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Was ist die Natur der Realität? Der Philosoph Peter Russel meint, wir haben kaum eine Wahl, als uns einzugestehen, dass es wahrscheinlich keine materielle Realität gibt. Eine spannende Reise tief in den Kanninchenbau.

Ervin Laszlo hat vorgeschlagen, dass das virtuelle Energiefeld, welches als das Quanten-Vakuum, oder als Nullpunkt-Feld bekannt ist, dem Akasha-Feld entspricht, welches in indischen Lehren genannt wird – der Quelle von allem, was existiert und welches das Gedächtnis des Kosmos eingewoben ist. Ich möchte seine Argumentation einen Schritt weiter führen und behaupten, dass die Natur dieser endgültigen Quelle das Bewusstsein selbst ist, nicht mehr und nicht weniger.

Wieder zeigt sich, dass diese Idee nicht neu ist. In den Upanishaden, wird Brahman, die Quelle des Kosmos (wörtlich „das, aus dem alles wächst“) zu Atman („das, was scheint“) dem Wesen des Bewusstseins. Und in den ersten Zeilen des Dhammapada, erklärt der Buddha: „Alle Dinge entstehen im Geist, sie sind unseres mächtigen Geistes Schöpfung.“

Eine solche Sicht ist der aktuellen wissenschaftlichen Weltsicht völlig fremd, obwohl sie in vielen metaphysischen Systemen weit verbreitet ist. Die Welt, die wir sehen, ist so offensichtlich materiell, dass jede Andeutung, dass sie vielleicht mehr Gemeinsamkeiten mit dem Mind hat, schnell damit abgelehnt wird, dies hätte „keine Grundlage in der Realität“. Allerdings stellt sich bei näherer Betrachtung dieser alternativen Weltsicht heraus, dass sie nicht in Konflikt steht mit den Erkenntnissen der modernen Wissenschaft – nur mit ihren Vorannahmen. Darüber hinaus führt diese Sicht zu einem neu verzauberten Bild des Kosmos.

 

Alles im Mind

Der Schlüssel zu dieser Sicht ist die Tatsache, dass alle unsere Erfahrungen, unsere Wahrnehmungen, Empfindungen, Träume, Gedanken und Gefühle nur Formen sind, die im Bewusstsein erscheinen. Das scheint nicht immer so. Wenn ich einen Baum sehe, so scheint es, als sähe ich den Baum direkt. Aber die Wissenschaft sagt uns, dass etwas ganz anderes passiert: Das in das Auge einfallende Licht löst chemische Reaktionen in der Netzhaut aus, diese erzeugen elektro-chemische Impulse, die entlang der Nervenfasern zum Gehirn reisen. Das Gehirn analysiert die ankommenden Daten und erstellt dann ein eigenes Bild von dem, was da draußen ist. Dann habe ich die Erfahrung, einen Baum zu sehen. Aber was ich wirklich erlebe, ist nicht der Baum selbst, sondern nur das Bild, das im Geist erscheint. Dies gilt für alles, was ich erlebe. Alles, was wir wissen, wahrnehmen und uns vorstellen, jede Farbe, jeder Ton, jeder Gedanke und jedes Gefühl, ist nur eine Form, die im Geist auftaucht. Es ist alles eine In-formierung des Bewusstseins.

Die Idee, dass wir die physische Welt nie direkt erleben, hat viele Philosophen fasziniert. Am bemerkenswertesten war der große deutsche Philosoph des achtzehnten Jahrhunderts, Immanuel Kant, der eine klare Unterscheidung traf zwischen der Form, die im Geist erscheint – den Phänomenen, wie er sie nannte (ein griechisches Wort, das bedeutet „das, was zu sein scheint“) – und der Welt, die Anlass zu dieser Wahrnehmung gab – die er als Noumena bezeichnete (bedeutet „das, was aufgegriffen wird“). Alles was wir kennen, so betonte Kant, ist das Phänomen. Das Noumenon, das „Ding an sich“, bleibt immer jenseits unseres Wissens.

Im Gegensatz zu einigen seiner Vorgänger behauptete Kant nicht, dass diese Realität die einzige Realität ist. Der irische Theologe Bischof Berkeley hatte ebenfalls argumentiert, dass wir nur unsere Wahrnehmungen kennen. Er schloss, dass nichts außer unseren Wahrnehmungen existiert, was ihn in die schwierige Position brachte, zu erklären, was in der Welt passiert, wenn niemand da ist, um es wahrzunehmen. Kant sagte, dass es zwar eine zugrunde liegende Realität gibt, aber wir sie nie direkt erkennen können. Alles, was wir je von ihr wissen können, ist die Form in unserem Geist, unser mentales Modell von dem, was „da draußen“ erscheint.

Es wird manchmal gesagt, dass unser Modell der Realität eine Illusion sei, aber das ist irreführend. Alles mag eine Erscheinung im Geist sein, aber es ist dennoch real – die einzige Realität, die wir überhaupt jemals kennen werden. Die Illusion entsteht, wenn wir die Realität, die wir erleben mit der physischen Realität der Sache an sich verwechseln. Die Vedanta-Philosophen des alten Indien sprachen von dieser Verwirrung als „Maya“. Was oft als „Illusion“ übersetzt wird (einer falschen Wahrnehmung der Welt), ist besser interpretiert als „Täuschung“ (einem falschen Glauben über die Welt). Wir leiden an einer Täuschung, wenn wir glauben, die Bilder in unseren Köpfen wären die äußere Welt. Wir täuschen uns, wenn wir denken, dass der Baum, den wir sehen, der Baum selbst ist.

Der Baum selbst ist ein physisches Objekt, aus physischen Materie-Molekülen, Atomen und subatomaren Teilchen aufgebaut. Aber woraus ist das Bild im Kopf konstruiert? Das Deutsche kennt kein gutes Wort für diese geistige Essenz. Im Sanskrit lautet das Wort „chitta“, was oft als Bewusstsein übersetzt wird, aber die Bedeutung einer ‚geistigen Substanz‘ trägt und manchmal als „Geist-Stoff“ übersetzt wird. Es ist das, was die mentalen Formen von Bildern, Tönen, Empfindungen, Gedanken und Gefühlen annimmt. Sie sind aus „Geist-Stoff“ gemacht, nicht aus „Materie-Stoff“.

Geist-Stoff oder chitta hat das Potenzial, die Form aller möglichen Erfahrungen anzunehmen. Alles, was ich oder sonst jemand, vielleicht im Leben erleben konnte; jede Erfahrung eines jeden Wesens auf diesem Planeten, oder jedes anderen fühlenden Wesens, überall im Kosmos. In dieser Hinsicht hat Bewusstsein unendliches Potential. In den Worten des Maharishi Mahesh Yogi: „Bewusstsein ist das Feld aller Möglichkeiten“.

Dieser Aspekt des Bewusstseins kann mit dem Licht eines Filmprojektors verglichen werden. Der Projektor strahlt Licht auf eine Leinwand und verändert das Licht, um eines der unendlich vielen möglichen Bilder zu erzeugen. Diese Bilder sind wie die Wahrnehmungen, Empfindungen, Träume, Erinnerungen, Gedanken und Gefühle, die wir erleben, die Formen, die sich im Bewusstsein zeigen. Das Licht selbst, ohne das keine Bilder möglich wären, entspricht der Fähigkeit des Bewusstseins, jede Form anzunehmen.

Wir wissen, dass all die Bilder auf der Leinwand aus Licht bestehen, aber wir sind uns in der Regel, des Lichtes selbst nicht bewusst – unsere Aufmerksamkeit ist verfangen in den Bildern und in den Geschichten, die sie erzählen. In der gleichen Weise wissen wir, dass wir bewusst sind, aber wir nehmen in der Regel nur die vielen unterschiedlichen Wahrnehmungen, Gedanken und Gefühle wahr, die im Geist erscheinen. Wir sind uns selten des Bewusstseins selbst bewusst.

Alle Phänomene sind Projektionen im Mind.
– Der dritte Karmapa

 

Keine Materie?

Proton MaterieObwohl wir die äußere Welt nicht direkt erkennen können, können wir doch Schlüsse aus unseren Erfahrungen ziehen, wie sie aussehen könnte. Das ist im Wesentlichen der Fokus all unserer wissenschaftlichen Bemühungen. Wissenschaftler haben versucht, das Funktionieren der Welt um uns herum zu verstehen und Rückschlüsse auf seine wahre Natur zu ziehen.

Zur Überraschung vieler hat sich die Welt „da draußen“ als gänzlich unähnlich unserer Erfahrung herausgestellt. Betrachten wir unsere Erfahrung der Farbe Grün: In der physischen Welt gibt es Licht einer bestimmten Frequenz, aber das Licht selbst ist nicht grün. Auch nicht die elektrischen Impulse, die vom Auge an das Gehirn weitergeleitet werden. Es gibt keine Farben. Das Grün, das wir sehen, ist eine Qualität, die erst im Geist als Reaktion auf eine Frequenz des Lichts entsteht. Es existiert nur als subjektive Erfahrung im Geist.

Das Gleiche gilt für Klang. Ich höre die Musik einer Geige, aber der Klang, den ich höre, ist eine Qualität, die im Geist entsteht. Es gibt keinen Ton als solchen in der Außenwelt, nur vibrierende Luftmoleküle. Der Duft einer Rose existiert nicht ohne einen erlebenden Geist – nur Moleküle einer bestimmten Form.

Das Gleiche gilt auch für die Solidität, die wir in der Materie erleben. Unsere Erfahrung der Welt ist sicherlich eine Erfahrung der Festigkeit – so dass wir davon ausgehen, dass „Ding an sich“ müsste ebenso solide sein. Für 2000 Jahre glaubte man, dass Atome winzige feste Kügelchen wären – ein Modell, dass deutlich der alltäglichen Erfahrungen entlehnt wurde. Dann, als Physiker entdeckten, dass die Atome aus elementaren, subatomaren Teilchen (Elektronen, Protonen, Neutronen und dergleichen) aufgebaut sind, verschob sich das Modell zu einem zentralen Kern und ihn umkreisenden Elektronen – wieder ein Modell aus der Erfahrung.

Ein Atom ist zwar klein, nur ein Milliardstel von einem Zoll im Durchmesser, aber die subatomaren Teilchen sind noch hunderttausendmal kleiner. Stellen Sie sich den Kern eines Atoms vor, vergrößert auf die Größe eines Golfballs. Das ganze Atom hätte dann die Größe eines Fußballstadions, und die Elektronen flögen wie Erbsen rund um die Tribünen. Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts drückte es der britische Physiker Sir Arthur Eddington so aus: „Materie ist größtenteils gespenstisch leerer Raum.“ Um genauer zu sein, ist sie 99.9999999% leerer Raum.

Mit der Entwicklung der Quantentheorie, haben die Physiker herausgefunden, dass sogar subatomare Teilchen weit davon entfernt sind, fest zu sein. In der Tat, sie sind in nichts der Materie ähnlich, wie wir sie kennen. Man kann sie nicht genau bestimmen oder messen. Einen großen Teil der Zeit scheinen sie mehr Wellen als Teilchen zu sein. Sie sind wie neblige Wolken von potenzieller Existenz, ohne eine bestimmte Position. Was immer Materie ist, sie hat wenig, wenn überhaupt irgendeine, Substanz.

Unsere Vorstellung von Materie als einer festen Substanz ist, wie die Farbe Grün, eine Qualität, die erst im Bewusstsein erscheint.

Was immer Materie ist, sie ist nicht aus Materie gemacht.
– Prof. Hans-Peter Dürr

 

Raumzeit und Energie

Einsteins Arbeit zeigte, dass auch Raum und Zeit keine absoluten Größen sind. Sie variieren je nach der Bewegung des Beobachters. Wenn Sie sich schnell an mir vorbei bewegen, und wir beide messen den Abstand und die Zeit zwischen zwei Ereignissen, ein Auto das von einem Ende einer Straße zur anderen fährt zum Beispiel, dann würden sie messen, dass das Auto weniger Strecke in kürzerer Zeit fuhr, als ich es messen würde. Komisch? Ja, und fast unvorstellbar für uns.

Kant sah dies schon hundert Jahre vor Einstein. Er folgerte, dass Raum und Zeit der dimensionale Rahmen sind, in dem der Geist seine Erfahrungen aufbaut. Sie sind in den Wahrnehmungs-Prozess eingebaut, und wir können nicht umhin, in Bezug auf Raum und Zeit zu denken. Aber sie sind keine Aspekte der objektiven Realität. Diese Realität ist nach Einstein etwas anderes, was er „Raumzeit“ genannt hat. Wenn sie beobachtet wird, erscheint die Raumzeit als eine bestimmte Menge an Raum und einer gewissen Zeit. Aber wie viel davon als Raum wahrgenommen wird und wie viel als Zeit, ist nicht festgelegt, sondern hängt von der Bewegungsgeschwindigkeit des Beobachters ab.

Wenn Raum, Zeit und Materie keinen absoluten Status haben, was ist dann mit Energie? Die Physiker tun sich schwer zu sagen, was genau Energie ist. Sie ist definiert als das Potenzial, Arbeit zu tun, das heißt das Potenzial, Veränderung zu schaffen. Die Energie kommt in vielen verschiedenen Formen vor: potenzielle Energie, kinetische Energie, chemische Energie, elektrische Energie, Wärmeenergie, Strahlungsenergie. Aber wir messen nie Energie als solche, sondern nur die Veränderungen, die wir der Energie zuschreiben.

Energie, wird oft gesagt, wäre eine grundlegende Eigenschaft des Kosmos. Aber auch das erweist sich als ein Irrtum. Nach der speziellen Relativitätstheorie sind Masse und Energie austauschbar, im Verhältnis von Einsteins berühmter Gleichung E = mc2. Beobachter mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten würden sich in ihren Messungen unterscheiden, wie viel Energie ein Objekt hat.

Was ist Schwingung und Frequenz? Wieder ein anderes Modell aus der Erfahrung, das zum Beispiel auf Photonen übertragen wurde. Es ist höchst unwahrscheinlich, dass ein Photon eine Frequenz hat, so wie wir darüber denken. Tatsächlich ist auch die Idee eines Photons ein weiteres Beispiel dafür, wie wir unsere Erfahrungen in die Außenwelt projizieren. Wir erleben Partikel, und so stellen wir uns vor, Licht könnte ein Teilchen sein. Wir haben auch die Erfahrung von Wellen, und so stellen wir uns das Licht als Welle vor. Manchmal scheint für Licht die eine Beschreibung, ein anderes Mal die andere zu passen. Es ist viel wahrscheinlicher, dass das Licht weder Welle noch Teilchen ist.

Zusammenfassend bis hierher: Unsere ganze Erfahrung ist eine Konstruktion im Mind, eine Form, die in Bewusstsein erscheint. Diese geistigen Formen sind nicht von physischer Substanz, sondern aus Geist-Stoff gemacht. Wir stellen uns vor, dass die Welt da draußen so wäre, wie die Formen, die im Bewusstsein erscheinen, aber es stellt sich heraus, dass sie in fast jedem Aspekt überhaupt nicht den Bildern gleicht, die sie im Mind erzeugt. Was uns als grundlegende Dimensionen und Attribute der physischen Welt erscheint – Raum, Zeit, Materie und Energie – sind eigentlich nur die grundlegenden Dimensionen und Eigenschaften der Formen, die im Bewusstsein erscheinen.

Materie ist aus Geist gemacht, nicht Geist aus Materie.
-Das tibetische Buch der großen Befreiung

 

Panpsychismus

Ervin Laszlo hat die These des Panpsychismus aufgestellt: die Hypothese, dass Bewusstsein nicht spezifisch nur bei Menschen oder höheren Tieren oder sogar Kreaturen mit Nervensystem vorkommt. Es ist in allem. Er gibt sich Mühe, darauf hinzuweisen, dass dies nicht impliziert, dass einfachere Systeme Gedanken oder Gefühle hätten, oder eine der sonstigen geistigen Funktionen, die wir mit Bewusstsein gleichsetzten. Es heißt nur, dass die Kapazität für Bewusstsein besteht, in irgendeiner Form, sei es noch so schwach. Selbst ein bescheidenes Bakterium hat einen Schimmer von dem inneren Licht – vielleicht nur ein Milliardstel des inneren Lichtes, das wir kennen, aber eben nicht überhaupt nichts.

Das aktuelle wissenschaftliche Paradigma geht vom genauen Gegenteil aus – Materie selbst ist völlig gefühllos, ist völlig frei von der Fähigkeit zur Erfahrung. Das Bewusstsein entsteht erst mit der Entwicklung von komplexen Nervensystemen. Das Problem mit dieser Ansicht – David Chalmers „schwieriges Problem des Bewusstseins“ – ist zu erklären, wie bewusste Erfahrung jemals aus unbewusster Materie entstehen kann. Warum läuft nicht alle neuronale Verarbeitung „in der Dunkelheit“?

Ervin argumentiert, dass die einzig vertretbare Antwort sei – auch wenn sie ein Gräuel für die aktuelle wissenschaftliche Weltsicht ist – dass die Fähigkeit zur inneren Erfahrung nicht plötzlich, wie von Geisterhand auftaucht, sobald ein bestimmtes Maß an Komplexität entstanden ist. Sondern das Potenzial für die innere Erfahrung ist schon immer dagewesen.

 

Zwei Aspekte oder Einer?

Panpsychismus wird in der Regel so gedeutet, dass alles zwei Aspekte hat. Einer ist der physische Aspekt, das, was wir von außen beobachten können. Und es gibt einen mentalen Aspekt, die Erfahrungen aus dem Inneren. Für eine lange Zeit ging ich konform mit diesem doppelten Aspekt. Aber vor Kurzem habe ich begonnen, ihn in Frage zu stellen. Ich habe nicht in Frage gestellt, ob es wirklich einen mentalen Aspekt gibt – die Frage, welche wohl die meisten Menschen stellen würden. Ich habe begonnen, mich zu fragen, ob es überhaupt einen physischen Aspekt gibt. Ich weiß, das ist zu radikal für viele, aber lassen Sie mich kurz über die Gründe für diesen Vorschlag und seine Auswirkungen sprechen.

Jedes Mal, wenn wir versuchen, den physischen Aspekt festzunageln, stehen wir mit leeren Händen da. Jede Idee, die wir je von der physischen Welt gehabt haben, hat sich als falsch herausgestellt, und der Begriff der Materialität scheint sich vor unseren Augen zu verdampfen. Aber unser Glaube an die materielle Welt ist so tief verwurzelt, und wird so kraftvoll durch unsere Erfahrung verstärkt, dass wir uns an die Annahme klammern, dass es irgendeine physische Wirklichkeit geben muss. Wie die mittelalterlichen Astronomen, die ihre Annahme, dass die Erde der Mittelpunkt des Universums ist, nie in Frage stellten, haben wir nie unsere Annahme in Frage gestellt, dass die äußere Welt physischer Natur ist. Tatsächlich war es ziemlich erschreckend für mich, als ich merkte, dass die Antwort uns geradezu ins Gesicht starrt. Vielleicht gibt es wirklich nichts. Kein „Ding“, was ist. Keinen physischen Aspekt. Vielleicht gibt es nur einen mentalen Aspekt.

Alles ist Geist

Wir müssten uns das Akasha-Feld dann als ein Feld denken, das ausschließlich geistiger Natur ist. Sein Wesen ist das Wesen des Geistes. Es ist schwer vorstellbar, ich weiß. In der Tat ist alles, was wir uns vorstellen können, Formen, die sich in unserem Mind bilden. Wir können uns das Bewusstsein selbst nicht vorstellen. Es ist der Vorsteller, in dem die Vorstellungen entstehen. Es ist wahrscheinlich am besten, gar nicht zu versuchen, sich vorzustellen, was ein mentales Feld ist, denn wir lägen sicherlich genauso falsch wie wenn wir versuchen, uns Quanten vorzustellen, oder Raumzeit.

Alles, was wir darüber sagen können ist, dass es kein einheitliches Feld ist. Es muss Unterscheidungen irgendwelcher Art darin geben, denn es sind diese Variationen, die der Ursprung unserer Wahrnehmung der Welt sind. Gäbe es keine Veränderungen im Feld, gäbe es nichts zu beobachten, nichts zu erleben.

Die Schwankungen in diesem Feld sind die „Objekte“ unserer Wahrnehmung. Aber sie sind keine Objekte im Sinne eines materiellen Objekts. Sie werden erst im Mind des Betrachters zu materiellen Objekten. Es scheint dann ein materielles „Ding“ da draußen zu geben. Wir gehen dann einfach davon aus, dass die Körperlichkeit die wir erfahren, die so wesentlich ist für die Welt, die wir zu kennen scheinen, auch ein intrinsischer Aspekt der Außenwelt sein muss.

Auch wenn es möglicherweise keine physische Grundlage für die äußere Welt gibt, blieben die Gesetze der Physik immer noch wahr. Das Einzige, was sich ändert, ist unsere Annahme von dem, was wir da messen. Wir messen keine physikalischen Teilchen oder Ähnliches, sondern Perturbationen im Akasha-Feld. Die Gesetze der „Physik“ werden die Gesetze, welche die Entfaltung eines geistigen Feldes bestimmen, Reflexionen davon, wie Unruhen in diesem Feld interagieren.

Was wir als ein Elementarteilchen bezeichnen, würde dann einer elementaren Variation im Feld entsprechen. Wir könnten es besser eine elementare Einheit nennen, als ein Teilchen. Elementare Einheiten sind in Atomen, Molekülen, Zellen und dergleichen organisiert, ebenso wie im aktuellen Paradigma. Der Unterschied ist, dass wir nicht mehr annehmen, Bewusstsein nähme Materie war (mit all den Schwierigkeiten, wie das Physische das Mentale beeinflusst), das Bewusstsein nimmt jetzt direkt Bewusstsein war.

Interaktion könnte nun als Wahrnehmung verstanden werden – die Wahrnehmung einer Region im Geist-Feld durch eine andere. In der aktuellen Sicht wird jede Interaktion durch ein Wirkungsquantum (eine inter-Aktion) vermittelt. In dieser alternativen Betrachtungsweise wäre das kleinste Element eine Einheit von Wahrnehmung, eine Einheit der Erfahrung selbst. Es wäre ein Quant des Bewusstseins, ein Quant chitta.

In der physischen Welt unserer Erfahrung haben wir Aktion als eine grundlegende Qualität ausgemacht. In dieser alternativen Betrachtungsweise wäre das immer noch wahr. Bewusstsein wirkt, wenn es Gestalt annimmt. Ein Wirkungsquantum ist ein Quant von Erfahrung, ein Quantum chitta.

Wir können nun beginnen, zu verstehen, warum die materielle Welt ohne Bewusstsein zu sein scheint. Die Qualitäten, die im Mind auftauchen – Farbe, Klang, Geruch, Substanz, oder was auch immer – werden zu Gegenstände der Wahrnehmung zur „materiellen Welt“. Aber es gibt keine Spur von Bewusstsein selbst in diesen Bildern der Materie, die im Geist erscheinen. Wenn wir einen Film ansehen, kann das Bild auf dem Bildschirm aus Licht sein, aber es gibt keinen Beweis innerhalb der sich entfaltenden Geschichte, dass dies der Fall wäre. Die Formen, die im Kopf entstehen, geben keinen Hinweis in sich, dass sie alle Manifestationen von Geist-Stoff sind. Sie scheinen etwas anderes zu sein als Bewusstsein. Und so sind wir davon ausgegangen, dass der Stoff der Welt „da draußen“ – der Materie-Stoff – unbewusst wäre.

Physik ist die Untersuchung der Struktur des Bewusstseins.
Der „Stoff“ der Welt ist Geiststoff
– Sir Arthur Eddington

 

Das schwierige Problem des Bewusstseins

Die schwierige Frage, wie unbewusste Materie jemals Bewusstsein hervorbringen kann, ist nun auf den Kopf gestellt. Es gibt keine unbewusste Materie, außer der, die im Mind erscheint. Die Frage ist nun: Wie nimmt der Geist all diese Qualitäten an, die wir erleben, einschließlich der Materie?

Diese Frage wird am besten durch direkte Wahrnehmung beantwortet, indem das Licht des Bewusstseins auf es selbst gerichtet wird, durch die Beobachtung der Natur des Geistes aus erster Hand. Diejenigen, die diesen Weg gewählt haben, sind die großen Mystiker, Yogis, Seher, Heiligen, Rishis und Roshis, die wir überall in der Geschichte der Menschheit finden.

Trotz der Unterschiede in Zeit und Kultur kamen sie zu bemerkenswert ähnlichen Schlüssen. Diese Schlussfolgerungen ergeben jedoch wenig Sinn für den zeitgenössischen westlichen Geist. In den meisten Fällen scheinen sie so im Widerspruch zur aktuellen wissenschaftlichen Weltsicht, dass sie von der Hand weg abgelehnt werden – und mit ihnen jede Glaubwürdigkeit der Spiritualität im Allgemeinen.

Betrachten Sie zum Beispiel eine Aussage von Baba Muktananda „Du bist das gesamte Universum. Du bist sind in allem, und alles ist in dir. Sonne, Mond und Sterne kreisen in dir.“ Die meisten Menschen wären verblüfft, wenn nicht verwirrt. Es verstößt eindeutig gegen das zeitgenössische Weltbild, in dem ich ein kleiner Punkt in einem Universum bin, um den sich alles andere dreht. Muktananda scheint genau das Gegenteil zu sagen. Möglicherweise, so könnten wir vermuten, ein Geist, der verwirrt ist durch zu viel Meditation.

Allerdings, wenn wir es betrachten im Hinblick auf eine intime persönliche Bekanntschaft mit dem Auftreten der psychischen Erscheinungen, und damit unserer ganzen Welt, macht es sehr viel mehr Sinn. Jede Erfahrung, jede Sache, die wir jemals wissen, findet in uns statt.

Ebenso, wenn wir die Schöpfungsmythen solcher Völker lesen, werden wir sie wahrscheinlich in Hinblick darauf interpretieren, wie die physische Welt geschaffen wurde. In gewissem Sinne ist das korrekt. Aber sie sprechen von der physischen Welt, wie sie im Geist erscheint – wie sie dort kontinuierlich erzeugt wird.

Die Ashtavakra Gita, ein hoch verehrter indischer Text, sagt: „So wird auch das phänomenale Universum, das in Mir entsteht, vollständig von Mir durchdrungen… so, wie sich eine Welle in Wasser auflöst, so wird auch das phänomenale Universum, das in Mir erschaffen wurde, sich in Mir auflösen.“ Kaum verständlich – außer wir verstehen es aus der Sicht des Bewusstseins.

„Im Anfang war Logos.“ Oft als „das Wort“ übersetzt, bedeutet Logos auch „Gedanke oder Essenz“. Im Anfang war die geistige Essenz, chitta.

„Sei still und wisse, ich bin Gott.“ ist nicht unbedingt eine Anweisung, aufzuhören, sich zu bewegen und zu erkennen, dass die sprechende Person der Schöpfer des ganzen Kosmos ist. Es ist viel wahrscheinlicher ein Ansporn, den Geist zur Ruhe zu bringen – in den Worten des großen Yogi Patanjali: „lass das manifestierende chitta sich beruhigen“ – und entdecke durch direktes Wissen, dass das „Ich“, das allgegenwärtige, sich nie ändernde innerste Wesen des eigenen Geistes, die Essenz von allem ist.

Es ist dies, worin ich persönlich eine Wiederverzauberung des Kosmos finde. Wenn unser eigenes Wesen göttlich ist, und wenn es das Wesen des Bewusstseins ist, in allem zu sein, überall, dann ist alles göttlich. Panpsychismus wird Pantheismus. Es spielt keine Rolle, ob wir es universeller Geist, Allah, Gott, Jehova, der Große Geist, oder das Quantum Vacuum Field nennen – wir sind alle aus derselben Essenz.

Dies erhebt meine Ehrfurcht für die Welt, in der ich lebe, oder zu leben scheine. Wenn ich bedenke, dass – trotz allem gegenteiligem Anschein – diese Welt bei genauer Analyse letztlich von der gleichen Essenz ist wie mein eigenes Wesen, dann bin ich mit Staunen erfüllt. Alles ist neu verzaubert.

 

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Cartesian Theatre: Jennifer Garcia

Proton: SLAC National Accelerator Laboratory

Vishnu: Steve Jurvetson

Alle anderen: NASA

 

9 Responses

  1. b lö
    ...

    Das Bewusstsein kann man nur so weit verstehen, wie man es definiert.
    Ich bin der Meinung, dass Bewusstsein für unser menschlich bedingtes Verstehen unbedingt auf etwas Bestimmtes, eindeutig Benennbares zurückgeführt werden muss. Dies Bestimmte kann nur ein direkt greifbarer Sachverhalt im Rahmen unseres eng begrenzten menschlichen Verstehenshorizontes sein, denn sonst wäre jede auch noch so gelungene Erklärung nichts mehr als eine bessere Abstraktion.
    Damit wäre dann auch niemand geholfen, denn was nützt eine schlüssige Erklärung, wenn kein Mensch sie versteht?
    Ich habe mich mit der Frage nach dem. was unser Bewusstsein konstituiert, lange auseinandergesetzt und bin noch nicht einmal in die Nähe einer schlüssigen Erklärung gekommen. In Ermangelung anderer nachvollziehbarer „Zutaten“ habe ich mich nur mit den Gegebenheiten Raum und Zeit auseinandergesetzt, die im Bedarfsfall auch dem physikalischen Paradigma eingepasst werden können.
    Der Weisheit vorläufig letzter Schluss ist meines Erachtens, dass Bewusstsein auf nicht weiter erklärbare Weise aus dem zeitlich gestaffelten Auftreten von neuronalen Aktivitäten im Gehirn entsteht (wie man so gerne sagt, „emergiert“). Es ist dabei in keiner letzgültigen und zufriedenstellenden Art und Weise reduzierbar auf die Art und Qualität der biologischen Prozesse.
    Ich vermeide mit dieser Stossrichtung ALLE bisher bestehenden Verständnisbarrieren in puncto Bewusstsein:
    1. Die Annahme, dass man Bewusstsein lokalisieren könnte oder müsste. (Dualismus)
    2 Die Annahme, dass Bewusstsein unabhängig von seiner Trägersubstanz besteht.(Dualismus, nur die andere Seite der Medaille)
    3. Die in der Tat verhängnisvolle und geradezu dümmliche Annahame, dass Bewusstsein und Materie in irgend einer Weise miteinander korrespondieren müssten (Holismus)

    Ich hoffe, dass irgendjemand diese Erläuterungen mit Gewinn liest oder sich zumindest dazu durchringt, das Ganze einmal genau zu bedenken, bevor er gleich die ganzen Upanischaden zur Erklärung herbeizitiert.
    Meine Herren, wir leben nicht umsonst im 21. Jahrhundert. Denkt bitte etwas weiter als die Leute vor euch.

    Antworten
  2. Thomas

    Es gibt auch das allumfassende bewusstsein. Bewusstsein umfasst erfahrungen die uns von kleinauf prägen. Deswegen gibts auch die metakognition und spaces zwischen der materie. Oder was meint ihr warum es manchmall missverständnisse gibt. Wenn etwas im licht verschwindet dann taucht es am nächsten tag wieder auf. Deswegen ist z.B. ein Baum immernoch ein Baum den alle lebewesen fassen es höchstwahrscheinlich immernoch so auf. Es formt sich nur das zur realität was wir aus allen sinnen gleichzeitig wahrnehmen können oder zumindest aus den für uns wichtigsten. Die Psyche ist ein geflecht das aus sinneseindrücken die durch bestimmte signale miteinander vernetzt sind und den auf gefühlsebene empfindbaren ausdrücken die sich zu einer realität verschmelzen entstehen. Deshalb sind auch sinngemäß erfahrungen mit werten gleichzusetzen da es keine zeit gibt. Zeit ist ein konstrukt des menschen und ist subjektiv wahrgenommen oder habt ihr festgestellt dass es dem einem gut tut am bahnhof zu warten oder der andere sich hineinstresst.Oder haben insekten ne andere wahrnehmung als wir. Grob gesehen vllt schon aber es ist wissenschaftlich nachgewiesen dass es tiere mit anderen sinnesfeldern gibt.Vielleicht lässt sich daraus eruieren was dunkle materie ist oder warum schwarze löcher eine geringe masse haben. Vllt unterscheidet uns nicht vieles von der restlichen natur. Vllt ist dunkle energie ja einfach weniger wert weil sie einfach ein anderes potential hat und deshalb von uns nicht objektivistisch durch experimentelle formen nachgewiesen werden kann.

    Antworten
  3. mcm1985

    Der Text ist Sau Gut, bestätigt auch meine Erfahrung dadurch das alles mit allem Verbunden ist theoretisch alles greifbar betrifft Gedanken Möglichkeiten
    im Grunde genommen ist das Leben (All,Sterne,Sonnen ect)ein Geistiger Superorganismus der sich ständig verändert und neu erfindet

    ich bin auch der Meinung das die Evolution nicht nur auf biologisch nachvollziehbare weise funktioniert sondern sich bewusst oder unbewusst perfekt anpasst,Geistig Materiell Geistig Materiell usw

    das leben sucht das leben
    und es sicherlich nicht müde dabei alle Gesetze und Möglichkeiten auszureizen wenn nicht gar zu überschreiten auch abseits des Menschlichen Denkvermögens,
    der endgültige Tod ist im Grunde genommen auch nur eine Menschliche Wahrnehmung denn beim Sterben wird letztendlich einfach nur Energie versetzt vor dem leben war man ja auch schon Tod nur durch das leben ist der Tod einem bewusst geworden

    ,das Sterben ist wohl eher eine formation in einen anderen Zustand in was auch immer oder dem text angepasst eine Bewusstseinsveränderung wie aus alt mach neu, was es nicht weniger Dramatisch macht

    Antworten
  4. Gerold Scheritzko

    da sich bisher keiner gemeldet hat erhöhe ich den einsatz auf 100€

    reloaded:
    http://wendepunkt2083.wordpress.com/2011/10/05/schlagschatten-erklarungsversuch/
    http://wendepunkt2083.wordpress.com/2011/10/05/schlagschatten/

    Antworten
  5. WellenbeobachterHH

    @ AJNA
    Worin genau liegt der Unterschied zwischen „Erkennen“ und „Erkenntnis (Wissenschaft)“???

    „Erkennen“ ist meines Erachtens der Vorgang der Reflexion an sich und ganz allgemein. „Erkenntnis“ hingegen die konkrete Ursache bzw. das Wesen hinter einer äußeren Erscheinung zu verstehen, oder?

    Antworten
  6. AJNA

    Sehr theoretisch mutet dieser Artikel an. Es ist unwichtig zu diskutieren, was zuerst da oder was wichtiger ist: Geist oder Materie. Dies zeugt noch von einem Trennungsdenken. Wirklich wesentlich ist, beides gleichzeitig und ungetrennt zu erkennen. Und das Erkennen ist auch nicht mit der Erkenntnis (Wissenschaft) zu verwechseln.

    Antworten
  7. io

    ich als (mensch-) bewusstsein beschreibe eine realittät durch sinneswahrnehmung etc… gut – daher entsteht diese realität auch…

    wenn diese realität nur durch unser bewusst- und deren beschriebensein entstünde – und niemand kann das gegenteil behaupten – den jeder der mir hier antwortet ist ja da und beschreibt diese realität durch seine antwort…

    dann ist die ach so einfache schlussfolgerung – dass unsere existenz von einem bewusstsein wahregenommen und beschrieben werden muss!

    so wie oben so unten!

    wir sitzen in der blackbox und sind die ganze zeit damit beschäftigt die blackbox zu verstehen bzw. zu beschreiben…. 🙂

    wenn man erkennt dass man in der blackbox sitzt – will man die box verlassen…

    wie kann man das verfolgen:

    z.B. durch meditation und der auflösung dieses levels der wahnehmung in totaler konzentration…

    mein (kleiner affen-)mind produziert permanent die realität die ich kenne – hört dieser zu existieren auf (durch welche methode auch immer) ist sozusagen der aktuelle filter von der wahrnehmungskamera weggenommen – auf zum next level of consciousness usw.usw.

    lg io

    Antworten
  8. WellenbeobachterHH

    Naja, naja, naja…klingt alles nett…ist aber letztlich sehr viel geistiger Wind um einen alten Hut. Das alles nur subjektive Wahrnehmungsbilder /-muster sind liegt doch auf der Hand, setzt aber stets voraus, dass es objektiv und außerhalb unseres geistigen Selbst etwas eben muss, woraus Bezug genommen werden kann.

    Einfaches Beispiel: …inmitten einer kunterbunten, lauten und belebten Stadt wird ein großer Black-Box-Würfel aufgestellt…lichtdicht, schalldicht, geruchsdicht, vibrationslos, absolut abgeschirmt vom ganzen Trubel drum herum. Darin befindet sich eine Person, die nicht vom bunten Stadtleben draußen herum weiß. Was nun?

    Erschafft nun etwa sein Geist die Stille und Abgeschiedenheit? Oder etwa das Stadtleben drum herum? Oder die Black-Box mit der Stadt darum? Nein, nichts von alledem. Alles ist für sich gesehen als auch zusammen objektive, also vom Bewusstsein als ursächlichen Beweggrund, eine völlig getrennte Realität. Der Geist der Versuchsperson in der Box kann immer nur über seine Sinne das widerspiegeln, was er anteilig von all dem wahrnehmen kann – nämlich in diesem Fall nur die innere Leere und den eigenen Puls, Herzschlag, die eigenen Gedanken usw. Die eigene physische Existenz ist dann aber eben gerade nicht nur eine bewusstseinsmäßige Widerspiegelung, sondern existiert real; andernfalls wäre die Selbstwahrnehmung wohl kaum möglich, oder?

    Bewusstsein kann sich also immer nur entwickeln als Reaktion auf etwas, was schon vorher da sein muss. Dieser reflexive Entwicklungsprozeß ist die „Evolution des Bewusstseins“. Das macht für mich Spiritualität aus. Da gibt es nichts wirklich Mystisches daran, sondern nur noch unentdeckte Wahrheiten, Wissenslücken, die durch zukünftige Erkenntnisse aus ebendiesen Reflexionsprozessen noch zu füllen sind. Unser Geist kann das Sein erkennen oder eben auch nicht. Das Sein ist immer schon da, egal ob wir es schon erkannt haben. Nichts anderes meint übrigens Materialismus. In diesem Sinne stimmt der Satz: „Physik ist die Untersuchung der Struktur des Bewusstseins.“… …also quasi den erreichten Stand der Reflexion. Man könnte auch sagen – alles im Universum basiert auf Kausalität – Ursache und Wirkung – Aktion und Reaktion. Es gibt nichts außerhalb davon. Und ohne die Mühe der Reflexionserfahrung, Speicherung und Verarbeitung von Informationen würde alles im Zustand lebloser Materie bleiben.

    Natürlich ist es dann ebenso denkbar, dass zumindest auch die Ebene auf der sich alles Bewusstsein überhaupt entwickeln kann, schon vorher da sein muss. Diese Ebene gehört dann also quasi zum Aufbau der Materie dazu. Vielleicht schließt sich ja so der Kreis zu dem, was der Autor meint…

    Antworten

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