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In der Signaturenlehre geht es um die Kunst, die Zeichen der Natur zu deuten. Gerne wird sie mit vereinfachten Formeln wie „gelbe Pflanzen sind gut für die Leber und blaue gut für die Augen“ als unwissenschaftlicher, dummer Irrglaube unserer Vorfahren abgetan. Dabei kann man sich mit Hilfe der Signaturenlehre tatsächlich anhand bestimmter Eigenschaften der Pflanze ihr Wesen, ihre Wirkung und ihre Einsatzmöglichkeiten als Heilpflanze erschließen.

Grundlage der Signaturenlehre ist ein Weltbild, das von wechselseitigen Entsprechungen auf allen Ebenen des Daseins ausgeht. Damit greift es auf eine uralte Weisheit zurück: „Wie oben, so unten. Wie innen, so außen.“ Bestimmte Prinzipien, kosmische Grundideen finden sich in allen Naturreichen wieder: in den Pflanzen und Tieren, in Metallen, Edelsteinen usw. Im Menschen zeigen sie sich in seinen Organen und Körperfunktionen ebenso wie in seiner seelisch-geistigen Verfassung und seinem Charakter. Die Signaturenlehre ist ein uralter Weg der Heilpflanzenerkenntnis und die Grundlage unserer traditionellen Pflanzenheilkunde. Heute erschließt sie uns alte und neue Wege zu einer wahrhaft ganzheitlichen Heilkunde, die nicht nur Körper, Geist und Seele des Menschen umfasst, sondern auch seine Umwelt. Sie hilft uns, das Wesen der Pflanze und ihre Heilkräfte zu verstehen und eröffnet uns eine ganzheitliche Sicht auf unser Leben als Teil der Natur.

Abendländische Kosmologie

Das Weltbild der Signaturenlehre ist unsere traditionelle abendländische Kosmologie, so wie sie uns z.B. in den Werken von Paracelsus erhalten geblieben ist. Wir finden sie auch in der griechischen Mythologie, in der Astrologie und in den esoterischen Lehren der Rosenkreuzer wieder. Kosmologie und Mythologie sind Systeme, die uns helfen, die unerklärbare komplexe Wirklichkeit zu erfassen, uns darin zu bewegen und zu handeln. Traditionelle Heilmethoden wie der Schamanismus basieren auf ihrer jeweiligen Kosmologie: mit bestimmten Handlungen und Materialien wird auf dem Wege der Entsprechungen geheilt. Die Signaturenlehre kennt als alles durchdringende Prinzipien unseres Kosmos in erster Linie die sieben bereits im Mittelalter bekannten Planeten des Sonnensystems: Mars, Venus, Merkur, Jupiter, Sonne, Mond und Saturn. Diese Planeten-Archetypen finden sich mit ihren Eigenschaften in unendlicher Vielfalt an Kombinationen in der Natur wieder. Man erkennt sie z. B. an Farben, Formen, Konsistenz, Geruch und Geschmack. Wer mit diesen Charakteren vertraut ist, der vermag auch, sie in den Pflanzen zu sehen und sich dadurch dem Wesen der Pflanze zu nähern. Unter Berücksichtigung der Verbindung der verschiedenen Naturreiche kann die Beobachtung der Natur auch zum Weg der Erkenntnis werden. Die Deutung der Signaturen einer Pflanze erklärt uns viele Anwendungsgebiete auf besondere Weise und erweitert unsere Möglichkeiten, ihre Kräfte für unser körperliches, geistiges und seelisches Wohlbefinden und auch für unsere spirituelle Entwicklung zu nutzen.
„Denn der Saturn ist nicht allein im Himmel, sondern auch am Grunde des Meeres und in den tiefsten Höhlen der Erde. Nicht allein im Garten ist die Melissa, sondern auch in der Luft und im Himmel. Was meint ihr ist Venus sonst allein als Artemisia [Beifuß]? Was Artemisia als allein Venus? Was sind sie beide? […] und der einzige Unterschied ist durch die Form gegeben und durch nichts weiter.“ (Paracelsus I:424).

Melissa im Garten

Die Zitronenmelisse ist auf den ersten Blick eine recht unscheinbare Pflanze. Aber ihr erfrischender Geruch und Geschmack machen sie sehr beliebt. Bei eingehender Betrachtung sieht man ihre edel gesägten Blätter, die zarten weißen Blüten und die eifrig aber gemütlich summenden Bienen, die sie so zahlreich besuchen und sich mit ihrem Nektar wohlig verköstigen. Was für eine schöne Arbeit muss das sein, von einer zauberhaften Blüte zur nächsten zu fliegen, balsamische Nahrung zu sammeln, in himmlischen Düften zu schwelgen… – und die Blüten derweil zu bestäuben, die eine mit der anderen zu vermählen, auf einer Hochzeit nach der anderen zu tanzen…

Das Venus-Prinzip

Das lateinische Wort Melissa heißt Biene. So hat man die Melisse schon ihrem Namen nach von jeher in besonders enger Beziehung mit den Bienen gesehen. Beide verkörpern denn auch das Venus-Prinzip. Venus gilt als Planet der Regeneration. Sanftheit, Erholung und Wohlbefinden sind ihre Attribute. Frisches saftiges Grün, edle Formen, zarte Farben, angenehme Düfte einer Pflanze zeugen von ihrem Einfluss. Die Melisse ist wohlbekannt als nervenstärkendes Mittel bei allen nervösen Beschwerden, seien es Magen-Darmstörungen, Herz-Kreislaufbeschwerden, Schlafstörungen oder allgemeine Unruhe. Die Melisse kann uns das Venus-Prinzip vermitteln, kann uns daran erinnern, dass es mitunter Zeit ist, anzuhalten, die Schönheit des Lebens zu schauen, zu genießen, zu kosten.
Ein Trank mit Zitronenmelisse erfrischt mich. Ich fühle mich rein und klar, entspannt, aber nicht müde. Ein sanftes freundliches Lächeln zaubert sich auf mein Gesicht, denn Ausgeglichenheit macht sich in mir breit.

Der Venusgarten

Die Signaturenlehre sieht eine Verbindung zwischen der Venus und den Nieren, die nach traditioneller Auffassung nicht nur die Aufgabe haben, unser Blut zu reinigen, sondern auch das Gehirn bei der Verarbeitung von Sinneseindrücken zu unterstützen. In einer Welt der absoluten Reizüberflutung sind unsere Nieren in dieser Hinsicht zumeist überfordert und wir sehnen uns nach Beschaulichkeit und Schönheit, einem Venusgarten, wo wir uns erholen können und neue Kräfte sammeln. Auf einer höheren Ebene ist die Venus verbunden mit dem Herzen, mit der Liebesfähigkeit und auch der sozialen Kompetenz. Das Herz als Sitz der Seele ist das Zentrum des Ich-Bewusstseins, hier finden wir unsere eigene Wahrheit und den Weg unseres Herzens, im Einklang mit dem Kosmos. Venuspflanzen können uns helfen, einen harmonischen Umgang mit uns selbst und mit anderen Menschen zu pflegen und auch unser Herz zu öffnen für eine Liebe, die mindestens die Weiten des Himmels umfasst.

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