Von Ohnmachtsgefühlen hin zu einem Gefühl „ich nehme die Zügel meines Lebens selbst in die Hand

von Adrian Bober

Die ausweglos erscheinende Situation

„Wie blöd sich das anfühlt, wenn Entscheidungen über den eigenen Kopf hinweg getroffen werden, ich an der Vorgehensweise nicht mitwirken kann und mir der „tolle“ Lösungsweg überstülpt wird. Gleichzeitig fühle ich mich schlecht, weil ich an der entscheidenden Stelle nichts gesagt habe, nicht Einhalt geboten habe, weil ich nicht wusste was genau und wie ich es sagen kann.“ Kennen Sie solche Situationen? Dieses Bild aus dem Arbeitsalltag oder alltäglichen Situationen, die sich zwischen Menschen abspielen? Momente wie diese sind keine Seltenheit.

Ich will (mit-)entscheiden!

Der Drang in uns über Dinge mitentscheiden zu können, die uns, unsere Arbeitsweise, unsere Aufgaben, unser Beziehungen, Lebensweise und -pläne betreffen, ist nicht eine Art egoistisches, bockiges Verhalten. Es sitzt tief in uns drinnen, dieser Wunsch nach einem Mitbestimmungsrecht in all unseren Lebensbereiche, „Herr/Frau im eigenen Haus sein“. Nimmt uns jemand dieses Recht, können wir schnell Ohmacht in uns fühlen. Lassen wir dies über uns ergehen, kommt obendrein noch Ärger über uns selbst dazu.

Nimm Dich wichtig!

Warum wir das mit uns machen lassen, soll nicht Hauptteil dieses Artikels werden. Stattdessen möchte ich davon erzählen, auf welche Weise wir aus alledem aussteigen können. Wie wir es schaffen können, im entscheidenen Moment den Mund aufzumachen, um uns für unsere Selbstbestimmung einzusetzen, uns wichtig zu nehmen und in dem Bedürfnis zu achten, „Herr/Frau im eigenen Haus zu sein“.

Geht es hier nur um mich? Ein kurzer Ausflug

Es geht um mich als Einzelnen und um das Gesamtgefüge. Bleiben wir ganz nüchtern bei einem Arbeitsbeispiel. Was glauben Sie, wie wirken übergestülpte Lösungen bezüglich Durchführbarkeit, Umsetzungsstrategien und Zielerreichung auf ein gesamtes Team? Wie fühlen sich die Einzelnen , wenn sie an einem Lösungsprozess nicht beteiligt wurden? Welche Auswirkungen hat es auf ihre Motivation und Zufriedenheit? Selbst dann, wenn es sich nur um alltägliche Belange wie Aufgabenverteilung, Aufgabenpriorisierungen u.Ä. in den Unternehmen handelt? Mit was für einem Kräfteverlust ist bei all den Mitarbeitern zu rechnen?

…wenn sich alle dazu äußern, kommen wir nie zu einer Lösung

Auch das Argument „na wenn wir jeden mit einbeziehen, kommen wir ja nie zu einer Lösung…“ ist ein vielgesprochenes. Eine vielleicht lösungsorientierte Vorgehensweise, die jedoch nicht durch Mitwirkung aller entwickelt wurde, kann viel Druck bei den Einzelnen auslösen. Diese Vorgehensweisen entstehen besonders durch extremes Hierarchiedenken. An dieser Stelle dürfen wir uns gerne fragen, wieviele Ressourcen allein durch Missachtung von Mitbestimmungsrechten und kreativen Lösungsfähigkeiten bei allen am Prozess beteiligten Mitarbeitern verschwendet werden.

Dieses Beispiel lässt sich auf viele weitere Bereiche im Leben übertragen. Ich sehe auf meinen Beruf, den ich mir damals schon nicht ganz selbst ausgesucht habe, blicke auf den Urlaub, den ich so nicht machen wollte, erlebe einen Tag, den ich nicht vorhatte so zu verbringen. Erinnere mich an das Instrument, das ich nie wirklich lernen wollte. Nicht einmal der Ort, an dem ich lebe, habe ich wirklich bewusst ausgesucht. Und frage mich,  ob es wirklich das Richtige für mich ist. Und was ist los in meiner Beziehung, in der ich mich oft zurücknehme?

Selbstbestimmung als Voraussetzung für gemeinschaftliches Glück und Wohlergehen

Sobald Sie in den Lebensbereichen ein Stück Ihres Selbst aufgeben, sind Sie nicht in Ihrer vollen Kraft. Dann bleiben Sie weit hinter dem Potenzial, wer Sie wirklich sind und sein könnten. Wenn Sie glücklicher, zufriedener und satter wären, könnten Sie somit auch für andere mehr da sein. Sie wären ausgeglichener, würden mehr Freude ausstrahlen, andere mit Ihren Glücksgefühlen anstecken und diese darin unterstützen, sich für einen ähnlichen Weg zu öffnen.

Ausweg aus der Ohnmacht

Wie kommen wir nun raus aus dieser ewigen Spirale innerer Ohnmacht, aus dem Gefühl des Ausgeliefertseins und dem darauffolgenden Ärger auf sich selbst, sich wieder einmal nicht klar positioniert zu haben? Ressourcen wie innere Klarheit und Mut, sich zeigen und bewusst von seinen Handlungskompetenzen gebrauch zu machen, helfen uns dabeo, sich in der Spirale nach oben zu bewegen. Dann streben wir Entwicklung an, anstatt uns wieder einmal in die altbekannte Abwärtsspirale hineinfallen zu lassen.

Kenne ich meine eigene Position?

Wenn ich in einer bestimmten Situation nicht angemessen reagieren kann, kann es daran liegen, dass ich mir in diesem Moment nicht klar darüber bin, was ich sagen, machen oder wie ich mich verhalten will. Ich bin mir bezüglich eines Themas meiner inneren Position unsicher und auch, wie ich mich dazu äußern kann.

Die entscheidende Vorarbeit für Mut

Doch selbst wenn ich mir in meiner Position klar bin, braucht es manchmal noch eine gehörige Portion Mut dies wirklich auszusprechen. Es standhaft zu übermitteln. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass meine innere Klarheit maßgeblich an der Entstehung meines Mutes beteiligt ist. Die eigene innere Klarheit ist somit eine art Vorarbeit, die ich leisten muss, um mutig nach außen zu gehen.

Ich nehme die Zügel wieder in die Hand

Unterschiedlich erprobte Handlunskompetenzen helfen mir, von der reinen „Reaktivität“ wieder in ein bewusstes und aktives „ich nehme die Zügel wieder in die Hand“  zu kommen. Dadurch werde ich stabiler und selbstsicherer, ich lerne meinen Handlungskompetenzen zu vertrauen. ich stehe zu mir, bin wieder mehr „ich selbst“ und kann mich authentisch positionieren.

Aber was, wenn ich…noch nicht genau weiß?!

Es ist nicht immer möglich, sich zu jedem Thema im Vorfeld Gedanken zu machen und entsprechende Handlungsstrategien in Petto zu haben. Wir sind Menschen und können nicht jederzeit glasklar Position beziehen, denn wir können vieles nicht vorhersehen und auch eigene Positionen können wandelbar sein. Hier kann oftmals ein wohlwollender Blick von außen helfen, oder auch Zeit, wenn wir den Weg noch nicht klar erkennen. Wenn Sie noch nicht ausreichend sortiert sind, kann es sehr hilfreich sein, das Umfeld um Zeit zu bitten.

Entscheidungen dürfen überlegt sein – um Zeit bitten ist menschlich

Sie möchten und können sich nicht akut positionieren, weil Ihnen das Thema noch nicht vertraut ist – Sie möchten aber eine vernünftige Entscheidung treffen. Bitten Sie um etwas Zeit oder um ein weiteres Gespräch und äußern Sie ruhig den Grund. Dies zeugt insbesondere auf beruflicher Ebene von einem professionellen Verhalten, wenn Sie eine Entscheidung nicht ad hoc entscheiden möchten oder noch weitere Informationen benötigen. Dieses Prinzip gilt sowohl für den beruflichen als auch für den privaten Bereich.

Ich darf mich wohl fühlen

Sich wohl fühlen zu dürfen ist ein Grund mehr, warum es sich lohnt, für sich einzustehen. Erinnern Sie sich daran, dass Sie erstmal der wichtigste Mensch in Ihrem Leben sind. Sind Sie sich Ihrer Werte und Ziele, die Ihrem Leben und dem Leben anderer dienen, steht es Ihnen sicherlich zu sich dafür einzusetzen. In Ihrem Tempo. Und Sie tun das FÜR sich.

www.AdrianKilianBober.de

Author: Redaktion

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Eine Antwort

  1. Hans-Peter
    Zeit für Visionen und Pläne

    Mich träumte, ich wär ohne jegliche Maske und könnte mich sehen im Anderen. 2021 https://www.netsolipo.de/2021/01/13/mich-traeumte-ich-waer-ohne-jegliche-maske-und-koennte-mich-sehen-im-anderen-2021/

    Antworten

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