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Die Befreiung der Arbeit: Das 7-Tage-Wochenende

Weltweit starren Manager fassungslos auf die Firma Semco: Was dort passiert, widerspricht allem, an was sie glauben. Die 3000 Mitarbeiter wählen ihre Vorgesetzten, bestimmen ihre eigenen Arbeitszeiten und Gehälter. Es gibt keine Geschäftspläne, keine Personalabteilung, fast keine Hierarchie. Alle Gewinne werden per Abstimmung aufgeteilt, die Gehälter und sämtliche Geschäftsbücher sind für alle einsehbar, die Emails dafür strikt privat und wie viel Geld die Mitarbeiter für Geschäftsreisen oder ihre Computer ausgeben, ist ihnen selbst überlassen.


Respekt als Erfolgsrezept

Was für heutige Personalchefs klingen mag, wie ein anarchischer Alptraum, ist in Wirklichkeit eine Erfolgsgeschichte. Seit das Unternehmen von Inhaber Ricardo Semler umgestellt wurde, stiegen die Gewinne von 35 Millionen auf 220 Millionen Dollar. Und nicht nur die Zahlen geben Semler recht, sondern vor allem die Mitarbeiter: Die Fluktuationsrate bei Semco liegt unter einem Prozent.

Das Rezept ist einfach: Behandele deine Mitarbeiter wie Erwachsene, dann verhalten sie sich auch so. Je mehr Freiheiten du ihnen gibst, desto produktiver, zufriedener und innovativer werden sie. Ein Unternehmen besteht aus erwachsenen gleichberechtigten Menschen, nicht aus Arbeitskräften. Jeder hat das Recht, sich frei zu entfalten und eine gesunde Balance zwischen Beruf und Privatleben zu finden. Entgegen allem, was man aktuell zu glauben scheint, machen Druck und Stress Menschen nicht produktiv, sondern ganz einfach nur kaputt. Und dabei verliert das Unternehmen letztlich genauso wie der Mensch.

Es geht Semler um ein neues Verständnis von Arbeit: Eine Firma ist ein Gemeinschaftsprojekt, im besten Fall eine geteilte Leidenschaft. Die Gesellschaft hat uns das allerdings anders beigebracht, wir sollen uns als Steinmetze, Maler und Hilfsarbeiter sehen, nicht als Kathedralen-Schöpfer. Bei Semco sind die Mitarbeiter essenzieller Teil eines Ganzen, sie sind Mit-Schöpfer, nicht bloß ein Rädchen im System. Sie haben Ideen, sie verstehen ihre Arbeit, sie wissen, was sie wert ist.


Vertrauen statt Kontrolle

Ricardo Semler SemcoAber unsere Personalchefs glauben noch immer, dass man Angestellte kontrollieren muss, über Stechuhren, feste Arbeitszeiten, Produktivitäts-Reports und Email-Spionage. Semco hat das alles aufgegeben und die Kontrolle durch Vertrauen ersetzt - und mal im Ernst: Wer will eigentlich mit Leuten zusammenarbeiten, denen man nicht trauen kann?

Für Semler ist der Kontrollwahn der meisten Unternehmen einfach nur noch verrückt. Seine Mitarbeiter erziehen ihre Kinder und wählen Gouverneure, es sind erwachsene Menschen, die selbst am besten wissen, was sie möchten und brauchen.

"Es ist völlig verrückt, diese Idee, dass die Menschen immer noch so fixiert darauf sind, wie etwas gemacht wird. Bei uns sagt keiner: 'Du bist fünf Minuten zu spät' oder 'warum geht dieser Fabrikarbeiter schon wieder aufs Klo?' [...] Wenn Du dich bei Semco im Büro umsiehst, sind da immer jede Menge leere Plätze. Die Frage ist: Wo sind diese Leute? Ich hab nicht die leiseste Idee und es interessiert mich auch nicht.

Es interessiert mich in dem Sinne nicht, dass ich nicht sicherstellen möchte, dass meine Mitarbeiter zur Arbeit kommen und der Firma eine bestimmte Anzahl Stunden pro Tag geben. Wer braucht eine bestimmte Anzahl Stunden pro Tag? Wir brauchen Leute, die ein bestimmtes Ergebnis abliefern. Mit vier Stunden, acht Stunden oder zwölf Stunden im Büro - sonntags kommen und Montags zu Hause bleiben. Es ist irrelevant für mich", erklärt Semler seltsam einleuchtend.


Keine Hierachie, dafür Teams

SemcoSemco ist etwas, dass es laut dem Menschenbild heutiger Manager eigentlich gar nicht geben dürfte. Und wenn doch, dann dürfte es nicht funktionieren. Tut es aber. Drei Fragen hört Semler immer wieder: Macht ihr das wirklich so? Funktioniert es ganz im Ernst? Und: Was jetzt?

Die ersten zwei sind einfach zu beantworten: "Wir machen das jetzt seit 25 Jahren, so ziemlicher jeder, den es wirklich interessiert, ist hergekommen, um zu sehen, ob es wahr ist. Und unsere Zahlen sind über jeden Zweifel erhaben", sagt Semler selbstbewusst.

Für ihn ist war das Aufbrechen der Unternehmensstruktur von Anfang an keine Traumtänzerei, sondern vielmehr die einzig mögliche Antwort auf unsere unmenschliche Arbeitswelt. Er hat es auf die harte Tour gelernt, wachte selbst erst auf, als er kollabierte und mit Komplett-Burnout in ein Krankenhaus eingeliefert wurde. Das war der Punkt, an dem er beschloss, seine geistige und körperliche Gesundheit nie mehr dem Job unterzuordnen - und das auch von seinen Angestellten nicht zu verlangen. Dass der Wahnsinn ein Ende haben muss.

"Wenn man es sich genauer ansieht, muss man feststellen, dass das traditionelle System nicht funktioniert. Und das ist der Anreiz, sich nach etwas anderem umzusehen" - so einfach sieht Semler das.

Doch es fehlt vielen Unternehmern noch immer schwer, die Kontrolle loszulassen. Denn heutige Firmen sind nicht aufgebaut wie Orte des Schöpfens, sondern wie das Militär: mit einer hierarchischen Machtstruktur, mit Befehlsgebern und -empfängern. Semco hingegen ist in konzentrischen und durchlässigen Kreisen aufgebaut, es gibt keine Arbeitstitel, keine festen Büros. Niemand muss zur Arbeit kommen, ob von zu Hause, aus dem Dschungel oder einem Cafe an der Strandpromenade gearbeitet wird, ist den einzelnen Mitarbeitern und Teams selbst überlassen.

Diese Teams sind das Herzstück von Semco. Die Menschen arbeiten in Gruppen, die jeweils ein Produkt oder ein Zwischenprodukt selbstständig fertigstellen. Wie sie das machen, in welcher Zeit und mit welchem Geld, das ist ihre Sache. Wer zwischendurch schlafen will, geht einfach in den Firmengarten und legt sich für ein paar Stunden in die Hängematte - wer müde ist, macht ja eh nur Fehler.

 

Die Firma ohne Personalabteilung

semco PersonalSemco hat 3000 Mitarbeiter, aber keine Personalabteilung, da steht dem traditionellen Unternehmer der Angstschweiß auf der Stirn. Wer stellt diese Leute ein? Wer überprüft die Leistung?

Das machen die Angestellten alles selbst. Stellt ein Team fest, dass eine neue Person gebraucht wird, schreibt sie im Intranet der Firma ein entsprechendes Meeting aus. Das ist natürlich freiwillig: Alle können kommen, keiner muss.

"Wir wollen nicht, dass irgendwer in etwas verwickelt wird, was ihn nicht interessiert, deshalb sind alle Meetings freiwillig. Das heißt die Meetings werden bekanntgegeben und wer interessiert ist, kann und wird vorbeikommen und soll in dem Moment den Raum wieder verlassen, wenn es anfängt, ihn zu langweilen", erklärt Semler die Meeting-Philosophie.

Leute, die mitten in einem Meeting gehen, weil es sie langweilt - das würde so manchen Vorgesetzten in den Wahnsinn treiben. Aber bei Semco sollen eben nur die Menschen eine Entscheidung treffen und tragen, die es unmittelbar angeht und interessiert.

Auf so einem Meeting könnte zum Beispiel beschlossen werden, dass neuer Mitarbeiter gebraucht wird und was er oder sie können muss. Dann wird gemeinschaftlich eine Annonce geschrieben, und sobald die Bewerbungen kommen, werden sie im Team aufgeteilt: Jeder, der möchte, nimmt einfach ein paar mit nach Hause und bringt die interessantesten dann wieder mit. Statt Vorstellungsgesprächen gibt es ein Gruppengespräch mit allen Kandidaten gleichzeitig - auch hier darf kommen, wer will.

Die einzigen Mitarbeiter, die regelmäßig formal bewertet werden, sind jene in Entscheidungs-Positionen - und zwar von allen anderen. Sollte einer dieser Manager wiederholt schlechte Bewertungen kriegen, geht er für gewöhnlich von selbst.


Gruppenzwang

Tatsächlich regeln die Teams fast alles unter sich. Macht jemand keinen guten Job, so wird das im Team diskutiert, oder ein Meeting einberufen. Wer sich ein hohes Gehalt zuteilt, erhöht damit auch die Erwartungen des Teams und den Leistungsdruck. Aber auch die Mitarbeiter haben mittlerweile ein anderes Verhältnis zur Arbeit: Wenn jemand einen Haufen Geld verdient, die ganze Woche eigentlich nur Golf spielt, aber trotzdem einen guten Job macht und seine Aufgaben erledigt - wen kümmert's dann? Was zählt, ist das Ergebnis.

Eine Studie von CNN hat festgestellt, dass die Mitarbeiter bei Semco eine sehr viel gesündere Balance zwischen Privatleben und Beruf haben, sich mehr Zeit für Beziehungen, Kinder und Hobbys nehmen, aber gleichzeitig auch ungewöhnlich hohen Einsatz und bemerkenswerte Leistungen im Beruf zeigen. Nicht trotz, sondern wegen der Freiheiten. Für Semler ist das wenig verwunderlich: Menschen müssen sich entfalten können, um ihr Potenzial optimal einzubringen.


Und es funktioniert

Semler ist sich sicher: Sein Konzept funktioniert überall. Er selbst hat es in Fabriken ebenso eingesetzt, wie in IT-Büros. Tatsächlich ist es eigentlich andersherum - es funktioniert überhaupt nur so. Unsere derzeitige Arbeitswelt mit ihren Burn-Out-Syndromen, mit Mobbing, Stress, Magengeschwüren und Depressionen funktioniert nämlich eben nicht, sie ist fortgesetzter Wahnsinn.

Es wird Zeit, dass wir eine Gesellschaft erschaffen, in der Beruf wieder mit Berufung und Leidenschaft assoziiert wird, nicht mit Sklaverei und Ausbeutung. In der Menschen wieder freie Entscheidungen treffen können und mit Respekt behandelt werden. In der Privatleben und Arbeit gleichwertig sind – auch für die Vorgesetzten. Es wird Zeit für das 7-Tage-Wochenende!

Von Ricardo Semmler sind mehrere Bücher erschienen darunter: "The Seven-Day Weekend: A Better Way to Work in the 21st Century" und "Das Semco System: Management ohne Manager".

 

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Paradigmenwechsel: Ecksteine eines neuen ökonomischen Bewusstseins

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Das Ende der Arbeit

 

 


Bilder

Krawattenzeit: © Robert Marggraff / aboutpixel.de

Ricardo Semmler: Pressefoto

Semco-Logos: semco.com

Akten: Tom Ventura

 

Autoren Info

David Rotter / Sein Online




Leser Kommentare:


Am 11. August. 2010 geschrieben von Anne

Ich bin jetzt 61, also werde ich das nicht mehr "leben" dürfen. Aber ich möchte es kommen sehen für meine Kinder, meine Enkel und Urenkel.
Diese Gesellschaft ist so geldbeknackt, daß es das Gehirn vollkommen blockiert und es nicht fähig ist, andere Lebensformen zuzulassen.


Am 04. August. 2010 geschrieben von WellenbeobachterHH

Das ist in Bezug auf die Art und Weise der Unternehmensführung genau das Gegenteil von einem radikalen Ausbeuterkonzern wie KIK.

Solche Unternehmer wären vielleicht auch bereit über die Grenzen des Kapitalismus, also die Geld-Ware-Beziehung, hinaus zu denken...hoffe ich jedenfalls.

Von dieser Hoffnung abgesehen ändern es aber leider nichts an der kapitalistischen Verfasstheit und der Verwertungslogik. Es geht immer noch um Konkurrenz zu anderen Unternehmen am Markt. Kann die Produktivität nicht gesteigert und der Marktanteil wenigstens gehalten werden, ist schnell Schluss mit Lustig. Dann werden auch bei Semco Leute gefeuert, nur das das dann alle im Konsens beschließen müssen, anstatt ein Personalmanager im Auftrag des Chefs.


Am 19. Juli. 2010 geschrieben von Katharina

Dieser Bericht läßt einem doch sofort die Freude im Bauch sprudeln.
Wenn des um solch positive Ideen geht, z. B. auch das bedingungslose Grundeinkommen, gibt es immer wieder Menschen, die sofort abwehren mit: „Das geht doch nicht!“ Und sie haben im Handumdrehen x-fach Begründungen dafür parat.
Diese Begründungen stammen aus einer verengten Sichtweise – aus dem, was wir innerhalb unserer gewohnten Welt-Systeme kennen. Viele haben sich abgewöhnt, aus dieser Telefonzelle mal hinauszublicken, ist ja auch so gewollt.
Daß hier und dort doch Quantensprünge möglich sind, passt nicht in die fixen Konzepte.
Weit verbreitet ist die Annahme, daß der Mensch grundsätzlich egoistisch sei und unverbesserlich.
Ich empfehle gerne das Buch „Eiland“ von Aldous Huxley, was eine Art Antidot zu „Schöne neue Welt“ darstellen kann. Aldous Huxley hat eine Geschichte kreiert über eine kleine eigene Welt auf einer Insel, deren Bewohner eine positive Lebensform entwickelt haben und immer weiter entwickeln.
Er beschreibt, wie sie problematische Anlagen vom Kindesalter an in konstruktive Bahnen lenken helfen. Auf dieser Insel wird großer Wert darauf gelegt, daß alle einen kritisch hinterfragenden Verstand entwickeln und Verantwortungsbewusstsein. Das ganze Leben dort ist begleitet von Naturheilmedizin – ganz im Gegensatz zu unserer ach so fortschrittlichen Welt, in der ganze Völker mehr oder weniger krankgemacht werden und so eben nicht dahinkommen, ihr tatsächliches Potential zu entfalten – zu dem auch Mitfühlen, Zivilcourage, Neugier, Begeisterung, Intuition, Weitblick, Offenheit gegenüber Neuem und anderen An-Sichten gehören.
Einige Beispiele für dieses Blockieren des Potentials bzw. des Ego-Blick-Förderns in unserer Welt sind:
Vergiftungen durch Impfungen, falsche Ernährung, Schwermetalle in den Zähnen, belastetes Wasser – und Bestrahlung durch Mikrowellen allerorts durch Handys, schnurlose Telefone WLAN, Sendemasten etc.
All diese fördern mehr oder weniger neurologische Störungen und Schädigungen, also in der Folge neben sog. körperlichen Krankheiten Persönlichkeitsveränderungen, Verhaltensstörungen u. v. m.

Würden all diese Faktoren wegfallen, und würde die geistige/seelische/körperliche Gesundheit der kleinen Menschen größte Beachtung finden, könnte unsere Welt ein großes „Eiland“ werden. Also… auf zu neuen Ufern.


Am 05. Juli. 2010 geschrieben von Peter

Mir fehlt der Glaube an so etwas. Nicht jeder Erwachsene verhält sich automatisch erwachsen, nur weil man ihn so behandelt. Ich finde den Ansatz der "geteilten Leidenschaft" zwar prima, durfte aber selber mehrfach erleben, wie Mitarbeiter, die diese Leidenschaft nicht teilten, ihre Freiheiten schamlos ausgenutzt haben, Konsensentscheidungen ignorierten und dann, darauf angesprochen, in eine Trotzigkeit verfallen sind, die allenfalls einem Kleinkind gerecht wird. Verantwortung für sein Handeln zu übernehmen kann leider nicht jeder.


Am 18. Juni. 2010 geschrieben von RalfLippold

1995 fand ich RicardoSemler's Buch "Das Semco System" bereits im Haus des Buches in Dresden. Damals begeisterte es mich bereits, und doch musste es einige Jahre dauern, bis ich über http://mitworld.mit.edu/video/308 wieder drüberstolperte.

Eine wirklich gewordene Vision:-)

.... und gar nicht so weit gedacht, denn es gibt ähnliche Ansätze bereits in diesem Land. Noch sind es wenige, jedoch werden es täglich mehr. Auch in Dresden tut sich was.


Am 07. Juni. 2010 geschrieben von Anarchüst

Lest mal die Anarchistischen Theorethiker, Kroptokin und co. Die haben solche Konzepte schon vor über 100 Jahren gepredigt.

Die Gebiete die Betriebe im Spanischen Bürgerkrieg von anarchisten kontrolliert wurden wo jegliche Hirarchien abgeschafft wurden konnten selbst in der schwierigen Kriegswirtschaft ihre Produktivität im schnitt verdoppeln.

Allerdings weis ich nicht ob sowas auf breiter Basis funktioniert, irgendwo hat es dann eben doch wieder Machtgierige Leute die Druck und Hirarchien aufbauen um die Arbeitskraft ihrer Untergebenen besser zum Eigenen Vorteil nutzen zu können.


Am 02. Juni. 2010 geschrieben von Norbert Paul

Klasse Sache und eine Vorlage die nicht erst seit gestern existiert, sondern eine jahrzehntelange Erfolgsstory gleich mit bringt. Hab dies auch schon versucht in Teilen um zu setzen und interessante Erfahrungen damit gemacht.
Damit dies im großen Stil übernommen werden kann muß nur noch das gesellschaftliche Umfeld angepasst werden, in dem z. B. die Steuern von den arbeitenden Menschen abgekoppelt und mit Arbeit, gleich von wem sie geleistet wird, neu verbunden werden, usw.


Am 01. Juni. 2010 geschrieben von Achmed Khammas

Natürlich funktioniert das!
Ich habe in den 1980ern in Syrien eine kleine Manufaktur für thermische Solaranlagen gehabt - wir waren 6 Leute.
Über 10 Jahre lang produzierten wir selbstbestimmt und glücklich - mit nur 2 REGELN: 'Jeder macht Fehler - aber nur 1 x!' und: 'Keiner muß arbeiten' :-)


Am 28. Mai. 2010 geschrieben von Axel Wartburg

Bitte ändert die Überschrift, da es korrekt heißen muss - aus meiner Sicht -

Die Befreiung VON der Arbeit

Was Arbeit faktisch ist, wo der Begriff her kommt und, dass er heute noch für 83% der in diesem Land beschäftigten Mitarbeiter gilt, kann entdeckt werden, wenn diesem Link gefolgt wird:
http://www.adiko.eu/tagebuch/article-1262448441.html

Liebe Grüße


Am 07. Mai. 2010 geschrieben von veganraw

Ein Artikel, der Freude bereitet und Mut macht. Lasst uns die Welt erschaffen, in der wir alle gut leben können!
Hab den Artikel auch in meinem Blog verlinkt!
http://www.veganraw.wordpress.com/


Am 29. April. 2010 geschrieben von Oliver Korsch

...freut mich diese Seite in meiner HP :

http://www.oliver.korsch.t3.to

verlinkt zu haben!

see you...

oliver


Am 29. April. 2010 geschrieben von Oliver Korsch

...es ist immer wieder gut "andere Wege" zu gehen und zu sehn, daß sich "das Positive" etablieren wird... irgendwann, irgendwie,irgendwo!

...und auch schön zu sehn, das es auch "ANDERS" geht!!!

na dann...

lasst es uns umsetzen und behalten wir stets das Ziel im Auge!

Oliver Korsch


Am 28. April. 2010 geschrieben von Andre

@Gebhard
Den Arbeitsbegriff vulgärphilosophisch als "bewusst schöpferisches Handeln" einzuebnen, beraubt ihn seiner Geschichtlichkeit, seinem gesellschaftlichen Zusammenhang, und der Eigenheit, distinktes Zeug wie Fischen und Häuslebauen unter Absehung aller Besonderheiten als "Tätigkeit überhaupt" vereinheitlichen zu müssen; In der Antike wurde "bewusst schöpferisch gehandelt" und Arbeit zugleich verachtet. Mit dem Ursprung des Arbeitsbegriffs in den antiken Sklavenhaltergesellschaften bezeichnet das Wort etymologisch nämlich auch garnichts anderes als die Tätigkeit der Unfreien. Insofern ist "abhängige Arbeit" ein Pleonasmus - ein weißer Schimmel, ein kaltes Eis.

Es gibt im Deutschen übrigens das Wort "Werk" als positives Gegenstück zur "Arbeit". Letzteres hat erst durch die Christen eine "Aufwertung" erfahren (als gottgefälliges Leiden).

Du schreibst: "Es ist doch so schön, wenn man sich auf eine radikale Position zurückziehen kann!"
Radikal heißt an die Wurzel (Radix) gehen und dorthin zieht man sich nicht zurück sondern man bewegt sich damit nach vorn. Wie "schön" dort reinpasst, erschließt sich mir nicht. Ich will auch nichts besser machen, was ich ablehne.
Schau: Der Artikelkommentator Terevar schreibt, wofür die Verbesserung taugt: Arbeitskosten sparen dank verbesserter Selbstkontrolle/ausbeutung (wie bei Bentham) für den verrückten Selbstzweck der Verwertungsbewegung. Sein weiterer Schritt ist einer in die Marschrichtung der letzten 200 Jahre..

Ansonsten verweis ich nochmal auf die Links meines letzten oder vorletzten Beitrags.


Am 27. April. 2010 geschrieben von Reiner Sailer

Interessant, jetzt muss nur noch den Mitarbeitern klargemacht werden, wer wir wirklich sind, dann steht einem menschlichen Leben nichts mehr im Weg. Das findet Ihr hier: http://www.reinersailer.de/Universum.pdf

Gruss
R
fuer Filmfans: http://www.reinersailer.de/Der_Klarsichtklebefilm.wmv


Am 27. April. 2010 geschrieben von Gebhard

@ Andre

Es ist doch so schön, wenn man sich auf eine radikale Position zurückziehen kann!

Die von Dir vorgebrachte Interpretation des Arbeitsbegriffes ist korrekt und weithin bekannt. Neben BWL, VWL und Sozialwissenschaft gibt es allerdings auch noch die Philosophische Interpretation von Arbeit, die sich im Verlauf der Jahrhunderte auch gewandelt hat und aktuell unter Arbeit das »bewusst Schöpferische Handeln« versteht.


Ansonsten würde mich interessieren, wie man es nennt, wenn ein Mensch sich aufgrund seiner Vorstellungenimt seiner Umwelt schaffend auseinandersetzt?
Ist das dann Müßiggang?

----

Die Befreiung von der abhängigen Arbeit, denke ich, kann das entscheidende Motiv sein oder?

Gruss
Gebhard


Am 26. April. 2010 geschrieben von Barbara

E N D L I C H - schon seit Jahren ist dies "m"ein Traum, dass sich die Wirtschaftsunternehmen wieder vermehrt besinnen und die Politik auch solche Unternehmen mal als Vorzeigemodelle anpreist, statt nach wie vor dem "alten System" Geld in den gierigen Rachen zu stopfen. Doch vielleicht haben sie genau davor Angst - nämlich die Kontrolle über die Menschen zu verlieren. Namaste


Am 22. April. 2010 geschrieben von terevar

Natürlich ist das nicht Das Heil aller Übel aber ein guter und wichtiger
Schritt für die Zukunft des Wirtschaftens.
Weil die Arbeiter von sich selber aus arbeiten und mehr Freiheiten haben.
Meine Pros und Kontras sind:
Bei sinkenden Einnahmen. Wer entlässt die Anderen um den Bankrott zu entgehen?
Was machen wenn die Menge der Arbeit steigt, aber das Geld zur Verteilung gleich bleibt? Also nicht ausreicht um mehr Arbeiter einzustellen.
Auch wenn die Arbeiter mehr leißten, können sie trotzdem an ihre Grenzen kommen und krank werden.

Die Einsparung der Kosten für die Personalabteilung ist nicht zu unterschätzen.
Wie ich schon gesagt habe ist das nur ein Schritt nach vorne aber beschtimmt nicht der Letzte dorthin.




Am 21. April. 2010 geschrieben von grid


Gelebte Vision!! Genial!! Richtungsweisend!!

Hoffentlich findet das noch manigfaltige Nachahmungen und Weiterentwicklungen,
den genau solche Modelle die die alten Grenzen sprengen brauchen wir!



Am 21. April. 2010 geschrieben von lafarg3000

Trotz des schönen Optimismus denn hier viele flegen. So lange die Warenproduktion sprich das Geld und der Staat nicht abgeschaft wurden. Ist und bleibt die Arbeit im Kapitalismus immer Ausbeutung. Es mag für denn ein oder anderen sowohl Körperlich als auch Geistig entspannender sein in so einen "selbstverwaltet" Betrieb zu arbeiten. Wenn aber das System von Grund auf nicht veränderert wird. Könnte darauß der größte Alptraum für ArbeiterInnen werden seit dem zusammenbruch des Staatskapitalismus(Ostblock "Sozialismus")werden. Mensch stelle sich vor es gäbe statt ein paar wenigen Mulitis unzählige solche Kollektive aus "freien" ArbeiterInnen die Miteinander um den größten Marktanteil kämpfen. Das wäre der absolute Siegeszug des Kapitalismus über den Menschen. Nur wenn wir Staat und Kaptial total aufheben können wir wahrhaft Freie Assoziation frei und gleicher Produzenten schaffen. Für den globalen Klassenkrieg!!!


Am 21. April. 2010 geschrieben von Andre

@Gebhard Borck

Arbeit ist ein bestimmtes gesellschaftliches Verhältnis und nicht einfach die Verausgabung von Energie, Selbstentfaltung, Sinnstiftung, Geselligkeit, schon garnicht Selbstbestimmung und so weiter.. Man neigt nur dazu, die historisch-spezifische(!) Form solcher Verausgabung im Kapitalismus zu "übersehen" und das Ganze überhistorisch zu anthropologisieren - als irgendwie immer schon Arbeitender und Sich-Selbstschaffender. Man kann zwar ugs. von Lohnarbeit sprechen, das ist aber ein Pleonasmus.

Arbeit ist der Zwang zur Entmenschlichung: Sich verdingen, verkaufen, verwerten (also auf den Markt bezogen, wofür sie sich zu qualifizieren und quantifizieren hat). Arbeit zeichnet den Menschen nicht aus - sie zeichnet ihn: Die Durchsetzungsgeschichte und Ideologisierung der Arbeit ist grausam..

Was der Mensch ohne Arbeit wäre? Um einiges besser drauf. :)
Arbeit ist (auch etymologisch) Plage, Mühsal, Mobbing, Unterordnung, Ohnmacht, Zwang und Unfreiheit, lebensverschwendend, Demütigung, abstumpfend, macht dumm und krank. So quält man in manchen Betrieben einen Menschen mit der Arbeit von drei, weil drei Mitarbeiter sich zwar gegenseitig angenehm entlasten würden, aber ihre Lohnkosten zu hoch sind und es nicht um die Bequemlichkeit und Freizeit der Individuen geht, sondern um den Gewinnüberschuss.

Paar Links:
http://www.freie-radios.net/mp3/20051107-zurkritikd-10566.mp3
http://www.trend.infopartisan.net/trd0302/t120302.html
http://www.krisis.org/1999/wer-nicht-arbeitet-soll-auch-nicht-essen


Am 20. April. 2010 geschrieben von Gebhard Borck

Auch ich kenne das Konzept schon länger und doch gibt es einige Informationen, die im Artikel noch fehlen, für ein differenziertes und angebracht skeptisches Bild, finde ich, allerdings notwendig sind.
So arbeitet Semco etwa nur in hochinnovativen, teuren und exklusiven Märkten. Sobald mehr als zwei Konkurrenten im Markt auftreten. Lässt Semco das Produkt oder die Dienstleistung fallen und macht sich an die Umsetzung der nächsten Idee. Damit fallen alle reproduktiven Massenmärkte und -produkte schlicht aus dem Produktprotfolio von Semco raus. Geben tut es sie immer noch ...

Gemeinsam mit meinen Kollegen sind wir gerade daran in Deutschland ein Unternehmen nach ähnlichen Prinzipien wie Semler aufzubauen. Mal sehen, was draus wird und ob wir es hin bekommen!

Gruss
Gebhard


Am 20. April. 2010 geschrieben von Gebhard Borck

@andre

Was wäre denn der Mensch ohne Arbeit, also der von der Arbeit befreite Mensch?

Ist die Befreiung von der Arbeit wirklich erstrebenswert?


Am 20. April. 2010 geschrieben von Fritzchen

Kann mir jemand sagen, was und für wen die Firma Semco produziert. Wie sichert sie sich ihren Anteil am Marktkuchen? Von dem ist sie doch abhängig.


Am 17. April. 2010 geschrieben von Andre

OK, im Text wirkt die Überschrift als "Befreiung /von/ der Arbeit" nach (Dauerwochenende, Golfspieler, ...), dabei ist es die "Befreiung der Arbeit" selbst - in Anlehnung an die Arbeiterbewegten. Die schöne neue Welt wäre eine Arbeiter-Welt ohne die Nichtarbeit der Ausbeuter, mithin die Totalisierung des Arbeitsfetisch. Auf Klassenkampf verkürzt, die Verhältnisse personalisierend, und übrigens den Liberalen abgeschaut (Arbeit gegen Adel), passt der Vorsatz dann auch nur in seinem Denkfehler auf Semmlers Laden:
Der Ausbeuter geht scheinbar verloren, versteckt sich nun aber im Arbeiter, weil die systemische Logik der Ausbeutung fortbesteht. Wenn das die Pointe war, dann Chapeau!

Die Selbstbestimmung ist nochmal keine, weil man garnicht über die eigene Faulheit nach Gutdünken verfügt. Denn die "Sachzwänge" der Gewinnrealisierung des Unternehmens herrschen ihm diese Entscheidung längst auf, und der Arbeiter /verinnerlicht/ lediglich deren Ausführung in der "stärkeren Einheit von Arbeit und Management". Dort ist weder das Arbeiterdasein noch die Objektivierung zur Steuermasse aufgehoben. Bei Semmler findet lediglich /selbstverwaltete/ Herrschaft oder Ausbeutung statt, damit der Laden auf dem Markt überlebens- d.h. wettbewerbsfähig ist.

Die Aussage, dass mit Semmlers Betriebsführung "mehr Sinn in die Tätigkeit" (Kalle) kommt, spricht Bände: Der Sinn begründe sich nicht mehr aus dem Inhalt der Tätigkeit (z.B. Nahrung anbauen um nicht zu Verhungern), sondern der käme ihr sachfremd durch die Arbeits-Umstände zu. Der Arbeitssklave denkt eben gleichgültig gegenüber dem Inhalt der Tätigkeiten und interessiert sich nur noch unter den Gesichtspunkten wie Kohle und Betriebsklima. Das charakterisiert in der Tat die moderne "Arbeit", die hier entfesselt gehöre...

Die "Identifizierung mit dem Betrieb" (Kalle) ist auch nur aus Managementsicht wichtig, weil mit solchen Leuten mehr anzustellen geht als mit anderen - im Positiven wie im Negativen.


Am 17. April. 2010 geschrieben von Kalle

Sicherlich ein gutes Konzept.

@Andre
sicherlich wird damit nicht die Arbeit abgeschafft, aber evtl. ein wenig mehr Sinn in die Tätigkeit eines Arbeiters und/oder Identifizierung mit dem Betrieb...


Am 16. April. 2010 geschrieben von Andre

Die Überschrift ist Unsinn. Die Leute arbeiten ja, müssen es auch und vermutlich härter als in normalen Betrieben. Diesen Eindruck gewinn ich zumindest, wenn ich von Unternehmen höre, die mehr Freiraum lassen. Tatsächlich wird die Kontrolle von den Aufsehern in die Arbeiter zurückverlegt. Dabei existieren die betriebswirt. Sachzwänge und die betriebswirtschaftl. Rechnungsweisen fort, der Betrieb steht ja nicht außerhalb der Konkurrenz. Nur machen nicht Aufseher den Stress dort, sondern die Mitarbeiter fordern sich selbst und damit um einiges härter. So funktioniert es doch allgm. im Kapitalismus: Jeder handelt "selbstverantwortlich" unter /festgeschriebenen/ Handlungsoptionen, d.h., jeder soll eigenmotiviert sein Glück in den /vorgefundenen/ Strukturen unter /Anpassung/ an ebendiese finden - unter Ausschluss von den Mitteln zum Leben für die er eine Erwerbsquelle benötigt, die er als Konkurrent anderen abringen muss und bei der er die negative betriebswirtschaftliche Größe ist (Lohnkost) usw.. Das macht den laden so produktiv. Befreiung von der Arbeit ist das nur eben nicht. Dazu müssten ganz andere Voraussetzungen fallen, bzw. dazu bräucht's überhaupt erstmal ein richtiges Verständnis davon, was Arbeit im Kapitalismus ist.


Am 16. April. 2010 geschrieben von Berthild Lorenz


Hm, so hat die Station, auf der ich als frisch examinierte Krankenschwester landete, 1972, seitdem ich dort das Leiten ließ, auch funktioniert ...


Am 16. April. 2010 geschrieben von Sylke

Mich würde interessieren, wie die Mitarbeiter die Arbeit erleben, wie sie gelernt haben, mit den Freiheiten umzugehen und die Teamarbeit mit allen auftretenden Konflikten zu leben. Ich stelle es mir nicht reibungslos vor, aber gut zu lesen, das es geht.


Am 16. April. 2010 geschrieben von Frank Hartmann

Boykottiert Firmen die Ausbeuten. Unterstützt Firmen die sich für Menschen als solche interessieren. Es werden immer mehr werden.

Der Zeitgeist erfasst immer mehr Menschen.

Join the Movement
www.zeitgeistmovement-nrw.de/joomla


Am 15. April. 2010 geschrieben von Birgit

Das ist unglaublich, dass es so ein Unternehmen gibt.. Das übersteigt meine kühnsten Ideale!


Am 14. April. 2010 geschrieben von antara

14.4.2o1o geschrieben von antara
eine wunderbare zukunft beginnt sich zu gestalten , danke firma semco 1!!!! es ist der mut zum träumen das eine neue realität erschafft und sichtbar werden läst. ich bin dabei die neue erde mit zu gestalten, weil ich mich als ein schöpfer warnehme !!!!!


Am 14. April. 2010 geschrieben von Schmitt&W

Ihr seid ja alle wahnsinnig, ich habe eine Zeitarbeitsfirma und müßte dann selbst wieder arbeiten


Am 14. April. 2010 geschrieben von Peinhard

Wenn dann noch so langsam die Einsicht dazukommt, dass auch auf der Ebene der Betriebe untereinander Kooperation besser ist als gegenseitiges Niederkonkurrieren, dann könnte was draus werden. Ansonsten besteht bei Verallgemeinerung des Prinzips nicht nur die Gefahr, sondern geradezu die Notwendigkeit eines Wettbewerbs in Selbstausbeutung. Der nicht gern gesehene Pferdfuss eines nicht zuende gedachten Ansatzes von 'Wirtschaftsdemokratie'.


Am 14. April. 2010 geschrieben von ikgrud

genau so ,wie die Arbeitswelt nun schon bei Semler sehr gut funktioniert, wird es in der Zukunft sein . Denn immer ist erst ein Gedanke dann die Realität da.Unsere Kinder werden es besser haben, wie in der heutigen Zeit so mancher Arbeitnehmer.So mancher kann nicht daran glauben ,ich bin aber davon überzeugt das es so sein wird.


Am 14. April. 2010 geschrieben von Alibaba

Ja klar wer fürs Militär produziert der hat halt heutzutage auch genug finanzielle Möglichkeiten so etwas umzusetzen.
Aber trotzdem finde ich es gut dass jemand den Mut dazu hat. Ein Licht am Ende des dunklen Arbeitnehmertunnel.


Am 13. April. 2010 geschrieben von roush

Das Buch "Das Semco System" habe ich selbst bereits 1995 gelesen.
Wer diesen Artikel inpirierend fand, sollte sich die beiden Bücher jedenfalls unbedingt zulegen. (!)


Am 13. April. 2010 geschrieben von Christina Köb

Herr Semler ist ein Pionier für die Zukunft, genau so soll arbeiten auch sein. Wundervoll!!!



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