In dem Film „ Das Glücksprinzip“ ( USA, 2000) gibt es eine sehr berührende Szene: Der Lehrer Simonet hat ein entstelltes Narbengesicht, weil er als Kind von seinem Vater mit Benzin übergossen und angezündet worden ist. Aufgrund seiner Erfahrungen ist er ein zurückhaltender, sogar verbitterter Mann geworden und wird von seinen Schülern gehänselt. Mr. Simonet lernt die schöne Mutter eines Schülers kennen und verliebt sich in sie. Nach einem gemeinsam verbrachten Abend fragt ihn die Frau vor der Haustür, ob er sie in ihre Wohnung begleiten möchte. Er verneint und die Frau reagiert verunsichert.

Trotzdem entwickelt sich die Beziehung zaghaft und irgendwann sieht man die beiden doch zusammen im Bett. Die schöne Frau sitzt rittlings auf ihm und zieht sich mit einer selbstverständlichen Geste ihr T-Shirt aus. Daraufhin knöpft er langsam sein Hemd auf. Der Zuschauer wird durch diese Gesten eingestimmt auf die sich anbahnende erotische Szene. Deshalb rechnet er nicht damit, was jetzt kommt: Als Simonet sein Hemd öffnet, kommen sehr unansehnliche Brandnarben zum Vorschein. Selbst wenn man aufgrund seines Gesichts damit rechnen musste, dass sich seine sichtbaren Brandnarben auch am Körper fortsetzen werden, so ist man doch einigermaßen erschrocken über den Anblick, der sich nun bietet. Simonet legt nun seinen Oberkörper frei.

Dann nimmt er vorsichtig die Hand seiner Geliebten und legt sie auf den entstellten Bereich. Sie beginnt ganz vorsichtig, diesen zu streicheln. Und genau in diesem Moment geschieht es: Das Entstellte, das Unansehnliche, das Hässliche – es gewinnt unter der Liebkosung an Schönheit. Der Mann, dem jetzt so viel Zärtlichkeit widerfährt, wird plötzlich schön mit seinen Verletzungen. Gerade weil er sich so zeigt, wie er ist, hat er nun seine ganz eigene Würde. Nicht jeder Mensch hat solche sichtbaren Narben. Aber viele haben unsichtbare. Sie glauben, damit etwas „Abstoßendes“ an sich zu haben, das sie unter keinen Umständen zeigen können, und deshalb verstecken sie es. Sie wissen nicht, dass sich ihre „hässlichen“ Seiten unter dem Blick eines liebenden Menschen in Schönheit verwandeln …

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