarträume, andere trainieren gezielt, luzid zu träumen. Etwa ein Drittel erlebt immerhin 2-4 Mal im Jahr einen luziden Traum.

Bekannt ist Luzides Träumen schon seit Jahrhunderten – im tibetanischen Buddhismus gibt es sogar eine eigene Form von Traum-Yoga, die es den Mönchen erlaubt, selbst im Schlaf an ihrem spirituellen Wachstum zu arbeiten und entspricht dem buddhistischen Gedanken, dass auch der gewöhnliche Wachzustand eine Art Traum ist, aus dem man erst mit der Erleuchtung erwacht.

Neurologische und psychologische Fakten zum Klarträumen

Dass luzides Träumen existiert, ist auch längst durch wissenschaftliche Studien nachgewiesen. Die große Frage ist aktuell, was dabei in Gehirn und Bewusstsein passiert.

Bisher bekannt und relativ gut belegt sind die folgenden Fakten:

  • Die luziden Träume finden typischerweise, wie normale Träume auch, während des REM-Schlafs statt. Diese Schlafphase ist gekennzeichnet durch eine Lähmung des Körpers mit Ausnahme der Augäpfel, die sich schnell bewegen – daher auch der Name, REM steht für Rapid Eye Movement. Tatsächlich spiegeln die Augen der schlafenden Person die Augenbewegungen im Traum wieder, das gilt für luzide und für unbewusste Träume. Die Augenbewegungen sind dementsprechend die einzige Möglichkeit, wie die klarträumende Person während des Traums mit der Wachwelt kommunizieren kann, zum Beispiel indem sie ein vorher abgesprochenes Bewegungsmuster wiedergibt.
  • Das Gehirn zeigt bei luziden Träumen ein anderes Aktivitätsmuster als bei gewöhnlichen Träumen. Es werden Bereiche im präfrontalen Kortex aktiviert, die in neurowissenschaftlichen Studien meist mit Funktionen wie Selbsteinschätzung, Bewertung der eigenen Gedanken und Gefühle sowie Selbstwahrnehmung in Verbindung gebracht werden.

Luzides Träumen – Forschung ist wenig aufschlussreich

Bei genauerem Nachdenken sagen uns diese Fakten aber sehr wenig über die exakte Funktionsweise und die Auswirkung von luziden Träumen. Bildgebende neurowissenschaftliche Verfahren untersuchen nämlich zunächst einmal die Lokalisierung von indirekt gemessener Gehirnaktivität, sie liefern aber keine Interpretation dieser Aktivitäten. Das ist, als ob man einen Computer in den Wärmescanner steckt, um herauszufinden, wo die größte Aktivität ist. Das Ergebnis sagt allerdings kaum etwas darüber aus, was der Computer gerade tatsächlich tut und welche zugrundeliegenden Programme er verwendet.

Welche Möglichkeiten bieten luzide Träume?

Künftige Forschungen sollten sich darum vielleicht besser auf darauf konzentrieren, die Möglichkeiten zu erforschen, die sich durch Klarträume bieten. Denn es gibt eine ganze Reihe interessanter Fragen rund um das luzide Träumen:

  • Kann man in luziden Träumen lernen? Da ein Klarträumer ja die Traumhandlung beeinflussen kann, sollte es ihm theoretisch möglich sein, Dinge im Traum zu üben, zum Beispiel eine Sportart oder ein Instrument zu spielen. Paul Tholey, deutscher Psychologe und eine der deutschen Größen in der Klartraumforschung, behauptete, er habe mehrere Sportarten im Traum trainiert, zum Beispiel Skateboard und Kunstrad. Umfrageergebnisse mit Sportlern fallen ebenfalls positiv aus, aber der Erfolg von Üben in luziden Träumen wurde bisher nie direkt gemessen.
  • Kann man mit dem eigenen Unterbewusstsein in Kontakt treten? Kann man zum Beispiel Traumfiguren um Rat fragen oder nach dem Sinn des Traums fragen? Wenn man davon ausgeht, dass alle Traumfiguren in irgendeiner Form dem eigenen Bewusstsein und Unterbewusstsein entstammen, dann kann man diese Fragen bejahen. Ob die Antworten der Traumgestalten allerdings leichter zu verstehen sind als etwa die Inhalte eines normalen Traums, ist eine andere Frage. Zumindest gibt es einige Untersuchungen vom schon erwähnten Paul Tholey zu den Fähigkeiten von Traumfiguren. Sie können sprachlich kreativ sein (zum Beispiel reimen) und sehr einfache Rechenaufgaben lösen. Dass sie den Träumenden scheinbar unbekannte Worte nennen können, lässt auf einen Zugang zum Unterbewussten schließen.
  • Können wir unsere Psyche im Klartraum womöglich beeinflussen, uns also beispielsweise selbst therapieren? Es gibt Psychologen, die luzide Träume für die Behandlung von Albträumen empfehlen, zum Beispiel nach posttraumatischer Belastungsstörung. Da die Träumenden den Traum ja beeinflussen können, wenn er zum Klartraum wird, können sie auch die angsteinflößenden Elemente aus einem Alptraum beseitigen.

Luzides Träumen lernen

Wer sich nach diesen Ausführen für luzide Träume interessiert, aber noch nie oder nur selten welche hatte, sollte nicht verzweifeln. Es gibt zahlreiche Methoden, mit denen Klarträumen erfolgreich trainiert werden kann.

Die meisten davon erleichtern es den Träumenden, den Traum in Frage zu stellen und sich dadurch ihres Zustands bewusst zu werden. Dies wird unter anderem dadurch erreicht, dass immer wieder im Verlauf des Tages die Frage „Ist dies ein Traum?“ gestellt wird, woraufhin der Moment genau beobachtet wird. So wird das Gehirn trainiert, den aktuellen Bewusstseins-Zustand zu hinterfragen – eine Gewohnheit, die sich bei vielen Menschen nach einiger Zeit auch auf den Traum überträgt, wodurch ein „Erwachen im Traum“ stattfinden kann.

Andere Methoden versuchen, das Bewusstsein beim Hinübergleiten von Wachzustand zum Traum zu bewahren, um so einen Klartraum zu erreichen. Dies gelingt am Leichtesten durch ständige Beobachtung des Körpers beim Einschlafen und wird am Besten beim Mittagsschlaf trainiert, wo die Müdigkeit nicht übermächtig und der Schlaf nicht so tief ist.

Diese und andere Methoden erfordern hartnäckiges und konsequentes Training. Wenn man die Möglichkeiten bedenkt, die sich durch luzides Träumen ergeben, lohnt sich ein solches Training durchaus.

 

Eine Antwort

  1. Dreamweaver
    Toller Bericht!

    Vielen Dank für diesen interessanten Beitrag! Ich finde es klasse, dass hier auch der wissenschaftliche Aspekt mit einbezogen wird! Viele wissen nämlich gar nicht, dass Klarträume wissenschaftlich nachgewiesen sind und nicht esoterischer Schnickschnack ist.

    Gerne kann ich noch folgende Anleitung von getlucid empfehlen, welche sich auch für mich als überaus Hilfreich erwiesen hat! Auf der Seite findet man auch einen kostenlosen Videokurs zum Klarträumen. Einfach genial.

    http://www.getlucid.de/luzides-traeumen-lernen/

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