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In Sachsen tauschen Schüler die Schulbank gegen Werkzeug und tun das, was schon lange dran war – aber immer liegen geblieben ist. Rasen mähen, Zaun streichen, Büro entrümpeln, Auto reinigen … Unternehmen, Geschäfte, Kirchengemeinden, Vereine aber auch Privatpersonen können an diesem Tag Arbeitgeber sein. Den Lohn für den Einsatz spenden die SchülerInnen für Hilfsprojekte in ärmeren Regionen dieser Welt und schaffen damit Lebens- und Bildungschancen.

„Jeder Mensch hat die Chance, mindestens einen Teil der Welt zu verbessern, nämlich sich selbst.“
Paul de Lagarde


Der Jugend wird ja immer wieder nachgesagt, sie würde sich nicht engagieren und interessiere sich auch nicht mehr für die Belange der Welt. Dass dem nicht so ist, beweisen jährlich über 20.000 Schüler in Sachsen, die am sogenannten „genialsozial“-Tag, initiiert von der sächsischen Jugendstiftung, arbeiten gehen und das an diesem Tag verdiente Geld für gemeinnützige Projekte spenden.

260.000 Euro kommen im Durchschnitt pro Jahr zusammen die an diverse Hilfsprojekte in aller Welt gehen. Grundsätzlich werden die Gelder für drei oder vier größere Projekte eingesetzt, mit denen zum Beispiel jungen Menschen in von Armut geprägten Regionen der Welt bessere Chancen auf Bildung eröffnet werden sollen. Andere Projekte sind ein Waisenhaus in Rumänien, eine medizinische Versorgungsstation in Mosambik oder eine Ausbildungsstätte für Mienenopfer in Vietnam.

Einigen Schülern wird sogar die Möglichkeit geboten, das entsprechend finanzierte Projekt vor Ort zu besuchen, um somit auch im direkten Kontakt zu erfahren, was mit dem erarbeiteten und gespendeten Geld passiert ist. So besuchten im März drei Schüler das geförderte Gesundheitszentrum in Mosambik.
Die Projektideen werden von Hilfsorganisationen vorgestellt und von einer Schülerjury demokratisch ausgewählt, die sich aus Vertretern der beteiligten Schulen zusammensetzt. Neben den Hauptprojekten werden 30% der eingenommen Gelder für heimische Projekte verwendet, die ebenfalls demokratisch ausgewählt werden.
Derlei soziale Tage gabe es schon mehrfach in der gesamten Bundesrepublik. Jedoch ist das Besondere an „genialsozial“, dass die Schüler selbst entscheiden dürfen, was mit ihrem Geld passiert.
Fragt man bei den SchülerInnen nach, gefällt ihnen das selbstständige Suchen nach einer passenden Arbeitsstelle und die damit verbundene Eigenverantwortung. Einige der genialsozial TeilnehmerInnen konnten dadurch sogar einen Praktikumsplatz oder sogar Ausbildungsplätze bekommen.

Ursprünglich kam die Idee des sozialen Tages aus Norwegen, wo man 1964 der Meinung war, dass es falsch sei, nur für die Verbesserung des eigenen Schulalltags zu arbeiten, wenn Jugendliche in anderen Teilen der Welt nicht einmal die Möglichkeit hätten, eine Schule zu besuchen. Dort bekannt unter den Namen „Operasjon Dagsverk“, findet jährlich ein sozialer Tag statt. Diese Idee verbreitet sich nun auch in anderen Ländern.
„Genialsozial“ ist eine willkommene Abwechslung vom Schulalltag. Es fördert und stärkt das Veranwortungsbewusstsein der Teilnehmer, die die Möglichkeiten haben, etwas Gutes in der Welt zu bewirken.
Es wäre sehr lobenswert, wenn sich dieses Projekt auch in Berlin etablieren würde. Die SEIN Redaktion wäre sicherlich mit einem Arbeitsplatz dabei.

Bild oben: © Steffi Krauer

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