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Es bleibt undurchschaubar: Die Meldungen zur Schweinegrippe widersprechen sich nach wie vor diametral, ob man sich impfen lässt oder nicht, bleibt eine schwierige Entscheidung.

 

Kommt die tödliche zweite Welle?

Der Impfstoff-Experte Michael Pfleiderer vom Paul-Ehrlich-Institut rechnet damit, dass die Skepsis der Bundesbürger gegen die Impfung gegen Schweinegrippe schnell verfliegen wird. „Ich weiß, dass die Stimmung über Nacht umschlägt, sobald wie jetzt in den USA die Zahl der Schwerkranken steigt und die Krankenhausbetten knapp werden“ sagte er gegenüber der Wirtschaftswoche. Die Skepsis gegenüber den Impfungen sei „unglaublicher Blödsinn“ – insbesondere die Vorbehalte gegenüber den Hilfsstoffen: „Diese Adjuvanzien sind ja gerade deshalb entwickelt worden, weil alternative oder ältere Impfstoffkonzepte entweder unwirksam sind oder mitunter starke Impfreaktionen hervorrufen. Adjuvanz-Impfstoffe haben ein akzeptables Nebenwirkungsprofil, sind in saisonalen Grippe-Impfstoffen seit zehn Jahren enthalten und schon über 40 Millionen Mal verimpft worden.“

Das Robert-Koch-Institut rechnet fest damit, dass „auch in Deutschland verstärkt Patienten ohne weitere Vorerkrankungen an der Schweinegrippe sterben könnten“ – den ersten Fall gibt es bereits. Das Universitätsklinikum in Bonn meldet einen Fall, bei dem eine kerngesunde 48-jährige Mutter von vier Kindern an der Grippe verstarb, die unter „keinen bekannten Vorerkrankungen“ litt.

In der Ukraine geht derweil schon die nackte Panik um: 190.000 Menschen seien an der Schweinegrippe erkrankt, schreibt der Spiegel, 100 davon liegen auf der Intensivstation. Ob die Zahlen stimmen, ist jedoch ungewiss – es sind bald Wahlen und die Grippe ist Top-Wahlkampfthema. Die amtierende Regierung fleht derzeit öffentlich effektvoll um Hilfe, die Slowakei hat der Ukraine 200.000 Atemschutzmasken zur Verfügung gestellt.

In Afghanistan werden alle Schulen für die Dauer von drei Wochen geschlossen, um die Ausbreitung der Grippe zu verhindern.

 

„Jetzt geht es los.“

Auch in Deutschland warnen die Experten: Die zweite, nun gefährliche Welle der Grippe soll im Winter über Deutschland hereinbrechen: „Die ganzen Fälle bislang waren nur Geplänkel, jetzt geht es los“, so Gesundheitsexperte René Gottschalk, Leiter des Zentrums für hochinfektiöse Erkrankungen Hessen und Rheinland-Pfalz. Auch kerngesunde Menschen können an der Grippe sterben.

Dem pflichtet auch der Virologe Alexander Kekulé aus Halle bei: „Das Virus kann ganz unmittelbar die tiefen Atemwege befallen und wirkt dann tödlich.“

Kerngesunde Menschen, die plötzlich an Grippe sterben – eine Horror-Vorstellung, die manchen von der Impfung überzeugen wird. Aber längst nicht alle Forscher sind sich sicher, dass an diesem Szenario überhaupt etwas dran ist.

 

Die gute Seite der Grippe

Zu ganz anderen Schlüssen kommen zum Beispiel einige Forscher der WHO: Die Pandemiegefahr halten sie für eine Inszenierung der Industrie – und das Virus sogar für nützlich. Denn wo sich das H1N1-Virus ausbreitet, geht offenbar die normale Grippe H3N2 „gleichzeitig schnell nach unten.“ Und an dieser Grippe sterben jedes Jahr hundert mal mehr Menschen, als an der Schweinegrippe. Kann es sein, dass die Schweinegrippe andere Virenstämme ausrottet?

Handfeste Beweise dafür gibt es noch nicht – aber die Indizien mehren sich. Die Schweinegrippe könnte also sogar mehr Menschen vor der bisher weit gefährlicheren saisonalen Grippe bewahren, als sie ihrerseits an schweren Erkrankungen erzeugt. Und damit eigentlich leben retten.

 

Tödliche Mutation unwahrscheinlich?

Eine tödliche Variante des Schweinegrippe-Virus halten viele Forscher für unwahrscheinlich und auch die Erfahrungen auf der Südhalbkugel, welche die zweite Welle der Grippe schon hinter sich hat, sprechen gegen die Theorie: Australien zählte 118 Opfer der Schweinegrippe (während mit mehr als 1000 Todesopfern der saisonalen Grippe gerechnet wird …), in Chile und Neuseeland sieht es ähnlich aus.

Auch medizinisch spricht vieles dagegen. Amerikanische Forscher haben nachgewiesen, dass das Virus keineswegs neu ist, sondern „ein Abkömmling in der vierten Generation des Virus von 1918“, der sich seitdem parallel mit dem menschlichen Immunsystem entwickelt. Und dass das Virus nun besser angepasst ist, heißt gerade, dass es eben nicht tödlicher ist – denn dies würde nicht nur den Menschen, sondern auch das Virus selbst ausrotten, so die Forscher: „Ein Virus, das seine Wirte tötet oder ins Bett schickt“, sei „nicht optimal übertragbar.“ Je harmloser das Virus, desto besser vermehrt es sich.

Zudem fehlt dem Virus ein spezielles Protein, dass seine Vorgänger so tödlich machte, wie Peter Palese, Mikrobiologe an der Mount Sinai School of Medicine in New York feststellte. „Die Gefahr ist nicht so groß, wie sie zu sein scheint,“ so Palese, es sei „unwahrscheinlich, dass sich das Virus zu einer extrem tödlichen Variante entwickelt.“

All diese Einwände prallen bei den Regierungen auf taube Ohren. Genauso wie der Einwand der Forscher, dass der gleiche finanzielle und mediale Aufwand zur Eindämmung der saisonalen Grippe gewiss mehr Menschenleben retten würde.

Und was wirklich wahr ist, werden wir wohl erst in einem Jahr mit Gewissheit wissen.

 

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