Afrikas Erfolgsmodell Botswana hat seine Diamantenvorkommen genutzt, um eine gerechte und relativ wohlhabende Gesellschaft aufzubauen.

Botswana ist Afrikas älteste und wahrscheinlich erfolgreichste Demokratie. Das Land ist nachweislich der am wenigsten korrupte Staat in Afrika, sorgt für eine vergleichsweise gute Bildung und hat ein kostenloses Gesundheitssystem. Was läuft im Erfolgsmodell Botswana gut, was in anderen Ländern in Afrika nicht funktioniert?

Um den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Erfolg Botswanas zu erklären, muss man bis zum Gründungstag zurückgehen, dem 30. September 1966. An diesem Tag erklärte der Staat seine Unabhängigkeit von Großbritannien. Die Flagge besteht aus fünf waagerechten Streifen – blau, weiß, schwarz, weiß, blau. Blau steht für Himmel und Wasser, Weiß und Schwarz für verschiedenen Hautfarben, die in Botswana friedlich zusammenleben sollen. Das Ziel: Wohlstand und Gleichberechtigung.

Wohlstand und Gleichberechtigung sind heute verwirklicht, und das bei denkbar schlechten Voraussetzungen. Es gibt keinen Zugang zum Meer, was den Handel erschwerte. Dazu kommt, dass es überhaupt nur wenig gab, was man exportieren konnte. Weniger als ein Prozent der Landesfläche eignet sich zum Ackerbau. Die Wirtschaft lag damals am Boden, die Bevölkerung hungerte. Außerdem setzte sich der künstlich erzeugte Staat aus einer Vielzahl von Königreichen zusammen mit reichlich Konfliktpotential.

Heute ist Botswana Afrikas Erfolgsmodell:

  • Im weltweiten Anti-Korruptions-Index von Transparency International belegt Botswana den 34. Platz und schneidet damit besser ab als Polen, Spanien und Italien.
  • 1966 gab es in Botswana sechs weiterführende Schulen, die von drei Prozent der Kinder besucht wurden. Landesweit verfügten 30 Personen über einen Hochschulabschluss. 2014 besuchten fast 90 Prozent der Kinder eine Schule. Bildung ist für die allermeisten gratis, von der ersten Klasse bis zur Promotion. Die Ausgaben für Schulen und Universitäten belaufen sich aktuell auf 29 Prozent der Regierungsausgaben – der mit Abstand größte Anteil.
  • Das Gesundheitssystem ist für die Bevölkerung ebenfalls gratis. Laut Unicef ist für 84 Prozent der Bevölkerung der nächste Gesundheitsposten weniger als fünf Kilometer entfernt – eine enorme Leistung für ein Land, das größer ist als Frankreich und weniger Einwohner hat als Berlin.
  • Im Demokratieindex der britischen Zeitschrift The Economist belegt Botswana den 28. Platz – vor Frankreich, Belgien und Italien. Berücksichtigt werden Wahlprozesse, die Funktionsweise der Regierung, politische Teilhabe, die politische Kultur und Bürgerrechte.

Botswana steckt sein Geld, das es durch die extrem ertragreichen Diamantminen einnimmt, die 90 Prozent der Exportbilanz des Landes ausmachen, in Schulen, Krankenhäuser und Straßen. Dass Botswana vom Ressourcenfluch (eine Abwärtsspirale von wirtschaftlicher Ungleichheit, grassierender Korruption und politischer Instabilität) verschont blieb, liegt daran, dass das Land bereits seit seiner Unabhängigkeit strategisch in Bildung, Gesundheit und Infrastruktur investiert – und das, ohne eine Gruppe oder Region zu bevorzugen.

Der letzte Krieg in Botswana fand 1852 statt. Seither herrscht Frieden. Polizisten patrouillieren unbewaffnet, und die Armee wird lediglich zu Beobachtermissionen eingesetzt. Botswana ist wegen der guten wirtschaftlichen Entwicklung gelungen, was in anderen afrikanischen Staaten gescheitert ist: Die relativ heterogene Bevölkerung ist dank der klugen Investitionen zusammenwachsen und hat ein Nationalgefühl entwickeln können.

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