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Der breite Protest hat sich gelohnt. In Indien wird in absehbarer Zeit keine Gentechnik-Aubergine zugelassen. Umweltminister Jairam Ramesh hat verkündet, dass er ein Moratorium für die Zulassung der Bt-Aubergine solange verhängen will, bis Langzeitauswirkungen auf die menschliche Gesundheit und Umwelt geklärt sind. Grund für das Moratorium war neben erheblichen wissenschaftlichen Bedenken vor allem der massive Protest der Landbevölkerung.

„Die Öffentlichkeit ist dagegen“

Die Aubergine BT Brinjal von Monsanto wäre weltweit das erste gentechnisch veränderte Gemüse, das angebaut werden darf und sollte den Markt für viele weitere Produkte öffnen – nun ist dem weiteren Vormarsch der Gentechnik in Indien erstmal ein Riegel vorgeschoben. Dazu maßgeblich beigetragen haben massive öffentliche Proteste..

„Die Öffentlichkeit ist dagegen. Es ist meine Pflicht, eine vorsichtige, vorsorgende und prinzipienfeste Herangehensweise zu garantieren,“ sagte Ramesh gegenüber Reuters. Der Umweltminister hatte öffentliche Anhörung von Bauern organisiert – und die erteilten dem Gen-Gemüse eine deutliche Absage.

Gentechnik ist keine Lösung für Hungernde

„Mit dem indischen Anbauverbot für Gentech-Auberginen wurde das von der Gentech-Industrie wiederholt vorgebrachte Argument – Gentechnik sei lebensnotwendig für die hungernden Landbevölkerung in den Entwicklungsländern – endgültig als Marketingslogan ohne Wahrheitsgehalt enttarnt“, freut sich Gentechnik-Experte Werner Müller von GLOBAL2000.

„Es waren vor allem die Massenproteste der indischen Landbevölkerung, die die indischen Umweltminister zum Einlenken brachten. Die Menschen sahen in der Gentech-Aubergine eine Bedrohung für die natürliche Vielfalt mit über 4.000 Sorten in Indien. Dieses natürliche Erbe wollten sich die indischen Bauern nicht zerstören lassen.“

Auch die schlechten Erfahrungen mit anderen Gentech-Produkten, welche die Bauern in Abhängigkeit, Armut und zum Teil sogar in den Selbstmord getrieben hatten, sorgen in Indien für eine breite Ablehnung der Gentechnik. Deshalb hätte die Aubergine wahrscheinlich auch ohne Moratorium schlechte Chancen gehabt: Die zehn für die Auberginen-Produktion wichtigsten indischen Bundesstaaten hatten bereits vor der Entscheidung angekündigt, den Anbau der Bt-Aubergine bei sich zu verbieten.

Ohne unabhängige Studien keine Zulassung

Brisant ist: Fast überall erfolgt die Zulassung von Gen-Lebensmitteln ohne unabhängige Studien. Bereits im Herbst 2009 sahen daher drei von 20 Wissenschaftlern des Genetic Engineering Approval Committee schwere Mängel in den von Monsanto vorgelegten Studien. Das Moratorium bleibt nun so lange bestehen, bis es Testergebnisse gibt, die sowohl die Öffentlichkeit als auch die Wissenschaftler zufriedenstellen.

„Hiermit wurde ein zentrales Problem des Zulassungsverfahrens angesprochen, das auch in Europa existiert“, so Müller. „Denn in Zulassungsverfahren werden lediglich Studien der Gentech-Hersteller berücksichtigt und in den meisten Wissenschaftsgremien sitzen Forscher, die zur Gentech-Industrie ein problematisches Näheverhältnis haben.“ Das sei ein Grund dafür, dass Gentech-Produkte von den Wissenschaftskomitees wie der EFSA als sicher eingestuft werden, obgleich Langzeittests – 24 Monate dauernde chronisch toxikologische Untersuchungen – fehlen.

„Bisher wurden aber die Wünsche nach unabhängigen Studien abgetan. Indien kann nun als Vorreiter gesehen werden, wie man die Öffentlichkeit in die wissenschaftlichen Untersuchungen einbindet“, erklärt Müller.

Es sei an der Zeit auch in Europas Agrarpolitik die Türen für die Gentechnik ein für allemal zu schließen und die Landwirtschaft der Zukunft – den Biolandbau – massiv auszubauen, so der Experte abschließend. Mit dem Biolandbau haben die Inder nämlich im Gegensatz zur Gentechnik sehr gute Erfahrungen gemacht, er führte insgesamt zu niedrigeren Kosten und besseren Ernten – und vor allem zu einer Unabhängigkeit von zweifelhaften Konzernen.

 

 

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Text: mit Material von Pressetext.de und Informationsdienst Gentechnik

 

 

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