Die Transformation zu einem glücklichen Leben liegt in unseren eigenen Händen. Warum das Glück im Außen suchen, wenn wir selbst mit Jin Shin Jyutsu „Hand anlegen“ können?

von Matthias Bergmann

Jin Shin Jyutsu wurde vor hundert Jahren in Japan wiederentdeckt und kontinuierlich weiterentwickelt. Diese Heilkunst zeigt, wie wir, indem wir unsere Hände an bestimmte Stellen am Körper legen, ganz einfach wieder in Harmonie mit uns selbst kommen können. Jin Shin Jyutsu geht davon aus, dass wir uns verknotet und unglücklich fühlen, wenn das Qi, unsere innerste und tiefste Lebensenergie, nicht frei durch den Körper fließen kann. Unser Unwohlsein legt sich, sobald wir wieder „in Fluss kommen“. Nur: Wie geht das?

Es gibt drei Ebenen, die einer Klärung bedürfen, um Glück zu erfahren:
1. Die körperliche Ebene, bei der es vor allem um optimale Ernährung und Bewegung geht.
2. Die psychische oder geistige Ebene: Hier geht es um unsere Einstellung zum Leben. Ist das Glas für uns halb voll oder halb leer? Sind wir wahrhaftig in uns und in unserem Ausdruck?
3. Die energetische Ebene – darum soll es in diesem Artikel gehen.

Das große Strömen

Man kann sich den Körper als ein Netz von Strömen, Flüssen und Bächen vorstellen. Allerdings fließt in diesem Netz kein Wasser, sondern Qi – Lebensenergie. Die großen Energie- Ströme – bildlich gesehen also der Rhein, die Donau und die Elbe des Körpers – sind in der traditionellen chinesischen Medizin die zwölf Meridiane. Im Jin Shin Jyutsu werden sie Organströme genannt. Darüber hinaus gibt es noch endlos viele kleine Flüsse und Bäche – im Jin Shin Jyutsu heißen sie Spezialströme. Diese kleinen Energiekanäle verbinden alle Zellen untereinander und mit den großen Strömen. Überall in diesen Energiekanälen können sich Blockaden bilden – das ist, als hätten wir Staudämme im Körper. Vor dem Hindernis staut sich die Energie und wir bekommen dort Symptome von Fülle, zum Beispiel Schwellungen. Hinter dem Staudamm werden dagegen Symptome der Leere auftauchen, zum Beispiel schwache Beine, wenn sich der Stau in der Leiste befindet. Das alles kann die traditionelle chinesische Medizin wunderbar wieder in Fluss bringen. Jin Shin Jyutsu geht allerdings noch einen großen Schritt weiter, denn es arbeitet mit den feinstofflichen Energiekanälen, die den Meridianen sozusagen noch vorgeschaltet sind. Diese Ströme versorgen die Meridiane mit der richtigen Menge an Energie.

Um beim Bild des Wassers und der Flüsse zu bleiben: Jin Shin Jyutsu ist die Kunst, den Regen optimal über dem Land zu verteilen, so dass kein Strom oder Bach, kein Meridian austrocknet oder überläuft.

Der natürliche Fluss des Qi

Als Lebewesen nehmen wir ständig Qi aus vielen Quellen auf, zum Beispiel über den Atem, die Ernährung und durch guten Schlaf. Zusätzlich erhalten wir auch kosmische Energie direkt aus der Umgebung. Wie nun „baut“ das aufgenommene Qi unseren Körper auf?

Um den Fluss der Energie zu verstehen, können wir uns das Bild eines Springbrunnens mit fünf Stufen vorstellen:
1. Der erste Energiestrom, in welchem das Qi im Menschen zu fließen beginnt, ist der Hauptzentralstrom. Er läuft entlang unserer Längs-Mittellinie hinten an der Wirbelsäule hinauf und vorne wieder hinunter. Wenn dieser Strom frei fließt, kommt überall ausreichend Energie an. Der Hauptzentralstrom ist wie die oberste Stufe des Brunnens und die Grundlage dafür, dass die tieferen Stufen ausreichend mit Wasser/Energie versorgt werden.

2. Aus dem Hauptzentralstrom fließt die Energie weiter auf die nächste Stufe, in den linken und dem rechten Betreuerstrom. Diese beiden Ströme fließen an der Körpervorderseite hinunter bis zu den großen Zehen und an der Rückseite des Körpers wieder hinauf und „betreuen“ dabei die linke und rechte Seite des Körpers.

3. Dann fließt das Qi auf die dritte Stufe, in den linken und rechten Vermittlerstrom. Dieser zweigeteilte Strom vermittelt zwischen der linken und der rechten Körperhälfte, indem er die Mittellinie kreuzt. Er fließt auch in die Arme. Mit diesen feinstofflichen Energieströmen – Hauptzentralstrom, Betreuerstrom und Vermittlerstrom – arbeitet Jin Shin Jyutsu. Mit den folgenden letzten beiden Stufen verlassen wir die feinstoffliche Ebene, das Qi kommt jetzt auf der körperlichen Ebene an und versorgt

4. mit den Organströmen den ganzen Körper und

5. mit den Spezialströmen jede Zelle des Körpers.

So wird der Körper mit kosmischer Energie aufgebaut, versorgt und regeneriert. Dieses Wissen ist einmalig und nur bei Jin Shin Jyutsu zu finden. Dadurch haben wir im Jin Shin Jyutsu neue Möglichkeiten, den Fluss des Qi auf einer viel tieferen Ebene zu harmonisieren als nur über die Behandlung der Meridiane, wie es in der traditionellen chinesischen Medizin gemacht wird. Um diese Harmonisierung zu erreichen, werden die Hände, ohne Druck auszuüben, ganz einfach an bestimmten Orten des Körpers aufgelegt.

Transformations-Übungen für jeden Tag

1. Haupt-Glück

Wie verhilft mir Jin Shin Jyutsu nun zu Transformation und Glück?

Als Erstes geht es darum, sich jeden Tag um die oberste Ebene des Springbrunnens zu kümmern, den Hauptzentralstrom. Die einfachste Methode, ihn zu aktivieren und zu harmonisieren, besteht aus zwei Schritten. Du kannst dabei die Fingerspitzen oder die ganze Hand benutzen. Mache jeden Schritt für einige Minuten und achte drauf, ob sich dabei ein Pulsieren in deinen Händen einstellt. Diese Griffe sind bequem im Liegen zu machen.
1. Lege die rechte Hand auf den Scheitel, das siebente Chakra, und die linke Hand auf das dritte Auge, das sechste Chakra, das sich ungefähr zwischen den Augenbrauen befindet. Mit diesem Schritt gibst du der kosmischen Energie die Richtung vor, vorne am Körper nach unten zu fließen. Außerdem entspannt dieser Griff den Geist und das Gehirn.
2. Lege die rechte Hand auf das Steißbein und die linke Hand mittig auf die Oberkante des Schambeins. Damit hilfst du der Energie, hinten am Körper wieder aufzusteigen. Gleichzeitig ist das ein guter Griff, um sich zu erden und das Becken und die Beine mit Energie zu versorgen und sie zu entspannen.

2. Glück in den Fingern

Als Nächstes nehmen wir uns unsere Emotionen vor. Auch diese können sich im Zustand von Fülle oder Leere befinden. Also ist es auch hilfreich, die Emotionen in einen entspannten Zustand zu bringen. Das ist ganz einfach. Die fünf grundsätzlichen Emotionen werden in der traditionellen chinesischen Medizin den fünf Elementen zugeordnet. Jin Shin Jyutsu erklärt zusätzlich auch die Zuordnung der Emotionen und der fünf Elemente zu unseren fünf Fingern. Die Übung dazu: Halte nacheinander alle Finger einzeln jeweils für zwei, drei Minuten. Umschließe jeden deiner zehn Finger sanft und ohne Druck auszuüben mit der anderen Hand. Mache dir eine neue Angewohnheit daraus. Immer wenn du nichts mit den Händen zu tun hast – im Kino, in der Bahn, bei einer Besprechung oder beim Fernsehen –, halte deine Finger, einen nach dem anderen! Du kannst auch zwischendrin damit aufhören und später wieder anfangen. Oder nur ganz bestimmte Finger halten.

Eine Teilnehmerin von mir war Grundschullehrerin und ließ ihre Schüler vor jeder Klassenarbeit für kurze Zeit die Finger für Sorgen und Angst halten – mit großem Erfolg. Wie du es auch machst, ist es gut – ein Falschmachen ist definitiv nicht möglich. Was bewirkt das Halten der einzelnen Finger? Wenn du den Daumen hältst, entspannst du deine Sorgen. „Ich drücke dir die Daumen“ sagen wir beispielsweise, wenn jemand sich wegen einer Prüfung Sorgen macht. Mit dem Halten des Zeigefingers wird Angst harmonisiert. Probier es aus, zum Beispiel beim Zahnarzt. Das Halten des Mittelfingers beruhigt Wut, Ärger und Zorn. Der Ringfinger entspannt Trauer, ist also auch hilfreich bei Depressionen. Der kleine Finger hilft, das Leben entspannter zu sehen, indem wir uns nicht ständig um irgendetwas bemühen, und hilft uns, wahrhaftig zu sein und uns nicht zu verstellen. So entsteht Freude.

3. Orte des Glücks am Körper

Im Jin Shin Jyutsu werden sechsundzwanzig Punkte am Körper zum Halten benutzt. Diese Punkte gibt es jeweils identisch auf beiden Körperseiten. Halte die Punkte möglichst auf beiden Seiten gleichzeitig, am besten jeden Tag, im Liegen oder im Sitzen. Es ist nicht nötig, die Punkte millimetergenau zu treffen. Daher lege am besten die ganze Hand auf die Punkte. Hier findest du eine Auswahl, 14 der 26 Punkte. Suche dir einen aus und halte ihn täglich:

1: An der Innenseite der Knie: Nimm diesen Punkt, wenn dein Leben festgefahren ist und du neuen Schwung brauchst.
2: Am Beckenkamm: Diesen Punkt halten wir oft automatisch. Die Menschen, die ihre Hände in die Hüften stemmen, haben meist einen belasteten Rücken, wie zum Beispiel in der Schwangerschaft. Auch nach dem Rennen halten Athleten diesen Punkt. Er hilft dem Rücken, aber vor allem hilft er dir, deine Balance auf allen Ebenen zu bewahren.
4: Am Schädelrand: Dort sitzt unser Fenster zur geistigen Welt. Halte dort, um offen zu bleiben für die Weite des Seins. Er ist auch gut für die Übergänge im Leben, wie in der Schwangerschaft, nach der Geburt und beim Sterben.
11: Auf der Schulter: „Alles ist mir zu viel, ich trage zu viel Last.“
13: Neben dem Brustbein: für mehr Liebe und bei emotionaler Aufregung.
14: Neben dem Magen am Rippenrand: Stress im Beruf.
5: In der Leistenbeuge, nahe dem Schambein: für mehr Spaß und Lachen im Leben.
17: Am Handgelenk, auf der Kleinfinger-Seite: den Geist entspannen, gut für die Meditation. Im Stehen umfassen wir oft automatisch das Handgelenk. Hyperaktive können wir am Handgelenk halten, um sie zu beruhigen.
19: Am Ellbogen: Dieser Punkt hilft dir, natürliche Autorität auszustrahlen – nicht nur für Lehrer hilfreich.
20: Über den Augenbrauen: für entspanntes Denken und gute Intuition. Diesen Punkt halten wir oft automatisch beim Nachdenken.
21: Wange: für gute Konzentration. Wenn wir uns schon lange Zeit konzentriert haben, stützen wir oft den Kopf in unsere Hände und halten auf diese Weise diesen Punkt.
22: Am Gelenk vom Schlüsselbein mit dem Brustbein: Wenn dir etwas in deinem Leben nicht gefällt, halte diesen Punkt. Er hilft dir, keinen Widerstand gegen die Situation aufzubauen, sondern sie zu verändern, zu verlassen oder zu akzeptieren.
23: Auf den Nieren, hinten an der letzen Rippe, oberhalb der Taille: Der große Punkt bei Angst und um sehr alte Geschichten zu klären. Der Punkt für die Familiensysteme in dir.
26: Hinten an den Achselhöhlen: Lege die Hände in die Achseln und gib dir selbst eine große Umarmung: Das bringt dich in deine Mitte.

Am Beginn meiner Seminare lasse ich oft die Teilnehmer sich selbst umarmen, um erst einmal im Hier und Jetzt anzukommen. Auch bei der Meditation nutze ich oft die Selbst-Umarmung. Mit etwas Übung erkennen wir: Glück ist einfach. Es war schon immer in unserem Körper enthalten. Und das Schöne: Wir können das Glück weitergeben und die gleichen Griffe auch bei unserem Freunden und Liebsten anwenden.

Offener Abend am Mo., 12. August 2019, um 19 Uhr.
Eintritt frei, bitte anmelden.
Selbsthilfekurs und Einführungswochenende am 17. und 18. August 2019
Jin-Shin-Jyutsu-Ausbildung über fünf Monate ab dem 17. September 2019

Author: Oliver Bartsch

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