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Kaum einer kann sie leiden, fast niemand hinterfragt sie wirklich. Kann man Arbeit abschaffen? Der Anarchist Bob Black fordert die Abschaffung der Arbeit.

Arbeit=Folter?

Die Herkunft des Begriffs Arbeit sei unklar heißt es auf Wikipedia, er ist entweder verwandt mit dem indoeuropäischen „orbh“: „ein zu schwerer körperlicher Tätigkeit verdungenes Kind“ oder mit dem slawischen „robota“ („Knechtschaft“, „Sklaverei“). Im Alt- und Mittelhochdeutschen überwiege die Wortbedeutung „Mühsal“, „Strapaze“, „Not“. Das französische Wort „travail“ hingegen leite sich von einem frühmittelalterlichen Folterinstrument ab.

Damit wären wir schomal beim Thema: Ist Arbeit eine eigentlich unzumutbare Folter für den Menschen? Gehört sie abgeschafft? Kann man sie überhaupt abschaffen?

Das mag zunächst wie ein verrückter Gedanke klingen. Das Konzept von Arbeit ist so tief in unserer Kultur verankert, dass wir gar nicht mehr sehen können, dass sie nur ein Konzept ist, welches wir künstlich am Leben erhalten. Schon der gesamte politische Zirkus, der unsere Medien dominiert, dreht sich hauptsächlich um eines: Arbeitsplätze, das Recht auf Arbeit, die Verhinderung von Arbeitslosigkeit, Arbeitslöhne, Arbeitszeiten, Arbeitsumstände… Die Arbeit selbst aber stellt kaum jemand je ernsthaft in Frage. Sie ist eine selbstverständliche Größe unserer Gesellschaft, fast eine Art Naturgesetz des Lebens. Unsere Schulbildung, unsere Jugend – alles nur Vorbereitung für das, „was wir werden wollen, wenn wir mal groß sind“. Ein Beruf, eine Arbeit, das ist, was wir sind und machen. Arbeit so scheint es, ist das überhaupt zentrale im Leben und es geht nicht ohne. Aber stimmt das auch wirklich? Und was ist Arbeit überhaupt?

„Die Liberalen fordern ein Ende der Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt. Ich fordere ein Ende des Arbeitsmarktes.“ (Bob Black)

 

Die Entfremdung der Arbeit

Vorweg: Arbeit abschaffen heißt nicht, keine Dinge mehr zu tun, oder faul zu sein. Denn Arbeit und Dinge tun, das sind zwei ganz verschiedene Dinge. Wir werden natürlich immer Dinge tun, auch anstrengende, nützliche, notwendige. Leider ist unser Begriff „Arbeit“ sehr unscharf: Es kann bedeuten mit Fußfesseln in einem Steinbruch „zu arbeiten“, an seiner spirituellen Entwicklung, oder an seinem künstlerischen Meisterwerk. Sehr offensichtlich sind das ganz verschiedene Bedeutungen.

Leben braucht immer ein gewissen Maß an Anstrengung, aber Arbeit soll hier etwas bestimmtes heißen, dass wir uns gleich genauer ansehen. Anstrengung ist etwas Neutrales, Nötiges, das Gegenteil von Arbeit ist in vieler Hinsicht wohl „Spiel“ – eine freie und genussvolle Tätigkeit. Aber dazu später mehr.

Es macht schonmal nachdenklich, wenn viele indigene Völker überhaupt kein Wort für „Arbeit“ haben, weil das Konzept für sie schlicht nicht existiert. Kochen, Jagen, Nähen, das ist schließlich Leben, nicht Arbeit. Warum sollte man das trennen? Und warum ist das bei uns so anders?

Es liegt wohl zum Teil an dem, was Marx die „Entfremdung der Arbeit“ nannte: Unsere Arbeit ist längst nicht mehr unsere, sondern die meisten Menschen arbeiten für andere, und diese Arbeit befriedigt auch nicht ihre eigenen Bedürfnisse, sondern ebenfalls fremde. Inhalt, Zeit und Wesen der Arbeit sind allesamt unfrei, fremdbestimmt und fremdgesteuert. Die Anstrengungen sind nicht mehr eingebettet in das übrige Leben, eine Gemeinschaft von Menschen oder gar die Gemeinschaft aller lebenden Wesen, sondern ist Arbeit geworden und existiert in einer eigenen, völlig entfremdeten und verdinglichten Welt.

Was bedeutet also die Abschaffung der Arbeit? „Es bedeutet nicht, dass wir aufhören sollten, Dinge zu tun. Vielmehr sollten wir eine neue Lebensweise schaffen, der das Spielen zu Grunde liegt.“, schreibt Bob Black in seinem berühmten Aufsatz „Die Abschaffung der Arbeit“
aus dem Jahr 1985.

 

Was ist also Arbeit?

Dort definiert er auch, was Arbeit für ihn bedeutet:

„Wenn ich sage, dass ich die Arbeit abschaffen möchte, meine ich genau das, aber ich will mich deutlich ausdrücken, indem ich meine Begriffe auf nicht-idiotische Weise definiere. Mein Grundbegriff für Arbeit ist Zwangsarbeit, also ‚erzwungene Tätigkeit‘. Beide Teile des Wortes sind von zentraler Bedeutung. Arbeit ist mithilfe von wirtschaftlichen oder politischen Mitteln erzwungene Produktion – mithilfe von Zuckerbrot oder Peitsche (Das Zuckerbrot ist letztlich auch nur eine andere Form der Peitsche.)

Üblicherweise […] ist Arbeit Beschäftigung, also Lohnarbeit, also das Sich-Verkaufen an den Dienstplan. […] Auch wenn der Tätigkeit ein Quentchen Erfüllung innewohnt (was immer seltener vorkommt), zerstört doch die Eintönigkeit ihrer verbindlichen Ausschließlichkeit jedes spielerische Potential. [….]

Die Entwürdigung, die die meisten Arbeitenden bei ihren Jobs erleben, […] besteht aus der Absolutheit der totalitären Kontrolle am Arbeitsplatz – Überwachung, Fließband, vorgegebenes Arbeitstempo, Produktionsziffern, Stechuhr usw. Disziplin ist das, was Fabrik, Büro und Geschäft mit dem Gefängnis, der Schule und dem Irrenhaus gemein haben. Es ist etwas historisch Einzigartiges und Furchtbares. [….] So steht es mit der Arbeit.

Spielen ist das gerade Gegenteil. Spielen ist immer freiwillig. Was ansonsten Spiel wäre, wird zur Arbeit, sobald es erzwungen wird.“


Arbeit ist Zwang

Arbeit ist also nicht definiert durch die Art der Tätigkeit – die können bei Spiel und Arbeit sogar identisch sein, und auch nicht durch Anstrengung, sondern Arbeit ist Arbeit vor allem durch ihre Zwanghaftigkeit und durch die Entfremdung des Menschen von seiner Arbeit.

Die Abschaffung der Arbeit bedeutet nicht Faulheit, nicht Abschaffung von allen Formen von Anstrengung, nicht mal ‚mehr Freizeit‘, denn auch das Konzept Freizeit existiert überhaupt nur aufgrund von Arbeit. Die Abschaffung der Arbeit bedeutet, das Konzept insgesamt loszulassen, mit der Einteilung in Arbeit und Freizeit, die wir seit der Schule gewöhnt sind, aufzuhören. Eine Einteilung, die kein Tier und kein naturverbundenes Volk in dieser Weise vornimmt.

Spiel folgt einem inneren Bedürfnis oder Antrieb – Arbeit einem äußeren Zwang. Je entfremdeter eine erzwungene Tätigkeit von unseren eigenen, inneren Bedürfnissen, Fähigkeiten und unserem Ausdruck und Leben als Wesen ist, desto mehr wird sie Arbeit. Schon die Schule ist deshalb in den meisten Fällen eben auch Arbeit in diesem Sinne – erfreulicherweise erkennt heute aber auch die Hirnforschung, dass Lernen einem inneren Antrieb entspringen muss, um wirklich erfolgreich zu sein. Das Konzept des freien Lernens ist deshalb vielleicht schon der erste Schritt zur Abschaffung der Arbeit.

Arbeit und Freiheit

Während bei der Arbeit immer das Ergebnis der Tätigkeit im Vordergrund steht, ist es beim Spiel das vielmehr das Erlebnis der Tätigkeit – dass heißt aber nicht, dass Spiel nicht durchaus auch Ergebnisse erbringen kann. Kunsthandwerk ist ein offensichtliches Beispiel. Ohne den Zwang der Arbeit wäre wohl jedes Handwerk Kunst, ob beim Bäcker, Schneider oder Tischler. Arbeit hingegen lässt persönlichen Ausdruck, wenn überhaupt, nur in sehr engen Grenzen zu, sie ist unfrei in Bezug auf das Ergebnis, das Erlebnis und die Umstände.

„Arbeit verhöhnt die Freiheit.[….] Ein Arbeiter ist ein Teilzeitsklave. Der Chef sagt, wann es losgeht, wann gegangen werden kann und was in der Zwischenzeit getan wird. Er schreibt vor, wie viel Arbeit zu erledigen ist und mit welchem Tempo. [….] Es steht ihm frei, seine Kontrolle bis in demütigende Extreme auszuweiten, indem er festlegt, (wenn ihm danach ist) welche Kleidung vorgeschrieben wird und wie oft die Toilette aufgesucht werden darf.[…] Dieses entwürdigende Herrschaftssystem[…] kontrolliert die Hälfte der wachen Zeit einer Mehrheit der Frauen und fast aller Männer für Jahrzehnte, für den Großteil ihres Lebens. […] Jeder, der meint, all diese Männer und Frauen wären frei, lügt oder ist dumm“, so Black.

Das sei nicht nur in Hinblick auf die Arbeit selbst katastrophal, meint Black: „Menschen, denen ihr ganzes Leben lang Vorschriften gemacht werden, die von der Schule an die Arbeit weitergereicht werden […] sind an Hierarchien gewöhnt und psychologisch versklavt. Ihre Freiheitsfähigkeit ist so zerrüttet, dass ihre Freiheitsangst zu ihren wenigen rational begründeten Phobien gehört. Ihr Gefolgschaftstraining bei der Arbeit pflanzt sich zum einen in die von ihnen begründeten Familien fort und reproduziert so das System, zum anderen greift es in die Politik, die Kultur und alles andere über. Wenn einmal die Lebenskraft der Menschen durch die Arbeit abgesaugt ist, unterwerfen sie sich sehr wahrscheinlich Hierarchien und Experten in jeder Beziehung. Sie sind daran gewöhnt. Wir sind so dicht an der Arbeitswelt, dass wir nicht sehen können, was sie uns antut. Wir müssen auf Beobachter aus anderen Zeiten oder aus anderen Kulturen zurückgreifen, um das Extrem und die Krankhaftigkeit unserer gegenwärtigen Position zu begreifen.“

Die Verherrlichung der Arbeit ist relativ neu. Noch die Griechen und Römer verabscheuten Arbeit, sie war nur für Sklaven eine Option. So kritisierte Cicero alle Formen der Arbeit für Geld und stellte fest, dass „wer immer seine Arbeitskraft für Geld gibt, sich selbst verkauft und sich in den Rang eines Sklaven stellt.“

Das sind recht deutliche Worte, deren Realität wir heute scheinbar kaum noch sehen können. Zwangsarbeit ist heute nicht mehr nur normal, sondern sogar seltsam erstrebenswert. Man könnte fast meinen, die Sklavenhaltung wäre mittlerweile so perfektioniert, dass die Sklaven ihren Status gar nicht mehr bemerken.

 

Arbeit – eine modernes Phänomen

Wenn wir allerdings noch weiter zurückgehen, vor die Antike, dann gab es oftmals noch nicht mal ein Konzept von Arbeit. Womit wir wieder bei den indigenen Kulturen wären. Arbeit gibt es dort wie gesagt schon vom Wort her oftmals nicht. Was aber noch viel verblüffender ist: Die Tätigkeiten, die sich inhaltlich mit dem vergleichen ließen, was wir mit unserem Blick als Arbeit ansehen könnten, nahmen auch weit weniger Zeit in Anspruch als heute.

Haben wir nicht Jahrhunderte des technologischen und kulturellen Fortschritts hinter uns, um uns genau von Arbeit zu befreien, das Leben zu erleichtern? Scheinbar nicht, denn die Arbeit ist mehr geworden, sogar viel mehr. Weil wir immer mehr Zeug erhalten müssen, und weil Arbeit unseren tatsächlichen Bedürfnissen völlig entfremdet ist, und oftmals nur mehr sich selbst dient, statt einen sinnvollen Zweck für die Gesellschaft zu erfüllen.

Die Vorstellung, das Leben indigener Kulturen wäre eines von unerbittlicher Härte und des verzweifelten Kampfes gegen die Naturgewalten gewesen, ist heute kaum noch haltbar. Bei unseren Vorfahren der Jäger- und Sammlerkulturen und bei vielen indigenen Völkern nahmen Arbeits-ähnliche Tätigkeiten wohl nicht mehr als vier Stunden des Tages in Anspruch. Und selbst diese Tätigkeiten wurden vermutlich nicht als Arbeit empfunden, sondern als Selbstausdruck, oder als gemeinschaftliche Tätigkeiten. Weiße, die in den frühen USA zu den Indianern überliefen, wollten nie mehr zurück.

„Tun wir mal für einen Moment so, als würde Arbeit aus Leuten keine verblödeten Untertanen machen. Tun wir auch so, entgegen jeder nachvollziehbaren Psychologie und der Ideologie ihrer Förderer, dass sie keinen Effekt auf die Charakterbildung hat. Und tun wir so, als wäre Arbeit nicht so langweilig und ermüdend und entwürdigend, wie sie es ist. Auch dann würde sie alle humanistischen und demokratischen Bemühungen verspotten, einfach weil sie so viel Zeit beansprucht“, schreibt Black weiter.

Ist es wirklich mit unserem modernen Menschenbild und unserer Vorstellung von Leben vereinbar, dass 5 Tage der Woche der Arbeit dienen? Dass viele Menschen nur 20 Tage Urlaub im Jahr haben?Müssten wir nicht, bei allem, was wir wissen, alles dransetzen, die Gesellschaft völlig anders zu gestalten, so dass sie maximalen Freiraum für Menschen eröffnet? Warum lassen wir uns von Arbeit versklaven, einer Sache, die wir überhaupt erst erfunden haben?

„Der Anthropologe Marshall Sahlins sichtete die Daten über heutige Jäger und Sammler […] Sie arbeiten weit weniger als wir und ihre Arbeit ist nur schwer von dem zu unterscheiden, was wir Spielen nennen. Sahlins schlussfolgerte, dass ‚Jäger und Sammler weniger Zeit mit der Arbeit verbringen als wir; dass die Nahrungssuche weniger ein andauerndes Geplacker ist, sondern ständig unterbrochen wird, dass es Muße im Überfluss gibt und dass am Tage pro Nase und Jahr mehr geschlafen wird als in jeder anderen Gesellschaftsform.‘ Sie arbeiten im Schnitt vier Stunden am Tag, wenn man davon ausgeht, dass sie überhaupt arbeiten. Ihre ‚Arbeit‘, wie es uns scheint, war Facharbeit, die ihre körperlichen und intellektuellen Fähigkeiten förderte; ungelernte Arbeit in einem größeren Ausmaße ist undenkbar außerhalb der Industriegesellschaft.“


Arbeit und Sinn

Auch dass ist ein interessanter Gedanke: Außerhalb einer Industriegesellschaft und ihren Zwängen macht Arbeit keinen Sinn. Tätigkeiten außerhalb dieses Kontextes sind Spiel und Kunst oder sind mindestens in einen bedeutsamen Lebenskontext eingebettet.

Monotone, entfremdete Tätigkeiten hingegen sind eine Qual für den Menschen und haben verheerende Auswirkungen auf die körperliche und geistige Gesundheit, wie wir heute eindeutig wissen. Das war übrigens erstaunlicherweise sogar den Pionieren des Industrialismus wie Adam Smith noch sehr klar:

„Das Verständnis der Mehrzahl der Menschen wird notwendigerweise von ihren gewöhnlichen Beschäftigungen geformt. Der Mann, dessen Leben darin besteht, wenige einfache Tätigkeiten auszuführen… hat keine Gelegenheit, sein Verständnis zu schulen… Er wird im Allgemeinen so dumm und ignorant, wie ein Mensch eben werden kann,“ stellte Smith recht ungeschönt fest. Und krank macht solche Arbeit auch, wie die steigenden Fälle von Burn-Out und Depressionen heute deutlich zeigen.

Arbeit abschaffen?!

Wenn Arbeit also unserer Natur so sehr zuwiderläuft, warum sollte man dann nicht doch mal ernsthaft darüber nachdenken, sie abzuschaffen?

Dass das gehen könnte, trauen wir uns kaum noch zu denken. Gleichzeitig ist aber klar: Die Gesellschaft ist kein Naturgesetz, wir erschaffen und gestalten sie gemeinsam und letztlich steht es uns frei, unser Zusammenleben als Menschen zu organisieren, wie wir es möchten. Bei allen politischen Systemen der letzten Jahrhunderte wurde seltsamerweise die Arbeit nie infrage gestellt. Vielleicht wird es mal Zeit.

„Wir haben jetzt die Möglichkeit, die Arbeit abzuschaffen und den notwendigen Anteil Arbeit durch eine Vielfalt an neuen freien Aktivitäten zu ersetzen. Die Abschaffung der Arbeit erfordert eine Annäherung von zwei Seiten: einer quantitativen und einer qualitativen.

Auf der einen, der quantitativen Seite, müssen wir die Menge geleisteter Arbeit massiv reduzieren. Gegenwärtig ist die meiste Arbeit einfach nutzlos und wir sollten sie loswerden. Auf der anderen Seite – und ich denke, diese qualitative Annäherung ist der Knackpunkt und der wirklich revolutionäre Aufbruch – müssen wir die wenige nutzbringende Arbeit in verschiedenste spielerische und handwerkliche Freuden verwandeln, nicht unterscheidbar von anderen freudvollen Tätigkeiten, außer dadurch, dass sie nebenbei nützliche Endprodukte hervorbringen.

Ich unterstelle nicht, dass diese Verwandlung bei jeder Art von Arbeit möglich ist. Aber dann ist die meiste Arbeit auch nicht wert, erhalten zu werden. Nur ein kleiner und sich noch verkleinernder Ausschnitt der Arbeitswelt dient letztlich einem Zweck, den nicht erst die Verteidigung und Reproduktion des Arbeitssystems und seiner politischen und rechtlichen Anhängsel nötig machen.[…]
Die meiste Arbeit dient direkt oder indirekt der wirtschaftlichen oder sozialen Kontrolle. Es wäre also einfach so möglich, Millionen von Verkäufern, Soldaten, Managern, Polizisten, Börsianern, Priestern, Bankiers, Anwälten, Lehrern, Vermietern, Wachen und Werbeleuten von der Arbeit zu befreien, nebst allen, die für sie arbeiten“, zeigt Black einen möglichen Weg auf.

Tatsächlich genügt ein Spaziergang durch die Innenstadt um sich zu überzeugen, dass heutige Arbeit nicht mehr unsere authentischen Bedürfnisse befriedigt, sondern welche, die erst künstlich erzeugt werden müssen (=Werbung). Wer braucht schon tausende Billig-Plastik-Artikel, seltsames Spielzeug und haldenweise Elektro-Schrott? Sollten wir uns nicht mal fragen: Was und wie viel brauchen und wollen wir eigentlich wirklich?

Wenn wir uns darauf besinnen könnten, wäre nicht nur 70 Prozent aller Arbeit überflüssig, wir würden auch noch ganz andere Probleme lösen, meint Black:

„Keine Kriegsproduktion mehr, keine Atomkraftwerke, kein Dosenfraß, keine albernen Hygieneartikel [….] Und schon haben wir, ohne es überhaupt versucht zu haben, die Energiekrise, die Umweltprobleme und andere unlösbare soziale Probleme bewältigt!“

Das größte dieser sozialen Probleme ist dabei für Black die Kernfamilie:
„Schließlich müssen mit dem mit Abstand größten Berufszweig Schluss machen, dem zeitintensivsten, schlechtbezahltesten und langweiligsten, den es gibt. Ich spreche von den Hausfrauen[…].So wie es in den letzten ein oder zwei Jahrhunderten zuging, war es ökonomisch sinnvoll, dass der Mann den Speck verdient und die Frau die Drecksarbeit macht, um ihm einen Hafen in einer herzlosen Welt zu bieten, und dass die Kinder in Konzentrationslager überführt wurden, die Schulen heißen, im wesentlichen dazu da, sie außerhalb von Mamas Heim weiter unter Kontrolle halten zu können.“

Außerhalb des Arbeits-Paradigmas würde sich nicht nur dieser Umstand auflösen, es wäre insgesamt eine ganz andere Welt möglich, ist sich Black sicher:

„Niemand vermag zu sagen, was die Entfesselung der jetzt noch in der Arbeit gebundenen Schöpferkraft bringen wird. Alles kann geschehen.“


Das Ende der Arbeit

Aber wie viel Basis in der Realität haben solche philosophischen Überlegungen. Wie sich herausstellt so einige. Nicht nur Black, auch ganz bodenständige Forscher wie der US-Ökonom Jeremy Rifkin sind überzeugt, dass die Zeit der Arbeit abgelaufen ist: „Langfristig wird die Arbeit verschwinden.[…]Ich sehe zwei Alternativen für unsere Zukunft. Die eine ist eine Welt mit Massenarmut und Chaos. Die andere ist eine Gesellschaft, in der sich die von der Arbeit befreiten Menschen individuell entfalten können. Das Ende der Arbeit kann für die Menschheit einen großen Sprung nach vorn bedeuten. Wir müssen ihn aber auch wagen.“

Für Rifkin ist er vor allem der technologische Fortschritt, der Arbeit eigentlich längst überflüssig gemacht hat. Um für alle Menschen einen gehobenen Lebensstandard zu verwirklichen, müsste schon jetzt niemand mehr als 5 Stunden am Tag arbeiten. Und in unseren Zeiten ein wirtschaftliches System zu erhalten, was auf Vollbeschäftigung abzielt, ist einfach nur völliger Realitätsverlust.

Es wird also Zeit für ein System, was wirklich den Menschen dient und wirklich unsere Bedürfnisse erfüllt. Stattdessen erfüllen wir aber die Zwänge eines Systems, das niemandem guttut und weder menschlich, noch logisch, noch ökonomisch gesehen irgendeinen Sinn ergibt. Es ist auch unser verdrehter Glaube an die Arbeit, der das möglich macht.

 

Arbeit in Spiel verwandeln

Wie könnte es also gehen? Black meint: Alle Formen von Arbeit abschaffen, die uns nicht glücklicher machen und die verbleibende Arbeit in Spiel verwandeln.

Bhutan macht hier mit seinem Bruttonationalglück einen interessanten Vorschlag, wirtschaftliches Gelingen nicht mehr in umgesetztem Geld zu messen, sondern in Hinsicht darauf, ob es wirklich das Glück der Bevölkerung steigert. Würde das nicht mehr Sinn ergeben? Die Forschungen in Bhutan und auch für den Global Happiness Index haben ergeben, dass Wohlstand nur zu einem geringen Maß für unsere Glücklichkeit verantwortlich sind – nämlich nur solange, bis alle Grundbedürfnisse befriedigt sind. Ab dann sind es soziale, ökologische und kulturelle Faktoren, die unser Glück mehren.

Vermutlich bleibt auch nach einem Aufräumen unter diesem Gesichtspunkt immer noch etwas „Arbeit“ übrig, die in Spiel verwandelt werden darf. Und darin liegt vielleicht auch die wirkliche Blüte der menschlichen Gesellschaft.

Aber wie macht man das? Wie verwandelt man Arbeit in Spiel?

„Ein erster Schritt wäre es, die vorhandenen Vorstellungen von „Job“ und „Beruf“ zu verwerfen. Auch Tätigkeiten, die jetzt schon spielerische Momente haben, verlieren das meiste davon, wenn sie auf Jobs reduziert werden, die nur von bestimmten Leuten ausgeführt werden, die wiederum nichts anderes tun. Ist es nicht seltsam, dass Landarbeiter sich schmerzvoll auf den Feldern abrackern, während ihre klimatisiert lebenden Chefs am Wochenende nach Hause fahren und ein bisschen im Garten herumhacken?

Das Geheimnis der Verwandlung von Arbeit in Spiel besteht, wie Charles Fourier gezeigt hat, darin, nützliche Tätigkeiten so zu arrangieren, dass immer sie von dem profitieren, was irgendwer zu irgendeinem Zeitpunkt tatsächlich tun mag.

Zum zweiten gibt es einige Dinge, die Leute schon gelegentlich tun wollen, aber nicht sehr lange und mit Sicherheit nicht die ganze Zeit. Ein paar Stunden Babysitting mögen Spaß machen, weil man die Gesellschaft des Kindes teilt – aber nie mehr Spaß, als es den Eltern bereitet. Währenddessen genießen die Eltern sicher die freie Zeit, was aber bald stark nachlässt, wenn sie von ihrem Nachwuchs zu lange getrennt sind. Genau diese Unterschiede zwischen den Einzelnen machen ein Leben des freien Spiels möglich.“

Black glaubt nicht daran, dass automatisierte Technologie die Arbeit ersetzen wird, sondern dass Arbeit wieder zu spielerischem Kunsthandwerk werden wird. Statt Massenware werden wir uns wieder mit kunstfertigen Einzelstücken umgeben und Schönheit statt Billigkeit zu einem neuen Ideal werden lassen. Letztlich wissen wir ja auch, dass Ikea ist nicht der Gipfel der Tischlerkunst ist – wir können das schöner – und dann macht es auch wieder Spaß. Kunst ist heute Luxus, Künstler zu sein ein seltenes Glück. Was wäre, wenn dies die Normalität wäre?

„Wenn Technologie bei alldem eine Rolle spielen soll, dann weniger, um die Arbeit komplett aus der Welt zu automatisieren, sondern eher, um bessere Welten der Erholung zu schaffen. In gewissem Maße werden wir auch zum Handwerk zurückkehren wollen. […]

Die Kunst würde den Snobs und Sammlern entrissen und […] dabei würde sie ihre Qualitäten wie Schönheit und Schöpfertum für das eigentliche Leben wiedergewinnen, dem sie von der Arbeit gestohlen wurde. Es ist ein ernüchternder Gedanke, dass die griechischen Urnen, über die heute Oden verfasst werden und die in Museen ausgestellt werden, in ihrer Zeit zur Aufbewahrung von Olivenöl benutzt wurden.“

Utopie

Das ist doch alles nicht umsetzbar, werden manche einwerfen. Das mag aktuell stimmen – aber warum eigentlich nicht? Theoretisch ist es nicht nur sehr gut umsetzbar, es würde auch viel mehr Sinn ergeben, als all das, was wir jetzt gerade tun.

Wenn man genau hinsieht, muss man feststellen: Es sind nicht praktische, äußere Gründe, die uns daran hindern, sondern innere, ideologische Barrieren. Unsere Gesellschaftsform ist zu einer Religion geworden, einer Ideologie, von der es mittlerweile scheint, als gäbe es keine Alternative zu ihr. Die gibt es aber. Wir erschaffen unsere Gesellschaft, und wir könnten sie jederzeit ändern. Dazu müssen wir aber womöglich erst wieder lernen, Alternativen denken zu können, und das aktuelle System zu hinterfragen.

Und vielleicht, vielleicht werden eines Tages alle Menschen tatsächlich ihre Kündigung abschicken und den Konsum von Schwachsinn einfach einstellen.

 

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Bild: Bundesarchiv, Bild 146-1980-005-07 / CC-BY-SA

 

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17 Responses

  1. Ralf Gerstenberg
    Arbeit

    Arbeit kann Niemand abschaffen. Das wäre absurd denn, alles was getan wird ist Arbeit. Außerdem ist Arbeit die einzige Freizeitgestalltung, die ein Mensch auf Dauer aushält. Die Bewertung geleisteter Arbeit ist das Problem. So lange die Wertschöpfung von geleisteter Arbeit abgekoppelt bleibt, wird die Verteilung des Wohlstands immer im Ungleichgewicht bleiben. Die Bezahlung des Zins und noch schlimmer des Zinseszins, treibt den größten Teil der Menscheit in den Ruin, aber nicht die Arbeit. Nach meiner Auffasung ist die Bedeutung von Arbeit : Ausdruck redlicher Betätigung einer individuellen Tätigkeit.

    Antworten
  2. Iris Fischer

    Ob man Arbeit als Last oder Freude empfindet, hängt nicht nur von äußeren Faktoren ab, sondern auch von der inneren Einstellung. Etwas Sinnvolles zu erarbeiten, d.h. zu schaffen, kann das Leben durchaus bereichern. Der geistige oder körperliche Einsatz um etwas zu erschaffen, zu organisieren oder zu erwirtschaften kann dem eigenen Wohl dienen, aber auch dem Wohl anderer.
    Mühsal bedeutet ursprünglich durch Mühe (Anstrengung) sein Sal (Glück, Heil) zu erringen. Erst später verstand man darunter Qual.

    Das Brot schmeckt besser, der Schlaf ist erquickender und das erworbene Gut wird als wertvoller empfunden, wenn man es durch Anstrengung verdient hat.

    Arbeit kann Freude machen, Arbeit kann einen wesentlichen Beitrag zu einem erfüllten Leben leisten. Die Bedingungen müssen nur gut sein und die Arbeit
    wertgeschätzt und vernünftig entlohnt werden. Das ist wie einen steilen Berg freudig erklimmen für den herrlichen Ausblick auf dem Gipfel und das Gefühl etwas geschafft und sich selbst überwunden zu haben.
    Der anstrengende Weg macht aber keine Freude, wenn einem Böswillige Steine in den Weg legen oder andere einem einzureden versuchen, das ganze lohne sich nicht und sei bloß überflüssige Quälerei. Noch mehr Freude kann einem aber eine Anstrengung machen, wenn man dabei zusätzlich das Gefühl hat, auch etwas sinnvolles zu tun. Zum Beispiel einer alten Frau Essen auf die Alm zu tragen oder etwas für seine eigene Gesundheit oder den Wohlstand zu tun.
    Arbeit adelt und ist klasse solange nicht Ausbeuter und Miesantropen einem die Freude daran nehmen oder der nötige erholsame Ausgleich fehlt.

    Geleistete Arbeit muß einfach wieder mehr Wertschätzung erfahren, durch eine adäquate Entlohnung und allgemeine Anerkennung. Arbeit verliert aber diese Wertschätzung, wenn Ausbeuter, Spekulanten, Faulpelze und Schmarotzer den gleichen Lohn erhalten für egoistisches, sinnfreies Nichtstun.

    Antworten
  3. Anonymous

    google: manfred julius müller : globalisierung und soziale marktwirtschaft nicht möglich—-g:manfred julius müller : globalisierung dumpinglöhne arbeitsplatz – abbau—g: saktionen quatsch —g:sanktionen backlash —-g: brd profitiert nicht vom euro g:griechenland katastrophe stümperei

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  4. Axel Mende

    Arbeit ist fremdbestimmtes Wirken / Tun für einen Herren.
    Arbeit zerstört die Welt.
    Man sollte letzteres unter dem Aspekt betrachten, dass die Menschen Jahrtausende ohne Arbeit leben konnten. Erst die Macht über die Schaffenskraft eines anderen erschuf die Zivilisationen und die „Vertreibung aus dem Paradies“

    Antworten
    • Gaga
      Arbeit

      Arbeit ist nur für einen selber gut für andere Arbeiten ist Ausbeutung
      Generel ist ein Leben ohne Arbeit besser Menschen die das Gegenteil behaupten können es sich nicht leisten

      Antworten
  5. Kristina

    Ein Aspekt wurde nicht angesprochen und zwar die weit verbreitete Willkür und Arbeitssimulation.
    Es ist wohl unumstritten, dass die meisten Behörden keine Arbeit und keine gesetzliche Kontrolle mehr leisten, sondern öfters willkürlich und anarchistisch vorgehen. Auch die Doktortitel werden öfters vorgetäuscht, um auf die hoch bezahlten Machtpositionen zu kommen, aus welchen missbräuchliche Programme wie Schulprogramme, Betreuungsprogramme, Arbeitsprogramme, Lohnkürzungen, Genmanipulationen, Militäreinsätze und Bankenrettungen beschlossen werden.
    Die Behörden die sich alle fett aus unseren Steuergeldern finanzieren, verweigern jegliche Verantwortung für ihre Arbeit und verweigern sogar ihre Namen, ihre Unterschriften, Dienststempel etc, um nicht für ihre Dienstfehler zu haften.

    Siehe Interview: „Ex-Polizei Hauptkommissar spricht über Bundesrepublik“
    http://www.youtube.com/watch?v=DCF49UixjOE

    Viele Angestellte, Stiftungen und Organisationen täuschen und spielen Arbeit vor, um ihr hohes Einkommen und gesellschaftliche Position zu sichern.

    Daher kann ich dem Autor im Punkt „Arbeit in Spiel verwandeln“ nicht zustimmen, insb. da man im Spiel alles aufs Spiel setzten kann und alles verspielen kann.
    Die Gefahr (Schattenseite) ist, dass dann jeder Psychopath Existenzen und Leben absichtlich zerstören kann und sagen kann, dass wir doch alle in einem Spiel sind und das Opfer der dumme Verlierer ist.

    Ich glaube, dass wir Arbeit nicht als Spiel betrachten sollten, sondern im Gegenteil jede notwendige und seriöse Arbeit würdigen und gut belohnen sollen.
    Auch ist Geld kein Spielgeld, sondern ein sinnvolles Tauschmittel.
    Es wäre sinnvoll das Bedingungslose Grundeinkommen (BGE) einzuführen, damit der Mensch nicht gezwungen wird jeder zerstörerischen Beschäftigung nachzugehen um kurzfristig zu überleben. Mit dem BGE werden Menschen die Möglichkeit haben, selbst zu entscheiden was sie tun und lernen:

    Unternimm die Zukunft – Götz W. Werner und das Grundeinkommen
    http://www.unternimm-die-zukunft.de/de/

    Bürgerinitiative bedingungsloses Grundeinkommen e.V. (BbG)
    http://www.buergerinitiative-grundeinkommen.de/aktuelles.htm

    Plan B – Revolution des Systems für eine tatsächliche Neuordnung
    von Andreas Popp und Rico Albrecht
    http://www.wissensmanufaktur.net/media/pdf/plan-b.pdf

    Antworten
  6. Druide

    Vielen Dank für diesen notwendigen Artikel!

    Dank auch an WellenbeobachterHH für den Link zum wirklich sehr lesenswerten Manifest gegen die Arbeit. Hier noch mal: http://www.hh-violette.de/wp-content/uploads/2011/10/Manifest-gegen-die-Abeit.pdf

    Ich sehe in der Zukunft eine Welt ohne Geld und frei von (Schuld-)Knechtschaft.

    Ich sehe eine zukünftige Welt vor mir, in der jeder macht, was ihm Freude bereitet und dies den anderen zur Verfügung stellt (= schenkt), und jeder wiederum sich dankbar (= Wertschätzung) alles nehmen darf, was er zum Leben, Wirken und Glücklichsein braucht. Diese zukünftige Welt ist realistisch und wird kommen! Auch wenn sich das die meisten noch nicht vorstellen können. Bis dahin wird die Auflösung bzw. die Transformation festgefahrener destruktiver Denkstrukturen durchlaufen. Wir stecken mittendrin in diesem notwendigen, mitunter schmerzhaften Prozess.

    Eine Welt ohne Geld? Eine Welt ohne Arbeit?

    Alle genialen Lösungen sind einfach! Unglaublich einfach!

    Antworten
  7. cource

    es würde ja schon vollkommen ausreichen wenn man aus den vorhandenen arbeitsplätzen jeweils zwei teilzeitplätze bei vollem lohnausgleich schaffen würde, aber das problem liegt ganz woanders und zwar haben immer nur die völker auf der welt bestimmt wo es lang geht, die besonders „fleißig“ waren– so wie jetzt die chinesen versuchen uns das ruder aus der hand zu nehmen und wenn wir nicht aufpassen müssen wir bald nach der pfeife der chinesen tanzen–d.h. solange die völker untereinander in konkurenzkampf stehen wird sich da auch nichts ändern–in jeder sozialen gruppe bestimmt immer die schinderseele/fleißige wo’s lang geht

    Antworten
  8. Infoliner

    Macht mir nicht durch Umdeutung zu einem Zwang die Arbeit schlecht!
    Wovon im Beitrag gesprochen wird, das ist „jobben“, Arbeit dagegen ist weder etwas Fremdbestimmtes noch verkäuflich. Diese Umdeutungen stammen aus jüngerer Zeit, aus dem Materialismus eines Marx oder eben der anderen Kapitalisten hier. Arbeiten tu ich aus Liebe oder aus Pflicht, das sind hohe moralische Werte. Das kann ich jedem anderen auch ans Herz legen und hier sehe ich das Problem mit der versuchten Entwertung der Arbeit: Es ist eine Frage des Menschenbildes und des eigenen Selbstverständnisses, welche Arbeit, welchen Beruf im Sinne von Berufung man wählt. Ebenfalls erstaunlich, daß auch die Begriffe Mühsal und Anstrengung gleich mit negativ dargestellt werden, dem möge jeder mal selbst nachgehen. Ist Mühsal, die Bemühung um ein Ziel oder Erreichnis, denn wirklich abscheulich? oder die Anstrengung, die Anspannung und Konzentration, um etwas zu Erreichen?

    Einig bin ich mir dagegen mit denen, die Arbeit von Einkommen trennen wollen. Das halte ich für dringend notwendig, damit eben Arbeit nicht länger so verrufen wird, weil sie aus Not, unter Druck womöglich, in fremdem Auftrage.. jobmäßig erledigt wird von denen, die sich nicht anders zu helfen wissen.

    Antworten
  9. Falkenauge

    Diesen in die Tiefe gehenden Reflexionen kann man weitgehend zustimmen.
    Die Entfremdung der Arbeit hat ihren Ursprung im kapitalistischen System, dem vom Rechtsstaat keine Grenzen gesetzt werden. Die wirtschaftliche Übermacht des Unternehmers wird in das Recht übertragen, wodurch der „Arbeitnehmer“ abhängig Beschäftigter wird und seine Arbeitskraft verkaufen muss. Den Gewinn beanspruchen allein die Kapitaleigentümer, obwohl er von allen Miteigentümern gemeinsam erarbeitet wurde, die mit Niedriglohn abgespeist werden.
    Vgl.: http://fassadenkratzer.wordpress.com/2013/09/27/arbeitsmarkt-der-mensch-als-ware/
    http://fassadenkratzer.wordpress.com/2013/10/11/die-sozial-zerstorerische-wirkung-des-aktienrechts/

    Antworten
  10. Andreas Thomas

    zur Vertiefung zum Thema das Manifest gegen die Arbeit von 1999 https://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=2&cad=rja&ved=0CDkQFjAB&url=http%3A%2F%2Fwww.tuneful.at%2Felixier%2Fmedia%2Fmanifest.pdf&ei=ODIPU5TVCsq44ATd94GYCg&usg=AFQjCNGssptkBLLBAScyGqhrzMsxWS3e6A&sig2=joJLM6k2lj1c9idW_arIbQ&bvm=bv.61965928,d.bGE

    auch als Theatervorstellung unterwegs http://theater-ensemble.net/produktionen/das-manifest-gegen-die-arbeit/

    Antworten
  11. WellenbeobachterHH

    Man kann die Wortherkunft im Slawischen am besten nachvollziehen Rab = Sklave, Rabstwo = Sklavenhaltertum, und Rabota = die Arbeit

    Arbeit war also die Bezeichnung der Tätigkeit von Sklaven, weil der Inhalt der Tätigkeit seiner Form gegenüber gleichgültig war. Das Handlungsergebnis gehörte ja nicht dem Sklaven, sondern dessen Herrn und Besitzer.

    Arbeit ist ansonsten kategorial und soziologisch gesehen vor allem erstmal eine Kategorie, nämlich eine spezifisch-historische Kategorie im Kapitalismus. Als solche ist sie zu überwinden, weil sie ihrem Wesen nach „abstrakte Arbeit“ ist (= Lohnarbeit). Erst wenn sie sich nicht mehr monetär ausdrücken lässt, sondern transformiert wurde zu „konkreter Arbeit“ bzw. besser „auf konkreten Nutzen abzielende Tätigkeiten“, dann ist die Tür offen für eine echte Emanzipation und eine Nichtwachstumgesellschaft (= es gibt keinen Wachstumszwang mehr, es kann aber wachsen wenn gewollt z.B. weil die Bevölkerungszahl steigt)

    Eine diesbezüglich sehr gute Analyse gibt es in Form einer kleinen Broschüre mit dem Titel „MANIFEST GEGEN DIE ARBEIT“:

    http://www.hh-violette.de/wp-content/uploads/2011/10/Manifest-gegen-die-Abeit.pdf

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  12. Axel Wartburg

    Arbeit ist für mich ein fremdbestimmtes Tun. Es wird etwas getan, was ich aus mir selbst heraus nicht oder nicht in dem Ausmaß machen würde, um etwas zu erlangen, was ich haben will. Zum Beispiel Geld oder Anerkennung.

    Das Schaffen und Werken hingegen ist ein selbstbestimmtes Tun. Ich mache etwas aus mir selbst heraus, weil es nach Ausdruck ruft. Nebenaspekte wie Geld oder Anerkennung sind maximal zweitrangig.

    Im Extremfall kann ein und das selbe Tun mal als Arbeit und ein anderes Mal sogar als selbstbestimmt udn also gewollt erachtet werden.

    Einen interessanten Aufsatz von Brigitte Weingart, lic.phil.I, zum Wortbegriff „Arbeit“ und seiner Herkunft aus dem Germanischen (Arbeho = Not, Mühsal, Knechtschafft), einzusehen hier http://www.ethikprojekte.ch/texte/arbeit.htm, mag helfen mehr Licht ins Dunkel zu bringen.

    Herzliche Grüße

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  13. nitmeare

    Die Forderung der Abschaffung der Arbeit bzw Plficht zur Arbeit ist fester Bestandteil des Parteiprogramms der piratenpartei. (siehe Bedingungsloses Grundeinkommen). Schließlich lässt sich immer mehr Arbeit von Maschinen erledigen, z.B. 3D Drcuker. Die Befreiung der Menschen von ihrer Arbeit wird somit zunehmend möglich und gilt als erstrebenswertes politisches Ziel.

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